Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- Seite 431 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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tb ffnoolier |eit am Hos bi noch kein iebesflnmnie» entlich einerblickte. I» aderen Wcl> les nmgiebl Dnst diesee Orte stehcir i Gegenstand dem Volk Lächeln, hlossen, nichi chtigt Haber zu beachten, )en gcgrnstt dann »ich! »ses zu be da sah fij )cr ihr eil ihren Rosentapfer und 'ei war auch men, welche ) verbotener Prügel als ii aus dem verbiß die ihm widere zu nehmen, der Rabbi mutm nicht Ausführung nüsse. Und :r Zeit nüm- > Schlauheit, , Königs in 31t seinem teil Freund ngsgeschäste ein. Nun Pfeile gegen schleudern König eim besprach am ungeheuer^ )er Zauber se Anklagen n so lange. Versprechen )en ferneren 1 der König 'ß er, sich der Rabbi, 't, ein Behatte. daher Tags venig überuischt und wunderbar betroffen, als er die imposante, Respekt einüößende Gestalt des Rabbiners erblickte. Der hohe Wuchs des j Körpers, der feine bis zum Gürtel herabwallende Silberbart, die i klaren, feuersprühendeu Augen, welche wie geschaffen schienen, in die; «Geheimnisse der Natur eiuzudringen, verliehen ihm das Aussehen ' ines jener ehrwürdigen Patriarchen, welche als Priester in dem; Heiligen Tempel der Menschheit täglich und stündlich den Dienst -Lottes verrichteten. Der König näherte sich ehrerbietig grüßend dem Rabbi und prach: „Euer Ruf als gottesfürchtiger Mann, dem die Geheimnisse , er Natur erschlossen sind, ist bis in die entferntesten Länder gelangt. >ch bin aus dem Ungarn-Lande und halte mich seit einem halben . Kchre in Eurem schönen Spanien auf. Leider aber wird mir mein .iesiger Aufenthalt dadurch verleidet, daß ich schon seit vier Monaten ()ite jegliche Nachricht von den Meinigen bin. Dies beunruhigt mich , md erfüllt mein Herz mit Kummer und Sorgen. Ich habe mir; arum erlaubt, Euch, ehrwürdiger Rabbi, aufzusuchen und bitte Euch uständigst, mir sagen zu wollen, wie es den Meinigen ergeht. Gott oird es Euch vergelten, und ich will Euch dafür reichlich belohnen. Ich nll aber auch kein Hehl daraus machen, daß es außerdem schon on jeher mein sehnlichster Wunsch war, einen so berühmten Wnnderuann persönlich kennen zu lernen." „Ihren Wunsch, mein Ritter," antwortete der Rabbi, „will ich ofort, ohne jegliches Entgelt erfüllen, damit Sie die Ueberzeugung Minnen, daß Gott noch immer seine Herrlichkeit in Israels Mitte oohnen und seinen Auserwühlten Dinge schauen läßt, die den gewöhnlichen Sterblichen verhüllt bleiben. Bitte, folgen Sie mir." Und er führte den König in ein dunkles Zimmer hinein, über essen einer Wand ein großer Spiegel hing, der unzählige Strahlen n den verschiedensten Farben ausströmte und sie zitternd auf einen chwarzen Marmortisch fallen ließ, der in der Mitte des Zimmers ich befand. „Auf diesen Tisch, mein Ritter" — sprach der Rabbi - „bitte ch Sie hinzuschauen und Sie werden alles Ihnen Wissenswerthe?hen und auch — hören." Nach flüchtiger Musterung des mysteriösen Zimmers und seiner Zurichtung ließ der König sich auf einen Stuhl an dem Wunderisch nieder und war eben im Begriff, in eine Grübelei über das athselhafte Gebühren des Rabbi zu verfallen, als plötzlich das nmere aller Gemächer seines Schlosses vor seinen Augen auftauchte :ub verschiedene bekannte Stimmen vor seinen Ohren ertönten. Er ah mit einem Male alle seine Pagen und Diener, sowie ihre zur; }cit ausgeübte Beschäftigung und hörte mit Entsetzen, wie sie sich iber ihn lustig machten, ihn schmähten und beleidigten. Er sah ie Knechte und Mägde die besten Speisen verzehren und die edelsten j Beine trinken, während sie für ihn und die Seinen den Ueberrest >es Genossenen zurückstellten. Den Finanzminister sah er mit Schrecken ie Staatskasse plündern und die Bücher fälschen, und seinen Günst-; ing, der die Juden bei ihm angeschwärzt hatte, vor der Königin ms den Knieen liegen und sie mit feurigen, begehrenden Blicken mschauen. i Er vernahm klar und deutlich alle Worte, die er ihr zuflüsterte, mb hörte, wie er ihr drohte, daß, wenn sie seinen Wunsch nicht erüllen, er sie beim König des Berraths und der Untreue anklagen würde. Ein nervöses Zittern aber bemächtigte sich seiner, als er eine Frau wegen der ihr zugefügten Beleidigung laut schluchzen Hirte und den unverschämten Ritter sich ihr nähern sah, um sie mit Gewalt zu umarmen und zu küssen. Wie von einem beängstigenden Traume erwacht, mit verstörtem Blick und klopfendem Herzen, fuhr Bn .König mehrere Mal mit der Hand über die Augen, um das soeben geschaute gräßliche Bild seinen Blicken zu entrücken. Dann aber wandte er sich zu dem Rabbi, drückte ihm gerührt die Hand und sprach: „Ich danke Euch, heiliger Mann, für die mir offenbarten Wunder und Geheimnisse. Ihr habt mich, dem lieben Gott sei Dank, noch frühzeitig aus den Händen eines ehrlosen, falschen Menschen befreit, der mich dazu bewegen wollte. Euch und die Eurigen in Noch und Elend zu stürzen. Wer ich in Wirklichkeit bin, brauche ich Euch, weiser Rabbi, wohl nicht erst zu sagen. Der Mann, der mir solche Wunder gezeigt und in dessen Dienst alle Naturelemente, ja selbst himmlische Geister stehen, wußte sicherlich, wer der Fremde war, der ihn um seine Dienste anging. Nun aber beschämt mich der Gedanke, daß ich Euch auf die Probe stellen wollte, daß ich auch nur einen Augenblick an Eurer Lauterkeit zu zweifeln vermochte. Ihr seid ein Auserkorener des Herrn, ohne Fehl nnd Falsch wie ein Engel und tadellos und gerecht wie kein zweiter Mensch auf der Welt. Vergebt mir, ehrwürdiger Rabbi, und betet für mich und mein Haus zu Eurem Gott, der nicht schlummert und nicht schläft, sondern stets sein Volt Israel bewacht und behütet." Segnend entließ Rabbi Amram Altarus seinen hohen Gast, der zu Hause angelangt, alles das, was er ans dem Wundertisch gesehen, bestätigt fand. Er ließ den Günstling hinrichten, bestrafte die ungetreuen Diener und blieb von nun an in wahrer Freundschaft Rabbi Amram zugethan, dessen Worte nnd Rathschläge er wie die eines Propheten ehrte. Bas U eil stchrs-Gebet. Von Jaroslaw Vrchliekp. Deutsch von Friedrich Adlers) 33 abbi Amnon kam zu Gaste oft zu Mainz' erlauchtem Herrn. Saß mit ihm beim Schachspiel häufig, doch bei Trank und Speis nicht gern. Immer fand er eine Ausflucht, eilte in sein stilles Haus: Einmal nur hat er's vergessen und viel Unheil wuchs ihm draus. Auf dem Grund des Bechers schlummert Satan seit der Welt Beginn, Beugt den Stamm des festen Wittens und macht schlaff grauitnen Sinn, Hüllt in Schleier die Erwägung und das Urtheil in sein Netz, Läßt den seichten Thoren glauben, Weisheit wäre sein Geschwätz. Einst nun sprach der Kurfürst: „Rabbi, der Gelehrten Perle Du, Mein und Dein Gott weiß, ich ziehe gern Dich meinen Gästen zu. Eins ist schade nur. Dein Glaube ist die Schranke unheilvoll. Hindert, daß nicht, wie ich wollte, ich Dich Bruder nennen soll. Zwischen Deinem Gott und meinem ist der Unterschied nicht groß, Drum erwäge meinen Rathschlag, Dir in Gute sag ich's blos: Sag Dich los von Deinem Gotte, mir zu lieb — und den Pokal Hob er hoch, — Du willst nichts Sei's drum! Ueberleg Dir's nur einmal! Bist Du in der That ein Weiser, dann erkennst Du bald genug, Wo das Licht und wo das Dunkel, wo die Wahrheit, wo der Lug! Amnon griff nur still zum Becher, sprach mit tiefer Bangigkeit: „Herr, ich will es überlegen, gieb' mir nur drei Tage Zeit!" O, drei schlimme Tage waren's und die Nächte bang und schwer, Nutzlos warf auf seinem Lager sich der Rabbi hin und her, Gieb dem Teufel einen Finger und die Hand hat er gefaßt — Und wie anfgescheuchte Rehe fliehn die Stunden hin in Hast. Vor sich klaffen einen Abgrund sah der Rabbi tief und weit. Drüber thronte ernst Jehovah mit der Engel Herrlichkeit: Jahve zürnend und die Engel stießen mit bewehrter Hand Mit dem gellen Ruf: „Verräther" ihn hinunter von der Wand. y Jaroslaw Vrchlickp ist der hervorragendste böhmische Dichter der Gegenwart. Seine Paraphrase „Das Neujahrs-Gebet" wird in der gelungenen Uebertragung von Herrn Rechtsanwalt Dr. F. Adler in Prag unsere Leser gewiß sehr ansprechen. Die Red.