Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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37 f> che Gelehrt c leben. Aus Mündlichkeit, hrer Schrift, und daß ich daß ich mir hsbewegung fere geringe wert. )lber hsen, ist die öscht. Und müßte der ung, welche interessirten t>ie Wunder u geschaffen lomeue vor vorwärts zu Wissenschasl der Inden stens so weil t habe, nn- ‘ leben, ein ze Zeit bcu daß sie die irtnäckigteil rhmen selbe es mit siel), ' fünf oder turalisirten, auch wahre Italiener, u Piemont nrßt. Wie Judäa zn d Juwelen e Palästina m Glauben wie jene )taube, der lder zu be Glänbigeu. ade wären., ion zn be Heu." ütchrichteu w. gegen- Ae Worte, HL lueit es r Geschäfl ik gezogen .mgen, an 'dens und en, welche Hülle der cinbviiuv Hott, der lenhündler ade dieses Grundton echter Menschenliebe durch diese Predigt, zumal als der gelehrte Theologe die Worte des Propheten Micha erläuterte: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert: Gottes Wort halten und Liebe üben mrd demüthig sein vor deinem Gott." In beredter Weise schilderte der Redner die wahre Gerechtigkeit, die deirr Nächsten nichts anthut, was dieser nicht auch uns anthuu soll, die wahre Liebe, die sich allfopfert im Dienste der Nebenmenschen und des Gemeinwohls, und aus deren Erfüllung jene innere Befriedigung, die einzig und allein das wirkliche Glück ist, entspringt; ein so errungener Friedeil verläßt uns auch in den schwersten Kämpfen und der höchsten Noth nicht. Er schilderte schließlich jene echte Demuth, welche cmf der Wahrheit gegen sich selbst, auf der Erkenntniß des eigeneil Ich unb ans der hingebenden Selbstlosigkeit beruht. d Inr Konkursstatistik. Berlin, 8. August. Es ist bekanntlich ein Ariom der Antisemitell, daß die Silben durch häufiges Bankerottmachen sich zu bereichern lieben und die geschäftliche Ehre nicht so rein halten als die Christen. Schon die Kriininalstatlstik widerspricht dem und weist nach, daß genau so viel 8uden, als ihrem Antheil am Kausmannsstand entspricht, wegen Bankerott :e. vernrtheilt werdell. Null ist neuerdings die Kontnrsstatistik erschienell uild sie wirft ein neues hochillteressantes Licht auf dies Gebiet. Man betrachte die folgende Tabelle: Es tominen ans lOoooo Einwohner: MüUfllVK >von tun' ■: u Don Bremen. 570 Elsaß-Lothringen . . . 10,7 2100 Rens; ältere Linie . . 08,4 00 Schwarzb.-Svndersh.. 15,7 801) Lübeck . 00 S 800 Meiningen. 14,0 700 Königreich Sachsen. . 30,4 270 Hessen. 14,8 2570 e>,nnbm'g. 20 r> 2870 Westfalen. 14,4 700 Sachsen-Weimar . . . 22,-1 080 Bauern. 880 Schleswig-Holstein . . 22 4 2 0 Mecklen burg-Strel i tz . 10,0 500 Sachsen-Altenburg . . 21,8 20 Provinz Sachsen . . . 10,2 010 S chw arz b. - ud ol stad t 21,8 80 Hessen-Nassau. 12,7 2080 Oldenburg. 20,8 440 Mecklenburg-Schwerin 12,0 080 Reuß jüngere Linie . 20,2 120 Rheinland. 11,0 1000 Schaumburg-Lippe . . 20,2 000 Westpreußen. 11,0 1520 10 4 5020 Lippe. 11,4 770 Württemberg. 19,4 020 Ostpreußen ...... 11,0 700 Baden. 1010 Brandenburg. 11,0 540 Pfalz . 1 8,0 1510 Pommern. 11,2 810 Braunschweig. 18,0 400 Hannover. lo,4 000 Üobnrg-Gotha . . . . 18,1 270 Posen. 2500 Anhalt 17 5 580 Schlesien. 0 2 1140 Waldeck. 17,0 1020; Hohenzollern. 1000 Wir wollen nicht so weit gehen, zu behaupten, daß die Anwesenheit der Inden die Zahl der Konkurse vermindere, das Eine aber ist ans der obigen Tabelle klar, daß die stark von Inden bewohnten Prov'nlzen, wie Posen, Hessen-Nassau, Schlesien, Westprenßen, Hessen, sehr günstige Zahlen aufweisen, während die säst judenreinen Bremen, Lübeck, Königreich Sachsen. Schleswig- Holstein und die thüringischen Herzogthümer gerade die meisten Konkurse haben. Es ist also wieder einmal eine Behauptung der Antisemiten in ihrer Nichtigkeit erwiesen. U Aer Antisemitismus in Soden. i Von Max Kraeiner. In denn nicht mit Unrecht so oft gerühmten „liberalen Mnster- ' staate" zeigten sich bei der letzter: Reichstagswahl die Antiseniiten, und j zlvar Zinn ersten Male, auf der Wahlstatt. In sieben Wahlkreiseil! ivaren Kandidaten aufgestellt, die es iiisgesainint ans ca. Stinliiieii brachten, ein Erfolg, der die Muthmaßimgen der Gegiier bei Weitem übertraf nub welcher iiicht zu Niiterschätzeil ist. Die meiften ©tiimuen iviirdeii in Mülheim abgegeben, in beffen Nähe der Führer Tr. Vogel wohlit und seit Jahr nnb Tag unermüdlich agitatorisch wirkt: ferner in der: Kreisen Heidelberg, Sinsheim und Bretten, in ivelch letztereiii Orte der Aiitisemitisnuis vvii einem Beaiiiten „groß"gezogen worden seiii soll. Die Anhänger refuntiren sich meist aus dein Lager der Koilservativeii, welche in einzelnen Wahlkreisen sofort im ersteil Wahlgang für ben Antisemiten eintraten, wie in Lahr nnb Freibnrg, iiild deren Agitation von der konservativ-pietistischen Geistlichkeit grüiidlichst besorgt winde. Niitersilcht nmil in völlig objektiver Weise die Ursachen dieser Bewegung in Baden, so findet man deren Erklärung einzig und akleiil in der Unzufriedellheit der bäuerlichen Bevölkerung. Tie wirthschaftlichen Verhältnisse in unsereul sonst so sehr ergiebigen Laiide sind iilfolge eiiliger Fehljahre iiicht gerade die glünzendsteil, nnb durch den neuerdings iloch hinzugetretenen Futtermangel wilchs der Verdriiß immer inehr. Uni jetzt ihre Unzufriedenheit kräftig äilßeril zu tonnen, zogen sie den AntisenlitislNlls dem Sozialismus bei den Wahlen vor iiiid wählteil gilt antisemitisch, ohne deshalb enragirte Jiidenfeinde; zu seiii. Die Anklageii gegen die Juden in Badeil, wie sie in Hessen : iiiid Preußen erhoben werdell, sind and) in nichts gerechtfertigt, beim wohl in keinem anbern deutschen Lande haben sich die Juden so frühzeitig init den Christen assimilirt inie bei llils. Dalik der liberalen Regierung unseres Landes steheii ben Inden auch Ctaatsämter offeil, die ihnen in anderen Staaten bersch losseil siild, nnb die badischeil Beaiiiten jüdischer Koiifessioii haben ihre Tüchtigkeit nnb Brauchbarkeit in hohem Grade erivieseil. Ich eriimere hier vor Allem an den Finalizillinister Ellstätter, dessen segensreiche Thätigkeit von iiilsereiil Laiidesfürsteii hoch anerkannt wiirde. Großkapital und (Großindustrie befindet sich fast ganz in den Häilden der Ehristeii. Bon einer Ansbcutnng des Bauerilstaiides tann nicht im Aündesten die Rede fein, denn sonst hätten die Alltisemiten scholl längst eine Güterschlüchterliste, die sie schon vor zwei Jahren herausgeben wollten, an ' die Oefsentlichkeit gebracht. Wohl kamen auch hier iiiid da Gesetzes- : Übertretungen von Juden vor, aber beiten gegenüber steheii die christlichen Wiicherer, die in manchen Gegenden, wo die Jiiden völlig verarmt und auf die Wohlthätigkeit humaner Menschen atigewiesen sind, unbarmherzig gehaust habeil, in gar feinem Perhältniß. (Laut amtlicher Statistik bom Jahre 1889, im Verlag von Pnttkammer n. Miihlbrecht, Berlin.) Aber and) auf diesem Gebiete haben die Jiiden wieder selbst Hand aits Werk gelegt, mit die Wucherer und Betrüger, ob jüdisch oder christlich, völlig unschädlich zu machen, denn hervorragende Karlsruher Inden riefen im Verein mit gleichgesinnten Christen einen „Landesschutzverein gegen wucherische Ausbeutung des; Volkes" ins Leben, der sehr viele Jilden zu seinen Mitgliedern zählt! und eine umfastende und fruchtbringende Thätigkeit entfaltet. Außerdem besteht in Freiburg unter den Inden schon seit längerer Zeit eilt Bereill, der ähnliche Zwecke verfolgt.! In politischer Beziehung erweisen sich die Juden in Baden heute j noch der Partei dankbar, welcher sie ihre Gleichberechtigung zu verj danken haben, der nationalliberalen Partei, die gegenüber der anti-! semitischen Bewegung leider eine sehr unentschiedene Haltmlg einnimult,