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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-08 · Heft 36 (8.9.1893) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 — verführt en über den Md verirrten! l und geistin cten verirrer: nt, daß wi uf christliche abgestoßenei -eile, sondert, den Christei her die Auf ct von Besit her ist: dm diese ehrlos, eide Parteier neu Sie der von Sozial esen Schluß ieselbe durck t das moOUi kes von der nen Prinzen rz von Lob. ter vor der s Politikers, tat allein ist seine Lehr. Dichtung zrr u dern des Blitzableiter, h zu rnacherr g smarter, uf der Nucken Unwohl- »ahnhofe in Dienerschaft -ren weilen, alb erschien ibter, einige Die Aerzte handle urrd ich bald erzu sich urrd ther an. — rde in der i Garnison )en. Ties- )lonrre verld gestattet e Soldaten en dürfen, ch für die en so auf v. 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Wir Katholiken haben aber besonders in unseren Tagen alle Ursache, der göttlichen Vorsehung zu -ankeu, daß dieses überall zerstreute jüdische Volk sich noch erhalten hat, i enn wenn es dieses Volk nicht gäbe, so würden schon längst viele gleichiltige Christen im Namen einer gewissen antichristlichen Aufklärung die nvunderungswürdige Geschichte des Menschengeschlechtes in der Zeit des lten Testamentes, wie auch alle prophetischen Schriften für eine Lüge . nd einen Betrug der Priester erklären, wodurch in den Herzen vieler Millionen gläubiger Christen der Glaube an die heilige Kirche schon im undamente erschüttert und zerstört wäre. Wir thun daher gut daran, . itd) in Zukunft die alten guten Grundsätze unserer Vorfahren festzuhalten : nd werden in diesem Sinne aus das gläubige Volk wirken." Das antimitische „Deutsch. Volksbl." in München, welches das Rundschreiben nn Abdruck bringt, giebt dem Bischof den „wohlmeinenden Rath, sich e schneiden zu lassen!" * Telatyn, im September. Von hier, aus dem galizischen Bezirke iadworna, einem der Hauptherde der Cholera in Galizien, ist der N. Fr. Pr." ein Bericht zugegangen, der die traurigen kulturellen und mitären Zustände des Landes beleuchtet. Wir entnehmen daraus Folgendes: onnerstag Abends vernahm ich etwas in dieser Zeit hier Ungewöhnliches - die Töne eines lustigen Marsches. Von Neugierde erfaßt, ging ich ieser Musik nach und befand mich bald auf dem israelitischen Friedhofe, w ich Zenge einer sonderbaren Szene war Auf dem Grabe eines an holera unlängst Verstorbenen wurde ein Baldachin aufgeschlagen und aller demselben bei Gesang und Klang ein Paar getraut. Ich erfuhr amt, daß ein Waisenpaar für eine durch Sammlung aufgebrachte Summe ich zu dieser sonderbaren Hochzeit im Interesse der ganzen Stadt entchlossen hatte, und daß diese Hochzeit nach der Aussage eines Wunder- 4abbi die Stadt vor vielen Erkrankungen schützen werde, Am andern läge erkrankte die Frau, welche bei dieser Hochzeit den Hauptantheil ehabt hatte, und starb kürze Zeit nachher. Zwei um das Wohl der -tadt sehr bekümmerte jüdische Frauen wanderten sogar mit Scheeren ewaffnet von Haus zu Haus, um den Frauen die Köpfe kahl zu scheeren. Oele jüdische Frauen ließen nämlich ihr Haar über das gewöhnliche der vorgeschriebene Maß wachsen und müssen sich nun der erwähnten Prozedur unterziehen, um sündenfrei zu werden. Als Amulett gegen die Krankheit werden rothe Bändchen oder aus Palmen blättern geflochtene vingerringe getragen, fromme Sprüche werden über den Eingangsthüren ngebracht. Frarilrreich. * Paris, 1. September. Der bekannte Antisemit und Deutschenresser Drumont hatte in seinem Leiborgan, der „Libre Parole", ehrbare Frauen großer jüdischer Familien unfläthig beschimpft. Er wurde arauf von dem früheren Deputirten Camille Dreyfus in der Nation", wie er es verdient, als Elender gebrandmarkt. Drumont chickte nun Dreyfus seine Zeugen, denen dieser die Seinigen beeichnete. Das Duell wurde auf den 31. August, Nachmittags 3 Uhr ulgesert. Als Ort des Rencontres war der Thurm von Villebon ausrsehen, ein beliebter Duellplatz in der Umgegend von Paris. "Als Waffe vnrde der Sloßdegen gewählt. Dreyfus hat drei Wunden erhalten, ine am Oberarm, eine zweite in die rechte Brustgegend, nächst der lchselhöhke, und die dritte, eine tiefe Stichwunde in die Rippetlgegend. lbends lief in Paris das Gerücht um, daß das Duell am nächsten Morgen mit Pistolen wieder anfgenomnteu werden sollte. Das Gerücht beruhte insofern auf Wahrheit, als Camille Dreyfus die Fortü'tzung des Duells gefordert, Drumont indessen die erneute Forderung mit dem Bemerken abwies: „Für mich ist die Angelegenheit beendet." Der Zustand Dreyfus' ist ungefährlich. Rußland. ng. Warschau, 3. September. Einen unersetzlichen Verlust hat, wie wir bereits kurz gemeldet, die russische Judenheit durch den Heimgang des gefeierten Rabbi Naphtali Zewi Berlin erlitten 77 Jahre wirkte dieser gelehrte Mann in unserer Mitte. Wie segensreich war stets sein Wirken, das nur die Erhaltung der Gotteslehre war. Am Vorabend des ersten Tages des Monats Kislew im Jahre 5577 (1816) erblickte Rabbi Zewi Berlin in Mir (Gouvernement Minsk) das Licht der Welt. Im 14. Lebensjahre nahm ihn der Rabbi Jsac in Woloschin als Schüler auf. Dort legte er etnen unermüdlichen Fleiß au den Tag, der in ganz Rußland sprichwörtlich geworden war Im Jahre 1847 fing er an, der Jeschibah ,<u Woloschin Vorlesungen zu hatten; damals schon überzeugte man sich von seiner Bedeutung. Int Jahre 1850 übernahm Rabbi Naphtali Zewi die Leitung der Jeschibah, und hier ward ihm erst recht Gelegenheit geboten, eine segensreiche Thätigkeit zu entfalten. Die Zahl der Schüler, welche früher stets nur 70 -80 betrug, wuchs unter seiner Leitung schnell auf 500. Rabbi Naphtali Zewi hat 46 Jahre an der Jeschibah gelehrt, mit einer Hingebung, einem Fleiß und einem Eifer ohne Gleichen. Nichtsdestoweniger hat er durchaus nicht etwa seine Pflicht als Rabbiner der Woloschiner Gemeinde vernachlässigt. Von seinen zahlreichen Werken sei nur auf einige wichtige: „Haemek scluuilolr, „Mescliib dabar“, „Haemek dabar“, „Iinre Scheler“, „Metib Schir“ :c. hiugewiesen. In seinem Nachlasse fand man verschiedene Manuskripte, darunter eine Erklärung des „Sifri“, welche demnächst von dem Sohne des Verblichenert dem Druck übergeben werden wird. Auch war der Verstorbene Mitarbeiter verschiedener talnutdischer Lilteraturblätter. Der Schmerz, daß die Jeschibah vor Jahresfrist auf Anordnung der Regierung geschlossen worden, nagte an seinem Lebensmark; diesen Schmerz konnte er nicht überleben, und so hauchte er denn sanft und schmerzlos hier in Warschau, wo er seit zehn Monaten weilte, seine Seele aus. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in der Stadt. Sämmtliche jüdischen Geschäftsinhaber schlossen ihre Läden, und nahezu 5000 Personen geleiteten die Bahre nach dem Friedhof, wo mehrere Rabbiner Leben und Verdienste des Verblichenen in ergreifenden Worten würdigten. Amerika. n. Chicago, 31 August. Am 28. d. M. hat der Kongreß der Vertreter des Judenthums, der eine Sektion des all emeinen Religionskongresses der Weltausstellung bildet, begonnen. Das Programm der Vortrage ist folgendes: Montag, den 28. August, Tr. Jsaae M. W ise über: „Die Gottesidee im Judenthum", Dr. Köhler (New-Port) über: „Die Synagoge und die Kirche und deren gegenseitiges Verhältnis; in Beziehung auf ihre ethischen Lehren". Am Nachmittag desselben Tages Verhandlung über das Thema: „Was kann eine Organisation für das Judenthum thun?". a) Die S abbath - Schul - Bereinigung. Dr. S. Hecht von Milwaukee: „Ihr Nutzen". Tr. D. Philippson von Cincinnati: „Eine Sabbath-Schul-Btbliothek". Dr. B. Felsenthal von Chicago: „Das Studium der naehbiblichen Geschichte". Am Abend Dr. Sale von St. Louis über: „Der Antheil der Juden an der Erhaltung der Wissenschaften im Mittelalter", Dr. Silvermann aus Chicago über: „Populäre Jrrthümer betreffs der Juden"; an diese Themata schließen sich Diskussionen an. Am Dienstag, den 20. August, Professor Dr. Ri. Milziner von Cincinnati über: „Die Ethik des Talmuds" und von Prof. Dr. Deutsch über: „Eine faßliche Darstellung der Geschichte der Juden, so weit ihre Theilnahme an der Kultur der verschiedenen Nationen und der verschiedenen Zeitalter in Frage kommt", lieber das Thema: „Was kann eine Organisation für das Judenthum thun?" werden zu b) „Erziehung" sprechen die Herren Dr H. Berkowitz von Philadelphia; „Jüdische Abtheilung in dem Chataugua- Erziehungssystem", S. C. Gloridge von Jefferjon (Texas): „Jüdische Junge-Männer- und Kindervereinigungen". Zur Diskussion sind die Themata von Tr. S. Heller von New-Orleans: „Religiöse Erziehung der Juden in der modernen Zeit" und von Tr. Landsberg aus Nochester: „Die Stellung der Frau unter den Inden" gestellt. Mittwoch, den 30. August, Dr. A. Ko Hut aus New-Pork über: „Ethisches Jndenthum - tvelchen Nutzen hat es der Welt durch seine Lehren gewährt"; Professor H. Zirndorf von Cincinnati über: „Geschichte der Erziehung bei den Juden". Am Abend und am folgenden Donnerstag wird über folgende Themata Vortrag gehalten werden: Dr. Harris von New-Iork:

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