Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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377 r Bildung »sgenossen mir: Da ädern im alle Nachuns kaum sein mag, en abendder Zeit l, wie in > unseren Hts übrig deutschen ie meisten solgungen ndig von - in Rußn Abend- , will ich der verdie Leser ) beginne ■irrer Genüinlich en Juden ffsen dort inwohner esellschaft lanwülte, en Kaufnlich der e, welche oie z. B. achdecker, llaser ec., rdowosi), ite Klasse dieselben ie dritte olzhauer, r>ank der en diese jüdischer worzugt. : Rabbi indischen genannt eminars Anspruch :inde zu mssischer den von besorgt. iüglichen Gottesn Feiers Chors agogen, deren Zahl 35 ist, wird dreimal täglich gebetet und jeden Tag! zwischen den Gebeten Mincha uild Maariw trägt ein „Maggid", welchen eine jede Synagoge, wie klein sie auch sein mag, aufzuweisen hat, für das Publikum „Midrasch" oder „Chowath Halewawoth"! vor. An den Feiertagen predigt in der Hauptsynagoge der „Stadt-; Maggid", wie es bei uns in Rußland heißt. Letzterer ist in der; That eine Seltenheit und einzig in seiner Art; seine Gedanken sind! tief; die Bilder, welche er in seinen Predigten gebraucht, um seine 1 Gedanken dem einfachen Publikum zugänglich zu machen, sind schlicht und aus dem Leben gegriffen; der Pilpul und alle Sophistereien! steheil ihm fern; wäre er noch gut geschult und könnte er seine Predigten in einer europäischen Sprache abhalten, so könnte er sogar Bielen im Westen zum Muster dienen. Die Kinder werden in den öffentlichen Schulen erzogen und sehr selten treffen wir jetzt einen Knaben, der noch den „Cheder" besucht. Wohlhabende Leute schicken ihre Kiilder ins Gymnasium (Minsk hat wie so viele andere russische Städte auch ein Mädchen- Gymnasium, während in Deutschland ein solches vorläufig sich erst irr der Theorie befindet); die armen Kinder besuchen die jüdischen Volks- und Elementarschulen, wo sie zugleich mit der allgemeinen i Elementarbildung auch die jüdische Religion erlernen. Besonderes! Lob verdient die jüdische Haudwerkerschule, welche jährlich 70 bis | 100 Schüler zu verschiedenen Handwerken ausbildet. Als diese Schule j vor ungefähr 15 Jahren gegründet wurde, zweifelten Viele, ob sie! von langer Dauer sein werde, da solche Schulen zu jener Zeit unser»! Brüdern unbekannt waren; die Zahl der Schüler war anfangs sehr; gering, der Raum für dieselbe klein und unbehaglich, die Spenden und Unterstützungen unbedeutend — und jetzt nimmt dieselbe Schule ein großes zu diesem Zlvccke gebautes Haus ein, dessen Errichtung 00,000 M. kostete, und hat ein Einkommen von 10,000 R. jährlich j von Beitrügen der Spender aufzuweisen, womit die Ausgaben für - Lehrer und Erhaltung des Hauses gedeckt werden. Tie armen Schüler, die zugleich hier in allen Elementarfächern unterrichtet; werden, bekommen in der Schule Frühstück, Thee und sonstige Unter-; stützuiigcn. Der Kursus dauert drei Jahre, und wenn ein Schüler! am Ende die Schule mit einem Zeugniß verläßt, ist er schon vor i Hunger geschützt und kann sich leicht in ganz Rußland, ohne von der j Polizei gehindert zu werden, eine sichere Existenz als Handwerker verschaffen. Wie weit sich diese Schule durch ihre gewissenhafte Ausbildung in der ganzen Umgebung bekannt gemacht hat, können uns; die Aufträge, welche der Vorsteher, Herr Neifach, von verschiedenen i Personen und Städten bekommt, beweisen. Solche Aufträge werden von den Schülern der oberen Klasse auf das Beste besorgt. Auch! ein großer Theil der Schmiedearbeiten bei der Eisenbahn wird von : letzteren ausgeführt. j Eine zweite wohlthätige Anstalt ist die Schule für Taubstumme. : Auch in dieser werden die Zöglinge z» Handwerkern ausgebildet.; Diese Woche wurde eine Prüfung der Zöglinge in Gegenwart des Gouverneurs und anderer hoher Beamten und Persönlichkeiten abgehalten, und sämmtliche Anwesende haben sich von der Vortrefflichkeit der Unterrichtsmethode überzeugen können. Die Zöglinge beantworteten die an sie gestellten Fragen in deutlicher Sprache und am Ende legten sie noch eine Prüfung in ihren Arbeiten ab. Der Gouverneur, der! kaum einen solchen Erfolg erwartet hatte, bedankte sich öffentlich bei; dem Leiter dieser Anstalt, Herrn Niesenewitz, und sprach seine Freude j über den Fortschritt der Schüler aus.! Von den übrigen jüdischen Wohlthätigkcitsanstalten wollen wir noch in Kurzem erwähnen: 1. Das Krankenhaus, welches von den besten Aerzten der Stadt geleitet wird und für Hunderte von Kranken Platz hat. Letzteres ist stets überfüllt, weil es auch von Kranken der benachbarten Städte in Anspruch genommen wird. Arme bekommen Aufnahme und Pflege unentgeltlich. 2. Die Volksküche, wo ein Jeder für 6 Pfennige (3 Kopeken) eine kräftige Mahlzeit zu jeder Zeit des Tages bekommt. 200 Personen, darunter auch Christen, speisen hier täglich. Herr Goldberg hat für diese Anstalt ein Haus im Wertste von 10,000 M. gewidmet. 3. Die Talmud-Thora-Religionsschule, wo Hunderte von armen Kindern ihre Elementarbildung bekommen und zugleich in Bibel und Talmud unterrichtet lverden. 4. Der Verein „Hochnosath Orchim", zur Unterstützung armer Durchreisender. 5. „Tomche-Thora", zur Unterstützung junger Leute, lvelche sich zu Rabbinern ausbilden wollen. 6. „Geiniluth-Chasadim", eine Darlehnskasse für Arme ohne Prozente. 7. „Linath Zedek", zur Unterstützung solcher, die das Krankenhaus bereits verlassen haben und als Rekonvalescenten noch besondere Pflege brauchen. Die Ausgaben dieses Vereins belaufen sich, laut der jetzt veröffentlichten Rechnung, in den letzteir sechs Monaten auf 11,000 M. Am Ende ist noch zu erwähnen 8. der Verein TH«, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Spenden bei allen Hauswirthen zu sammeln, dieselben an die Armen zu vertheilen und damit die Bettelei zu bekämpfen. Die Idee fand große Sympathie und es ist zu hoffen, daß damit der Bettelei, soweit dies möglich, ein Ende gemacht werden wird. Jz. Barsel. U Gin französischer Friedensapostel. Von R. Landsberg. (Fortsetzung.) Nachdem er so auch den letzten Angriff auf das Judenthum als Religion mit Feuereifer zurückgeschlagen, wendet Leroy-Beanlieu sich gegen die Anklage, daß das Judenthum eine Gefahr für das nationale Bewußtsein, die nationale Kultur der modernen Völker sei. Erfüllt von der Ueberzeugung, daß das Nationalgcfühl die große treibende und wirkende Kraft in der Geschichte unseres Jahrhunderts ist, fühlt er sich selber viel zu sehr als Jcaiizose, n>n ohne Schadenfreude den Antisemitismus zum zweiten Male im Gefolge der stvlzenFranzosensieger Auftreten zu sehen, diesmal ans die moderne Rasscnthcorie gestützt. Das Zeitalter, der Deutsche besonders sei für gelehrte Formeln eingenomiiien. Daher wurden die alten Beschuldigungen Pharaos nnb Hamans gegen die Fremdlinge, die Angriffe Juvenals und Taeilus auf die hebräischen Sitten bei Treitschke, Marr und Tiihring mit einem wissenschaftlichen Firniß nmgebcn. Ter Jude als Semit wurde als Feind der arischen Rasse denunzirt; in dem Autisemitisiiius sollte der alte instinktive Haß zwischen Semiten und Ariern, Römern und Karthagern, Arabern und Frauken ivieder aufgelebt sein. Unleugbar, daß die Juden auch in der Zerstreuung lange durch ihre Religioir zu einem Volke verbuiiden geblieben sind und daß im Orient Nation und Religion identische Begriffe sind. In dem Bestreben, ganz Rußland der orthodoxen Kirche zu unterwerfen, zeigt das große Slavenreich sich noch von seiner orientalischen Vergangenheit, seiner byzaiitinischen Tradition befangen. J»i westlichen Europa aber ist dieser orientalische Standpunkt für Nationalität und Religion längst überwilnden, und ebenso wenig läßt er sich für Nation und Stamm aufrecht erhalten. Es giebt keine modernen Völker reiner Rasse, und die Juden sind durchaus nicht das einzige nichtarische Element unter den europäischen Völkern. „Der Franzose, der Deutsche, welcher ivühut, rein indogermanischen Bluts zu sein, stammt vielleicht von: Höhlenmenschen ab." Noch ist der Naure Semit ein vielumstrittener Begriff, ein sprachwissenschaftlicher Ausdruck. Die hebräische Sprache ist vielleicht so wenig als das Englisch der Irländer ein Beweis für den Stamm, das Blut. Nilr so viel ist sicher, daß Arier wie Juden der weißen,