Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- Seite 384 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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384 ,,Junger Bu', leicht ist's mir uit, daß i das Alles so von mir l geben soll, und — ober i will mm doch ein End mache». I hätt j ein stilles Wasser gesucht, da war's mit mir vorbei gewesen. Aber i der Bauer hat geredet. Erst ist die Frau kreidig bleich gewesen, stundenlang hat sie sich eingeschlvssen und »it gegessen mrd uit trunken. , Dann ist sie auf einmal daher kommen, wie den Katholischen ihre i gnadenreiche Mutter Maria. „Binele," hat sie gesprochen, „Dein Kind ■ soll meines sein, mir sind sie genommen, vielleicht will's der Herrgott so." j Ein schwacher Schmerzenslaut erklingt oben ain Fenster — die unter der Eiche vernehmen ihn nicht, denn Bartel ist emporgeschnellt : und stammelt: „Das Dörtle — das Dörtle," und sieht ganz! entsetzt das häßliche Weib neben sich au, das traurig nickt und sagt: j ,,Ja, freilich, 's Dörtle! Und nun ist's heraus — und gut ist's am End! Damals ist's der Bauer zufrieden gewesen, Niemand hat; darum gewußt als die Wehmntter, Lind die ist nach wenig Jahren , gestorben — das Kindle ist zu Rechten als Schwaderers Kind getauft! und wimderlieblich ist's gewesen, lind gar gute Eintracht ist zwischen! den Eheleuten wieder geworden. Da Hab i oft denken müssen, der! liebe Gott hab's genau so gewollt. Freilich, eins ist nur hart gewesen. Kein Recht Hab i an dem Mndcle gehabt, nur von Fern Hab i's! gesehn, und wenn i's verstohlen Hab eiiunal Haschen wollen, hat's! nach mir geschlagen, und als es reden könnt, hat's gesagt: Geh, Du j Wüste! Und i bin doch seine leibhaftige Mutter!"! Thränen drangen ihr in die gerötheten Augen und kamen! langsam über die hageren Wangen herab. j Binele hat sich gefaßt. „Was mm meine Absicht ist! I leid's; nit, daß sie der armen Dirn so mitspielen! Oft genug hat's mi gefreut, zu denken, es ist einmal Erb' von all dem Gut da! Aber i umbringen soll'» sie mir die Dirn nit! Eh thu i an die Obrigkeit; gehn und sag Alles und leid' die Straf, daß i's verschwiegen Hab.; 's ist mein Kindle und i will, daß cs zufrieden ist. Und solch ein Madie, das nit in die Eh gehört, über das hat nur die rechte Mutter j zu sage», Hab i einmal gehört — und drum will i's zugesprochen! haben — und dann soll's Euer sein!" Sie blickt ihn jetzt ganz kühn! und erwartungsvoll an. (Forts, folgt.) ' U Iwer Gedichte von Iehuda Satevi. j Uebersetzt von Dr. S. Flaschner. i I. Goula. j r?! mein Freund, kannst Du so ganz vergessen, - __ Wie Du in meinem Älrm geruht?! Bin ich für immer preisgegeben! Des Unterdrückers lkebernruth? Folgt' ich nicht einst mit heißer Liebe! In ödes, wüstes Land Dir nach?! Ruft nicht Se'ir, Parans Gebirge, j Nicht die Erinnerung Dir wach?! Dort schenkte ich Dir meine Liebe, j Hast Du mir Deuce Huld verliehn;! Kannst Tu jetzt eine And're lieben | Und ich soll Deine Nähe sliehn? j Du hast mich nach Seir verstoßen,! Hast mich nach 5^edar hingeschickt;! Schwer ward' in Jawan ich geprüfet, i Von Meders Joche hart bedrückt. Kann mich ein Anderer erlösen? Ist eine And're Dir so treu? O schenke Deine Gnad' mir wieder, > Sowie ich Dir mein Leben weih'! II. Die Zelte Salomos. ^lhr Zelte Salomos, voll Pracht! rSeitdem ihr in Arabers Macht, Wie seid ihr aller Herrlichkeit Wie aller Schönheit bar! „Die Menge, die in uns verweilt. Die ist durch alle Welt zertheilt. Und uns traf hartes Mißgeschick Unheilbar Weh fürwahr. Was heilig war in alter Zeit, Es steht in fremdem Land entweiht. Die Rose, die bei Disteln wächst. Die sollte glänzen gar!" Die in der Ferne sind verbannt. Die sich zu ihrem Gott gewandt, Einst ruft er sie beim Namen all'. Er ruft die ganze Schaar. Die alte Pracht, das alte Glück Erstattet er dereinst zurück. Und siebenfach erstrahlt das Licht, Das lang' verdunkelt war. * SpveLljfaat. An die Redaktion! Aus dem „Volk" ist in die „Neue Deutsche Zeitung" und wahr scheinlich in die gesammte antisemitische Presse ein Brief eines aftei Juden an seinen Sohn, der in einer Stadt des östlichen Preußens al Glaser arbeitet, übergegangen, worin er ihm zu einer Etablirung und Ver heirathung in einer anderen Stadt zuredet. Der Brief fährt dann fori. „S. ist nicht gut für Dich. Ich will, daß Du unter Inden leben sollst. Du bist leider Gottes vom Judenthum. Ich will Dir wieder aufhelseu, daß Du wieder zum Menschen wirst ... Es war mir schmerzlich genug daß Du bei einem Nichtjuden bist, aber ich konnte Dir nicht helfen. Jetz will ich Alles aufbieten, daß Du als Mensch dastehen sollst .. ." Dieser Brief hätte nun an und für sich kein öffentliches Interesse, wenn ihn nicht die Antisemiten als ein beweisendes Dokument einer ihrer ungeheuerlichsten Behauptungen ausbeuteten. Die „Neue Deutsche Ztg." bringt nach dem Abdruck in der bekannten liebenswürdigen Anmerkmu den Satz: „Der von uns veröffentlichte Brief enthält jedenfalls dev unanfechtbaren Beweis dafür, daß die Behauptung der Antisemiten richtig ist, „nach dem Talmud gelte der Nichtjude den Inden nicht als Mensch, sondern als Thier." Diese frivole Auslegung muß zurückgewiesen und an den Pranger gestellt werden. Es ist eine konstante Redeweise der jungen Talmudisten, die durch den Hunger nach deutscher Bildung getrieben, ihre polnische Heimath verlassen, wie ich selbst oft gehört habe, auf die Frage nach dem Beweggründe ihrer Auswanderung zu antworten: „um „Mensch" zu werden. (Bergl. meine Schrift: „Der Weg zur Verständigung zwischen Judenthum und Christenthum" Seite 8.) Hieraus wäre also nach der Logik der „Neuen Deutschen Zeitung" zu folgern, daß sie sich, ihre zurückgelassenen Eltern und Volksgenossen für Thiere und nur die gebildeten Deutschen für Menschen halten! Nein, jeder Vernünftige sieht doch ein, daß dieses „Mensch werden" nur eine Variation unserer geläufigen Redensart ist: zu „menschenwürdigem" Dasein gelangen. Zur Menschenwürde gehört aber bekanntlich Religionsfreiheit. Ist aber ein Jude bei einem Nichtjuden in Arbeit und Kost, so ist ihm die strenge Durchführung seiner rituellen Lehre einfach unmöglich. Es ist also — wenigstens für einen toleranten Menschen — völlig begreiflich, wenn ein strenggläubiger Jude dies für ein menschenunwürdiges Dasein hält und seinen Sohn davon zu befreien sucht. Dr. Johannes Müller. Rittergut Wohl Hausen bei Markneukirchen, 2. August. Druck und Verlag von Nudolf Mosse in VerUn Verantwortlich für dre Redaktion - Mar Bauchwitz in Berlin