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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-18 · Heft 33 (18.8.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 33 (18.8.1893)
Date
1893-08-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Danziger Gemeinde eine bedeutende Summe gesammelt, um gegen jeben Kampf gerüstet zu sein. Weniger erfreulich dürsten die Berichte lauten, die Kunde bringen foUcn von dem inner« religiösen Leben einzelner Gemeinden, die eines Rabbiners entbehren. Da begegnen uns Gemeinden, in denen nur ein Beamter angestellt ist, der natürlich in erster Reihe alst Kantor, dann als Schächter und in letzter Reihe als Lehrer seines Amtes waltet. Ohne jede moderne und pädagogische Vorbildung ist dieser wohl stimmbegabte und des Schächtens kundige Beamte nicht im Stande, die ihm auvertraute Jugend mit den Lehren und Idealen des Judenthums vertraut zu machen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Werner-Danzig ein Komitee von Provinzialrabbinern zusammengetreten, um einen Verband der Provinzialgemeinden ins Leben zu rufen; in erster'Reihe soll der Verband die Aufgabe haben, da helfend einzutreten, wo die erwähnten Mißstände obwalten. In vielen Gemeinden hat das selbstlose, nur der heiligen Sache gewidmete Streben der Herren Rabbiner eine freudige Zustimmung gefunden; einzelne Gemeinden dagegen scheinen gar nicht zu wissen, was ihnen fehlt und was sie entbehren, und verhalten sich der ihnen gegebenen Anregung gegenüber bisher gleichgiltig. Es ist wahrlich hohe Zeit, daß unsere Jugend mit dem religiösen Wissen ausgerüstet werde, das sie befähigt, den drohenden Gefahren mit Muth und Verständniß entgegenzutreten und für die ererbten Heiligthümer sich zu begeistern. „Wenn nicht jetzt, wann denn?" Von Neuem werden nunmehr die Rabbiner unserer Provinz, welche zu der Gründung des Provinzialverbandes erwählt sind, an die einzelnen Gemeinden sich wenden und sich bemühen, eine Vereinigung ins Leben zu rufen, die für die religiöse Entwicklung der Gemeinden sorgen soll, in denen bisher für einen gedeihlichen Religionsunterricht nicht Genügendes geleistet worden ist. Wenn erst ein solcher Provinzialverband geschaffen ist, dann wird aus demselben noch vieles Andere sich entwickeln, das dem Judenthum in unserer Provinz zum Heile dienen wird. Möge das Werk gelingen! -/V Frankfurt a. M., 14. August. In diesen Tagen ist der folgende Aufruf des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt a. M. verschickt worden: In den letzten Monaten ist in der jüdischen Presse öfters davon gesprochen worden, daß es an geschulten jüdischen Krankenpflegerinnen fehle, daß es Pflicht sei, Bildungsstätten zu finden, in welchen die Gelegenheit zur Erlernung des hohen und bedeutungsvollen Pflegerinnenberufs auch jüdischen Mädchen geboten werde. — Nun aber besteht in Frankfurt a. M. seit vier Jahren eine Schule für jüdische Schwestern; fünf Pflegerinnen sind ausgebildet und walten eifrig ihres Amtes; drei tüchtige Schülerinnen geben Hoffnung auf baldige Vergrößerung der kleinen Schaar. Wenn aus Frankfurt heute auf den Inhalt jener Besprechungen eingegangen wird, so geschieht das, um von den Fortschritten zu berichten, welche die beregte Angelegenheit in der letzten Zeit gemacht hat. Bisher war die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen ein privates Unternehmen, gestützt auf einige wenige Männer; die Ausbildungsstätte war und blieb das Krankenhaus der israelitischen Gemeinde in unserer Stadt. Jede ausgebildete Schwester wurde selbstständig, hatte für ihr Fortkommen allein zu sorgen, wenn sie nicht in einem Hospital eine feste Anstellung fand. In den interessirten Kreisen wurde dann der Wunsch rege, eine feste Organisation zu gründen und eine Oberleitung zu schaffen, welche sich mit den Angelegenheiten der Schülerinnen und Schwestern befasse. Heute besteht der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, dessen Mitglieder durch einen beliebigen Jahresbeitrag die Wohlfahrt der Schwestern fördern helfen. Neun Herren (darunter vier Aerzte) bilden den Vorstand des Vereins, welchem die aktiven Schwestern und die Schülerinnen sich unterstellt haben. Der Zweck des Vereins besteht darin: 1. jüdische Mädchen zu Krankenpflegerinnen heranzubilden, die allen an tüchtige Krankenpflegerinnen zu stellenden Anforderungen Genüge leisten; 2. unter Leitung des Vereins ausgebildete, beziehungsweise geprüfte jüdische Krankenpflegerinnen (Schwestern) gegen festzustellendes Honorar, auf Erforderniß auch unentgeltlich als Armen-Krankenpflegerinnen dem Publikum ohne Unterschied der Konfession zur Verfügung zu stellen. Die Bedingungen für die Aufnahme von Schülerinnen sind folgende: Kl. Zu Krankenpflegerinnen können Mädchen jüdischer Konfession herangebildet werden, welche aj zwischen dem 21. und 30. Lebensjahre stehen (unter besonderen Verhältnissen sind Ausnahmen gestattet); b) sich eines tadellosen Rufes erfreuen; c) vollständig gesund und ununterbrochen arbeitsfähig sind (insbesondere dürfen Störungen des Nervensystems nicht vorliegen); 4) mindestens tüchtige Elementarkenntnisse besitzen; e) Uebung in den gewöhnlichen häuslichen Verrichtungen haben. § 2. Jedem Aufnahmegesuch sind beizulegen: a) ein von der Bewerberin selbst verfaßter Lebenslauf, mit genauer Angabe der Gründe, welche dieselbe zur Krankenpflege führen; Ir) ein Geburtsschein; e) ein Leumundszeugniß und genügende Referenzen; d) Schulzeugnisse. Nach Einlieferung der erwähnten Papiere wird ev. der Bewerberin ein Fragebogen zugesandt, welcher ausgesüllt zurückzuschicken ist. (Die Vorschriften für die Lehrzeit, die Bestimmungen für die Schwestern, des Dienstreglement für die Privatkrankenpflege, dies Alles ist in den Statuten, die gedruckt vorliegen, vollständig geordnet.) Aus diesem Reglement geht deutlich der Geist hervor, in welchem die Angelegenheiten der Schwestern von jetzt ab durch den Vereinsvorstand geführt werden sollen, der Geist der äußersten Toleranz und der Menschlichkeit. Für die materielle Wohlfahrt der Schwestern ist nicht nur zur Zeit ihrer Arbeitsfähigkeit, sondern auch bei Krankheit, Alter, Invalidität ausgiebig durch die Möglichkeit der Pensionirung gesorgt. Schon heute bietet der Verein den Schwestern ein gemeinsames „Heim", in dem sie Erholung und geistige Anregung finden werden. Als zweite Bildungsstätte für Schülerinnen ist das „Jüdische Asyl" in Köln gewonnen worden. So sieht denn der Vereinsvorstand schon heute auf eine erfolgreiche Thätigkeit zurück. Und nun ist die Zeit gekommen, daß wir junge Mädchen, die zum Beruf der Krankenpflege die rechte Neigung in sich fühlen, auffordern, sich bei uns zu melden und sich unserer Führung anzuvertrauen! Mögen recht viele, recht tüchtige kommen, um vereint mit unseren bisher bewährten Schwestern an dem edlen Liebeswerke mitzuarbeiten! Der Vorstand des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen. Anfragen und Meldungen sind zu richten an den Schriftführer Dr. Schlesinger, Köniawarterstraße 3, Frankfurt a. M. X Friedberg (Oberheffen), 13. August. Unsere altehrwürdige Gemeinde hat durch den Tod eines ihrer wackersten und thätigsten Mitglieder, des Herrn Eduard Hirsch, einen schweren Verlust erlitten. Als würdiger Sohn des durch seine talmudische Gelehrsamkeit ausgezeichneten Mayer Hirsch nahm sich der Verstorbene in seiner Eigenschaft als Stadtrath und Mitglied des Schulvorstands des jüdischen Religionsschulwesens, das zu jener Zeit noch sehr im Argen lag, in hervorragender und sachverständiger Weise an. Es gelang ihm nicht nur, den jüdischen Religionsunterricht in jeder Beziehung dem christlichen gleichzustellen, sondern er arbeitete auch einen Lehrplan für denselben aus, der jedem Lehrer zur Ehre gereichen würde. Diese Thätigkeit verdient um so mehr Anerkennung, da sie in einer Zeit erfolgte, wo man in Hessen diesem Gebiete des jüdischen Lebens leider nur allzu wenig Aufmerksamkeit schenkte. In gleich energischer und selbstloser Weise nahm sich der Verstorbene der Wohlthätigkeitsanstalten an. Man konnte sicher sein, daß ein Verein, in dem er als Vorstand thätig war, in mustergiltiger Weise geführt wurde. Er besaß auch die seltene Gabe, nicht nur selbst zu allen gemeinnützigen Institutionen reichlich beizusteuern, sondern auch seine zahlreichen Freunde und Bekannten zum Geben zu veranlassen. Dies zeigte sich besonders bei seiner letzten Schöpfung. Durch seine Energie und rastlose Thätigkeit brachte er es nämlich dahin, daß eine schöne Leichenhalle erbaut und die alten und verfallenen Grabsteine auf unserem alten Friedhose wieder ausgerichtet und renovirt wurden. Bei der Beerdigung zeigte sich, wie groß sein Ansehen bei der ganzen Bevölkerung war, denn alle Konfessionen und alle Stände waren zahlreich vertreten. Am Grabe entwarf Herr Rabbiner Dr. Salfeld von Mainz in formvollendeter Rede ein Lebensbild des Berstorbenen und feierte seine segensreiche Wirksamkeit auf allen Gebieten menschlichen Lebens und Strebens. g. Bruchsal, 11. August. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden wird in Karlsruhe stattfinden. Zeitiger Delegirter des Bezirksausschusses Karlsruhe ist Herr Stadtrath Fr. Hamburger; an Stelle des in Folge seiner Uebersiedelung nach Wien als Direktor des österreichischen Rabbinerseminars ausgeschiedenen Herrn Stadt- und Konferenzrabbiners Dr. Schwarz wird eine Neuwahl für den Gesammtvorstand vorgenommen werden. Unter Dr. Schwarz' thatkräftiger Leitung wurde der Verein in der konstituirenden Versammlung badischer Israeliten am 20. Mai 1868 begründet und die vorzügliche Organisation nach Rabbinatsbezirken durch ganz Baden für denselben nutzbar gemacht. Für das Jahr 1892 betrugen die Mitgliederbeiträge und Schenkungen aus den 14 badischen Rabbinatsbezirken allein 15,709 Mark. Es wurden

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