Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-01 · Heft 35 (1.9.1893) · p. Seite 414

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 35 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 414 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228022--50117-3271715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

414 „können niemals eine Vollkommenheit erreichen, über welche sich nichts gedenken ließe. Dnrch die Nachahmung Gottes kann man sich allmählich seinen Vollkommenheiten nähern, und in dieser Näherung besteht die Glückseligkeit des Geistes; aber der Weg zu derselben ist unendlich und kann in Ewigkeit nicht ganz zurückgelegt werden." lind so lebten und strebten die Freunde in der herzlichsten Eintracht, in gegenseitiger Anregung und Anerkennung, bis der Tod Lessings den schönen Bund zerriß. Es giebt nichts, was uns einen tieferen Blick in das Herz und Gemüth Mendelssohns thun ließe, als der ergreifende Brief, den er bald nach dem Tode Lessings an dessen jüngsten Brnder schrieb. „Mit gerührtem Herzen danke ich der Vorsehung für die Wohlthat, daß sie mich so früh, in der Blüthe meiner Jugend, hat einen Mann kennen lassen, der meine Seele gebildet hat, den ich bei jeder Handlung, welche ich vorhatte, bei jeder Zeile, welche ich hinschreiben wollte, mir als Freund und Richter vorstellte, und den ich mir zu allen Zeiten auch als Freund und Richter vorstellen werde, so oft ich einen Schritt von Wichtigkeit zu thuu habe. Wenn sich in diese Betrachtung noch etwas Melancholisches mit einmischt, so ist es vielleicht die Reue, daß ich seine Führung nicht gehörig benutzt habe, daß ich nicht geizig genug war nach seinem lehrreichen Umgänge, daß ich manche Stunde vernachlässigte, in der ich mich mit ihm hätte unterhalten können. Ach, seine Unterhaltung war eine ergiebige Quelle, aus welcher mau unaufhörlich neue Ideen des Guten und Schönen schöpfen konnte, die er wie gemeines Wasser von sich sprudelte zu Jedermanns Gebrauch, Die Milde, mit welcher er seine Einsichten mittheilte, setzte mich zuweilen in Gefahr, das Verdienst zu verkennen; denn sie schien ihn in keine Unkosten zu setzen; und zuweilen schob er sie den meinigen so mit unter, daß ich sie nicht mehr unterscheiden konnte." Mit Lessing und Nicolai hatte sich Mendelssohn um die Mitte der fünfziger Jahre zu einem engeren Bunde zusammengefunden, der es sich zur Aufgabe machte, die neueste deutsche Litteratur einer gründlichen Prüfung zu unterwerfen und gegen alles Veraltete, Geistlose und Mittelmäßige einen entschiedenen Kampf zu führen. Gehört so auch Mendelssohn zu den Männern, welcheir wir die unvergleichliche Blüthe unserer neueren deutschen Litteratur zu verdanken haben, so liegt doch seine eigentliche Bedeutung weniger auf dem litterarischasihetischen, als auf dem religiös-philosophischen Gebiete. Religiöse und sittliche Fragen sind es, die ihn hauptsächlich beschäftigen: das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit der Seele sind die Probleme, über die er Klarheit verbreiten und völlige Gewißheit geben möchte. Das Dasein Gottes ist der Gegenstand seiner reifsten und bedeutendsten philosophischen Schrift, der „Morgenstunden", die er übrigens auch dem durchlauchtigsten Beherrscher seines Geburtslandes, dem weisen Freunde und Beschützer des Guten und Schönen, zu übermitteln sich erlaubte. Die Unsterblichkeit der Seele ist das Thema seiner populärsten und wirksamsten Schrift, des im Jahre 1767 erschienenen „Phädon". Derselbe fand überall die begeistertste Aufnahme. In alle europäische Sprachen wurde er übersetzt; Gelehrte wie Ungelehrte vertieften sich in seine Ideen; man hielt es für eine hohe Ehre, mit dem „deutschen Plato" iu Verbindung zu treten, und selbst geistvolle deutsche Fürsten achteten sich nicht für zu hoch, dem Verfasser des „Phädon" ihr Vertraueil und ihre freundschaftliche Verehrung zu schenken. Und woher diese allgcineine Anerkennung? Ohne Zweifel hat das Problem, welches der „Phädon" zu lösen versucht, daran einen vorzüglichen Antheil. Die Frage nach der Unsterblichkeit der Seele hat zu allen Zeiten die Gemüther beschäftigt und beschäftigte die Köpfe und Herzen des 18. Jahrhunderts in hervorragendem Maße. Aber wir haben die weithin reichenden Wirkungen des „Phädon" doch j noch in einem anderen Umstande zu suchen. In keiner andere!: j Schrift spricht sich das innerste Wesen Mendelssohns mit solcher s Bestimmtheit und in solcher Allseitigkeit aus wie im „Phädon". i Es ist die Klarheit des Meudelssohnschen Geistes, die uns in! der schönen, vollendeten Forin entgegentritt. Leicht und ohne Anstos : fließen die Perioden dahin. Kein unschöner, kein undeutlicher Aus-! druck stört die mehr und mehr gefesselte Theilnahme des Lesers. Die i lichtvolle Auseinandersetzung des Inhalts, die logische Schärfe und s Folgerichtigkeit der Beweisführung erwecken dem Denker einen eigene!; Reiz. Ruhepunkte, die von Zeit zu Zeit und an geeigneter Stelle in s die Darstellung sich eingeschaltet finden, gewähren einen orieutirendeu ■ und das Verständniß wesentlich erleichternden Ueberblick. : Es ist jedoch nicht blos der formgewandte, scharfsinnige Philosoph j den wir im „Phädon" bewundern, es ist zugleich der Mensch, der ftd | vernehmen läßt und nicht allein unser sittliches Gefühl stärkt und i hebt durch den heiligen Ernst, der das Ganze durchdringt, sondern : auch unser Herz durch die überall hervortretende Wärme der lieber! zeugung aufs Wohlthütigste berührt. Ein reines Herz und ein reine»; Wille offenbaren sich in der tiefen Erfassung der Bestimmung bet : Menschen, seiner Stellung zu seinen Nebenmenschen, seiner Stellung : zu Gott. In der Gewißheit einer schöneren Zukunft, wo sein SüBefeti i in allmählichem Wachsen der Vollendung entgegenreift, findet de» Sterbliche die Kraft, seine Lebensaufgabe zu erfüllen, den sündhaften : Lüsten und Begierden zu entsagen, der Tugend zu leben und aucl j die mancherlei Beschwerden und Leiden des Lebens zu ertragen. Mi: s welcher Innigkeit des Gefühls, mit welcher kindlichen Zuversicht hal; s sich der Verfasser des „Phädon" an diese Hoffnung! Mit tvelcher Glück seligkeit erfüllt ihn schon hier die Vorstellung der beseligenden Gemeinschaft mit Gott! „Unser fortdauerndes Dasein", so läßt er bei’ Sokrates sprechen, „wird nichts als ein ununterbrochenes Anscheinen der Gottheit sein, ein hinimlisches Ergötzen, das, so wenig wir jew s davon begreifen, den edlen Schweiß des Tugendhaften mit unend lichem Wucher belohnt. Was sind alle Mühseligkeiten dieses Leben»! gegen eine solche Ewigkeit! Was ist Armuth, Verachtung und de> I schmählichste Tod, wenn ivir uns dadurch zu einer solchen Glücke j seligkeit vorberciten können! Der Weise wird sich freuen, die Stimm, j der Gottheit zu vernehmen, die ihn von hinnen ruft, um in jenen: I Lichte zu genießen, wonach er in dieser Finsterniß gestrebt hat." ' Durch die Veröffentlichung seines „Phädon", in welchem eine schön: j Form sich einer schönen Seele zugesellt, ward er mit einem Male zu j einem der angesehensten deutschen Schriftsteller, ja, er war durch sein, : Beschäftigung mit deutscher Wissenschaft und Litteratur auch in seinen: : Fühlen und Denken ein Deutscher geworden. So war es denn : begreiflich, daß er auch seine Landsleute für das Dentschthnm zu I gewinnen wünschte und zu diesem Zwecke es für das Erste mü j Wichtigste hielt, sie deutsch sprechen zu lehren. Er veröffentlicht, > deshalb seine vortreffliche Uebersetzung der fünf Bücher Moses und der Psalmen und würde nach und nach das ganze alte Testameii: übertragen haben, hätte der Tod seinem Schaffen nicht ein Zit gesetzt. Was die Lutherbibel für das deutsche Volk überhaupt, da» ist Mendelssohns Bibelübersetzung für das Volk Israel gewesen. Durch sie ist dasselbe allmählich in das deutsche National- und Kulturleben eingeführt, durch sie erst ist dem deutschen Volke ein neues, treibendes, vielfach anregendes und förderndes Element eingefügt worden. Freilich will Mendelssohn von keiner bürgerlichen Vereinigung mit seinen christlichen Brüdern etwas wissen, die ein Aufgeben des väterlichen Gesetzes erforderlich machen würde. Das eigenthümliche Wese» des Judenthums sieht er nicht in geoffenbarten Religionswahrheiten und Glaubenssätzen, sondern im Gesetz, welches Gott als i Schntzherr, Befreier und König seines Volkes offenbart und durch Wund durch Rechn Volk i Glauk uiünsö „Jeru Erde, in Gl seligke Lolev Lhun weiser unser Beloh Keligi gegen ichaffe seiner es zu Freih wirke! Kirch: auf i als 9 wirke: Wähl Zwai Verw oie T sich : Woll der t sprech :st in >vart auf i Gege wrtd Volk. Vien' iophc lerne aut i viefiti Pros mm ilt g' Diird diese. in d und wir und tonn «uff Mm die 1 ftaat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.