Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- Seite 443 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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443 freuten, bei Pole in ge gebrochenen in die weite )en Weiden ihn, und e rechten Ohl emporkroch n, bemt de ebte, kneipte und aufgc Hl, das lvi Unabänder Lr war de unweit de )on hunder Paris geleb er bisweile' Auf de ll, Pistolen mysteriöse! 'chwatzte voi er nicht di!e Gedanken Ä)st elegant r hebräische Norging, di-, len, die ihn ) aber wa kam. Si der rothei t tiefblauen iher in de ill Wildbach die Kuud> g unter den Sie hielten den dutzend nisurgenlten Wir kulnen een hofften;te, daß e nicht wiederkommen würde. Aber er kam auf etliche Stuilden und verschwand dann wieder auf Tage. Elldlich blieb er wirklich aus, aber Fanny war mit ihm davongegangen. Der Holländer erzählte es uns mit Thränen in den Augen; er hatte Fanny geliebt, auf seine Art natürlich, auf niederländisch, ohlle Feuer, aber mit Genügsamkeit und Ausdauer. Wohin war er gekommen? Zu Langiewicz, hieß es zuerst, mit dem er lällgst in Verbindung gelvesen lvar, der ihm geheime Ageutell geschickt hatte, jene Besucher, welche von Fanny verleugnet worden waren, wenn sie uns mit ihrem schnippischen „Auf der Klinik" davon geschickt hatte. Aber Langiewicz wurde nach klirzer Herrlichkeit mitsammt seiner Freundin Pllstowojtow und seinen Insurgenten abgefangen, unter denen weder er noch Fanny sich befand. Da regte sich, Niemand wußte warum, ein böser Verdacht. Vielleicht war er ein russischer Spion gewesen .... vielleicht. Das viele Geld, das er gehabt; die eleganten Kleider, die er getragen; das Geheimniß, mit dem er sich umgeben. Ja — nein. Tie Einen glaubten es, die Ander!! nicht. Was Hütte er ailsspioniren sollen? Die Stellung des Langiewicz, der von dem General Schachowskoi umzingelt wurde. So hätte er das Vertrauen, das er bei seinen Landsleuten und bei dem kurzlebigen Diktator von Miechow genoß, an die Russen verkauft? Ja — nein. Es ist eines Tages, nicht lange nachher, doch eine traurige Klarheit in die Sache gekommen, als nämlich Fanny zurückkehrte und sich dem Holländer, den sie noch im Erkerstübchen fand, schluchzend an den Hals warf. „O," jammerte sie, „wenn Sie wüßten, wie er umgekonunen." „Wie denn?" „An einem Baum haben sie ihn aufgehenkt, so hoch, daß man fast nicht hiuanblicken konnte. Hu — wie mich schauert!" „Wer hat ihn aufgehenkt?" „Die Hünge-Gendarmen, vier an der Zahl. Sie hatten ihm aufgelauert auf der Landstraße; wir fuhren auf einem leichten Wägelchen zwischen Modrzejow und Czenstochau, da hielten sie uns an, und einer von ihnen zeigte ihm ein Papier, bei dessen Anblick er erblaßte, daß kein Blutstropfen in seinem Gesichte blieb. Er schrie sie an, aber sie rissen ihn vom Wagen und schleppten ihn eine Strecke bis zu dem Baum. Und dort ist es geschehen." „Er war also ein Verrüther?" Fanny bedeckte die Augen mit beiden Händen und sank vordem Holländer an die Erde. „Hat er noch etwas vor dein Sterben gesprochen?" „Ich weiß es nicht; ich saß wie versteinert im Wagen und starrte auf ihn hin. Dann hieb der Kutscher auf die Pferde ein und wir rasten davon. O, das grausige Bild wird mich niemals verlassen; ich werde ihn immer, bis zu meiner Todesstunde, so sehen — zwischen Himmel und Erde." Der Holländer fuhr mit den laugen, mageren Fingern dem Mädchen beruhigend über die blonden Haare; er hielt ihr eine lauge Rede mit hebräischen und arabischen Citaten und vermuthlich arich mit ausgiebiger Moral; sie hörte ihn in ihrer Zerknirschung lautlos an. Das ist die Geschichte, die mir damals bei der Nachricht von dein Tode des Laugienücz so jählings in das Gedüchtniß kam. Sie hat vielleicht manche Lücken; die aber könnte nur der Holländer ausfüllen, der jetzt ein sehr angesehener Professor der Orientalin an einer Hochschule seines Heimathlandes ist. Wie verschieden sich die Menschenschicksale gestalten! U Sommernacht im Schwarzwald.^ Von Henriette Hirschberg. glänzt der Schwarzwaldstannen Grün! Silberne Wölkchen am Himmel ziehn. Und durch die würzige Sommernacht Ziehet der Mond seine Streife sacht. Stille ringsum; durch des Wanderers Sinn Zieht, gleich den Strahlen, Erinnerung hin: Schwabenlands Geister, sie sind erwacht. Weben und schweben in leuchtender Nacht. — Horch, welch ein Klingen die Lüfte durchrauscht! Schau, wie dem Singen der Schwarzwald lauscht: An stimmt ein zitternder Geigenklang Zions uralten, heiligen Sang! Kol nidreh durch den Schwnrzwald rauscht. Still bewegt ihul ein Wanderer lauscht — Ein deutscher Geist, ein jüdisch Gemüth — Dein deutschen Walde, dem jüdischen Lied! Kol nidreh! süß dringst du ins Ohr. Aus dem Aug' quillt die Thräne hervor: Juda's Trauer und Juda's Glück Zaubert dein Klang vor der Seele Blick. — Rings durch die duftende Sommernacht Ziehet das Lied seine Kreise sacht: Kol nidreh — der Klang verhallt, — — Leise rauschet der Tannenwald. U Fittrrarische Mittheilungrn. Ein interessantes Buch wird demnächst aus dem Nachlasse eines zu früh Verstorbenen erscheinen, das als eine werthvolle Bereicherung der Litteratnr über Jehuda Halevi zu betrachten ist. Es führt den Titel: „ A b u l -H ass an - L i eder. (Nach Jehuda den Halevi.) Bon Dr. Bernhard Löwenstein, weil, Rabbiner und Prediger zu Lemberg" — und enthält eine Reihe vorzüglicher Uebersetzungen und freier Nachbildungen der Lieder Jehuda Hnlevi's. Das Buch erscheint im Berlage von Moritz Perles in Wien. Es geht demselben auf Wunsch der Erben eine Einleitung aus der Feder des Redakteurs dieses Blattes voraus, die folgendermaßen lautet: Ein Geleitwort. Unablässig klingt mir die Weise im Ohr . . . Mir ist, als batte ich sie heute, ja eben vernommen . . . : „Ich will meinem Freunde singen das Lied meiner Liebe!" ... So klang es, lieblich und weich, dann immer anwachsend und immer stärker — Frühlingswehen und Lerchensang, Sturmesbrausen nnb Donnertou, dann mächtiger Posaunenklang. Aus dem Lied der Liebe ist ein Welteuhymnus der Menschheit geworden ... Es war die erste und einzige Predigt, die ich von Bernhard Löwenstein. von dem Dichter dieser Abul-Hassan-Lieder gehört habe. „Das Judenthum ein Gesang", so lautete das Thema, und des Dichters großes Wort: „Was unsterblich im Gesang sott bleiben, muß im Leben uutergehn" war das Leitmotiv jener gewaltigen Rede, deren Weisen mir heute noch, nach Jahren, im Ohre wiederklingen, da ich meinem Freunde das Lied seiner Liebe singen möchte. Ja, ein hohes Lied der Liebe zu seinem Judenthmu war auch Bernhard Löwenstein's Leben. „Rein und wahrhaft, sonder Makel — war sein Lied wie seine Seele." Und aus dieser Seele klangen von Jugend an herrliche Klänge hinaus in die Welt: Lieder des Glückes und der Liebe, Lieder der Sehnsucht und der Klage, der Hoffnung und der Freude, Lieder au Zion und Jerusalem, an Israel und die zu einer Bruderfamilie geeinigte Menschheit Der Grundton aber aller dieser; Lieder kehrte immer und innner zu seinem Volke und zu den heiligen ' l) Nach einer Mittheilung der Frau Professor Lazarus, die dort mit ihrem verehrten Gatten und mit Herrn Prof. Steinthal die Sonnner- > ferien verlebt hat.