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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-01 · Heft 35 (1.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 35 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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57. Jahrgang. Nr. 35. Gerlin, 1. September 1893. des Gebetaber jede mheitlichen »dienst und Möchte es iabbiner ln neues . lautete: ng Folge ß ich, daß rch besitzt; .rch habeu: sse. Mein sich etwas »offe nicht, sch bleiben berufenen in Soest). Regierung >e mächtig > Spanien z und der -losen an Herrschaft te in der dt Nun ohes Ziel l, Schutz fällt die h dieselbe te Nation och kraft- 4be auch während gehorchen anpassen in einer Begriffe lufnahme Anspruch Die beer Stadt n das ist i wurde, s Elend tammesaschkenader sonst ppell an tammesider, den ür diese 'en, das ich die l erhört Augen, gesehen Vierer. Der Gemeindebote. WeiLcrge zur „Allgemeinen Jeikung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. S£jj> Berlin, 28. August. Wie wir hören, wird die neue (dritte) Religionsschule der jüdischen Gemeinde unmittelbar nach den Feiertagen eröffnet. Das Lokal derselben befindet sich tu der Derfflingerstraße. Die Direktion übernimmt Herr Rabbiner Dr. Weiße; außerdem soll noch eine tüchtige Lehrkraft, die gegenwärtig an einem städtischen Gymnasium wirkt, für die neue Anstalt gewonnen sein. Auch der Lehrplan ist bereits von der Schulkommission genehmigt worden. Fg. Berlin, 28. August. Zu einer erhebenden Feierlichkeit gestaltete sich das Einweihungsfest des neuen Betlokales der Lippmann - Tauß- Synagoge, welche nunmehr von der Georgenkirchstraße nach der Gollnowstraße 11 verlegt worden ist. Nach Absingung von „Ma towu“ (beim Eintritt in die festlich dekorirte Synagoge) der Psalmen 24,68 und 122 hielt der Vorsitzende M. Reinhardt eine Ansprache, welcher der Psalm 127 folgte. Dann fanden mit den Gesetzesrollen sieben Umzüge um den Almemor statt, währenddessen die Gemeinde das übliche „ono haschem“ sang, worauf unter dem Gesang der üblichen Gebete die Einhebung der Thorarollen stattfand. Dem Gebete beim Anzünden der „ewigen Lampe" (gesprochen von Herrn Rabbiner Dr. Oskar Lipschütz) und dem Einweihungsgebete folgte Psalm 30 und das Minchagebet. Dann ergriff Rabbiner Dr. Lipschütz zur Festpredigt das Wort, welche mit den Wortett schloß: „Lehre, Gottesdienst und Wohlthat" seien drei Grundpfeiler jüdischer Religion, es sei auch die Aufschrift des Paniers der Lippmann-Tauß-Synagoge, um welches sich Männer geschaart hätten, die unverfälschtes Judenthum gepflegt wissen wollen. Den Psalmen 111 und 100 folgte alsdann das Gebet für den Landesvater Wilhelm II., worauf die Festlichkeit mit dein Psalm 150, dem Abendgeber und „Jigdal“ ihren Abschluß erreicht hatte. £*2 Berlin, 30. August. Ein seltsamer Gast war auf der Katholiken-Versammlung in Würzburg anwesend, der Pater Pius Maria Mortara, regulirter Chorherr vom Lateran. Er scheint auf einer Reise in Deutschland begriffen zu sein. „Man erinnert sich, äußert die ultramontane Bonner „Reichszeitung", bei dieser Gelegenheit noch der allgemeinen Aufregung, welche der Fall Mortara am Ende der fünfziger Jahre erregte. Bekanntlich von jüdischen Eltern geboren, wurde der kleine Mortara mit elf Monaten in Todesgefahr von der christlichen Dienstmagd getauft, worauf er alsbald wunderbarerweise wieder gesund wurde. Seine nunmehr nothwendig gewordene Erziehung in der christlichen Religion entfesselte einen allgemeinen Sturm des Judenthums gegen den Papst Pius IX. Lord Palmerston in England und Napoleon III. z in Frankreich überhäuften Papst Pius Mortaras wegen mit Drohungen. ' Allein umsonst; auch der kleine Mortara wollte von der Rückkehr zum Judenthum nichts wissen. Er widmete sich dem geistlichen Stande und trat in das Augustinerkloster vom Lateran ein." In der That hatte die Magd den Judenknaben heimlich ohne Wissen und Willen der Eltern getauft. Da er, statt zu sterben, wie sie erwartet hatte, wieder gesund wurde, verrieth sie später ihr Geheimniß, und die päpstliche Regierung, , die davon erfuhr, nahm 1858 den siebenjährigen Knaben mit Gewalt > den Eltern weg und ließ ihn zum Mönch erziehen. j CD Aus der Provinz Posen, 28. August. Vor einiger Zeit! hatte sich in Driesen ein Ring der Fleischer gebildet, welche sich unter z Festsetzung einer Konventionalstrafe verpflichten, für die dortigen Juden; nicht mehr schächten zu lassen. Ein Fleischer übertrat den Vertrag und wurde durch gerichtliches Urtheil zur festgesetzten Strafe nebst Kosten verurtheilt. Nun etablirte sich im benachbarten Dorfe Neuanspach ein neuer Fleischer, und so mußte der Schächter zum Schächten nach dort kommen, damit der Fleischer koscheres Fleisch liefern könne. Der Kantor verließ bald darauf seine Stellung, weil ihm das Schächtgeld von den Fleischern des Ortes nicht mehr gezahlt wurde. Es kam dann ein neuer Beamter hin. Des ewigen Zankens und Haderns müde — auch der Neid hat wohl eine große Rolle dabei gespielt — trafen die Parteien ein Abkommen, dahingehend, daß nicht mehr der frühere Schächtpreis, sondern ein niedrigerer gezahlt und das Geld nicht mehr, wie früher, direkt an den Schächter, sondern an den Gemeindevorstand entrichtet werde. So ist die Sache vorläufig beigelegt worden. Ob sich die Parteien dabei gut fühlen, ist eine Frage der Zeit. — In Schroda starb vor Kurzem nach schwerem Leiden das älteste Gemeindemitglied Herr Kaufmann Baruch nach vollendetem 80. Lebensjahre. Der Verstorbene war früher viele Jahre hindurch Repräsentant und Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde gewesen und hatte außer anderen hervorragenden Eigenschaften besonders Pflichttreue und regen Wohlthätigkeitssinn stets gezeigt. — Am 11. d. Mts. feierte das Kaufmann Glaser'sche Ehepaar in Tremessen das Fest der silbernen Hochzeit. — Auch in Posen besteht bekanntlich ein „Verein zur Förderung der Sabbathheiligung", der, ebenso wie die gleichartigen Vereine in Breslau und Hamburg, bei dem jetzigen Gesetz der Sonntagsruhe für die religiös-konservativen Glaubensgenossen an Bedeutung entschieden gewonnen hat. Der Vorstand (i. A. H. Wollheim, Posen, Markt 61) fordert Prinzipale, die ihr Personal an Sabbath und jüdischen Festtagen geschüftsfrei lassen, sowie Kommis und Lehrlinge, welche auf solche Stellungen reflektiren, auf, sich bei ihm zu! melden. — Der langjährige Direktor der Provinzial-Hebeammen-Anstalt in Posen, Herr Geh. Medizinalrath Dr. Rehseld, hat auf seinen Antrag zum 1. Oktober er. seinen Abschied erhalten. Wie wir jedoch hören, bleibt derselbe auch ferner Mitglied des Provinzial-Medizinal- Kollegiums der Provinz Posen. k. Lisia (Posen), 24. August. In welchem Maße Herzensgute, mildthätige Menschenliebe und edle Bildt.ng auch in christlichen Kreisen Anerkennung finden, das hat sich heute bei Gelegenheit der Beerdigung der Frau Dorothea Pick, Gattin des Kaufmanns Herrn Adolf Pick, bekundet. Die Verstorbene, die zu den geachtetsten und wohlthätigsten Frauen unserer Gemeinde zählte, war Mitvorsteherin des hier bestehenden Vaterländischen Frauenvereins und lieferte als solche beu Beweis, daß jüdische Wohlthätigkeit nicht nach Religion und Bekenntniß fragt, sondern sieht, wo Hilfe noth thut. Die Hochachtung und Verehrung, die sie sich > nicht nur innerhalb ihrer Gemeinde, sondern auch in christlichen Kreisen erworben, kam sowohl in den: Nachrufe zum Ausdruck, durch den der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins das Andenken seiner treuen Mitarbeiterin ehrte, als auch in dem überaus zahlreichen Trauergeleite, welches sich aus allen Ständen unserer Stadt zusammensetzte. Die Verblichene hat sich durch den unermüdlichen Eifer, den sie in allen Werken der Liebe bewiesen, bleibende Verdienste erworben. z. Rakel, im August. Am 17. d. M. fand hier das Leichenbegängniß der Frau Frommet Baerwald, Mutter des Direktors Dr. H. Baerwald in Frankfurt a. M. und des Korporations- und Stadtverordneten- Vorstehers Lesser Baerwald Hierselbst, statt. Das Leichenbegängniß legte Zeugniß ab von der Verehrung, deren sich die Entschlafene in allen Kreisen der Bevölkerung erfreut hatte. Sie war eine fromme, edle Frau, wie man sie selten findet, streng religiös und sehr wohlthätig. Alle Wohlthätigkeitsvereine in unserer Stadt, die christlichen wie die jüdischen, unterstützte sie mit freigebiger Hand. Aus einer Stiftung, welche von ihr und ihrem vor 12 Jahren verstorbenen Gatten Lewin Baerwald s. A. errichtet wurde, erhalten mehrere christliche und jüdische Schüler des hiesigen Gymnasiums theils ganze, theils halbe Freischule und mehrere unbemittelte Universitätshörer ein jährliches Stipendium von 150 Mark. Sämmtliche Armen der Stadt, die sie, abgesehen von regelmäßigen Unterstützungen, anläßlich freudiger und trauriger Familienereignisse und Gedenktage mit namhaften Spenden bedachte, erleiden durch ihren Hintritt einen schweren Verlust. Eine lange Reihe von Jahren war sie Vorsteherin des hiesigen jüdischen Frauenvereins, der sie wegen ihrer großen Verdienste um denselben zur Ehrenpräsidentin ernannte, als sie in Folge vorgerückten Alters ihr Amt niederlegte. In der mit Blumen reich geschmückten Friedhofshalle, welche trotz ihrer Geräumigkeit

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