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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-18 · Heft 33 (18.8.1893) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 33 (18.8.1893)
Date
1893-08-18
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 wo der Xenil und Darro mit ihren goldgelben Wellen zwischen dem Schiiielz der immergrünen mit Orangen und Granatäpfeln beladenen Bäume Hindurchschimmern und kühlende Winde von den benachbarten schneebedeckten Bergen Alles mit Wohlgerüchen erfüllen. Schwer ist cs, dieses Meisterwerk der sarazenischen Architektur in Worten zu beschreiben und das eigenartige Leben, das hier so frisch und kräftig pulstrt hat, erschöpfend zu schildern. Die Alhambra macht von Außen den Eindruck einer gewaltigen Beste. Hinter die starken Mauern derselben barg sich ein ganzes Heer muthiger Streiter, die vor Begierde brannten, sich mit den Christen zu messen, welche siegreich gegen den Süden Spaniens vordrangen und immer mehr an Boden gewannen. Im Innern des Zauberschlosses reihen sich in langer Flucht Säulenhallen an Säulenhallen, welche weitläufige Höfe umschließen, deren schönste der berühmte Löwenhof ist, so genannt nach einem auf zwölf Löwen von schwarzem Marmor ruhenden Bassin von Alabaster, aus dem ein Springbrunnen seinen kühlenden Strahl emporsendet. Plätschernde Springquellen, von duftigen Blunienbeeten umrahmt, spenden an allen Ecken und Enden Erquickung in der Gluth der andalusischen Sonne. In diesem Walde von schlanken, zierlichen Säulen lustwandelte der Hofstaat, der nicht kleiner war wie am Hofe des Königs Salomo. Die geräumigen Säle, die sich in schier unendlicher Reihe an einander schließen, überbieten einander an der farbenreichen von Gold strotzenden Ornamentik mit der die Wände bedeckt sind. Man kann sich nicht satt sehen an der Pracht des Saales der Gesandten, wo die Abgeordneten fremder Herrscher erschienen, um dem Chalifen ihre Huldigung darzubringen oder über wichtige Staatsgeschüfte mit ihm zu verhandeln, so wie des Saales des Gerichts mit der erdrückenden Fülle der mit einander verschlungenen Bogen, wo die maurischen Fürste» täglich Recht sprachen. Wie diese Räume dem Ernste, so waren die gegenüber liegenden zur Wohnung der königlichen Familie bestimmten Räume dem heitern Genüsse geweiht. Hier in den Festsälen ertönten die Lieder, welche die arabischen Sänger zum Ruhme des Propheten, zur Verherrlichung der Macht der Chalifen anstimmten. Hier in den schattigen Gärtchen lauschten die arabischen Schönen den Liebesbetheuerungen, den Schmeicheleien ihrer Kavaliere, die aus der wogenden Menge sich in den stillen Winkel zum süßen Stelldichein zurückgezogen hatten. Hier athmet Alles den heitern Genuß eines träumerisch-poetischen Daseins. Maurische Prachtbauten gab es ja auch sonst in Spanien. Wir nennen nur die Moschee von Cordova, jetzt Kathedrale, sowie den in Trümmer gesunkenen Herrscherpalast A-zahara bei Cordova, der auf 4312 Säulen geruht hat. Die Alhambra aber ist und bleibt das Schmuckkästchen der Kunst des Islams. Sie erscheint uns wie ein in Stein gehauenes Märchen aus Tausend und einer Nacht. Rege und reich, wie die Baukunst der Mauren in Spanien, war deren Geistesleben, wie es sich in deren Dichtkunst und in den verschiedenen Zweigen der Wissenschaft wiederspiegelt. Die wichtigsten Sitze derselben waren Cordova, das jetzt 49,000 Einwohner zählt, unter der Herrschaft der Mauren aber über eine halbe Million Einwohner hatte und 113,000 Häuser, darunter prunkvolle Paläste in großer Menge und 3000 Moscheen enthielt, so wie Granada, das jetzt so groß wie Augsburg ist, unter der Herrschaft der Mauren aber 400,000 Einwohner hatte und von einer Ringmauer mit 1030 Thürmen umschlossen war. In letzterer Stadt gab es 50 gelehrte Schulen, in denen die Söhne der Unbemittelten kostenfreien Unterricht empfingen. Daher kam cs, daß in Andalusien fast Jedermann schreiben und lesen konnte, während im christlichen Europa selbst hochgestellte Personen, sofern sie nicht der Geistlichkeit angehörten, selbst gefeierte Minnedichter, wie Walther von der Bogelweide, weder schreiben noch lesen konnten. In Granada fanden sich 40 Bibliotheken, deren größte, die des Chalifen Hakam II., 400,000 Bände umfaßte, deren Verzeichn« der Titel allein 44 Bände zu je 50 Bogen füllte. Hakam hall« überall in den großen Städten des Orients von Kairo bis Bagdn» seine Agenten, welche Abschriften neuer Werke, die nur irgend o« Bedeutung Anspruch erheben konnte», besorgen und werthvo ll Exemplare älterer Werke uni jeden Preis ankauften mußten. Siil seinem Hofe umgab er sich mit gelehrten Männern, deren Studi I er mit verschwenderischer Freigebigkeit unterstützte und förderte. §» Alhambra ist das Wahrzeichen jener höheren arabischen Kultur, il der sich der semitische Geist mit dem arischen vermählt, aus der-.» Born das christliche Abendland tausendfältige Anregungen eitle! neuen in reichster Blüthe sich entfaltenden Geisteslebens geschöpft holl Wenn ich von den Juden im Schatten der Alhambra spreche, bul stehe ich darunter den Antheil, den die Juden in Spanien an dc» daselbst unter der Herrschaft der Mauren aufstrebenden Kult»! genommen, und die Rolle, die sie bei der Vermittelung derselben ul das christliche Abendland gespielt haben. I Es giebt kaum einen Volksstamm auf Erden, der wie der isracll tische so zähe und widerstandsfähig gegen jeden fremden (Stuftuil ist in Allem, was seine Religion betrifft, und so fügsam und bin« fremden Einflüsse zugänglich in Allem, was die anderen Seiten hl menschlichen Kultur angeht. Die Juden haben sich zu allen Zeit J da, wo man ihnen die volle Freiheit gewährt hat, unbeschadet ihrl religiösen Ueberzeugung, an der sie mit unerschütterlicher Treue fcnl hielten, ethnisch und selbst ethisch assimilirt, das heißt der national-» Eigenart und der höheren Gesittung des Volkes angcschlossen, ni deffen Mitte sie lebten und dessen Land sie auch als ihr Vaterland betrachten durften. Es giebt keine jüdische Nation, kein jüdisch« Volk mehr, sondern nur jüdische Engländer, Franzosen und Deutsch, da wie dort bereit für die Ehre, den Ruhm und das Ansehen b« Landes mit ihrem Herzblut einzutreten, da wie dort nach denselb-» idealen Gütern der Nation mit ihrem besten Wollen und Könn» zu streben. Wenn wir jüdischen Deutschen zum Beispiel mit unsere» morgenländischen Glaubensgenossen zusammentreffen, stoßen wir tu« an deren uns fremdartig erscheinenden Semitismus und fühlen imA! ihnen gegenüber in unserer ganzen Lebensweise, in unseren A.»- schauungen als Arier, während wir selbst in unserer mchrtausenh jährigen Hcimath von den unverfälschten, christlichen Ariern >'!;> semitische Fremde angefeindet werden. In dem von Cyrus acgründeten Perserreiche haben die dahin exilirten Juden der Leim des Zoroaster manche wichtigen Ideen entlehnt. Nicht nur die gut«» sondern auch die bösen Geister, die sie daselbst kennen gelernt Hab-», sind arischen Ursprungs. In Alexandrien haben sich die Juden, oic zuerst von dem Könige Ptolomäus Lagt um 320 vor Christi da!»» exilirt worden und später freiwillig ausgcwandert sind, vollstänch gräzisirt. Der jüdische Philosoph Philo hat wie einer der bcßc» griechischen Denker geschrieben. Im nördliche» Arabien, in Jathrcb und Chaibar, haben die Juden, die daselbst seit der Zerstörung c« i ersten Tempels ansässig waren, sich in Sprache und Sitten derarug! arabisirt, daß sie in der Führung des Schwertes mit den Beduin »! wetteiferten und mit den arabischen Dichtern um die Palme b«; Sieges rangen. In Spanien, wohin sie nach der Zerstörung der! zweiten Tempels in sehr großer Zahl gekommen waren, haben « sich dermaßen eingebürgert, daß sie einigen Städten biblische Na»»»! beilegen durften. Die Namen der Städte rings um Toledo, u>k Eskaluna, Mazunda, Jopes und Aceca klingen in der That hebräml» können aber auch phönizischen Ursprungs sein. Die Stadt Tolcc« deren Namen nicht minder hebräisch klingt, Toledoth „die Geschlecht«" oder „die Geschichte", wurde wegen der großen Zahl der dan» wohnenden Juden „die Burg Zion" genannt. In Cordova gab «

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