Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 417 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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417 nem alten läre sie die arfer Zugi erloschen i über die önig. zum Hof verliefe herab, en Ruinen luß folgt.) mkarte zu mich nicht mein Berden. Es der junger fite er sich »erden sich noch?" an seiner gewandt. fügte er gen Auge ße Reine- , spindeln, weißen! Arbeitsbe seines ftigt, auf gsbrauche :rn. Es h redlich egen auf ' ihm die ur wenig en schwer nstmücen chte auf: .?" m Vater o wenig, >ie, me!» as? . .. Rischester Farbenpracht, während unseres kurzen Gespräches hatte das „Jüngel" ihn vollendet. Und wie? Im Alten regte sich der Vaterstolz, er strahlte vor Freude — so etwas Schönes hätte er nie zu Stande gebracht. „Bärele!" — sagte er, seinen Sohn zum Zeichen der höchsten Anerkennung in die Wangen kneifend —, „Bärele. Du bist ein „Mensch", Du sollst malen lernen, Bilder malen, und sollst es weiter bringen in der Welt als Gumpel Maler!" setzte er mit einem halbunterdrückten Seufzer nicht ohne Selbstironie hinzu. Und der Alte hat Wort gehalten, er hat für seinen Sohn gespart und gedarbt, allein eine böse, langwierige Krankheit, die ihn aufs Krankenbett warf, verschlang die mühsam zusammengesparten Groschen. Das „Jüngel" war inzwischen älter geworden, der Keim, den der Vater in seine Brust gepflanzt, hatte sich zur herrlichen Blüthe entfaltet. Er verließ die Seinen und ging ohne Erfahrungen, ohne ein geordnetes Wissen, ohne Heller in der Tasche, doch erfüllt von Liebe zur Kunst, in die Welt, um „ein Mensch" zu werden. Frau Fortuna war Gumpels Bärele hold — er fand wohlhabende Gönner, die sein Talent erkannten und ihn auf ihre Kosten in die Wiener Kunstakademie schickten. Er täuschte die Erwartungen seiner Wohlthäter nicht und errang gleich mit seinem Erstling einen Preis, der ihn in Stand setzte, das Land seiner Sehnsucht, Italien, zu besuche», doch wollte er, ehe er nach dem Süden ging, die Ausstellungen in München und Berlin besichtigen. Wir fuhren mitsammen nach dem Ausstellungspark. Das erste Werk, das unsere Aufmerksamkeit fesselte, war Antokolski's mit der höchsten Auszeichnung, der großen goldenen Medaille bedachte Monumentalstatue „Peters des Großen". Welch ein Meisterwerk, gleich groß in der Auffassung, wie prächtig und vollendet in der Ausführung! Wie wundersam der Ausdruck gewaltiger, schrankenloser Energie in den ruhigen Zügen, in denen das Machtbewnßtsein des stolzen Herrschers überzeugend zum Ausdrucke gelangt! Der Künstler zwingt uns, an die unbeugsame Gewalt von Peters Willen, wie an die unwiderstehliche Kraft zum Durchsetzen des Gewollten, die ihm eigen war, zu glauben. Nicht mit Unrecht hat ein geistvoller Kritiker Antokolskis Werk dem „Großen Kurfürsten" Schlüters an die Seite gestellt. In Peter dem Großen ist der Geist des Alt-Russenthums lebendig, und es ist eine seltsame Fügung des Geschickes, daß ein Jude, ein Angehöriger des Volkes, das die Nachfolger auf Peters Thron mit eiserner Hand bedrücken unk aus ihren Landen treiben, dies herrliche Werk geschaffen. Doch er ist nicht nur Jude, sondern auch, wiewohl schon seit langen Jahren dem Lande seiner Jugend fern, ein Ruffe geblieben. Und wie in „Peter dem Großen" Rußlands stolzes Machtbewußtsein, so gelangt i» seinem „Christus vor dem Volke" das Leiden des russischen Volkes unsagbar schön zum Ausdruck. Es ist derTypusdes russischen Heilands, des Befreiers aus Elend und Knechtschaft, des gefesselten Volks- Propheten, voll düsteren, ohnmächtigen Zornes, voll tiefen, innigen Mitleids. Fesselnd durch erhabene Einfachheit und schlichte Größe ist auch des Meisters drittes Werk, das wundervolle Marmorrelief des „Todteu Kindes", das wie im Schlummer daliegt — eine Rose, gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert. Hart neben Antokolskis mächtigem Hcrrscherbilde erblicken wir (welch ein Kontrast!) Max Kleins „Sklavin", eine nicht völlig lebensgroße Gestalt, von deren schönem Körper das Gewand bis zu den Hüften abgestreist ist. Sie scheint rcsignirt, in ihr Schicksal ergeben, allein nichts weniger als gedemüthigt, ist sie „noch stolz in ihrem Falle". Der Schöpfer von „Hagar und Jsmael" hat in diesem Werke voll edelster Anmuth ein neues Zeugniß seines Könnens geliefert. Eine hochinteressante, eigenartige Arbeit von frappirender Lebenswahrheit ist Max Levi's „Bildnißstudie des Herrn Geheimrath S.", höchst rühmenswerth in ihrem Gesammtaufbau Ungers „Europa, wie sie sich dem breiten Rücken des Stieres anvertraut", endlich Moritz Wolffs „Judith". Die Heroine aus Bethulien ist von Alters her ein Lieblingsvorwurf für Dichter und Künstler. Hier ist Judith auf dem Wege zu Holofernes' Zelte dargestellt, das entblößte Schwelt in der Rechten, eine Rachegöttin, zum blutigen Werke bereit. Kein Zug edler Weiblichkeit in den finstern Mienen, keine Andeutung der schweren Seelenkämpfe, die die jungfräuliche Wittwe der Entschluß gekostet, ihrem unglücklichen Volke ihr Theuerstes — ihre Ehre zu opfern. Wir hätten diese Judith ein wenig frauenhafter gewünscht, wie wir andererseits in Giuseppe de Sanctis „Esther" gern mehr als blos ein berückend schönes Weib gesehen, die lediglich durch die Macht ihrer Reize den schwachen Ahasver gefesselt. Im Bewußtsein Israels lebt Mardochais schöne Nichte als Retterin aus schwerer Bedrängniß, die nur deshalb zur Krone gelangte, um ihr Volk vor dem Untergange zu bewahren. Das schöpferischeste Temperament unter den Modernen, Franz Stuck, hat in seiner „Versuchung" ein Meisterwerk geschaffen. Eva reizt durch Blick und Geberde Adam zur Sünde, er steht, instinktiv zurückprallend, unschlüssig da, während die Schlange, um das Geäste des Baumes der Erkenntniß geringelt, ihren Geifer auf die verbotene Frucht träufelt. Hat Stuck die unentwickelten, explosiven Empfindungen lnid Gefühle der ersten Menschen zu ergründen versucht, so ist Julius Exters Urelternpaar von durchaus modernem Geiste durchweht. Scheint uns auch diese Eva, dieses schwache, entzückend schöne Weib, welches den sinnend sie betrachtenden Adam mit einem raffinirten Weiberlächetn eine Lilie reicht, ein wenig zu modern, müssen wir uns doch der ungewöhnlichen, künstlerischen Kraft, dem mächtigen Eindrücke des Kolorits gefangen geben. Ein erschütterndes Pendant zu diesem Bilde ist desselben Malers „Verlor'nes Paradies", Adam und Eva nach dem Sündenfall. Reue, Verzweiflung und ein bedrückendes, untilgbares Schuldgefühl spricht aus den Gesichtszügen der aus dem Paradiese Vertriebenen. Tiefgebeugt kauert Adam auf der Erde, gebrochen brütet er vor sich hin. Er hat zugleich etwas von einem Denker und von einem armen Sünder an sich. Eva läßt ihr schönes Haupt auf die Brust sinken, wie ein stiller Lavastrom fließt ihr hellblondes Haar die Schultern hinab. Der heilige Ernst der biblischen Erzählung ruht über dem Gemälde — ein unheimliches, verhängnißvolles Schweigen, in schwefelgelben Farbentönen ausgedrückt. Es ist der Schlußakt einer gewaltigen Tragödie... Ein Zufall führt uns von dem Bilde Evas zu dem einer ihrer reizendsten Töchter, zu Lola Beeth. In der Betrachtung des wohlgelungenen Bildes der Künstlerin mit dem herrlichen Madonnenantlitz werde ich aufgestört. EinSchrei entfuhr denLiPpen meines jnngenLandsniannes. „Ist sie tobt?" frng er, auf den mit Trauerflor umwundenen Lorbeerkranz deutend, der an Lucie Lyons „Selbstbildniß" hing. Ich erzählte ihm in kurzen Worten die Geschichte von dem traurigen Ende der begabten Künstlerin. Er hörte mir voller Theilnahme zu, er hatte die junge Malerin im Atelier eines bekannten Meisters kennen gelernt, wo sie zusammen gearbeitet. Tiefbewegt starrte Herzmann das lebensvolle Selbstporträt seiner ehemaligen Kollegin an. Sie hat sich in einem Augenblicke dargestellt, wo sie den fleißigen Pinsel für einen Moment ruhen läßt und sich halb von der vor ihr stehenden Staffelei abwendend einem eintretenden Atelierbesucher entgegenblickt. Dem Bilde gebricht es bei manchen Vorzügen an einer Weichheit des Tones, dagegen wurde mein Begleiter nicht müde, über die sprechende Aehnlichkeit des Selbstporträts zu staunen. Ein zweites