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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-11 · Heft 32 (11.8.1893) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 32 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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379 ans Ende t das aber lls Beweis die Vertelalter die e semitische rke zeigen, munal die i; die Käsen Blntes eu Typus, •en Backen^ vier deren stumpficklippigell, historische . die Berten portn- :afiin, den er Hanptüberhallpt er Klimas )ition und re Gesetze, eil, theils ische Rasse thierische ie Existenz as Ghetto Talmud Erzeugern Hang mit sammtheit beeinflußt, nheitsvor- Berdienst aus hysein beni illheit belircht, sich mdengasse .'den war, Jllde in 'teil überauch auf e Speisend. Der )ern auch zu einem Selbst es reinen ite dieser >eigt, wie )iugs belrch seine isolirten. ltuiß des egenwart .ES giebt sogar in manchell frauzösischeil Städten besondere Hotels für die israelitischen Reisenden; ich habe eins vergangenen Winter auf einer Station des Südens entdeckt; das Schild zeigte die drei hebräischen Lettern des Wortes „koscher". Solche jüdische Restaurants giebt es besonders in den großen Kurorten, aber auch in Paris. Ihr Publikum besteht ausschließlich aus Israeliten aus Ost- oder Mitteleuropa. Für den reisenden Katholiken oder Protestanten ist es wichtig, daß er eine Kirche, eine Kapelle findet, wo der Priester die Blesse liest oder der Pastor am Sonntag predigt. Für den frömmsten Jllden steht die Synagoge erst in zweiter Reihe; das Wesentliche ist der Fleischerladen, der Schochet." Durch den Umstand, daß die jüdischen Feste und Fasten neben der religiösen auch eine nationale Seite haben, sei das Stammesbewußtsein noch gestärkt worden. Ohne die christlichen Böller von einem beni Geiste des Christenthnms widerstrebenden nationalen Partikularismus freisprechen zu können, findet Leroy-Beaulieu in den Riten und der Ueberliefernng des Judenihnms selbst besondere Schwierigkeiteil, sich von ihm zu befreien. Rur dann lverde ihm bie* gelingen, wenn seine Bekenner vom talmudischen Rituatlsmus gelöst, sich mit dem reinen und erhabenen Geiste der Propheten erfüllen. Er vertonnt keineswegs die Gefahren für das Jndenthnm, wenn der Jude, um ein moderner Mensch zu werden, sich vorn Talmud, vom Rabbinismus lossagt. Mit Grätz ist er der Ansicht, daß das Jndenthnm sich nicht alle seine palästinensischen Wurzeln abschueiden lassen darf, ohne seine Lebenskraft zu gefährden. Sein Dogma sei zu einfach, seine Moral zu sehr Gemeingut, als daß das Judenthmn ohne Kultus, ohne ihm eigenthümliche Riten existiren könnte. Israels Religion könne weniger als andere der Eeremonien entbehren; es hieße, den Sieg der Universalität durch einen Selbstmord erkaufen, wenn man durch Ausgabe der Bräuche der Bäter den Zusarnmenhang mit den Borsahren verlöre. Er steht aber auch sympathisch den Träumen derjenigen heutigen Juden gegenüber, welche Israel berufen glauben, der civilisirten Welt abermals das göttliche Geschenk einer Religion zu geben, und zwar diesmal einer Religion ot)ne beengende Bräuche und ohne vernunftwidrige Lehren, ohne Wunder und Mysterien. „Tie Religion des Geistes und der Wahrheit, welche die Well nach Luther und Voltaire ersehnt, Israel wird sie lehrein Es braucht dazu nur seine veralteten Bräuche fallen zu lassen, wie die Eiche beim Rahen des Frühlings die im Winter erstorbenen Blätter abwirst. Das von Gott anvertrante Gut, das Erbe der Propheten, das es unversehrt unter seinem schwerfälligeil Rituell bewahrt hat, wird das von der Knechtschaft der Bräuche befreite Inda ben Ungläubigen überliefern. Das wird die Ankunft der wahrhaft universalen lind abschließenden Religion sein, die zugleich menschlich niid göttlich ist. Erst dann, wenn der Geist der Thora in die Seele der Völker eingezogeii ist, kann Israel, das feinen Berns erfüllt hat, sich mit ben Rationen verschmelzen. — Der Traum ist großartig, urw jeder Jude trägt ihn unbewußt in sich." Wie aber auch die Wandlung sich vollziehen möge, die Tage des tallnndischen Regiments sind gezählt. Beschleunigt wird sie durch die Umgestaltung des häuslichen Lebens, die Bertilgnng der alten jüdischen Sitten, mit ihren: biblischen Charakter, ihrer naiven Würde, ihrem so lebhaften Gefühl für das patriarchalische Leben. Bald wird das altjüdische Familienleben nur noch in den Erzählungen der Koinpert und Sacher-Masoch (?) leben. Der Talmud allein hätte auch die Inden nicht so lange hinter feinen Riten abgeschlossen halten können, wenn nicht geistliche und weltliche Gesetze sie zu lebenslänglicher Einmanernng in die Judengasse verdammt hätten. In der Vertheidigung gegen gemeinsame Feinde wuchs das Nationalbewusstsein, hinter den Barrikaden der Jndengasse gedieh die l Neigung, sich abzuschließen, die dem Jllden jetzt so oft vorgeworfen! wird. Man klagt ihn allerdings eben so oft der Aufdringlichkeit an, wenn er die sozialen Schranken, die Ueberreste der alten Ausi schließungsmaßregel, zu durchbrechen strebt. Denn noch lebt das alte 1 mittelalterliche Vorurtheil, die Abneigung gegen den Juden. Uni sie zu erklären, stellt Leroy-Beaulieu eine eingehende psychologische Untersuchung über den Juden an. Er betrachtet zunächst das Aeußere des Jllden lmd findet es im Allgellleinen unschön, dank dem jahrhulldertetangen Aufelithalt in dem luft- und lichtarmeu Ghetto; obgleich anscheinend schwach und gebrechlich, sei der Körper des Juden doch ungemeill lebenskräftig unb widerstandsfähig. All diesem Produkt einer zlveitallselldjährigen Auswahl sei im Kample ulns Dasein, vom Tode oder voll der Saufe ausgemerzt worden, was zu schlvach all Leib und Seele lvar. „Aber die Probe war so lallg nnb schwer, daß Israel noch heute davoll gebeugt uub gebrochen scheint." Wellig überraschen ianii nach dem Gesagten die statistisch nachweisbare längere Lebensdauer des Jlldell. Die größere Fruchtbarkeit der Judell dagegell ist nur eine scheinbare; die stärkere Bermehrllllg der Israeliten läßt sich auf eine geringere Sterblichkeit unter den Nellgeborenen und ben Kindern überhaupt znrückführen, ein Umstalld, der auf die moralischen Vorzüge des Judeil, auf die Sitteilreinheit, das Familiengefühl, die sorgfältige Killdererziehullg begründet ist. Tie Bersllche, die überlegene Lebensfähigkeit der Jsraetitell dllrch die größere Verbreitllllg des Wohlstandes unter ihllen zu erklären, tucuben an der Hand der Statistik widerlegt unb der heilsame Einfluß der jüdischell Sittell durch ben Umstand bestätigt, daß bei zunehmender Verschmelzung der Judeil mit der christlichen Bevölkerung sich die vortheilhafte Besonderheit verliert. Die Speisegesetze schützeil i£)u vor manchen Hautkrankheiten, gegell den Alkohotismus feine orientalische Enthalt-! fantfeit. Während somit der Jude seinen Ahnen, feinen Sitten für die vortheilhaften physischen Besonderheiten 311 danken hat, glaubt nllser Autor für die Schwäche seines Körpers, für die allscheinende Entartung seine Bedrücker, das Ghetto verantwortlich machen zu müsseil. „Das Gute, moralisch wie physisch, scheillt voll ihm zu kommen, das Schliinnle von uns." Kraftlosigkeit. Blntarmnth, Engbrüstigkeit hällgeu lllit deill viethulldertjährigeil Elend 3ufammen; die Häufigkeit von Gebrecheil, wie Blindheit, Taubstummheit, Verkrümmungeil. rühren weniger von den frühen oder blutsverwandten Ehen her, als von dem Lllft- und Nahrungsmangel im Ghetto. Ein mitleidsvoller Seitenblick fällt — trotz der Sympathien für das verbündete Rußland — auf die unmenschliche systematijche Aushungerung der Jllden am Riemen und Dniester, die immer enger zusammengedrängt und boren Existenzmittel immer mehr verringert werden. Dem Ghetto, ben Erwerbszweigem, die es erlaubte, den Aufregungen und Sorgen einer elenden, unsicheren Exlsteilz. feiner sitzenden Lebensweise verdankt der Jude es allch, daß er wellig Muskeln, wohl aber viel Rervell besitzt. Dieses Ueberwiegen des Rerneusystems lnacht sich in häufigell Störungen beffelben geltend und damit zlljamlllellhäligeildell Rückellmarkkrailkheiten unb Gehirllkeiden. „Der Jude ist der llervöseste Akeusch, weil er am meisten voll seinem Gehirn gelebt hat." Weniger der orientalischen Herkullft, als dem heißen Kampf ullls Dasein, den teidvoltell Erfahrullgell wird die Frühreife der jüdischen Kinder zugeschrieben. Währelld ihre physische Entwickelmlg oft recht dürftig lllld langsam ist, sind sie erfolgreiche Kollkllrrellten in ben Wettkämpfen der Schule. „Die Kindheit des Juden ist verstünlmelt, und kurz ist seine Jugend. Sie ist oft ihres Schmelzes beraubt. Seine gespallnten Züge haben vor der Zeit etwas Verfallelles; seine Stirn ist voll vorzeitigell Rung tu gefurcht; je weiter mall nach Osten tolllUlt, desto aitffailcubcv ist das."

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