Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 411 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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411 29. August Parteitag lch. Solche )e Richtung behauptet, j sind dies inen Streu! Ein Auf! Antisemitei! snung aus. > mmeiischlus. s wollen milg für die gewordene, : Ahlward, der Aufrm es ist je welche fil> der ver der Juden r Fremden r Abkunft taats- und ien Staats mg." christlichen, Erziehung: ' ~ „Auf id lebenden Verbot dei mtrag, den . Reichstag lommen ist. istlich sein. weifelhaft. erstein'sche lservaiiben lieber aufbeweisen. , die den ner durch ltung der > viel Geren. Die eschmälert > Ansehen d mittelcktfrage liberalen - jetzt um ssung, der »bung ist bei jeder Schlachtart und Viehgattung ausnahmslos untersagt." j Damit ist nicht blos das Schächten verboten, sondern auch vorj geschrieben, daß bei jeder Schlachtart und bei jeder Viehgattung vor j ver Blutentziehung die Betäubung einzutreten hat. Zur praktischen i Durchführung des neuen Verfassungsartikels ist ein Bundesgesetz j nöthig, das zu lestimmen hat, welche Thierarten gemeint sind, wer j :n den Kantonen und in den Gemeinden die Durchführung zu über- > wachen hat, welche Strafe die Zuwiderhandelnden trifft, vor welchem j Gerichte die Strafverfolgung stattsindct rc. Dieses Bundesgesetz unterliegt wieder der Volksabstimmung, und es ist nicht ausgeschlossen, vaß es verworfen wird, weil es mancherlei Beschränkungen für alle , Bevölkerungskreise mit sich bringt. Sehr merkwürdig ist auch die j Episode mit dem Aufrufe der deutschen Bischöfe in dieser! Angelegenheit. Das Initiativ-Komitee der Gegner hatte sich; auf eine Reihe katholischer Bischöfe Deutschlands (es sind dies der . Erzbischof von München, der Fürstbischof von Breslau, die Bischöfe 1 von Mainz und Trier — die Bischöfe Stumpf von Mainz und Hefele von Rottenburg sind inzwischen gestorben) berufen, welche einen Aufruf an das Volk erlassen haben sollen, worin sie die Ueberzeugung aussprachen, daß das Gefühl aller guten Menschen durch die Massen-Thierfolter, wie sie beim Schächten ohne Betäubung stattfindet, verletzt werde und darum die Bestrebungen der Thierschntzvereine zur Beseitigung des Schächtens in jeder Weise unterstützt werden sollten. — Das Central-Komitee der Gegner der Antischächt- Initiative fragte bei diesen geistlichen Herren sofort an, und sämmtliche Bischöfe erklärten bestimmt, daß sie von einem solchen Aufruf? nichts wüßten. — Darauf wandten sich die Schächtgegner an den \ Berliner Thierschntzverein, welcher ihnen folgenden Bescheid gab: „Säinmtliche Unterschriften liegen im Original zur Einsicht bereit. | Der schweizerische Konsul in Berlin soll sie einsehen. Die gegentheilige Behauptung ist Verleumdung, und werden wir gegen die | Urheber und Verbreiter gerichtlich Vorgehen." — „Erkläret mir, Graf Oerindur, dieses Räthsel!" — Die ganze Schächtfrage erinnert »ns übrigens lebhaft an einen Vers von Franz Grillparzer, der folgendermaßen lautet: Wie weit verbreitet sind des Wohlthuns Triebe, Man schützt die Thiere selbst — aus Nächstenliebe! U Briefe aus Amerika. Von Professor Dr. G. Deutsch in Cincinnati. Intei konfessionelle Verhältnisse. Indem ich mich anschicke, über die religiösen Zllstände verschiedener anderer Konfessionen zu schreibe», kann ich das Gefühl nicht los werden, daß manche Leser dieser Zeitung finden dürften,; cs sei damit über den Rahmen eines jüdischen Blattes hinausgegangen. Ich meinerseits bin der Ansicht, daß Judenthum ebenso wenig wie irgend eine andere geschichtliche Erscheinung außerhalb des Zusammenhanges mit zeitlich und örtlicher Umgebung verstanden werden könne. Wenn es dazu eines Beispieles bedürfte, würde die Anführung Mendelssohns genügen, dessen epochales Auftreten mit seinen tief j einschneidenden Wirkungen auf die Geschichte des Judenthums ohne! das Verständniß der Wolf'schen Aufklärungsphilosophie nicht begriffen! werden könnte. Das ist aber durchaus nicht das einzige Beispiel der j jüdischen Geschichte. Daß Rabbi Hillel die Messiaslehre vollständig! leugnete und Mar Samuel wenigstens das Wunder aus der messianischen Zeit strich, kann doch nur aus der Polemik gegen das Ehristenthum erklärt werden, Die Entstehung der alle Autorität der Tradition leugnenden Karäer ist ein Widerspiel ähnlicher Vorgänge im mohammedanischen Lager; der erste Anstoß zur Kritik des alten, durch kein Dogma geschützten und darum desto sichereren Glaubensstandes geht von Elia Levita aus, der die mosaische Urheberschaft der Vvkalzeichen leugnet. Elia war ein Zeitgenosse Luthers, ein Freund der italienischen Häupter der Renaissance. Der wuchtigste Vorstoß gegen die Kabbala geht von dem frommen und gelehrten Jakob Emden aus. Sollte es reiner Zufall sein, daß er ein Zeitgenosse und Landsmann des Vaters der theologischen Kritik, des Halleschen Professors Johann Salomo Seniler war, eines Mannes, der aus dem Pietismus hervorgeaangen, den Mystizismus bekämpfte und dafür von seinen theologischen Gegnern als gottlos, ja als schlechter wie die Juden (homo impius et Judaeis peior) auf ewig gebrandmarkt wurde. Wenn nun die Betrachtung außerjüdischer Verhältnisse so wichtig für das Verständniß des Judenthums ist, wie kommt es, daß man in unseren Kreisen, und speziell in unseren Zeitungen, so wenig von den Dingen Notiz nimmt, die in unserer nächsten Nähe Vorgehen? Die Gründe sind offenbar religiöse und praktische. In elfterer Beziehung ist es die engherzige Tradition, die dort absoluten Jrrthum und hier durch alle geschichtlichen Evolutionen absolute Wahrheit sah, die uns gegen das Christenthum gerade so gleichgiltig machte, tvie das Christenthum gegen die jüdische Litteratur war, soweit dieselbe nicht Aufschluß über Jesus zu bieten versprach. Der zweite, wichtigere Grund ist ein praktischer. Wir dürfen uns, wie die Verhältnisse einmal liegen, nicht frei aussprechen. Wir sind inutatis mutandis so ziemlich in der Lage unserer Vorfahren in den religiösen Disputationen des Mittelalters, wenn sie ihre Vertheidigung zu führen hatten, ohne etwas das Christeuthum Verletzendes sagen z» dürfen, wobei die Gegner zu entscheiden hatten, was eigentlich als verletzend auzusehen sei. Und doch waren es Christen, und zumeist Theologen, die das Christenthum am heftigsten angegriffen haben. Schleiermacher, der ausgesprochene Feind alles Rationalismus, macht die Auferstehung zu einem bloßen Erwachen aus dem Scheintod, und David Strauß, der allen Rationalismus bekämpft, hat durch seine mythische Auffassung, welche die Wunder der Evangelien als Dichtungen betrachtet, die dogmatische Meinungen zu Thatsachen allsgestalteten, das Christenthum viel lmbarmherzigcr angegriffen, als das von Liplliann Mühlhausen oder Isaak Troki geschah. Darum erscheint es mir billig, daß die Juden ein Recht haben sollen, das Christenthum mit derselben wissenschaftlichen Vorurtheilslosigkeit zu behandeln, wie das vom geborenen Christen geschieht. Wer das leugnet, hat das Judenthum zu einer untergeordneten Kaste degradirt und eine christliche Staatsreligion anerkannt. In dieser Beziehung ist Amerika wirklich vorurtheilslos, und christliche Themen werden oft genug von jüdischen Kanzeln erörtert, und ein solches ist der gegenwärtig alle politischen Blätter erfüllende Ketzerprozeß, in welchein der Professor an dem New-Iorker Presbyterianerseminar Charles Augustus Briggs der Angeklagte ist und, bevor diese Briefe gedruckt erscheinen, ein Verurtheilter sein wird. Zur Erklärung dieses Streites, der seit einem Jahre die Leserkreise der Blätter und Alle, die sich für religiöse Erscheinungen interessiren, in Athem hält, dürste es nöthig sein, über die Presbyterianer, die man als Gründer der amerikanischen Freiheit ansehen kann, einige erläuternde Bemerkungen zu machen, zumal diese Kirche einer alttestamentlichen Reaktion im Christenthum ihre Entstehung verdankt und mit dem Judenthum viel Gemeinsames hat. Ihr besonderer Charakterzug ist die strenge Sonntagsheiligung, wie sie denn mit besonderer Vorliebe den Sonntag Sabbath nennen. Die richtigen orthodoxen Presbyterianer kochen nicht einmal an ihrem Sabbath und fahren nicht mit der Straßenbahn, jedenfalls aber halten sie sich