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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-25 · Heft 34 (25.8.1893) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 verknüpft ist, war Chasdai Jbn Schaprut (915—970). Er war der Leibarzt, Finanzminister nnd vertrauteste Rathgeber des Chalifen Abderrahinan III. und seines Sohnes und Nachfolgers Hakim II., an deren Hofe in Granada Kunst nnd Wissenschaft mächtig emporblühten. Als gelehrter Arzt übersetzte er das Werk über die Arzneimittellehre von TioskvrideS, welches der byzantinische Kaiser dem Chalifen Abderrahinan geschenkt hatte, mit Hilfe eines griechischen Mönchs ans dem Griechischen ins Arabische und schuf dadurch eine sichere Grundlage für die weitere selbstständige Ausbildung der medizinischen Wissenschaft in Spanien. Als Finanzminister verstand er es, den Staatsschatz derart zu füllen, das; derselbe im Jahre 951, trotz der horrenden Ausgaben ans das Heer, auf verschiedene Prachtbauten sowie auf die Förderung der Wissenschaft, nicht weniger als zwanzig Millionen Goldstücke i» Baar enthalten hat. — Vermögensninskände, deren bloße Vorstellung einen modernen Finanzminister zum Weinen bringen könnte. Als Diplomat gelang es ihm, einige christliche Herrscher Nordspaniens nach Cordova zu bringen, wo sie einen dauernden Frieden mitAbderrahinan schlossen. Als einst eine Gesandtschaft des deutschen Kaisers Otto 1. bei dem Chalifen erschien, fiel Chasdai die Aufgabe zu, die zwischen dem Chalifen und dem deutschen Kaiser entstandenen Differenzen zu schlichten und jo zwischen Christenthnin nnd Islam versöhnend zu wirken. Als angesehener, reicher Jude hatte er ei» warmes, theilnehmendes Herz für seine Glaubensgenossen, deren soziale Lage er mit dem Aufgebote seines ganzen Einflusses zu verbessern, deren geistiges Leben er nach Kräften zu heben bemüht >var. Selbst ein gründlicher, allseitiger Kenner des hebräischen Schriftthnms, unterstützte er die wissenschaftlichen Studien tüchtiger jüdischer Gelehrten, die er aus Spanien nnd selbst aus dem fernen Mvrgenlande nach Granada zog. Die Bertiefung des Talmudstudinms, das von Babylonien, seiner Geburtsstätte, »ach Spanien verpflanzt wurde, die kritische hebräische Sprachforschung, die von ihrer Schwester, der arabischen Sprachforschung, manche Anregung enipsing, sowie das Auflebcn der neuhebräischen Dichtung führen mittel- oder unmittelbar auf unfern Chasdai zurück, dessen Name, wie sein Schützling, der Dichter und Grammatiker Menacham bcn Saruk, ihn preist, das erste Auslenchten des Morgenroths der jüdischen Kultur in Spanien bedeutet. Fünfzig Jahre nach dem Tode Chasdais gelangte abermals ein Jude, Samuel Halevi Jbn Nagdila in Granada zur Würde des Vezirs, die er 40 Jahre behauptete. Seine Erhebling verdankte er seiner arabischen Kalligraphie und stilistischen Gewandtheit. Als der Sohn reicher Ellern in Cordova hatte er eine sehr sorgfältige Erziehung und Ausbildung genossen. Seine Lieblingsbeschäftigung war das Dichten. Als seine Elter» bei dem Ausbruche einer Judenverfolgung die Vaterstadt verlassen mußten nnd verarmten, flüchtete sich Samnel, ei» zwanzigiähriger Jüngling, nach Malaga und errichtete in der Nähe des Palastes des Vezirs einen Gewürzkram. Hier mußte er anstatt Verse zu machen Tüten drehen und den weiblichen Kunden Schmeicheleien sagen.. Eine gute Kundschaft hatte er an der Sklavin des benachbarten Palastes, der er sich gefällig erwies. Diese Sklavin führte nämlich den Haushalt des am Hofe in Granada weilenden Vezirs nnd mußte ihm von Zeit zu Zeit ausführlich über die ganze Haushaltung berichten. Da ihr diese schriftliche Berichterstattung schwer siel, ließ sie sich die Briefe von dem benachbarten Krämer schreiben. Diese Briefe erweckten, sowohl durch ihren Stil, als durch die Schönheit ihrer Schrift, auf welche die Araber sehr viel sahen, die Aufmerksamkeit des Vezirs und lenkten sie auf Samnel. Ter Vezir ließ ihn nach Granada kommen, lernte dessen außergewöhnliche Klugheit kennen und stellte ihn in seiner Kanzlei als Geheünsikrctär an. Ter Vezir bcrieth sich mit ihm über die wichtigsten Angelegenheiten des Staates und gewann eine so hohe Meinung von ihm, daß er cnif seinem Todtenbette ihn dem Könige nachdrücklichst als seinen Nachfolger im Vezirate empfahl. Es fehlte Samuel nicht an Neidern, aber er entwaffnete die Einen durch die tadellose Amtsführung, die Wahrung des Staatsinteresses, die Anderen durch die bescheidene Würde seines Auftretens, das nichts von der kleinliche» Ueberhebrnig des Emporkömmlings hatte, sowie durch seine wahrhaft königliche Wohlthätigkeit und Freigebigkeit, die er Allen gegenüber ohne Unterschied des Bekenntnisses derselben mit vollendetem Takte geübt hat. Seine Erhebung hatte den Aerger eines Arabers erweckt, der denselben Weg wie er eingeschlagen hat, um zur Größe zu langen, der ebenfalls einen Gewürzkram in der Nähe des königlichen Palastes errichtet hat, aber trotzdem ein armer Schlucker geblieben ist. „Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht immer dasselbe." Der arabische Gewürzkrümer beschimpfte nun aus Aerger seinen früher» Standesgenossen und jetzigen Minister Samuel, als dieser in Begleitung des Königs s vorbei ging. Der König befahl voller Entrüstung seinem Minister,; diesen Unverschämten zu züchtigen nnd ihm die Zunge ansschneide» zu lassen. Als Samnel einst wieder in Begleitung des Königs an dem Gewürzkrämer vorbeiging, der anstatt zu schimpfen den Minister j mit Segenswünschen überhäufte, wurde er von dem Könige wegen i der Unterlassung des gegebenen Befehles zur Rede gestellt und antivortete darauf: „Ich habe dem Lästerer die böse Zunge ausgerisse» und ihm dafür eine gute gegeben." Man kann sich denken, in welcher Weise der kluge Minister diese Operation vorgenomnien hat. Wie Chasdai nahm er sich seiner Glaubensgenossen an, deren Oberhaupt im Staate Granada er wurde, und bis auf unsere Zeit wird er in der jüdischen Geschichte kurzweg als Samliel Hangid, „der Fürst", bezeichnet. Samuel war ein ganz bedeutender, äußerst gründlicher Kenner des Talmuds, über den er vor zahlreichen Jüngern Vorträge hielt und verschiedene geschützte Schriften verfaßte. Der Staatsminister war zugleich Rabbiner, und mit derselben Feder, mit der er die Regierungserlasse schrieb, in denen er die Mohammedaner ermahnte, nach der Vorschrift des Islam zu leben, schrieb er auch die talmndischen Rechtsgutachten, in denen er seine Glaubensgenossen die religiöse Anfragen an ihn gerichtet hatten, ermahnte, ihr ganzes Heil im Judenthum zu suchen. Samuel gehört auch zu unser» namhaftesten hebräischen Dichtern. Ans seinen König Habus verfaßte er ein Lobgedicht in sieben Sprachen. Seine Gedichte sind ganz kunstgerecht und gedankenreich, aber ohne eigentlichen Schwung. I Ein hebräischer Knnstrichter urtheilte von ihnen: „Kalt wie der Schnee! des Hermon oder wie die Lieder des Leviten Samnel". ' Der Schriftsteller Samuel wurde übertrosfen von dem Mäcen Samuel, der jüngere Talente gern unterstützte und gelehrte Männer um sich schaarte. Seines Schutzes erfreute sich der gottbegnadete Dichter Jbn Gabirol, der Verfasser des philosophische» Werkes „Quelle des Lebens". Die mittelalterliche Scholastik, welche aus dcsien Werke mancherlei geschöpft hat, bezeichnet ihn unter dem Namen Avicebron als arabischen Philosophen, ohne zu ahnen, daß es derselbe Gabirol ist, dessen religiöse Gesänge seit Jahrhunderten i» den israelitische» Gotteshäusern ertönen. Dieser Gabirol, sowie Jehuda Halevi, der Liebling der hebräischen Muse und der Verfaffer des philosophische» Werkes „Kusari", der vorübergehend in Granada war, und Maimonides, der Verfasser des philosophischen Werkes „Führer der Verirrten", der den Heroen der mittelalterlichen Scholastik als Fundgrube gedient hat, bilden zusammen das leuchtende Dreigestirn der Jude» Spaniens. In Granada wohnte zur Zeit Samuels der gefeierte Dichter Mose Jbn Esra, der in unzähligen Gedichten Gott verherrlichte, von Liebe, Wein und Freude sang und über die Trennung vnn seiner geliebten Nichte bitter klagte. Dieser Mose pries den jüdischen Vezir mit den Wort aus miede erreiö ihre ' widn das: ©eilt Da > wank schasi welch ins s hatte Aber mit über Zeit einet Die gehr laut Litt geps Wci stau hat. als erli öde Tei dor ist. Lä> In all. Le G. lic Ai W Ei tit m m V ri b. A r A

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