Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- Seite 430 (sequence 12)
- Language
- German
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Esther schrie wild emf und sank zu Boden, aber der Schmerz war so groß, daß er sie in keine Ohnmacht warf, sondern das schwächliche Weib zu unnatürlicher Kraft anfeuerte. „Bar-Kochba tobt?^ schrie sie. auf ihn zneilend; „Dll sein Mörder? Und Du wagst es, mit der Stimme eines heiligen Tobten hier zu erscheinen Nor bem Weibe des Königs? Weißt Du vielleicht, wie cs dem Elenden ging, der dein David den Tod Saul's verkündigte? Heftig riß der Mann den Helin vom Haupte unb den Mantel von den Schultern, und — Esther schlug leblos zu Boden, beim in der römischen Kriegstracht, mit dem Blicke des zürnenden Weltenrichters, stand der Priester vor der Leblosen, der auf wunderbare Weise dem Mordanschlage des Elieser entronnen, im römischen Heere Dienste genommen hatte. Samaja hob die Leblose vom Boden empor und trllg sie auf das Ruhebett. Bei der Berührung schlug sie die Allgen auf unb sah ihn finn* au mit dem gläserllen Blick einer Nachtwandlerin. Elldlich zllckte sie; ihr Allge bekani lebeudigeil Allsdruck; es füllte sich mit Thräuen; nur das feille Gesicht blieb leicheulveiß. „So bist Dll am Leben geblieben, Bater," sagte sie mit sehr schloacher Stinliue, „ulld ich habe täglich heiße Thränen geweint um Dich uild für Deine Seele gebetet. Wisse, der König hat Dich gerettet auf meine Fürbitte, und mm ist der schönste edelste Manu der Erde tobt, und Alles ist tobt, und ich lebe noch." Einen wilderi Blick warf jetzt der Alte auf sie, als sie den Hauptschleier vor das Gesicht ballte unb in heftiges Schluchzen ausbrach. „Hast Dll gebetet für mich?" srllg er grimlllig; „hättest Dll mir für Dich selbst gebetet! Jetzt thut es Dir leid lun den Mann, der ein ganzes Volk betrogen und elend gemacht, lnld dem ich, wie Dll nleillst, dailkbar fein soll für meine sogenailllte Rettllllg. Darf ich den Preis wissen, verworfene Dirne, mit bcm Dll meine Rettung erkauft (Schluß folgt.) Jüdische Volkssagen. Von 9(lbert Stal). J. Dcr iKübbincr der jüdischen Gemeinde zu Saragossa, Rabbi Amram l'libtrit?', umv einer der hervorragendsten jüdische» Gelehrten des XIII. Jahrhnnderis. Außer seine» bedeutenden talmndischen Kenntnissen aber >var er auch in die Geheimnisse der Kabbala eingedrnngen, mit deren Hilfe er zuweilen große Wunder z» bewirken pflegte. Jung und Alt, Juden und Christen begegneten ihm mit dcr größten Ehrfurcht und liebten ihn wegen seines wohlthätigcn Sinnes, den er dadurch bcthätigte, daß er Armen und Dürftigen ein Helfer und Wittwcn und Waisen ein Bater war. Zn feinen Verehrern zählte auch der damals in Saragossa vefibivenbe König von Spanien, der, ein begeisterter Anhänger der Geheinilehre, es sich nicht nehmen ließ, den Rabbi Amrain, obwohl er ihn persönlich nicht kannte, hin und wieder durch Geschenke auszuzeichncn. Dieser gottcsfürchtige nnd heilige Rabbi, wie er allgemein genannt lvnrde, besaß eine einzige Tochter, Namens Hulda, welche die schönste unter allen Jnngfranen der Stadt war. Die spanischen Kavaliere, welche sonst einem Judemnädchen gegenüber nicht besonders ritterlich anstraten, respeltirten die schöne Hulda außerordentlich nnd waren froh, wenn es ihnen gelang, ihren schönen Augen e neu srcnndlichen Blick und ihren unmnthigen Lippen ei» holdseliges Lächeln abzngewinne». Höher verstiegen sich ihre Wünsche nicht; denn der fromme Ruf ihres Bakers dcgleitete sie wie ein Schntzgeist und bewahrte sie vor allen Zudringlichkeiten und Belästigungen der zügellosen, nach Franenschöiiheit lüsternen Ritter und Kavaliere der Stadt. Nur ein zugereister Do» Inan, der erst kurze Zeit am Hofe des Königs sich anfgehalten und von dem Wnnderrabbi noch keine Kunde erhalten hatte, war in wilde, verzehrende Liebesflammen gerathen, als er an einem Sabbath-Borabend gelegentlich eine Spazierganges durch die Jndengasse die schöne Hulda erblickte. Im ersten Moment glaubte er einem Wesen aus einer anderen Well wo ewige Schönheit nnd unvergängliche Anmnth Astes nmgiebt begegnet zu sein, und blieb, von dem berauschende» Duft diese! Mädchenschönheit gebannt, wie angenagelt an seinem Orte stehen. Als er sich aber in der Jndengasse gewahrte »nd in dem Gegenstanl seiner Bewunderung den Typus einer Jungfrau aus dem Volk Israel erblickte, umspielte seinen Mund ei» schalkhaftes Lächeln. Er folgte ihr nun auf Tritt und Schritt, fest entschlossen, »ich! eher den Heimweg anzutreten, bis er sich ihrer bemächtigt Haber würde. Ahnungslos, ohne den ihr folgende» Ritter zu beachten, ging Hulda, ab und zu von Bekannten nnd Freunden gegrüßt als sie schon im Begriff war, den Flur ihres Elternhauses zu be treten. Kaum aber hatte sie die Schivelle überschritten, da sah sü sich Plötzlich einem unbekannten Manne gegenüber, der ihr eir „Halt, Judenhexe!" zurief, sie ungestüm umarmte und ihren Rosenmund mit Küssen bedecken wollte. Hulda wehrte sich tapfer »nd schrie nach Leibeskräften um Hilfe. Ans ihr Angstgeschrei war auch bald ihr Vater in Begleitung von drei Jüngern erschienen, welche die zum Tode Erschrockene ans beit Armen des nach verbotener Liebe lechzenden Ritters befreiten, ihm eine Tracht Prügel als Denkzettel seines Eroberungszuges vcrabsolgte» und ihn ans dem Flur auf die Straße hinanswarfen. Der stolze Ritter verbiß die Lippen und ging seiner Wege; astei» er beschloß, für die ihn, widerfahrene Niederlage an allen Juden der Stadt Rache zu nehme». Zu seinem Leidwesen erfuhr er aber gar bald, daß der Rabbi beim König in hoher Achtung siche, und verhehlte sich darum nicht daß er hier äußerst vorsichtig zu Werte gehen und zur Ausführung seines Racheplanes eine günstige Gelegenheit abwarten müsse. Und eine solche Gelegenheit hatte er auch bald gesunde». In der Zeit nämlich. während er am Hofe berweilt hatte, verstand er durch Schlauheit, Untenvürsigkeit und geheuchelte Galanterie die Liebe des Königs in dem Maße zu gewinnen, daß dieser ihn nicht blos zu seinem Kanzler ernannte, sondern auch zu seinem vertrautesten Freund erhob. Er übertrug ihm die Ausführung oller Regierungsgcschäste und weihte ihn in die internste» Familienverhältnisse ein. Nun hielt der Ritter den Zeitpunkt für geeignet, seine Rnchepseile gegen die Inden und besonders gegen ihren Rabbiner z» schleudern Als er eines Abends bei einem Glase Wein mit dem König ein, geniüthliche Unterhaltung führte, lenkte er schlau das Gespräch am die Jude» der Stadt und ihren Rabbi, klagte sie der ungeheuer lichsten Tinge an und beschuldigie den Rabbi betrügerischer Zauber künste, die zum Verderb der Christenheit führten. Diese Anklage» wiederholte er fortan in den verschiedensten Variationen so lange, bis cs ihm endlich gelungen war, dem König das Versprechen abzngewimien, daß er den Juden sammt ihrem Rabbiner den ferneren Aufenthalt in Saragossa untersagen würde. Bevor jedoch der König ein diesbezügliches Dekret auszuserligen befahl, beschloß er, sich zuvörderst persönlich zu überzeuge», ob auch wirklich der Rabbi, über den er immer nur das Beste und Löblichste gehört, ein Be träger »nd Heuchler sei, wie sei» Günstling cs behauptet hatte. Als einfacher Edelmann verkleidet, begab er sich daher Tags darauf gegen Abend zum Rabbi. Doch war er nicht wenig überascht lößeiff körper lare», schein ines n'ilige Bottes ihres Weges »nd bemerkte ihren Verfolger auch »och dann nichtl prach ier Nr sch bi Jahre >iesige ck,ne i nrd c aruw NstÜNl nrd e oifl a ott p 1011» ofort, ,ewin 1)01)1» nihul 1 A>cn ii dei chwai ich t» ch S ehe» üimi sich äthse »tue, .nd l ah i Kit iber ie K Bein ns 8 ne § >»g, aff »sch. nid n lleii nürd eine Arte Run e ran der,s