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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-18 · Heft 33 (18.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 33 (18.8.1893)
Date
1893-08-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Gerlin, 18. Angnft 1863. 57. Jahrgang. Ar. 33. Der Gemern-ebote. WeUage zuv „AtLgemeinen Zeitung des Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. F. Berlin, 15. August. Bereits rüstet man sich in der Reichshauptstadt, um dem vermehrten religiösen Bedürfniß an den bevorstehenden hohen Feiertagen zu genügen. In der Zeit vom 7. bis 30.August erfolgt in den Gemeindebüreaus die Erneuerung des Missverhältnisses der Plätze. Der Vorstand der Hauptgemeinde stellt in diesem Jahre in zehn (sonst neun) umfassenden Räumen Gottesdienst her, nämlich in den vier Hauptsynagogen, ferner in den Sälen der Philharmonie, Bernburgerstraße 22, der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9, des Vereins junger Kaufleute, Beuthstraße 20, des Hotel Imperial, in den Germaniasälen, Chausseestraße 103, sowie in dem Konzertsaale Friedrichshain, für den die Repräsentantenversammlung kürzlich die Kosten zur Aufstellung eines Harmoniums genehmigte. Die Zahl der ständigen Synagogen der Nebengemeinden und Religionsvereine hat sich um eine vermehrt: Beth Zion; dazu kommen Adaß Israel, Adaß Jeschurun, Adaß Reim, die Synagoge an der Potsdamer Brücke, Ohel Jacob, Beth Jacob, N'weh Schalom, B'ne B'rith, Lippwann-Tauß-Synagoge, Schochare Hattob, sowie die Synagoge der Reformgemeinde, welche in diesem Jahre zum ersten Male auch einen Nebengottesdienst im Westen, im Saale Bechstein in der Linkstraße eingerichtet hat. Ferner gehören hierher die beiden Synagogen des Beth Hamidrasch, der Chewrath Schaß, der Betsaal des Auerbachschen Waisenhauses, sowie eine Anzahl kleinerer Betstätten, an denen sich jahraus, jahrein ein ständiges Minjan zusammenfindet. Der Vorstand der Hauptgemeinde subventionirt auch eine Reihe von Privatunternehmern, welche eine große Anzahl von Sälen gemiethet haben, um in denselben einen mehr oder weniger würdigen Gottesdienst zu den hohen Festtagen herzurichten, an vielen Stellen mit Chor und Begleitung der Orgel, fast ausnahmslos mit Predigt. Wir heben die folgenden hervor: Singakademie, Konzerthaus, Grand Hotel Alexanderplatz, City- Hotel, Altstädter Hof, Coneordia-Festsäle, Architektenhaus, Handwerkerverein in der Sophienstraße, Moabiter Kasino, Dräsels Festsäle in der Neuen Friedrichstraße. Kurz vor den Festtagen pflegt sich die Zahl dieser Betstätten noch zu vermehren, die allerdings immer nur als Nothbehelf in Folge eines gesteigerten Bedürfnisses betrachtet werden können. Sollte die geplante Einverleibung der Vororte in ein „Groß-Berlin" durchgeführt werden, so wird die Erbauung von einigen kleineren würdigen Shnagogen eine unabweisbare Forderung werden. In Pankow findet wie im vorigen Jahre Festgottesdienst im Saale des jüdischen Lehrlingsheims statt. In Charlottenburg finden zwei synagogale Veranstaltungen mit Unterstützung der Berliner Hauptgemeinde statt. Möge die Andacht an allen Orten eine der Bedeutung dieser hohen Festtage entsprechend würdige und weihevolle sein! -i*. Berlin, 14. August. Der Baruch Auerbach-Verein, eine Vereinigung ehemaliger Zöglinge der Baruch Auerbachschen Waisen- Erziehungsanstalten beging gestern in der Halle des alten Gemeindefriedhofs in der Schönhauser Allee die Gedächtnißfeier für Baruch Auerbach, aus Anlaß von dessen hundertstem Geburtstage. Nach einem einleitenden Gesangvortrage, der durch Doppelquartett von Männerstimmen, unter Mitwirkung eines Harmoniums ausgeführt wurde und das schöne „Kehre zurück meine Seele" von Lew and o w sky zu würdigem Ausdruck brachte, entrollte der Vorsitzende des Baruch Auerbach-Vereins, Herr I. Kussel, in großen Zügen und aus dem echten Gefühl liebevoller Dankbarkeit ein Bild von dem um die Waisenpflege so hochverdienten Manne, er schilderte sein mildes, herzlich freundliches Wesen und seine Thatkraft, der es gelungen sei, aus winzigen Anfängen unter dem steten Beistände edler Menschenfreunde eine mustergiltige Erziehungs-Anstalt für Waisen zu schaffen, die schon zahlreichen Zöglingen ein zweites Elternhaus geworden und deren ehemalige Pfleglinge zum großen Theil geachtete Lebensstellungen ausfüllen. Mit warmem Empfinden rief er das Gedächtniß an den un seit fast einem Menschenaller Dahingegangenen wach und weihte schöne, von Herzen kommende und die Herzen der zahlreich erschienenen Festtheilnehmer bewegende Worte der Erinnerung auch der Gattin des hochherzigen Schützers der Verwaisten, der Frau Emma Auerbach geb. Heller. Es folgte der Vortrag der Motette von Klein: „Wie lieblich ist Deine Wohnung, o Herr," nach deren Schluß einer der derzeitigere Erzieher an der Waisenanstalt das Wirken und die Leistungen Baruch Auerbachs aus einem allgemeineren Gesichtspunkte zu betrachten versuchte. Die Ansprache führte den Gedanken aus, wie durch die körperliche, materielle, geistige und sittliche Ausrüstung der den Anstalten anvertrauten Waisen neue nützliche Glieder der bürgerlichen Thätigkeit zugeführt wurden, die nunmehr werthvoller Ersatz sein sollten für ihre früh dem Schaffen entrissenen Eltern; ferner wie Baruch Auerbach aus der Tiefe seines religiösen Empfindens die Pflicht praktischer Nächstenliebe den Herzen seiner Zöglinge einzupflanzen bemüht war. Hiernach sprach einer der älteren gegenwärtigen Zöglinge in lebendig hinfließender, freier Rede die Gefühle der Dankbarkeit gegen den unvergeßlichen Stifter der Waisenanstalten aus, die von den Zöglingen durch die That und durch ehrenvollen Wandel im Leben, durch die Bestätigung der Ideale des Wahren und des Sittlich-Guten anr würdigsten erwiesen werden könne, und daß Baruch Auerbach auch heute noch dem Nachlebenden Geschlechts, das seiner Mühe Frucht.genießt, ein leuchtendes Vorbild im Streben sein müsse. Ein Gedächtnißgebet in hebräischer und deutscher Fassung, von Herrn Benjamin Bleichrode, dem Vorbeter der Anstalten, vorgetragen, und die Lieder „Schlummre sanft" und „Ueber den Sternen wohnt ewiger Friede" schlossen die einfache und dem Wesen des Gefeierten entsprechende Gedächtnißfeier, der unter Anderen die Vorsteher der Auerbach'schen Anstalten Herr Kommerzienrath Jakob Israel und Herr- Louis Gradenwitz, sowie der Bruder des Ersten, Herr Moritz Israel beiwohnten. Die Leitung der Gesänge lag in den Händen des Herrn Kapellmeisters A. Kellermann. An der mit prachtvollen Kränzen von Seiten des Baruch Auerbach-Vereins und der Baruch Auerbach'schen Waisenanstalten geschmückten Grabstätte ward noch ein, von einem ehemaligen Zögling in gebundener Rede abgefaßter und aus Wien telegraphisch übersandter Gruß zur Gedächtnißfeier verlesen. * Berlin, 14. August. Bezüglich der Theilnahme von Schulkindern am Religionsunterricht, die einer anderen Konfession als der Lehrer angehören, hat sich die königliche Regierung zu Breslau veranlaßt gesehen, die Kreisschulinspektoren ihres Bezirks darauf hinzuweisen, daß nach der wiederholter: ausdrücklichen Anordnung des Kultusministers Schulkinder, die nicht zur Konfession des Lehrers gehören, zur Theilnahme an dem Unterrichte in Religionslehre oder der biblischen Geschichte, wie er in der Schule ertheilt wird, nicht angehalten werden dürfen, diese Theilnahme vielmehr nur dann zu gestatten ist, wenn Eltern oder Vormünder sie ausdrücklich verlangen. * Berlin, 14. August. Es ist vielfach tm Publikum die irrthümliche Meinung verbreitet, daß die neulich von uns gebrachte Nachricht über die Bleichrödersche Stiftung im Betrage von einer Million Mark zum Zwecke der Errichtung einer städtischen Heilanstalt für Brustkranke re. sich auf eine erneute Spende des Herrn v. Bleichröder beziehe. Dies ist nicht der Fall, vielmehr handelt es sich hier um die vor drei Jahren begründete Stiftung in Höhe von einer Million Mark, die Herr v. B. zur Förderung des Heilverfahrens durch Professor Koch'sches Tuberkulin spendete. Da indessen dieses Heilverfahren bis zur Zeit den erwarteten Erfolg nicht hat, soll nun die angegebene Summe zur Errichtung eines städtischen Sanatoriums für Brustkranke u. s. w. Verwendung finden. V Aus Westprentzen, im August. Unsere Provinz, die ungefähr 50 Gemeinden — zum Theil recht zahlreiche — zählt, ist zum größten Theil von der antisemitischen Seuche frei geblieben. In der letzten Wahlkampagne ist in keinem Kreise ein antisemitischer Kandidat aufgestellt worden. Viele Gemeinden Westpreußens sind unter Leitung der Danziger Gemeinde zusauunengetreten, um jeder antisemitischen Regung in der Provinz entgegenzutreten, und mit rühmenswerther Opferfreudigkeit haben die Israeliten unserer Provinz und besonders die Mitglieder der

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