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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-15 · Heft 37 (15.9.1893) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 37 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 436 (sequence 6)
Language
German
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4)6 Briefe aus Amerika. Von Professor Dr. G. Deutsch in Cincinnati. Interkonfessionelle Verhältnisse. III. Ehe ich diese Briefe schließe, sei es mir gestattet, einige Vorkommnisse des jüdischen Lebens ans letzter Zeit kurz zu berichten. Das Schabuothfest ist ein Glanzpunkt des amerikanischeil Gemeindelebens durch die Konfirmation, welche Knaben mrd Mädchen umfaßt. Der Besuch der Tempel an diesem Tage kann dem des Versöhnnngstages an die Seite gestestt werden und rekrutirt sich auch aus den orthodoxesten Kreisen. Was das Konfirmationsfest so bedeutend und wirksam macht, ist die Allgemeinheit seiner Verbreitung. Wo ein Haus nur irgendwie mit dem Judenthum zusammenhängt, werden die Kinder konfirmirt, während man bei uils in den großen Städten den Eindruck gewinnt, daß die Konfirmationeil nur für die reichen Leute bcstiinmt seien. Von hoher Bedeutung ist es auch, daß das Fest im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle spielt. Was die Familie an Bekannten zählt, versammelt sich bei ihr an diesem Tage. Ueberall sieht Ulan die Ausstellung von Geschenken, unter denen gewöhnlich eiil halbes Dutzend goldener Federn mit Halter von Perlmutter, einige Exemplare von Coopers Werken, goldene Hemdknöpfe und Kravattennadeln in so regelmäßiger Folge wiederkehren, daß der arnie Beschenkte nichts Anderes damit zu thun weiß, als sie wieder lunzutauschen. Ebenso obligat wie diese Geschenke ist das Aufwarten mit Gefrorenem, Wein und Torte. Wer zahlreiche Bekannte hat, lvird an diesem Tage Gefahr laufen, selbst 31t Eis zu werden. Bon der Feier in den Synagogen muß man sagen, daß sie den glücklichen Takt hat, die Konfirmandeil so viel als möglich selbst zu beschäftigen. Die Prüfung, die bei uns die Hauptsache ist, tritt in den Hintergrund, während die Theilnahme der Kinder iin Lesen der Gebete, im Vortrage von Gedenksprüchen, aber auch in der Vornah.ne des rituellen Theiles des Gottesdienstes besteht. Die Konfiriuanden sagen im Chor den Segensspruch, lesen abwechselnd Stücke aus der Thora, sprechen die Verse beim Ein- und Ansheben, kurz, die Schabuothfeier hat hier in reicherem Maße die psychologischen Motive benutzt, ivelche in dem alte» Ritual dem Simehat-Thora-Feste zu Grunde lagen, mit dem Unterschiede, daß auch die Mädchen in dem einbegriffen sind. Mädchen tragen die Thorarollen herum, sprechen das Hallet und andere Responsvrien vor, kurz, es herrscht volle Franenemanzipation in diesem Gottesdienste. Wenn »lau das dem seligen R. Jakob Eulden hätte Vorhersagen köniren, als er die stets gestillte Schaale seines heiligen Zornes über die chassidischen Wanderprediger Chajim Mehalech und Jehuda Chaßid ansgoß, lveil sie mit dem Sefer Thora in der Hand in der „Weiberschul" predigten! Einer meiner skeptischen Freunde bemerkte zivar, daß die weißen Kleider und die Geschenke die Hauptsache bilden, aber ich kann doch mich der Ueberzengung nicht verschließen, daß diese Feier, mit der Synagoge so enge verknüpft, dazu beitragen müsse, die Heranwachsende Generation dem jüdischen Gemeindeleben zu erhalten. Lassen Sie inich bemerken, daß manche Rabbiner alle ihre Konfirmanden besuchen und einer mir erzählte, daß er 35, sage fünfunddreißig, Besuche an diesem Tage geleistet habe, wobei, wie er sagte, es ein Glück sei, „daß man am Schabuothfest sich einesWagens bedienen dürfe"! Da man mir den Vorwurf machte, daß ich mit Bezug auf die wissenschaftliche Befähigung der amerikanischen Rabbiner zu schwarz sehe, möge es mir gestattet sein, aus einem Artikel des „American Israelile“ vom 11. Mai „Tie Wichten des Rabbiners" Einiges zu eitiren. Der Versaster führt über den aller Orten cingerissenen Sensationalismus Klage, wobei es den Rabbinern nur darauf ankomme, in der nichtjüdischen Welt Aufsehen zu machen, ihre Kon kurrenten an die Wand zu drücken, innerhalb ihrer Gemeinde alt gute Gesellschafter zu gelten und den Anschein zu erwecken, daß fii auf allen Gebieten, mit Ausnahme der Religion, zu Hause seien. So kommt es, daß wir mit wenigen Ausnahmen keine rabbinischen Gelehrten unter uns haben und nur wenig Hoffnung, solche erzeugen zu können, welche mit ihren europäischen Kollegen einen Vergleich aushalten. Vor Allem fragen unsere Gemeinden sehr wenig nach wissenschaftlicher Bildung und besonders nicht nach jüdischem Wissen. Was sie verlangen, ist ein liebenswürdiger, amüsanter Redner aus der Kanzel, ein liebenswürdiger, gesprächiger Gentleman in Gesellschaft. Es macht ihnen keinen Unterschied, was er sagt, wenn er nur hübsch spricht. Wir hatten kürzlich ganz merkwürdige Erfahrungen in dieser Sache. Männer wurden ans die Kanzel erhoben rmd werden als große Kirchenlichter gepriesen, die kaum über das ABC jüdischen Wissens hinaus sind. Am Haarez ist Trumpf." So weit der amerikanische Rabbiner, zu dessen Schilderung ich mich nicht berufen fühle, etwas hinzuzufügen. Eine Sensation, die in das Bereich der geschilderten Uebelstände gehört und in den jüdischen Blättern des Landes sehr viel Staub aufgewirbelt hat, ist die Antrittsrede des Hilfspredigers an der Gemeinde Kneseth Israel in Philadelphia, I. Leonard Levy, eines geborenen Engländers. Das Thema der Predigt, die im Druck! erschien — es werden überhaupt hier zu Lande in Broschürenform und als Zeitungsartikel allwöchentlich mehr Predigten gedruckt, wie bei uns in einem Jahre — war „Priester und Prophet", wobei die Priester als die orthodoxen, gewinnsüchtigen und herrscherstolzen Volksbedrücker, die Propheten als die liberalen, selbstlosen und bescheidenen Volksaufklärer geschildert wurden. Das gab zunächst dem greisen Rabbiner der orthodoxen Sfaradim-Gemeinde Philadelphias, Sabbatai Morais, einem Italiener, der übrigens auch nur in der englischen Sprache predigt, Anlaß zu einer scharfen Replik, Aber am heftigsten wlirde von der äußersten Linken gegen den jungen Redner losgezogen, weil er seinen Kollegen den savior (Heiland) des Jndenthums in Amerika und einen modernen Propheten nannte. Die Leser werden jedenfalls ans diesem Vorfälle ersehen, wie viel man einem amerikanischen Publikum bieten kann, was ein europäisches nicht verträgt. — Zum Schluffe will ich noch eines Vorfalles erwähne», der bei seinem Bekanntwerden in Europa nicht verfehlen wird, großes Aufsehen zu machen. Der neuernannte Einwanderungskommissar für den New-chorker Hafen, Dr. S enner, früher Redaktions- Mitglied der New-Norker Staatszeitung, hat sich gegen die Zulassung russisch-polnischer Einwanderer erklärt, während fein Vorgänger Oberst John Weber, der in Europa ausgedehnte Reisen gemacht hat, um die Gründe der Auslvandernng zu studiren, in seinem offiziellen i Bericht die Grausamkeit der russischen Regierung unverblümt schilderte und die Zulassung der Juden empfahl. Dr. Senner wurde von deui Senator Chandler, dem Präsident des Senats-Ausschusses für Einwanderung, vernommen und einem scharfen Verhör unterzogen. Senator Chandler war schon als Mitglied der republikanischen Partei geneigt, an den Amtshandlungen des aus der demokratischen Partei hervorgegangenen Präsidenten Cleveland Ausstellungen zn machen. Die Republikaner, als Rativisten, sind der Einwanderung überhaupt nicht gewogen, und Herr Chandler machte kein Hehl daraus, daß er der Ansicht sei, nur ein Amerikaner solle die Eingangspforte Amerikas bewachen. Unter den Fragen, die er dem Einwandernngskommissar vorlegte, war auch die, zu welcher Religion dieser sich bekenne. Die Antwort lautete: „Ich bin ein Christ." „Sind Sie jemals ein Jude gewesen?" „Ja, aber vor langer Zeit." „Bevor Sie in dieses Land kamen?" „Ja!" Nun wagte der Herr Kommissar die Frage, warum der Herr Senator sich für seine religiösen Anschauungen so sehr interessire. „Wer davor runge aber bis zr Eile einer wurd welch weil wurd für Wäh! Prob Wah ist, n ich n Staa Ram Mov Gefa werd Die mach Beifc könnl fried des! und höchs Sch> Heer in > sowc krafl Vab gehe wall der Val durc prer Ma verk Bru stad Wo voir Verl

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