Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- Seite 383 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228019--50059-3271654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
383 iteit, brachen nuer hervor i; der halbcauf ward er n Amazone', aber unter wfraum Hinnische Kriege, Thüren 11110 ischte Mann if am Boden mich wirklich sitzen, griffen 3 den Juden lieber, Einen l die Meisten l durchbohr, lafe in den fts war ver hatte; sogar :dm in di es südlichen Zorts. folgt. er sich uni Dörtle sitz, ans sinrell ein Mann und soll er hautastischen weiß, das, Vas Gcsiud. im er sein sich. Sein redet nur Heu in daitscher vom icht einmal ünstig, fas, t nur einja da, von inn so ge ,n ans der den Mund, d auf seine iltcn Magd. „Freilich wohl," ist die Antwort. „Seid gescheidt," spricht er, „laßt mich ein Wort mit dem Dörtle reden — es weiß es Niemand und ich leg Euch ein silbern Schloß auf den Mund, gelt?" Bincle führt nicht entrüstet zurück, sie hat einen freundlichen Ausdruck im Gesicht, als sic erwiedert: „I will mit Euch reden." „Ihr? Nun, da macht's kurz." „Seid Ihr der Dirn arg gut, so gut, daß Ihr meint, Ihr könnt nimmer ohne sie leben?" „Ja, kümmert Euch denn das?" fragt er erstaunt. „Und wenn ahr ein Einsehen haben und mich zu ihr lassen wollt, daß ich's -m wenig tröst, so mögt Jhr's wissen: Ja, ich bin ihm über die '.Näßen gut!" Binele nickt. „Der arme Tropf. An die acht Teig nun sitzt's rroben, nit einmal hat's aus dem Fenster geschaut, und essen thut's ach nur das Nöthigste und kein Gesicht hat's gesehen all die Zeit ner, als das weinig'. Bcrgönnen thät ich's ihm schon, das; es eine lrend' hält." „So macht ein Ende," herrscht Bartel, „kein Huhn und kein oahn kräht danach — i Hab' mit dem Dörtle zu reden." Aber die Alte sieht ihm noch immer forschend ins Gesicht. „'s mögen die Augen sein, die der Dirn an Euch gefallen thun ,,»d die schwarzen Haar! Gesagt wird freilich, die Augen, die so glitzern thäten, die wären falsch. Und i — Hab' blaue Augen und -lande Haar eh lieber mögen." Dem Ungeduldigen kommt doch das Lachen an, weil die alte »ißtliche Frau von dem spricht, was ihr einmal gefalle» hat. Aber v darf sie doch nicht erzürnen. „Wenn," sagt Binele, „Ihr dem Mädle so gut seid und 's ein 'Uittel güb, das sie Euch zuspräch, thätet Jhr's so recht gut und brav '-'handeln? Und daß ihm keine Ren käm?" „Ei freilich," ruft Bartel, „aber so ein Mittel —" „Bscht!" macht die Alte, „i könnt eins wissen. Kommt einmal 'aher unter die Eich'." „Was solt's," sträubt sich Bartel, „i verlang nach dem Dörtle." „Erst will i reden," sagt die Magd ganz bestimmt, „'s Mittel will i verrathen. Aber sorglich müßt Ihr zuhören!" Und sie drückt Bartel neben sich ans die Bank unter der Eiche. Droben am offenen Fenster zeigt sich eine Gestalt, Dörtle hat Bartels Stimme vernommen und lehnt das bleiche Gesicht heraus. Tie möchte aufjauchzeu vor Glück, daß er daher gekommen, das; sie Im sehe», ihn hören kann — rufen, mit ihm reden will sie nicht. 5ie hat's ja Lea gelobt und längst in ihrem Herzen Abschied von ihm genommen. „Ein Jud' seid Ihr freilich," beginnt Binele wieder. „Aber's üind ist Euch dennoch gut. Und soll's ja geben, daß Christen und audenleut zusammenkonnnen und meinethalb! Ich kann's nimmer mehr mit ansehn, wie die Dirn sich hat und vergrämt, die rothen Wangen sind fort und hohl schaut's aus den Augen, 's Herz drückt's mir ab, aber da in dem Hans darf Eins nit reden. Das aber ist wahr, wenn Ihr nit daher gekommen wärt, so hätt i Euch gesucht. Seit» Einem »ins; i's Geheimniß vertrauen." „Guckt," spricht die Alte weiter, „sind nun die achtzehn lang' aahre, das; es nit über meine Lippen kommen ist. Was, da Hab i mein Schwur halten können, was?" Der Bursch nickt stumm, will seine Hand von den Knochenfingern der Alten befreien, aber die lassen ihn nicht los. Sie streicht die borstigen Haare zurück und seufzt tief auf. „Und jetzt, wo i reden will, da ist's mir erst schwer, arg, arg. Und wenn Ihr mich so anguckt mit Euren glitzerigen Augen! 0, mein Herrgott, wenn's dem Dörtle auch nur Glück bringen thut." Bartel wagt gar keine Einrede mehr, er denkt, ob die häßliche Alte wohl nicht vom Wahusinu befallen sein könnte. Sic preßt die Lippen zusammen und murmelt: „0H, oh! weil's denn einmal sein muß! Schaut, i bin da auf's Gütle kommen, gerad mit der jungen Bäuerin. Eine wüste Dirn bin i immer gewesen, niemalen hat ein Bursch nach mir geschaut; wenn sich Andere verlnstirt haben, so Hab i von Weitem gestanden und bin fortgcschliche», eh sie angefangen haben mit Spotten und Lachen; arm bin i auch gewesen, und da in dem SchwadererhauS war die erste Stätt, wo i mich Hab satt essen können. Und gut ist die Frau mit mir gewesen und der Bauer nit gerad schlecht, hat mich aber nicht mehr angcschaut, wie eine Katz, die über'» Weg lauft, und Hab ihn auch einmal sagen hören, eigentlich wär i so wüst, das; es eine Sünd wär, mich nur anzuschauen, und wenn's nit wieder ein Gotteslohn wär, so einer armen Kreatur eine Stätte zu geben, so möcht er mi wohl nit im Haus sehn. Die Bäuerin hat darauf gezankt und gemeint, eine Magd sei zur Arbeit da und nit zum Anschaun, und i bin ihr recht von Herzen dankbar dafür im Stillen gewesen und Hab für Drei geschafft. Oft hat die Büurin krank gelegen, die Kinder sind tobt zur Welt gekommen und das hat sie arg gegrämt und einmal hat der Doktor gesagt, sie könnt schier noch den Beistand drum verlieren, wenn sie sich's so zu Herzen nehmen thät. Mein Herrgöttle!" Bartel ist längst ein geduldiger Zuhörer geworden und Dörtle lehnt regungslos oben am Fenster; was vor Jahren aus dem Gut vorgegangen ist, frommt am Ende auch ihr zu wisse». „Da," erzählt Binele weiter, und ihre Stimme wird zitternd, „da hat denn einmal der Teufel sein Spiel haben wollen, anders ist's nit erklärlich. Tie Frau ist wieder laug krank gewesen, Jeder hat gemeint, sie erlebt keinen Herbst mehr und i Hab sie gepflegt, wie ich nur gekonnt Hab', der Gabril aber hat mit einem Mal kein Freud mehr im Haus und an seinem Werk gehabt und ist viel hinaus gangen zum Zechen. Das Röste hat angefangen, sich zu grämen, daß er nun gar liederlich wird. Oft hat sie» mir geklagt und i Hab sie getröstet, aber immer öfter und länger ist der Bauer ausgcblieben, wenn sie geklagt hat." Sie hustet, schlingt die Hände ineinander, Bartel sieht mit einem flüchtigen Seitenblick, das; große rot he Flecken auf ihren sonst so fahlen Wangen glühen. „Da ist der Teufel hergefahren," flüstert sie. „Leicht läßt sich's nit sagen — aber um des Dörtle'S halber. 0 mein Herrgott, i wollt ja auch die Schund vor der ganzen Welt tragen, nit allein hier vor Euch — wie i dem Mädele sein Zufriedenheit schaffen könnt." Tief senkt sie den häßlichen Kopf auf die Brust. „Ist einmal der Bauer spät heimkommeii, trunken wie gar nie! Da hat cr mi einen herzigen Schatz genannt — o lieber Gott! Mir ist ganz wunderlich zu Muth gewesen, daß mich Einer auch einmal sauber finden könnt und wenn's auch im Rausch war." Dann bedeckt sie das Gesicht mit beiden Händen, ihr Athem geht schwer. „Das ist mein Sünd gewesen --- und i hab's gebüßt. Wie der Gabril wieder nüchtern gewesen ist, hat er mich gescheucht wie einen räudigen Hund und mein Anblick ist ihm ein größerer Greuel gewesen als ehemals, llnd von Stund an ist er nit mehr ins Wirthshaus gangen. I hab's wohl gefühlt, cr wollt seine Sinn nit wieder verlieren und Schwarz für Weis; ansehen und eine wüste Magd für einen säubern Schatz. — Und endlich hat's die Bäuerin auch entdeckt." Sic richtet sich plötzlich wieder auf und faßt Bartels Arm.