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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-25 · Heft 34 (25.8.1893) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
Seite 407 (sequence 11)
Language
German
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107 ichlose Rede traut, rang hirza's und neue Haft „Eile Dich lifliehst mir Salomonis, Fenster hineinen Bund chlnß folgt.) eckt ihr eine ad sucht ihr Zwar nnih- Herathewohl wrgott weis; zen Feuerswr sich hin: )! Fenerio!" in, daß der Duden eine je das anferab — im nt über sie. beginnt die brachen mit dem Spiele ehr — das; niken treibt, rzweiflungsretten." it, und wie wriiber lind helfen soll, als wcnn's i>er sie kann )örtle, mach ch mit aller lien ihr de» cceu Balken jiir da vor glühenden „O, Gott im Himmel," jammerte sie, „i geb' mein Leben gern, j aber das Kind!" Und mit ihren letzten Kräften, halb erstickt, halb; dem Wahnsinn nah vor tödtlicher Angst n»> das einzige Wesen, das; sie lieb hat ans der Welt, beginnt sie aufs Nene zu rütteln. Die! drin fährt ans dem Schlaf empor, in den sie nach langem Weinen; gesunken ist. Was kann denn das für ein Lärmen fein? Und hat sie nicht wüst geträumt? Und was ist's, daß ihr beißend in die Angen dringt und den Athen; nimmt? Rauch? Und was knistert nnd raschelt über ihr, warum schrei» sie draußen? Dann giebt es einen dumpfen Krach m;d ihre Thür fliegt ans nnd eine rothe Helle dringt auch von dort ein, und in derselben steht Binele nnd reckt die Arme in die Höhe und kommt tappend weiter vor. „Dörtle, Dörtle, mein Kind, mein einziges Mädle, wach auf — i bin da, i reit Di, i hclf Dir, i leid's nit, daß Du nmkommst elendiglich, i bin da, Deine Mutter!" Erst starrer Schrecken, dann ein wilder Aufschrei: „Ist's doch wahr? Hab i nit geträumt?" Und ans dem Bett ist sie, und dem Fenster nah und wehrt von dort: j „Nein, nein! es soll nit wahr sein, soll nit, i wills nit!" Bineles Augen sehen nun auch in dem durch die hinter ihr leuchtenden Flammen heller gewordenen Kämmerlein, sie will ans Dörtle zu, es nur erst erreicht haben, mit ihren Armen fassen, an die Brust ziehen, die sich so lang nach ihm gesehnt hat. Fast ist sie nah, da reißt Dörtle mit einem neuen Schrei das Fenster auf, biegt sich hinaus, greift nach dem nächsten Ast der alten Eiche — wie oft hat sie sich so hinausgeschwungen — nnd jetzt hilft ihr nicht die Angst vor den Flammen, sondern der Abschen vor Bineles Gestalt. Wie sie die Eiche erreicht hat - ihr langes Haar hängt wie ein Mantel um sie, ihre bloßen Arme und Füße schimmern roth, von; von den Flammen beleuchtet — tönt ein vielstimmiger Schrei von unten empor. „Die Eichkatz, das Dörtle, ach schaut mir, wie das sich retten; kann, wie das geschickt ist." „Halt auch, wir bringen eine Leiter, Hab keine Furcht, da bist Du sicher!" Das Dörtle hört von Allem nichts, es starrt mit weit aufgerissenen Augen zurück in das Gemach, welches sie verlassen. Binele lehnt vor dem Fenster, die Arme nach ihr ausgebreitct. : Von unten verlassen vier Männeraugen die lveiße Gestalt ans der Eiche nicht. Peter Aigle fährt durch seine rothen Haare und j spricht: „Gelt, Du Eichkatz, nun bist ausgeräuchert worden, nun hast Dein weiches Nestle jäh verlassen müssen — o, verkühl Ti auch nit j da droben!" j Bartel sucht mit einem andern Burschen eine Leiter herbeiznschaffen, aber sie müssen lange hin nnd her laufen, alle, die auf : dem Gehöft existiren, sind schon gegen das brennende Gebäude gelehnt. Ein Flammenmeer schlägt bereits aus dem Dache. „Dörtle, halt aus, halt aus, laß nit nach vor Schreck!" spricht Bartel, aber das kann das Mädchen nicht hören. Es starrt hinüber, gerad über dem Zimmer, das es verlassen hat, wüthen die Flammen am schlimmsten — und hilflos, immer die Arme nach ihr streckend, steht Binele da und spricht mit erstickender Stimme Worte vor sich hin, Liebcsbethenerungen, die ihrem Kinde gelten, nicht einmal schreit sie um Hilfe, sic wissen Alle dort unten nicht, das; sie droben steht, eine sichere Beute des Todes. Nun sieht Dörtle, wie die Funken ans die Unglückliche fallen, erst einzeln, da! jetzt muß ein Balken sie treffen — ein wilder Aufschrei — „Mutter, Mlltter!" ist cs gewesen, dann bricht droben das Gebälk herab, Binele unter der glühenden Masse begrabend — sie hat den Ruf aus Kindesmund nicht mehr vernomuicn. — Zugleich aber löst der entsetzliche Schreck die festgeklaminerten Hände des Mädchens auf der Eiche — Bartel konnnt gerade mit einer Leiter herangeschleppt, da schlägt es vor seine Füße herab. — „Dörtle!" Sie liegt regungslos, wie er sich nicdcrbengt. „Todt!" sagen Männer und Weiber. „Todt!" schreit Bartel nnd stürzt bewußtlos zusammen. XIV. Als Gabriel nnd Rösle am andern Tag heimgekommcn, steht von dem SchwadercrhauS nichts mehr, als die festen Uuterinauern, die aus der Schleglerzeit stammen sollen, die Knechte und Hannele haben in der Nachbarschaft ein Unterkommen gesunde;;, und die Leiche des Dörtle hat man so feierlich, als cs gehen wollte, in der Scheune anfgebahrt. Lea hat sie mit Blumen geschmückt, ein Myrthenkranz liegt aus den; Kopfe, die langen blonden Haare sind schön zn beiden Seiten gekämmt nnd reichen bis an die Knie, die Hände liegen fromm gefaltet. Sv gar friedlich ist das Gesicht. Die Weiber kommen in Schaarcn nnd können sich nicht satt sehen an de»; Eugelsbild und weinen bittere Thräucn. Gabriel Schwaderer ist arg erschüttert gewesen, als er vor den; abgebrannten Hans und der Leiche seines Dörtle gestanden hat. Die Bäuerin ist ihrer stillen Art treu geblieben. Sie hat nur einmal dem Manne die Hand auf die Schulter gelegt und scharf in seine Augen geblickt. „Die Menschen haben wir betrügen können, Gabril, — aber der liebe Gott hat sich nichts vormachen lassen. Nun siehst's — zusammen hat er sie hingeuommen." Dann hat sie befohlen, daß man die Reste der unglücklichen Magd, die in einen; Schuppen gestanden haben, in einen Sarg verschließt nnd an des Dörtles Seite stellt. Niemand hat etwas Anderes darin erblickt als Mitleid, die Bäuerin aber hat gedacht: Nun sind Mutter nnd Kind zum ersten Mate so recht beisammen —wie nimmer in; Leben! Eine schöne Leich ist dem Dörtle gegeben nnd das Binele hat alle Ehren davon gewissermaßen mitgenommen, ist ihm auch hart neben dem Mädle das Grab gemacht worden. Biel Thräneu sind bei dem Begräbnis; geweint, und Keiner aus den; Torf hat gefehlt — als der Aigle's Peter. Den hat man, seit er dabei gewesen ist, als man die schrecklich verstümmelten Reste des Binele unter de» Trümmern hervorgezogen hat, mit einem gräßlichen Schrei fortstürzen sehen und Keiner hat ihn seither erblickt. Um die Stunde aber, wo von der Speherer und der Constauzer Kirche die Glocken gemeinsam erklungen sind zu der Leiche, da hat ihn ein Forstwärter erhängt gefunden. Aus den unzusammenhängenden Reden des Luisle ist dann der Verdacht rege geworden, daß Peter Aigle aus Rache das Feuer angelegt habe. Sicheres hat nie ein Mensch darüber erfahren können. Wie die Glocken so einmüthiglich zusammengeklnngen sind, hat die alte Sarah, die weiße Sabbathhanbe auf dem Kopf, ihre Todtenklagen gesprochen. Bartel liegt elendiglich in der Kammer nnd fiebert, aber Sarah hat keine Augst;»;; ihn, er wird wieder genese». Lea hat auch ihre stillen Gedanken. Bruder Bartel hat einmal einen Roman spielen wollen, das ist uni; vorbei — und er wird das praktische Leben gut und sicher anfassen. Und so kommt's. Als in; nächsten Frühjahr ans den; Grab des Dörtle ein Leichenstein mit goldglänzcnder Schrift errichtet ist, — Binele hat trotz ihres einzigen ehrgeizigen Wunsches keinen bekommen, denn der Schwaderer ist seinem Spruch treu geblieben: Es ist und muß Alles unterschiedlich sein — hat der Bartel das Veilchen geheirathet.

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