Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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9 semitismus, alias Geschäftsneid, einschmuggeln. Zwei hiesige jüdische Geschäftsinhaber werden in den Zeitungen schamlos angegriffen. Auch der hiesige Handels- und Gewerbeverein hat sich veranlaßt gesehen, gegen das Geschäftsgebabren der beiden Israeliten zu Felde zu ziehen. Wir haben nichts dagegen, daß man weiter poleunsirt, und überlassen es den beiden Israeliten, sich zu rehabilitiren, doch gestalten wir uns die Frage: Ist es dem betreffenden Verein ausschließlich darum zu thun, Israeliten an den Pranger zu stellen, oder ergreift derselbe auch die Gelegenheit, wirtlich gegen alle ''Auswüchse des Handelsstandes zu eifern? Eine Bemerkung des Präses genannten Vereins ließen darauf schließen, daß die Israeliten ganz allein geschäftlich ausgeartet seien — das ist aber entschieden unwahr! In jedem Falle sollte sich ein Verein mit so wohlklingendem Namen nicht dazu hergeben, den Antisemitismus zu züchten, der eine Schmach für die friedliche Musenstadt Bonn wäre. p'. Frankfurt a. M, 27. August. Heute fand in der Turnhalle des Philanthropius die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer im Großherzogthum Hessen statt. Trotz der ungünstigen Zeit hatten sich ea. 5o Mitglieder aus allen Theilen des Landes eingeftlnden. Der Vorsitzende erstattete den Rechenschaftsbericht. Gr konnte den Erschienenen die erfreuliche Mittheilung machen, daß in dem neuen, die jüdischen Verhältnisse betreffenden Gesetzentwurf die Forderungen des Vereins: definitive 'Anstellung, Pensionsberechtigung, Reliktenversorgung, Minimalgehalt, verwirklicht sind. Man gab sich der Hoffnung hin, daß der Entwurf die Sanktion der gesetzgebenden Faktoren findet. An Se. .König!. Hoheit den Großherzog wurde ein Huldigungstelegramm gesandt und des verstorbenen Kämpfers für die Schule und Lehrers Herrn Redakteurs Schmidt-Darmstadt in üblicher Ehrung gedacht. — Herr Schnder-Groß-Umstadt referirte sodann über: „Wie soll der Unterricht tm Gebetübersetzen beschaffen fetu?" Die ''Ausführungen des Referenten riefen eine lebhafte Diskussion hervor, die Sache war nicht spruchreif, die Diskussion wurde geschlossen und später die Herren Dr. Goldschmidt-Ofsenbach und Weinberg-Odernheim zu Referenten über dasselbe Thema mit der präzisirten Bezeichnung: „Die Methode des Unterrichts im Gebetübersetzen" für die nächstjährige Versannnlung bestellt. „Tie soziale Stellung des jüdischen Lehrers und wie kann er in derselben zur sittlichen Hebung seiner Gemeinde beitragen", war das Referat des Herrn Satomon-Sprendlingen benannt. In vorzüglicher Weife führte der Vortragende den jüdischen Lehrer in seiner Vielgestaltigkeit, als Mädchen für 'Alles vor. Lehrer, Vorbeter, oft noch Prediger, nicht selten Gemeindediener und — Inst not tonst — Schächter soll er sein und in Allem Vorzügliches leisten. Das Verhältnis; der Gemeinde, zu den Kindern, den Rabbinern, zu den Kollegen re. wurde erschöpfend behandelt. Die hohe Bedeutung des israelitischen Lehrers für die jüdischen Gemeinden, namentlich für die Landgemeinden, wurde trefflich hervorgehoben. Der Vortrag gipfelte in den Thesen: Die Stellung des jüdischen Lehrers ist im Großherzogthnm Hessen keine seiner Bedeutung entsprechende, die Vorbildung ist keine genügende. Um segensreich wirken zu können, muß der Lehrer eine unabhängige Stellung einnehmen: es muß deswegen mindestens definitive 'Anstellung, ein Minimalgehalt, Pensionsberechtigung, Reliktenversorgung und Trennung des Schlichtens vom Lehramte gefordert werden. Bon einer Diskussion des Referats wtlrde Abstand genommen: die letzte Forderung wurde vom Vortragenden zurückgezogen, um die Thesen Allen annehmbar zu machen lEin Theil der Versammlung huldigte leider hierin noch dem Opportunismus.) Dem D.-J. Gemeindebund wurde der Dank der Versammlung für seine auch diesmal durch materielle Unterstützung bekundete Förderung der Bereinsbestrelntngen ausgedrückt. Im Anschluß hieran machte Herr Marx- Alsheim auf die segensreiche Wirksamkeit des D.-J. Gemeindebundes aufmerksam und forderte alle Lehrer auf, dahin zu wirken, daß alle Gemeinden dem Bunde als Mitglieder beitreten Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 4. September. Es giebt nirgends komischere Widerspruche als bei uns in Oesterreich, dem Lande der Unwahrscheinlichkeiten. So hielt der hochgeborene Erbprinz Z den ko Lobkowitz am Sonntag in Aussig einen Vortrag unter dem Titel: „Was die Ghristlich- Sozialen wollen". Ter junge christlich-soziale Redner sprach viel über Ehriften und Auch-Ehristen, die er geschmackvoll als Juden-Ehristeu be-! zeichnete, jammerte über die Unterdrückung des Volkes durch die Fremd-; liuge. und schilderte in grellen Farben, wie dieses arme Volk durch die; liberalen Elemente — natürlich Freimaurer und Juden — verführt j werde. Nach einigen wenig liebenswürdigen Betrachtungen über den; Liberalismus wandte sich der Erbprinz zu den verführten und verirrten Arbeitern. „O gehen wir den armen Arbeitern, den so viel und geistig verirrten (sic!) Arbeitern zu Hilfe. Denn die geistig Verirrten verirren leicht Andere. Trachten wir, uns den Arbeitern zu nähern, daß tut,! auch auf diesem Gebiete der Lösung der Gesellschaftsfragen auf christliche; Basis gerecht werden und dadurch die von uns künstlich abgestoßenen Arbeiter wieder an uns heranziehen, nicht zu unserem Vortheile, sondern zu ihrent eigenen. (Beifall.) Der Haß gegen die besitzenden Christel wird von einer ganz bestiminten Seite geschürt, auf welcher die Auf merksamkeit des ttothleidenden Volkes von einer anderen Art von Best! abgelenkt wird, die für das Volkswohl noch viel verderblicher ist: dcn ist das mobile Kapital! Der Liberalismus muß sich auf diese ehrlos.; Weise die Sozialdemokratie als Freundin erhalten; zudem sind beide Parteien z geistig verwandt und stehen auf revolutionärem Boden. Nehmen Sie dei! Liberalen den Besitz, so haben Sie die herrlichsten Exemplare von Sozial demokraten! (Stürmischer Beifall.)" Prinz Lobkowitz hat in diesen Schluß sätzen den eigentlichen Plan der Aristokratie verrathen, den dieselbe durck den Anschluß an die christlich-soziale Partei verfolgt. Gegen das mobill Kapital wird gepredigt, damit die Auftnerksamkeit des Volkes von bei Latifundien abgelenkt wird. Es ist doch anberordentlich, einen Prinzen Lobkowitz über Unterdrückung klagen zu hören; der Erbprinz von Lob kowitz, der von den Inden unterdrückt wird und die Arbeiter vor bei Verirrung retten will — das ist eine sonderbare Spezies eines Politikers. Aber tu diesem Wahnsinn liegt Methode. Das mobile Kapital allein ist an allem Schuld, so rufen Erbprinz Zdenko Lobkowitz und seine Lehrmeister. Sie hoffen, der sozialen Bewegung eine andere Richtung zu geben; sie hoffen, daß es nicht in ihrem Hans, sondern in dem des Aachbars einschlagen wird. Ehristlich-sozial, das ist der Blitzableiter, durch welchen die 'Aristokratie das drohende Gewitter unschädlich zu machen glaubt. — Das Herrenhansmitglied Moritz Freiherr v.Königswarter, der bis jetzt in Trouville geweilt hat, wurde heute Abends auf der Rückreise nach Wien in St. Pölten im Kupee von einem schweren Unwohlsein befallen. Seitt Kammerdiener brachte ihn vom Westbahnhofe in einem Fiaker in das „Hotel Bristol", da die Familie und die Dienerschaft des Baron Königswarter auf seinem Gtlle Schebetau in Mähren weilen. Im Hotel langte Baron Königswarter bewußtlos an. Alsbald erschien dort der Jnspektionsarzt der Rettungsgesellschaft, Dr. Eisenstädter, einige Zeit daraus Primarius Dr. Bettelheim und Dr. Korauyi. Die Aerzte konstatirten, daß es sich tun einen schweren Ohnmachtscmfall handle und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß Baron Königswarter sich bald erholen werde. In der That kam Baron Königswarter bald zu sich und fühlte sich bedeutend besser. Diese Besserung dauert auch seither an. — Wie jedes Jahr, so hat auch diesmal unsere Kultusgemeinde in der Alserkaserne einen großen Saal gemiethet, in dem die hier in Garnison liegenden jüdischen Soldaten ihre Andacht verrichten werden. Diesmal werden die Soldaten nicht vereinzelt, sondern in einer Kolonne vereinigt ihren Einzug in das Gotteshaus halten. Der Vorstand gestattet auch gern, daß in diesem Betsaale, trotzdem er nur für die Soldaten bestimmt ist, auch Privatpersonen ihre Andacht verrichten dürfen. Viele 'Arrne, die nun wirklich nicht die Mittel besitzett, tun sich für die hohen Feiertage eigens einen Spnagogensitz zu miethen, können so aus eine ganz billige Weise ihre Andacht verrichten. — Am 29. v. M. ist in Preßbnrg Frau Karoline Horowitz im 87. Lebensjahre gestorben. Sie war die Wittwe des Rabbiners Lazar Horowitz, der durch 40 Jahre bis zu seinem im Jahre 1808 erfolgten Tode in Wien als Seelsorger gewirkt hatte. Die Leiche der Frau Horowitz ist heute früh um 0 Uhr ans Preßbnrg hier eingetroffen und beerdigt worden. Auf dein Centralfriedhofe hielt Rabbiner Dr. Güdemann der Verblichenen einen warmen Nachruf. — Gestern verschied in Pnrkersdorf die unter dem Natnen Ivan Gorinka wohlbekannte Schriftstellerin Frau Mathilde G oldst ein, Gattin des Bankiers Alexander (^olbftein. Erst vor wenigen Wochen erzielte ein von ihr verfaßtes Lustspiel im Jschler Theater einen großen Erfolg. * Körriggrätz, 1. Septbr. Der hiesige katholische Bischof Hais erließ vor Kurzem folgendes Rundschreiben: „Obgleich ich überzeugt bin, daß der gesammte ehrwürdige Klerus meiner Diözese sich an gar keiner gegen die Juden gerichteten feindlichen Agitation betheiligt, sehe ich mich dennoch genäthigt, meine warnende Stimme zu erheben, und im Falle, daß Jemand ohne l droscht i am n i id)t i e nett s renn e : icht k l testen a 15 t mt H! bende : 4;en u'fontH - anfeit,; enn n : lltige ewuni i (teil :; nd eil Rillio unda i ud) ii nd w mitis an A eschne r'5 lltdw R. I ntitcii : onnc - bi iefer w ick holet aller ann, zr chloss aabbi läge ehabt -tadt ewas diele ■Der i -K'oze uant >mge ugeb resset ntre arav Rat chickt eichn mges rsehk vnrd ine llchse Iben lUor nicht a'tzur mit i Ter