Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- Seite 429 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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429 m weiteren :§ hervorllte Brod. Schweiße sollen wir nicht von en Worte; kämpfen, es, cm die das Brod rank, und Lei», wie hrlicher ist t und cs n. Aber cht feiern i wird es ms klarste e mannigii Trünke cht weise, es heute, schon der r freut." : Armnth ). „lXub wie von tröstet, er verwendet 11 Segen 3 Lebens Seite unwider- » Gottes schönem, chiedener bringen, nenschein ergeblich. ues entang mit fromme htungen; mt; und ein, was liebstahl, lein Gell) vorod »nd erachoth, h: „G°- icht des > gesagt :, unser uu min Und für alle Getränke genügt der Segen: „Gepriesen seist Du,! ewiger, unser Gott, durch dessen Wort Alles entsteht (scheluikkol j iihjo bidworau);" und über Wein sagt man: „Gepriesen, seist Du.! Ewiger, unser Gott, der erschafft die Frucht des Weinstocks (l>ore j ii’i hogofen)." : Nun wird mau mich fragen, ob ich nicht den Segen über Baum- ■ rächte (höre pri hoez) kenne. Gewiß kenne ich ihn, aber er ist! acht maßgebend, sondern offenbar in spütererZeit entstanden,! n der man, wie so oft leider, die einfachen und großen Gedanken i acht mehr verstand und in frommem Eifer die Zahl der Veri flichtungen wie der Gebete gern immer mehr erweiterte. Und woher j oeiß ich denn das? Ans dem, was einige Blatt weiter im Mischna-! texte steht. Dort heißt es nämlich: „Wer über die Früchte des j ßanmes gesagt hat: höre pri lioadomo, hat genügt .... Und bei j ’llliuu, worüber er gesagt hat scdmliakkol, hat er genügt." Woraus nun erfahren kan», daß selbst der Segenssprnch bore pri lioadomo i licht einmal unbedingte Pflicht ist; daß aber nur Folgendes unbeäugt feststeht: Ueber Alles, was man ißt oder trinkt, genügt man mit seliehakkol, mir Brod uIId Wein erfordern ihre eigenen Segeussprüche. Und damit bin ich auch am Ende meiner Plauderei. Ich wollte nur zeigen, daß Brod und Wein allzeit eine bevorzugte Stellung in der Werthschätznng unserer Borfahren eingenommen haben, und ich beste, daß mir das gelungen ist. Du aber, lieber Leser, halte Brod und Wein in Ehren und danke Gott, daß er sie den Menschen gegeben, und danke ihm doppelt, wenn sie auch Dir beschiedcn sind.? FEUILLETON Pcr Stern von Zion. Eine historische Erzählung von L. Tarnoivski. (Fortsetzung.) IX. Zwei Jahre waren seit jenem Ereigniß vergangen, Kaiser Hadrian hatte mit Ensetzen die Empörung der schon so hart ge-! züchtigten Juden und die Ermordung seines Statthalters und seiner! Soldaten erfahren. Er sann auf fürchterliche Rache, hatte aber, im j Kriege mit den Parthern, Germanen »nd rebellischen Bundesgenossen begriffen, kein Heer bereit, das er nach Judäa schicken konnte. Die anden hatten innerhalb zweier Jahre ihr ganzes Land bis an die | Nenzen Jturäa's erobert. In dieser Zeit hatte Bar-Kochba friedlich; zeherrscht; Jerusalem begann ans seinen Trümmern neu zu erstehen; s war wirklich ein guter Stern über Zion aufgegangen; Bar-Kochba ■ war der gute Stern, welcher gerecht und klug regierte.! Im dritten Jahre jedoch zog sich ein schweres Gewitter am Horig'nte des Königs zusammen. Hadrian, der vergebens dreimal zur , ilnterwerfimg gemahnt und zur Ausliesernng der Oberhäupter, und! dem sogar ein Gesandter von dem wüthige» Janhagel Jerusalems j war getödtet worden, ohne daß es Bar-Kochba hatte hindern können,! batte mit seinen schlimmsten Feinden, den Germanen, an der Dona» Frieden gemacht und sogleich ein konsularisches Heer nach Kölesyrien! gesandt. Der Konsul Julius Severus stand an seiner Spitze, ein! rauher, hinterlistiger Feldherr, der in des Kaisers Hand geschworen,! die Juden zu vernichten und die Hochverräther Bar-Kochba und Rabbi Akiba todt oder lebend nach Rom zu bringen. Der jüdische Oberfeldherr Simon, sonst so thätig und von Allem unterrichtet, war mit dem Ban eines schönen griechischen Lustschlosses bei Bethoron am Gebirge Ephraim beschäftigt und hatte wenig Kriegsvolk auf den Beinen, als das Heer des Severus an drei Stellen über das Grenzgebirge von Jturäa in Galiläa cinbrach und mit Raub und Mord seinen Weg bezeichnete. Die ganze Landschaft war beinahe durch eisernen Schrecken überwältigt, ehe die Gewalthaber Judäas das Mindeste davon erfuhren. Nun raffte freilich Simon alles Kriegsvolk ans den Städten und den Schlössern zusammen; der König, schnell gefaßt, verordnele ein allgemeines Aufgebot der waffenfähigen Mannschaft; Rabbi Akiba begeisterte das Volk znm Kampfe durch feurige Reden und Prophezeiungen; große Schaaren strömten unter dem Banner von Inda zusammen. Dies waren indes; viel zu langsame Maßregeln für die reißend schnelle Taktik der Römer, und Simon eilte über Hals und Kopf an den Kiso», um nur hier für einige Zeit wenigstens den Fortschritten der Feinde ei» Ziel zu setzen. Wirklich warf er bei Endor ein römisches Korps hinter den Fluß zurück und ging einem zweiten entgegen, das bei Siam über den Kison gegangen; es war das römische Hanptheer unter Severus persönlicher Führung »nd noch einmal so stark als das des Simon. Rach hartem Kampfe wichen die Juden zurück und setzten sich erst auf der Bergreihe von Gilboa wieder fest. Hier wieder angegriffen und znm Theil umgangen, auf denselben Feldern, wo einst Saul »nd der ritterliche Jonathan den Heldentod gestorben waren, wurden sie total geschlagen. Es war ein schöner FrühliugSabend, als Esther einsam in einem reichverzierten Gemache der wieder erbauten Tempelbnrg saß. Sie hatte den Schmerz über des Vaters trauriges Ende überwunden und in der Liebe des Königs, den sie abgöttisch verehrte, Ersatz gefunden für die Leiden vergangener Tage. Sic saß in trüben Gedanken und ließ die schönen Angen über das weite Jerusalem hinglciten, das ganz still lag im Golde der Abendsonne, denn alle waffensähigen Männer waren ausgezogcn in die Römerschlacht, und der Liebling ihrer Seele hatte sie dahin geführt. „Knude muß heute kommen vom Schlachtfelde!" sagte sie, und in dem Augenblick schritt zum Wasserthore herein, wohin sie eine völlige Aussicht hatte, ein Man», in einen grauen Mantel gehüllt und in größerer Ferne sprengten einige Reiter heran, die aber nicht in die Stadt hinein, sondern im gestreckten Galopp an der Stadtmauer hinjagten. Esthers Herz pochte laut vor Furcht und Zagen, als sie eilige Schritte auf dem Söller vernahm und im nächsten Augenblick der Mantelträger zu ihr ins Zimmer trat. Er blieb steif an der Thür stehen imö von dem verhüllten Gesicht war kein Zug zu erkenne»; oben verdeckte der blanke Helm mit großem Buckel die Stirn und das Haupt. „Bringst Du Kunde vom Schlachtfelde?" fragte sie und stützte sich an den Fcnsterkopf, denn unheimlich ward ihr in der Nähe des Bermnmmten. „Ja," sagte der Mann mit tiefer Stimme, „wir haben gesiegt!" „Gott Abrahams sei gepriesen!" rief freudig das Weib; „wie steht es mit dem Könige? Sprich!" „Gott Abrahams?" gegenfragte der Mann, „ist das der Ausruf eines Weibes, die einst sagte: ich kenne meine Pflicht? Und willst Du für eine Jüdin gelten, kann Dich der Sieg der Römer freuen?" Esther stand sprachlos und glaubte zu träumen. „Bist Dn wahnwitzig?" fragte sie durch des Mannes Stimme eben so ergriffen, wie durch seine Worte. „Hast Du nicht gesagt: Der Sieg ist unser?" „Ja, er ist unser!" rief der Mann jetzt überlaut, „denn ich bin ein römischer Kriegsiuann, und ich komme, Dir die Niederlage der Juden zu verkünden und den Tod des Betrügers Bar-Kochba!"