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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-25 · Heft 34 (25.8.1893) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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Es ergicbt sich vielmehr aus dieser Zuamnienstellung, daß im Verhältniß zur Gesammtbevölkerung eine zu;roße Zahl Juden in den letzten Jahren in den Dienst eingestellt und, und daß die russische Regierung auch in dieser Beziehung ihre,« »Grundsatz treu bleibt, diejenigen mit Abgaben und Lasten am schwersten ui drücke», die sich am wenigsten des Schutzes der Gesetze zu erfreue» »üben, von dem Genüsse der Rechte gau; zu schweigen. Im europäische» Rußland wurden als Rekruten eingestellt: llom Jahre 1875 bis 1880 1,182,841 Nichtjuden, 40,840 Jude», 3,5 pCr. 1881 „ 1886 1,228,731 53,095 „ 4,4 „ 1887 . . . . 234,085) 12/203 „ 5,2 „ 1888. . . . 249,087 13,141 „ 5,3 „ 1889 . . . . 254,106 14,552 „ „ Nach Hübners statistischen Tabellen bilden die Juden nur 3,9 pCt. -er Eesammlbevölkerung; die Heranziehung zum Dienste steigt eruchtlich von Jahr zu Jahr und erreicht 1891 die Höhe von 6,07 pCt., a von 258,763 Eingestellte» nach der im „PravitelSky Vestnick" verffentlichten Statistik 15,837 Juden waren. Dieselben stehen gegen hre christlichen Kameraden auch insofern zurück, als ihnen die übliche -iuadenzeit nicht ferner bewilligt wird; es ist nämlich der Gebrauch, -aß den von den Vorgesetzten Behörden als diensttauglich erklärten Nanuschafteii eine Frist von zehn Tagen vor ihrem Eintritt in das beer gewährt wird, um ihre häuslichen Angelegenheiten ordnen und bren Angehörigen und Freunden Lebewohl sagen zu können. Ile jüdischen Rekruten inüsseu für die Folge hierauf verzichten und oerden nach der ärztlichen Untersuchung sofort nach den ihnen angeüesenen Garnisonen gesandt. Nach einer annähernd das Richtige treffenden Schätzung dienen -egenwärt ig 126,000 Inden in der russischen Armee, von denen keiner •ie Epaulettc» trügt und keiner es höher als bis zum Unteroffizier -cbracht hat; selbst als Feldscheer oder Militärarzt werden sic in »ukuuft nicht mehr angestellt. Und wenn sie nun ihre schwere, langjährige Dienstzeit beendet »d den besten ihrer christlichen Kameraden gleich sich geführt haben, nie lohnt das dankbare Vaterland ihre Dienste? — Die Regiernugsrlasse der letzten Jahre und die hiimuelschreienden, jedem menschliche» vühlen und redcr Gesittung Hohn sprechenden Verfolgungen geben Antwort auf diese Frage.? Die Juden tut Schatten der Alhambra. Ein Vortrag von Dr. Heinrich Groß, Rabbiner in Augsburg. (Schluß.) Verfolgungen der Juden gab es auch in den muhammedanische» 'ländern, aber sie waren nicht so prinzipiell angelegt, so konsequent Äurchgeführt, sondern nur vorübergehend lvie der Samum, der durch die Wüste braust und dem dann die Ruhe folgt. Der Islam >st »icht frei von Fanatismus. Seine arabischen Bekenner haben den ursprünglich wilden Charakter des Beduinenthums, aber auch dessen Ritterlichkeit nicht verläugnct. Sie verachteten die Ungläubigen, die Christen aber mehr als die Juden, die Nachkommen Abrahams, den sie ebenfalls als ihren Stammvater verehren, der die heilige Kaaba erbaut haben soll und dessen Religion, die Verehrung des j Eine» Gottes, wieder herzustcllen Mohammed als seine Haupt- : aufgabe bezcichnete. Im Islam giebt cs keine geistliche Hierarchie. Ter Chalif war das geistliche und weltliche Oberhaupt zugleich. Sein; Wille, der mehr auf die Herrschaft der Erde als aus die der Seelen! gerichtet war, ist allein maßgebend gewesen. Die muhainmedaiüschen i Geistlichen, die Imams und Ulemas, haben auf die Herrscher, auf die - Regierung nicht im Entferntesten den Einfluß geübt, wie der Klerus in katholischen Ländern. Letzterer war es doch, der unter der Herr- , schuft der Westgothen in Spanien auf den Konzilien die härtesten l judenfeindlicheu Gesetze beschlossen hat. Die zwangsweise getauften Juden, die im Geheimen dem Glauben ihrer Väter anhingen, wurden > verbrannt oder bei Annahme mildernder Umstände zum Exile mit | Konfiskation der Güter, sowie zu Gcißelhieben und dem Abschinden der Stirnhaut verurtheilt. Das hat das Interesse der Kirche erfordert. : Das hat Gott so gewollt. Seine Diener, die Geistlichen, mußten es! ivissen, und ihnen folgten die Fürsten, wenn ander? sie den Weg des i Heils wandeln wollten. Die muhammedauischen Fürsten fühlten sich in dem, was das Heil ihrer Seele betraf, viel freier und selbsti ständiger. Sie ließen sich bei der Wahl der Männer, denen sie ihr Vertrauen schenkten, nicht durch deren Glaubensbekenntnis;, sondern durch deren Tüchtigkeit und Brauchbarkeit bestimmen. Sie räumten »icht selten geschickten und gelehrten Juden einflußreiche Stellungen ein und zogen häufig jüdische Aerzte in ihren Dienst. Es ist bekannt, daß Ntaimonidcs, der bahnbrechende Denker des Judruthums, als Arzt am Hofe Saladins in Aegypten in sehr hohem Ansehen stand. In Spanien begegnen wir in demselben Zeitalter, in dem im übrigen christlichen Abendlande verschiedene Konzile die Konsultation jüdischer Aerzte verboten hatten, häufig an den muhammedauischen Höfen jüdische Leibärzte. Einige derselben haben sich durch ihre hervorragenden Talente zu den höchsten staatlichen Stellungen aufgeschwungen. Um 1066, in der Zeit, in der die Juden Deutschlands glücklich waren, wenn sic unangefochten mit dem Zwerchsack auf der Schulter dem Handel von Dorf zu Dorf nachgehc» kouutcn, bekleidete der Arzt Abu-Fadhl Ehatzdai am Hofe des Herrschers von Saragossa die Würde eines Vezirs. Er war auch Dichter, sang aber nur arabische Lieder. „Wenn Abu-Fadhl," sagte ein arabischer Kunstrichter, „dichtete, glaubte man Zauberei wahrzunehmen; er reihte nicht Verse, sondern Wunder aneinander." Abu-Ajub Salomo Jbn-Almuallem war in der Mitte des zivölsten Jahrhunderts, in derselben Zeit, in Der die Krenzzügler in Deutschland mordend über die Juden herfielen mit dem Rufe „Gott tvill es haben", Leibarzt und Vezir des Ehalifcn Ali in Sevilla. Auch dieser Arzt war Dichter, dessen Dichtungen man nachrühmte, das; sie die Lippen der Stummen beredt und das Auge der Blinden hellsehend machten. Seltsam ist die Vereinigung der nüchternen trockenen Wissenschaft der Mdizin mit der Dichtkunst, die doch eine Tochter der lebhaften Phantasie ist und im Gemüth wurzelt, das der Arzt unter der schärfsten Lupe nicht sicht, oder mit der Philosophie, die aus dem unsichtbaren Quell des Geistes entspringt. Unsere berühmtesten jüdischen Dichter und Denker im maurischen Spanien waren gleichwohl Aerzte. klnser glänzendster hebräischer Dichter, den wir auch als einen Denker bewundern, Abul-Hassan Jehuda Halevi, klagt einmal darüber, daß „er sich selbst in den Slunden, die weder zum Tage noch zur Nacht gehören, mit der Eitelkeit der Heilkunde beschäftigen muß, obwohl er nicht zu heilen vermöge". Die Juden trieben die Heilkunde theils als Brodstudium, thcils nur theorethisch als wisscuschastliche Disziplin. Einer der verdienstvollen jüdischen Aerzte Spaniens, dem seine o-laubcnsgeuossen ihre geistige Erhebung in Spanien verdankten und . mit dessen Namen der Aufschwung der jüdischen Wissenschaft daselbst

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