Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
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399 reinen ausgenommen len; in- und g über das eine Thierromanischen )er Volksabüigiösen Geen erblickten, »er Mehrhei! icht, daß die i), die Hofflantone) ge Verfassnngs katholischen 'Hoden), von irden, haben t. So geh! Bürger um' o in Deutsch :ben. Dem der Ministe; aufgehoben der Thier einem Leit allen. Dor^ rschutzvereun in Aufrnfei i semitische haben. An in unseren x Humanitä vird leichten er sattsain den hinein leggenonnne! Beseitigung > welches bev . Der jetv tiativantrag , welche fn sie in augeli Erörterungen cregte Meng ten Begehrei n'mengungen :es auf Logii begriff eine ge von eil. kommen, mn ging übe. erst in ruhten Eingabe^ g der aller Handlunger chten zweie: is Schächten lg: l Inhalt de >r. Nehrdorl tönigl. prellßischen Departenlentsthierarztes für die Provinz Ostpreußen, datirt Königsberg, den 6. März 1893, über die Schächtfrage. Ich kann um so eher mit voller Ueberzeugung dem Gutachten des Herrn Dr. Nehrdorf in allen feinen Theilen zustimlnen, als ich ebenso wie mein Kollege Professor R. Birchow und andere Physiologen voll Ruf dieselbell Sätze, toemt auch in anderer Form, aufgestellt und verteidigt habe. Die jetzige Agitation für Aufstellung eines Schächtoerbotes in der Bundesverfassullg halte ich, wie die ganze von Deutschland alls in die Eidgenossenschaft übergeleitete antisemitische Agitatioll für ein Verbrechen an der Civilisation, nnb wenn die Motion allgenommen werden sollte, würde ich diese Annahme als einen Schandfleck betrachten, der niemals auszutilgen wäre." Das angezogene Gutachten Virchows, bestätigt in Berlin am 7. Juli d. I.. gipfelt in folgellden Sätzen: „Wenll alle Bestimmungen des Rituals vollständig erfüllt worden, was bei der Natur der Handlung sicher zu erwarten ist, so wird der Zweck des Schüchtens (unnöthige Quälerei;u vermeiden und durch vollständige Entfernung des Blutes das Fleisch für den menschlichen Gebrauch besser zu machell) in uilgleich j sicherer Weise erreicht, als durch irgend eine andere Art der Tödtullg. j Meiner Meinung nach kann daher mit irgend einem Schein von; Recht nicht behauptet werdeil, daß das Schächten im Gegensätze zu j anderen Arten des Schlachtens eine Thierquülerei sei." Es ist ein wahrer Jammer, daß in der Zeit des Taubensports, j der Distanzritte und der seltsamsten Jagden unsere Thierschutzvereine ' ihre Agitation nur gegen das Schächten richten. Am Sonntag haben auch die Wahlen für die Deputirtenkammer in Frankreich stattgefunden. Eine große Allzahl jüdischer Kandidaten ist ausgestellt, aber die Resultate sind noch nicht bekallnt. Gewählt sind jedellfalls, zum Theil mit sehr großen Majoritäten: ^osef Reinach und D. Raynal, während der Antisemitenführer E. Drumont ill Amiens schmählich durchgefallell ist. Er erhielt - nur 3000 von 20,000 abgegebenen Stimmen. Francis Magnard sagt darüber im „Figaro", daß Drumonts Antisemitismus zum Antij tapitalismus geworden und dadurch die Wähler erschreckt habe. U Aus Ostpreußen.! Von Moritz Scherbe! in Gumbinnen. In der „Gumbinner Zeitung" lesen wir: „Der hier wohnende Handelsmann Gerson begab sich gestern Morgeri mit seinem Fuhr- : werk in Geschäften nach Stallupönen und kehrte des Abends von dort hierher zurück. Er hatte Rucken geladen. Bald nach Mitterj »acht, als er sich auf der Chaussee zwischen Trakehnen und Guml binnen befand, erschienen Plötzlich zwei riesengroße mit Knütteln! bewaffnete Kerle vor ihm, ivelche mit dem Reife: „Jude, halt, gif i Geld her", ihn anhielten. Der Eine der Beiden spannte das Pferd ab, während der Andere den Handelsmann selbst angriff, dessen Peitsche zerbrach und ihn furchtbar mißhandelte, als er vergebens i Geld von ihm verlangte und bei ihm suchte. Der Angegriffene! hatte, nichts Gutes ahnend, schon bei dem Anruf sein Geld und! Messer zlvischen die Säcke geworfen, was von den Angreifern trotz! allen Suchens nicht gefunden wurde. Wüthend darüber nahmen sie I das im Hintertheil des Wagens liegende Gebetbuch und Gebote, I warfen sie umher und zerrissen sie. Darauf verschwandeir die Räuber und der Handelsmann kam zwar mit dem Leben aber mit geschundenem Rücken zu Hause an, wo er sich noch jetzt nicht vom Schrecken erholt hat." i Derjenige, von dem hier die Rede, ist ans dem benachbarten Rußland eingewandert »nd hat sich hier ansässig gemacht. Er erfreut sich, was wohl in unseren Tagen verzeichnet zu werden verdient, der ganz besondern Gunst eines christlichen Gutsbesitzers hiesiger Gegend, eines Herrn von Below. Was dieser edle Christ an dem reichlich mit Kindern gesegneten, schwer sich ernährenden Manne thut, kann kaum mit Worten wiedergegeben werden. Er giebt ihm Acker zum Ansstecken von Kartoffeln, er giebt ihm Futter für das Pferd und was sonst noch der häusliche Bedarf erfordert; im verflossenen Winter bürgte er mit seiner Unterschrift bei dem hiesigen Borschußverein für eine Summe deren Gerson bedurfte. Im Allgemeinen jedoch beginnt die Bewegung gegen die Juden auch in hiesiger Gegend sich fühlbar zu machen. Die bis hierher gedrungenen antisemitischen Flugblätter habe», wenn auch nur theilweise, ihre Wirkling gethan. Ein sonst sehr freisinniger intelligenter Bürger ist im Stande, mir gegenüber die Meinung anszusprechen, daß der Gebrauch des Blutes zu rituellen Zwecken, wennschon nicht bei den aufgeklärten Juden, doch aber bei den abergläubischen, fanatischen Angehörigen unseres Glaubensbekenntnisses vorhanden sein könne. Ein Gymnasiallehrer spricht sich in einer Gesellschaft dahin aus, daß Ahlwardt mit seinen Behauptungen entschieden im Rechte sei. Wenn auch in milderer Form und noch immer die Oeffentlichkeit scheuend, macht sich der antisemitische Geist hier und in der Umgegend fühlbar. Wo sind die Zeiten, wo hiesige Bürger und zahlreiche Gutsbesitzer vom Lande von ihrem christliche» Bekenntnisse nicht zurückgehalten wurden, unsere Gemeinde bei dem Bau ihrer Synagoge zu unterstützen, ohne daß sie darum angegangen waren! Sonst aber muß man es zngestehen, daß in den hiesigen höheren Lehranstalten — Gymnasium und Realschule — eine Toleranz obwaltet, die wohl anznerkennen ist. Ob man aber darin noch so weit gehen würde, >vie es früher geschehen, daß z. B. das Schreiben eines griechischeil Extemporales von Sonnabend auf Montag verlegt wlirde, weil der Baker eines jüdischen Schülers um solches bat, möchten wir denn doch bezweifeln. In sämintlichen städtischen Schulen genossen die Kinder des jüdischen Beamten freien Unterricht; von den Kommunalabgaben war derselbe befreit. Letzteres ist schon seit Langem nicht mehr der Fall. Bei der hiesigen Garnison werdeil oft Söhne der an der Grenze wohnenden Juden russisch-polnischen Ursprungs eingestellt. Hier kann man so recht wahrnehmen, was die militärische Disziplin aus dem Menschen zu machen vermag. Es vollzieht sich eine förmliche ästhetische Kultivirung mit ihnen. Andererseits muß zugestanden werden, daß die betreffenden jungen Leute sich die erdenklichste Mühe geben, um sich für den militärischen Dienst gerecht zu machen. Auf der primitivsten Stufe zeitgemäßer Gepflogenheit stellen sie sich gewöhnlich bei mir vor, und zwar in erster Reihe bei Ablegung des Fahneneides und dann, lvenn es sich darum handelt, für ihre rituelle Bespeisung zu sorgen. Der ästhetische Abschliff tritt mit jedem Tage heller zu Tage. Die zuerst fast ganz unverstündliche Sprache macht allmählich dem klaren deutschen Ausdruck Platz, und wenn einer dieser Zöglinge militärischer Ausbildung, der bei mir seinen Sabbathtisch hatte, als Rekrut zu mir sagte: „Heute hat mich der Herr Hauptmann wieder „geprahlt" (gelobt), so konnte er am Ende seiner Dienstzeit schon von ganz exakten Leistungen sprechen, welche seine Vorgesetzten an ihm gerühmt. Man kann fast behaupten, daß die Aufführung sämmtlicher dieser jungen Leute beim Militär mustergiltig ist. Alle kommen sic schon nach zwei Jahren vom Dienste los, Alle haben sie sich die Gunst ihrer Borgesetzten und die Freundschaft der Kameraden erworben.