Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- Seite 441 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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441 von etwa uge gaben und Aus- >at Jakob. Ihr mit ud unter- :onne, mit doch auf ver fo in rterredung s!" sprach iger Zärtite sie zu r. „Auch '.urüdtunft nn meine;eht, dann ure Gastlach einer che lesen!" Jünglinge i Denkers. 3cn ergoß , ehe die >nd. Der chgers ist. kräftige vild über :ben dem schwarzer st heranfehlendem es Haar, »enbet sich Erregung, will st doch rt er sie In ein sie ihre ch ihrem und und m Hanse;müse bezewandelt gem Absonst ge- [e Stelle, war ind da am Himmel. Doch hell erglänzte noch der Mond. Ein Wind erhob sich und jagte die Wetterwolken vor sich her. Da ward das Gesicht des Mondes bedeckt. — Plötzlich vernahm Tuns ein Geräusch im Walde. „Er wird's sein," murmelte er vor sich hin. Ein knochiger, bartloser Gesell stand vor ihm. Mit großen Augen glotzte er Tuns an und fragte geheimnißvoll: „Also heute?" „Ja." flüsterte Titus, „ich habe richtig vermuthet, sie gehen nach Delbrück zum Markt." „Und der Andere?" fragte der Bartlose. „Der Andere, der geht mit ihm ... Ich weiß nicht, ob er wiederkonnnt." „Schlimm!" sprach der Bartlose. „Gut, Rolf, sag ich," versetzte Tüns, „gut, sehr gut!" „Warum?" Er setzte sich näher zu Rolf, tuschelte ihm halbe Worte ins Ohr, „Hab ich recht?" schloß Tüns. „Recht, recht! Nun wollen wir's noch einmal versuchen. Wer fängt an? Du!" Tüns zog sich zusammen; mit schauspielerischer Geberde blickte er hinter sich und sprach mit verstellter Stimme: „Ich sag Euch, Markus, sie sind hinter uns. Ei weih, mein Chaies!" „Schrei nit so, Reb Chajim," brachte Rolf ebenso kunstvoll hervor, „Ihr seid meschugge, Ihr habt More vor Eurem Schatten. Schtikeh, Reb Chajim, Schtikeh!" Die Beiden lächelten sich selbst Beifall zu. Dann verließen sie den Garten. (Fortsetzung folgt.) Wtx Stern von Iion. Eine historische Erzählung von L. Tarnowski. (Schluß.) Da stillte Esther plötzlich ihr Weinen, und stand auf mit freiem Gesicht, das der letzte Strahl der Abendröthe wie mit himmlischer Glorie bestrahlte. „Lästre nicht," rief sie mit feierlicher Stimme; „Du möchtest sonst die Rache des Himmels auf Dein Haupt rufen, das sich noch im Greisenhaar geschändet hat durch den Helm der heidnischen Roma. Wisse, Du steinerner Priester der kalten Vernunft, der Du die Herzen verdammst, ohne sie zu kennen, wisse, daß Esther ihre Pflicht nie vergaß und daß sie nicht treulos ward ihrem heiligen Glauben. Höre ein Geheimniß, das ohne Dein Erscheinen mit Esther und Bar-Kochba unentdeckt ins Grab gesunken wäre; höre: Esther ist die rechtmäßige Gattin des Königs Bar-Kochba. Jetzt gehe; mit dem Römer hat Esther nichts zu schaffen." Sie setzte sich wieder und aufs Neue flössen ihre Thränen; Samaja aber stand wie vom Donner gerührt, keines Wortes, keiner Bewegung inächtig; beschämt und erschüttert im Innersten der Seele. Lange dauerte es, ehe er sich erholen konnte, daun aber trat er näher, kniete nieder vor der weinenden Frau und bat mit aufgehobenen Händen: „Verzeihe mir, Du Hohe, Reine. Ich habe Dir schrecklich wehe gethan; verzeihe, ich habe furchtbar an Dir gesündigt und au dem armen Bar-Kochba!" Esther gab ihm die Hand, die er erfaßte und heftig küßte, als wäre sie eine heilige Reliquie, dann aber erhob er sich und sprach: „Nun komm, armes Kind, Du bist Wittwe; Du bist stark im Herrn, um alles Schreckliche zu hören und zu tragen; Dein edler Gemahl starb den Heldentodt; auf den weiten Feldern von Mizpa ist Israels Hoffnung und sein ganzes Heer im Blute gebettet zu ewigem Schlafe; die Römer werden bald da sein mit Mord und Brand; raffe schnell das Wichtigste zusammen; ich rette Dich und mich an die Küste; bei Raphia liegt ein Schiff, das uns nach Griechenland bringt." Esther zog den Schleier vom weinenden Antlitz, und eine flüchtige Röthe flog darüber hin. „Geh," sagte sie mit dem Ausdruck einer Herrin, „geh, Vater, ich werde noch irre an Dir. Meinst Du, ich würde feig entfliehen, da mein süßes Leben bei Mizpa verblutet ist? Bin ich nicht des Königs treues Weib, das Glück und Unglück theilen soll mit ihm und den Seinigen? Nein, Vater, ich harre hier aus, bis ich mit der brennenden Stätte meines Glücks vergehe, oder bis ein Römerschwert mir die treue Brust durchbohrt. Das schwöre ich beim Gott unserer Väter! In diesem Augenblick leuchtete ein Heller Feuerschein ins duukle Gemach und wildes Getümmel hallte aus der Ferne herüber. Entsetzt fuhr Samaja empor und schrie: „Gott, die Unterstadt brennt schon lichterloh! Die Römer sind schon in Jerusalem. Esther, komm, flieh mit mir! Oder ich sterbe mit Dir!" Gleichgiltig sah die liebliche Frau in den beginnenden Greuel der Verlvüstnng und ihr Auge strahlte bereits im Glanze seliger Verklärnng. „Gott hat meinen Schwur gehört," lispelte sie mit sehr schwacher Stimme, „aber Du darfst hier nicht sterben; Du mußt, um Esthers Ehre nach ihrem Tode auch vor der Welt zu retten, verkünden, was ich Dir entdeckt habe. Siehe, ich bin die Königin von Israel, vom Mvrdbrande ihrer Hauptstadt beleuchtet, von dem Wüthen der Heiden umtobt, die ihre treuen Kinder morden. Siehst Du, Samaja, die Königin darf nicht fliehen im Augenblick der letzten Noth. Aber siehst Du auch, daß dort die Lichtgestalt meines Bar- Kochba über Jerusalem heranschreitet? Ja, Geliebter, Ster» von Zion, das ist Dein schönes Haupt mit dem Sternendiadem, das leuchtet heller als das Mordfeuer; das ist Dein dunkles Auge, das in endloser Liebe strahlt; — Stern von Zion — das bist Du selbst!" Hier hatte der Engel des Todes die Dulderin umfangen in der freundlichen Gestalt ihres Gatte»; sie sank todt in des verzweifelten Samaja Arme. Der stand einen Augenblick wie vernichtet; dann stürzte er hinaus ans die Straßen, die seine Kameraden schon mit Blut und Flammen erfüllten.! x. Die Schlacht bei Mizpa und der Tod Bar-Kochba's hatten Israels! Schicksal entschieden. Wie wahre Würgengel durchrasten die Römer jetzt ohne Widerstand das unglückliche Läudchen. Simon hatte neuerdings ein Heer zusammengerafft, aber der Muth fehlte; er durfte kein : Treffen wagen und mußte sich, aufs Aeußerste gedrängt, mit dem; Kern seines Hansens in das feste Gaza werfen, in die Wiege der i Empörung. Hier hätte er sich gegen Tinnius Rufus lange halten! können, wen» ehrliche Waffengewalt das Spiel allein gehabt hätte. So aber — erzählt der griechische Chronist — führte ein Judeittveib, 1 die dem alten Feldherrn spinnenfeind war, die Römer auf verborgenem Wege, der aus einer Höhle des Samsousberges in die Stadt ging, in die Veste hinein, wo der Befehlshaber lebendig gefangen, die ganze Besatzung aber niedergehauen wurde. Meine Leser ahnen, daß dies; Weib Niemand anders war, als Thirza von Kalirrhoe. Der fromme Rabbi Akiba ward in schweren Fesseln nach Rom gebracht und dort nach grausamer Marter getödtet; mit seiner Verhaftung war der jüdische Krieg beendet. Judäa wurde nun anfs Neue und härter bedrückt als früher, und für alle Zeiten ward den Juden bei Lebensstrafe der Aufenthalt in Jerusalem verboten. Die Juden, erbittert über ihr Elend, nannten aber den Messias, der sie unglücklich gemacht, nicht mehr Bar-Kochba, Sohn des Sterns, sondern Bar- Kosba, den Sohn der Lüge.