Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 415 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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415 er anderen mit solche: läbon". >ie uns in ihne Anstos licher Auslesers. Di> chärfe und treu eigenen :r Stelle in nentirendei Philosoph sch, der sich stärkt und st, sondern der lieber ein reinen lliuung dec r Stellung sein Wese>^ > findet den j sündhafte!: l und aucl agen. Mi: erficht hül: lcher Glück enden Geätzt er bcr Anschauen g wir setz: lit uueiib ses Lebend I und bet hen Glück ie Stimm: l in jenen: hat/' eine schön:;t Male zu durch sei»: > in seinen: es denn chthum zu Erste und öffentlich!: Roses und Testmnen: : ein Zic: aupt, daen. Durch ultnrleben treibendes, den. ereiniguna geben des athiiutlichc Keligions- Gott als md durch Wunder für alle Zeiten sanktionirt habe. Zwar ist er geneigt, den durch den Verlust Palästinas gänzlich veränderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, aber er hält nichts desto weniger das jüdische Volk auch jetzt noch für streng an das Gesetz gebunden. Eine völlige Glaubenseinheit hält er überhaupt weder für möglich noch für I loiinschenswerth und beschwört darum in der epochemachenden Schrift j „Jerusalem oder religiöse Macht und Judenthum" die Fürsten der : Erde, nicht denen Gehör zu geben, welche auf eine solche Uniformität j in Glaubenssachen hinarbeite». „Um eurer und unser Aller Glück- > seligkeit willen," ruft er ihnen zu, „Glaubensvereinigung ist nicht j Toleranz, ist der wahren Duldung gerade entgegen. Haltet auf : Thun und Lasten der Menschen, ziehet dieses vor den Richterstuhl! weiser Gesetze und überlaßt uns das Denken und Reden, wie es anser Aller Vater uns zum unveräußerlichen Erbgute beschieden hat. gelohnt und bestraft keine Lehre, locket und bestechet gu keiner Keligionsmeinung. Wer die öffentliche Glückseligkeit nicht stört, wer gegen die bürgerlichen Gesetze, gegen euch und seine Mitbürger rechtj schaffen handelt, den lasset sprechen wie er denkt, Gott anrusen nach! seiner oder seiner Väter Weise und sein ewiges Heil suchen, wo er! cs zu finden glaubt." So fordert er Denk- und Gelvissensfreiheit,! Freiheit des religiösen Bekenntnisses. Ein ersprießliches Zusammen- : wirken der beiden großen Gemeinschaften, des Staates und der; Kirche, hält er sehr wohl für möglich. Der Staat, dem es weniger s auf Gesinnungen als auf gesetzmäßiges Handeln ankommt, bedarf : als Mithelferin der Kirche, deren vorzüglichste Aufgabe ist, dahin zu wirken, daß, was geschieht, in der rechten Gesinnung geschehe, s Während darum der Staat auch wohl mit dem eisernen Stabe des s Zwanges treibt, trügt die Kirche nur den Stab gelinde. Bann und | Verwerfung kennt sie nicht, sie kennt nur das Recht der Belehrung, : Die Macht der Ueberführung, die Zucht der Vernunft. So lange sie s sich auf dies ihr Gebiet beschränkt, ist sie frei und unabhängig. Wollte sie freilich mit Lehren und Grundsätze» hervortreten, welche : der öffentlichen Wohlfahrt und den Jntereffen des Staates wider- : sprechen, so würde derselbe das nicht dulden dürfen, und die Kirche : :st in dieser Hinsicht dein Staate untergeordnet. s Die Anwendung dieser intereffanten Ausführung auf die Gegenivart liegt außerordentlich nahe, und es führt mich das zum Schlüsse auf die Frage: Welche Bedeutung hat denn Mendelssohn für unsere Gegenwart liberhaupt noch? Sehen mir dabei von der auch jetzt noch wrtdauernde» Wichtigkeit ab, die sein Wirken als Reformator seines Volkes beanspruchen muß, so wird die Gegenwart ebensowohl von Mendelssohn, dem deutschen Nationalschriftsteller und Popularphiloöphen, wie von Mendelssohn, dem Prediger der Toleranz, noch :crnen können. Wenn wir Lejsings Prosa bewundern, so werden! wir auch an Mendelssohn nicht vorüber gehen dürfen, der neben 1 Lessiug und Winckelmann zur Ausbildung unserer deutschen klassischen tzrosa das Meiste beigetragen hat. Wenn ferner die Zahl derjenigen immer nur eine geringe gewesen ist, welche philosophische Probleme in gemeinverständlicher Form vorzutragen und die gebildeten Kreise durch festelnde Darstellung, durch eine klare, fließende Sprache für dieselben zu gewinnen verstanden haben, so wird Mendelssohn auch in der Gegenwart von seiner Bedeutung noch nichts verloren haben, und dies um so weniger, als die von ihm behandelten Probleme — ivir dürfen es wohl sage» — eine ewige Geltung beanspruchen. Es sind Fragen, deren sich kein tiefer angelegter Mensch entschlagen tan», von deren Beantwortung der Werth seiner Persönlichkeit, die Auffassung seiner Stellung in der Welt und feiner Pflichten, sein Glück und seine Zufriedenheit wesentlich abhängen. Wenn endlich die bescheidenen Forderungen, welche Mendelssohn in Bezug auf die staatlichen und gesellschaftlichen Rechte seines Volkes aufgestellt hat, sich längst verwirklicht haben, so ist es doch auch heute noch nicht überflüssig, die Pflichten, welche die Toleranz auferlegt, immer wieder einzuschärfen und daran zu erinnern, daß im modernen Staats- und Gesellschaftsleben als oberstes Gesetz der bekannte Spruch gelten sollte; in necessariis imitas, in dnbiis libertas, in oninibus autem caritas — in nothwendigen Dingen Einheit, in zweifelhaften Freiheit, in allen aber liebendes Dulden. Und so dürfen wir hoffen, daß Moses Mendelssohn nicht blos als Reformator seines Volkes, als Freund Lessings, als Vorbild Nathairs des Weisen, sonder» auch um seines eigenartigen Geistes willen unter uns fortleben wird, und wen» die Säkularfeier seines Todestages seinem Genius neue Verehrer zuführen sollte, so hätte sie gewiß ihren Zweck erfüllt. FEUILLETON Ner Stern von Zion. Eine historische Erzählung von L. Tarnow ski. (Fortsetzung.) Mit Entsetzen untersuchte Esther die Thür, die sie wirklich von außen vernagelt sah. „Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen?" rief sie in fürchterlicher Gingst. „Wer gab Dir das Recht, hier zu schalten wie ein böser Dämon? Wo ist der Vater? Was ist geschehen, tvährcnd ich schlief?" „Du wendest Dich mit Abscheu von mir," erwiedertc Thirza von Kalirrhoö, „und ich soll Dir getreulich berichten, was Du verschlafen hast? Doch ich mifl es, damit Du Zutrauen gewinnst. Der Vater ist als Hoherpriester der Samaritaner auf Befehl des Königs verhaftet worden; vielleicht lebt er schon nicht mehr. Sein Eigenthum gehört mm dem Könige; Du hast heut' noch Zeit zu laufe», wohin Du willst, morgen vielleicht nicht mehr." Lautjammernd stürzte Esther zu Boden. „O mein Gott!" schrie sie. „der König? Nein, Weib, Du bist im Jrrthm»! Das ist der alte Tiger, der dem König zur Seite ist! Weib, wenn Du wirklich ein Weib bist und ein Herz im Busen trägst, laß mich fort, zum Fenster hinaus, zum Könige! Ich mutz den Vater retten oder seinen Mörder verklagen!" „Ja, Kind, ich habe ein Herz!" rief Thirza mit funkelnden Augen, „wenn es auch zu Stein geworden ist durch unsägliche Wehen. Ich will sogar mit Dir gehen zum Könige, mit dem ich auch eine Kleinigkeit abzmnachen habe!" Verwirrt und von schrecklichen Empsiudungen dnrchstürnit, warf Esther ein großes Tuch über Haupt und Schulter» und stieg, von Thirza gehoben, hinaus. Die Helferin folgte nach, und Beide schritten im Dunkel der Oberstadt zu, denn der König gab dem Volke, das ihn begleitet, ein Fest. VIII. Der große Vorhof der Tempelburg glühte in der feurigen Helle von vielen Tausend Lampen und Pcchpfannen, die ringsherum und oben drüben an Gerüsten befestigt waren. Hier schmauste der neue König von Israel mit seinem Hofpersonal zum erstenmal vor den Augen seines Volkes, das draußen lärmend und schreiend auf dem Tempelplatz und den Trümmern der Mauer gelagert war. Thirza und Esther waren ohne Hinderniß in den Tempelhof gelangt, denn fortwährend gingen Leute ab und zu und sahen sich die stattliche Gesellschaft und ihr Treiben nüt an. Hinter einer Säule, auf der eine große Pechpfanue loderte und dampfte, und