Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- Seite 428 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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428 eine Stimme, die zu mir sagte: „Rufe", und ich sprach: „Was soll ich rufen?" Die Bibelkritik ist Gras und all ihre Liebe wie die Blume des Feldes. Das Gras verdorrt und die Blume welkt. Warum? Weil der Geist Gottes es anhaucht. Fürwahr! Die Bibelkritik ist Gras, „aber das Wort unseres Gottes wird stehen für immerdar." Ich weiß nicht, ob diese Worte, gelesen, den gleichen Eindruck machen, den sie beim Bortrage machten, aber in ihren; Zusammenhänge mit einer durchaus gerechten Schilderung von David Strauß und dem Hinweise aus einen anwesenden alten deutschen Pastor, der in Tübingen mit Straus; zusammen die Vorlesungen des orthodoren Professors Stendel gehört hatte, wobei der 83 jährige Mann sich in tiefer Bewegung mit der Hand über die Äugen fuhr, dann das ganze echt puritanische Wesen des Mannes, auf dessen Gesicht man sich ein Lächeln nicht einmal vorstellen konnte, machte auf mich einen tiefen Eindruck, obwohl ich noch immer nicht überzeugt bin, das; das Stationenverzeichnis; von Israels Wilstenwanderung den Orion überdauern werde. Wir stehen hier jedenfalls vor einer bedeutsamen Entwicklung der Religionsgeschichte. U Brod und Wein. Eine Plauderei von Tr. B. Kultner in Frankfurt a. M. Die Feste stehen vor der Thür, und wie oft wird cm ihnen der Segen gesprochen werden über Brod und Wein! Eine Betrachtung über diese beiden hervorragendsten Erzeugnisse des Landbaues erscheint deshalb jetzt besonders angemessen. Bwd und Wein! Ihre Zusammengehörigkeit darf jedenfalls als uralt angesehen tvcrde». Schon im ersten Buche Mosis (14, 18) werden Brod und Wein zusammen genannt. „Und Melchisedck, König von Salem, brachte Brod und Wein heraus" (für die ermatteteil Kämpfer). Im Buche der Richter (19, 19) sagt der Levit zu dem Greise in Gibeah: „lind auch Brod und Wein habe ich für mich und deine Magd und de» Knaben, der bei deinen Knechten ist, es fehlt au nichts." Nehemia berichtet (5,15), das; die Paschas vor ihm das Bolk belästigt nud von ihm Brod und Wein und 40 Seiet Silber genommen Hütten. Jesaia 36,17 sagt Sanhcrib prahlend: „Ein Land mit Getreide und Most, ein Land mit Brod und Weinbergen." „Brod, das das Herz des Menschen stärkt, und Wein, der des Menschen Herz erfreut," sagt Ps. 104, 14.15. Und Kohclct 9, 7 heisst es: „Geh. ist mit Freuden dein Brod und trinke mit fröhlichem Herze» deinen Wein" u. s. w. Die Zusammenstellung von Brod und Wein ist also, wie wir sehen, uralt und ebenso das hohe Ansehen, in dem beide gestanden haben und noch heute stehen. Woher inag nun dieses Ansehen gekonnnen fein # Ist denn das Brod — um zunächst von diesem zu reden — das einzige Nahrungsmittel des Menschen? Lebt er doch, wie es iin 5. B. Mos. 8,3 heisst, nicht vom Brod allein, sondern von Allem, was der „Mund des Etvigen" hervorbringt. Aber Moses selbst gicbt an dieser Stelle stillschweigend zu, das; die gewöhnliche Nahrung des Menschen nicht das Manual), sondern das Brod ist; Brod, das das Herz des Menschen stärkt, erquickt, wie es Ps. 104, 15 heisst. „Ich werde ein Stück Brod bringen", sagt Abraham zu den drei Männer» (1. B. Bios. 18, 5), „und ihr erquickt euer Herz." „Erquicke dein Herz mit einem Stück Brod und dann gehe", sagt der Schwiegervater zu seinem Eidam im Buch der Richter 19,5. Der Kenner der griechischen Littcratur denkt hierbei unwillkürlich an r.nSm'n-, „Das Mark der Männer", wie Homer das Mahl nennt. Selbstverständlich ist das Wort leehem, Brod, auch im weiteren Sinne, also als Speise überhaupt zu fasten; aber das hervorragendste Nahrungsniittel bleibt dvch das ans Mehl hergestellte Brod. Vom Brod aber heißt es im 1. B. Mos. 3,19: „Im Schweige deines Angesichtes sollst du Brod essen." Also sauer tverden sollen wir es uns werden lasse», denn der Erdboden giebt das Brod nicht von selbst; kämpfen sollen wir; das liegt schon in dem hebräischen Worte; denn leehem, Brod, wird genau so geschrieben lute locham, kämpfen. Das Brod gemahnt uns also an die Mühen des Ackerbaues, an die Kämpfe mit feindlichen Elementen und Geschicken, kurz, das Brod vergegenwärtigt uns den Ernst des Lebens. Ich komme »un zum Wein. Der Wein ist freilich für Biele ein entbehrliches Getränk, »ud Hütte» wir Israeliten nicht de» Segenssprnch über den Wein, wie mancher mürbe sein Lebenlang keinen trinken! Biel unentbehrlicher ist sicherlich das Wasser, lind wer ein gutes Trinkwasser hat nud es vertragen kann, dem soll es hiermit nicht verleidet werden. Aber seine Freudenfeste wird er beim Glase Wasser wohl nicht feiern wollen; und über die alltägliche Stimmung hinaus erheben wird es ihn auch nicht; rrnd braucht er Trost und Muth — auch das klarste Wasser wird ihm diese Hiinmelsgabe» nicht gewähren; und die mannigfachen Widerwärtigkeiten des Lebens würden ihm bei diesem Trünke vielleicht noch widerwärtiger erscheinen. „Das Wasser macht weise, doch fröhlich der Wein", sagt das Sprichüvort. So ist es heute, und so war cs sicherlich auch in alter Zeit. Darum sagt schon der Psalmist (Ps. 104,15): „Und Wein, der des Menschen Herz erfreut." „Gebet dem betrübten Gemüthe. Er trinke und vergesse seine Arinuth und gedenke iricht mehr seines Elends" (Spr. 31, 6. 7). „Und Ephraim zeigt sich >vie ein Held, und ist frohen Mnthes wie von j Wein" (Zachar. 10, 7). Ja, der Wein macht fröhlich, er tröstet, er i giebt Muth. Daß er auch als segensreiches Heilmittel verwendet; tvurde, sei nebenbei erwähnt.! Somit ist der Wein ein Freund des Menschen, ein Segen! Gottes. Und wenn das Brod uns an den Ernst des Lebens j mahnte, so vergegeinvärtigt uns der Wein die heitere Seite desselben. Es ergicbt sich somit aus den bisherigen Nachweisen unwiderleglich, daß Brod und Wein als die hervorragendsten Gaben Gottes galten; nicht nur, weil sie das Leben veredeln und verschönern,! sondern auch, weil sie in gleichem Maße, wenn auch in verschiedener i Weise, die Aiühen und den Segelt der Arbeit znm Bewußtsein bringen.! Denn der Weinbauer wie der Ackerbauer, beide sind von Sonnenschein j und Regen abhängig, beider Arbeit ist stets mühsam, oft vergeblich. > Doch genug der Betrachttmgeu, die vielleicht wenig Neues entj halte»; der alten Zeit, die noch in innigerem Zusammenhang mit j der Natur lebte, waren sie sicherlich nicht fremd. Aber der fromme! Sinn unserer Borfahren begnügte sich nicht mit bloßen Beirachtnngen; ihm war nicht das Forschen die Hauptsache, sondern die That; und eine Gabe Gottes, dem ja die ganze Erde gehört sammt Allein, was! sie füllet, ohne Dank zu genießen, erschien ihnen wie ein Diebstahl, j Diesen Dank aber drückten sie dadurch aus, daß sie dem Gc-! misse von Speise und Trank einen Segenssprnch (berochoh) vorj angehen ließen. Und rtmt zeigt sich auch wieder, daß Brod lind j Wein bevorzugt sind. Denn nach Talmud, Traktat Berachoth,! genügt für alle Erzeugnisse des Erdbodens der Segenssprtich: „G°- priesen seist Du, Eiviger, miscr Gott, der erschafft die Frucht des Erdbodens (höre per! hoadomoli);" und über Brod ivird gesagt (im Anschluß an Ps. 104, 14): „Gepriesei, seist Du, Ewiger, unser Gott, der Hervorbriiigt Brod atls der Erde (hammozi lechem min lioorez)." 11 stvigei iihjo 1 ewige' ii'i ho % rächte iicht ii n der acht i flicht; ans; i texte 'kuirn Illem, mm c nicht t üngt It schell Segc: U nur zc der A bvsfe, % dnnle doppel Hadrü züchtig Solda Kriege begriff 'siibeii ^renz;eherr s wa mx b;onte Unten dem s war ii :)Qtte triebt zesaiü antfyei Die Jl Äkiba