Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Kohlbaui n ir. Zwischen btheilung dc) ui und Uder i Umnachtung | Fenster de cherr Friedhl! in Karlsbad Grubenbesitzer achtete Frau, israelitische i )vhl im Aue letzteren »tu Unstände Hai Gatte, Herr er die Seide m nach ihrel hn stand i i die Ewigkei! dert Rendar > 'tattung un - Es ist he nterbliebene in Zobten, nunersest der theilnahmen. , wie immer teu, welch Rosalienthai Lustbarkeiten k" findet e nfest wählte, ensteiu faneine anti )0 Personen ' Ulm au t auch hie Am Schluss Antisemite! änsterberr en Häuflei! Bei dem ge ,e Hetzarbeu Karl von der, unfern itze, die fh Dies Jahr lrgrohvater wolle De! hiervon ir m Wunsch, l und zeigte von jenem ' betrachtete rauers und n von der rus in der hohe Frau :e berichten irone ihren;§ die Vew -tegierungsaus Anlaß aben, sagte weis; mich Majestät den das Wort I .Suum cuique“ zur vollen Wahrheit macht und allen seinen Untere ihanen, rvelchem Glauben sie auch angehören, gleiche Liebe i nd landesväterliche Fürsorge entgegenbringt." * Leipzig, 3t. Juli. Der Verwaltungsbericht des Vorstandes der 11 iefißeu israelitischen Religionsgemeinde berichtet über das Schächtungs - lesen in Sachsen Folgendes: „Wie bekannt, wurde unter dem |: 1. März 1892 vom königl. Ministerium des Innern die Verordnung, ns Betäuben der Schlachtthiere betreffend, erlassen. Sie bestimmt, daß om 1. Oktober 1892 an beim Schlachten aller Thiere, mit Ausnahme des Federviehs, der Blutentziehung die Betäubung vorausgehen müsse, hiermit wurde also das Schächten, da dasselbe nur an völlig unversehrten gieren vorgenommen werden darf, verboten. Es haben nun sofort nach Erlaß dieser in das religiöse Leben der Israeliten Sachsens tief einschneidenden Verordnung Berathungen sowohl innerhalb des Vorstandes, cks auch mit den Vorständen der israelitischen Religionsgemeinden zu Dresden und Chemnitz stattgefunden, auf Grund deren zunächst im Mai 1892 ine gemeinschaftliche Vorstellung seitens der Religionsgemeinden Dresden ’ itb Leipzig an das Ministerium des Innern gerichtet und darin insbe- - andere auf die das Schächten befürwortenden Gutachten Sachverständiger Angewiesen wurde. Zugleich wurde um eine Audienz für die Rabbiner u Dresden und Leipzig gebeten; diese Audienz wurde bewilligt und fand in 20. Mai stach war indeß ohne Erfolg. Darauf richteten die Vor- .ände der Religionsgemeinden zu Dresden, Leipzig und Chemnitz ein ynmediatgesuch an Seine Majestät den König um Gewährung einer Audienz für die Rabbiner dieser Gemeinden. Diese Audienz, in welcher in Aufschub des Schächtverbots erbeten werden sollte, wurde jedoch nach Vortrag des Ministerimns des Innern nicht bewilligt. Im August 1892 ourde in einer weiteren Eingabe seitens der drei Gemeinden, an das Ministerium um Untersuchung der Methode des Niederlegens der Thiere md Prüfung eines hierzu dienenden Apparates gebeten. Diese Prüfung int sodann im Oktober stattgefunden, jedoch zu einer Aenderung der Verrdnnng nicht geführt. Ein ferneres Gesuch der drei Gemeinden, die Angelegenheit dem körrigl. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts »orzulegen, wurde vom Ministerium des Innern abschlägig beantwortet, ^ie obgedgchte Verordnung war inzwischen am 1. Oktober in Kraft gereten." Man sieht, wie die sächsische Regierung gegen die Juden vorgeht. Oesterreich - Ungarn« □ Wien, 31. Juli. Gegenwärtig tagt hier die galizische Gew erbe - Enquete im österreichischen Abgeordnetenhause. Letzthin entwickelte sich ine lebhafte Debatte über das Lehrlingswesen, wobei ein Expert das eltsarue Verlangen stellte, daß die Lehrlinge nur zu Meistern desselben Glaubensbekenntnisses kommen sollten. Einer der Herr Experten, ein idle Namens Mutkowski, wünscht die strenge Durchführung der Sonnagsruhe. Er klagt darüber, daß die Christen am Sonntage alle Arbeit iustellen, während die israelitischen Maler mit ihren Farbentöpfen ganz >rfm über die Straße gehen und unter den Augen der Behörden malen md so die christlichen Maler schädigen. Ebenso werden von den israelitischen Zpänglern an Sonntagen Arbeiten ausgeführt, ohne daß dies Jemand beanstandet. . . . Diese Fürsorge für die polnischen Juden! Nun ruhen ne Juden in Galizien aber bekanntlich am Samstag, an welchem die Christen arbeiten. Aber das Wohlwollen ist so groß, daß man den Juden zwei Ruhetage geben will; wenn man ihnen noch das Essen dazu giebt, werden sie gewiß ganz zufrieden sein. Den breitesten Raum nahm in der letzten Sitzung die Erörterung der Verhältnisse des Arbeiterstandes nn. Zu den schon von früher bekannten Beschwerden über Proskription, geheime Zeichen in den Arbeitsbüchern, Ueberstunden re. kam diesmal eine neue Erscheinung, die Klage der Tallisarbeiter. Dieser Expert, mit dem für ein antisemitisches Herz erquickenden Namen Meschulem Lurvisch, entwarf ein düsteres Bild von dem Elend der Tallisarbeiter, denen mehl einmal der Streik Erlösung bringen konnte. Die Opfer einer herzlosen Ausbeutung sind hier Juden, wie überhaupt nach der Schätzung der Experten 60—75 pCt. der galizischen Arbeiter dem jüdischen Glauben angeboren. — Wie bei Ihnen, so wissen auch hier die Zeitungen fast täglich von antisemitischen Attentaten auf wehrlose Juden, auf Frauen und Greise zu berichten. Die Rohheit der Massen wird immer entsetzlicher. — Großes -Aufsehen erregte vor einiger Zeit ein Vorkommniß in Sadagora, der Residenz des berühmten Wunderrabbi, und zwar vor der Synagoge des Letzteren. Der Rittmeister des 9. Dragoner-Regiments Graf Thun erschien an einem Samstag vor dem Bethause, in welchem sich der Wunderrabbi gerade befand. Gras Thun war mit einem photographischen Momentapparate ausgerüstet, mn den Rabbi, für den er sich sehr interessirte, auszuuehmen. Dies erfuhr man in der Synagoge, und da es bei den orthodoxen Juden verboten ist, sich photographiren zu lassen — obendrein noch an einem Sabbath — entstand ein förmlicher Aufruhr, und zahlreiche Personen sammelten sich vor dem Tempel an. Der Rabbi wollte denselben nicht verlassen und sandte der: Vorsteher Landau als Parlamentär zrun gräflichen Offizier mit der Bitte, derselbe möge von seinem Vorhaben ablassen. Graf Thun weigerte sich, den Ort zu verlassen; es entstand eine turbulente Szene, bei welcher sich Landau eines kräftigen, derben Wortes bediente, welches Graf Thun auf sich bezog, während Landau versicherte, die Lärmer und Schreier gemeint 31t haben. Trotzdem wurde Landau wegen Ehrenbeleidigung, also wegen eines Privatdelikts, von einem Gendarmen verhaftet und zur Bezirkshauptmannschast eskortirt, welche aber die sofortige Enthaftung an ordnete. Selbstverständlich rief die Verhaftung eines Staatsbürgers wegen angeblicher, noch gar nicht erwiesener Ehrenbeleidigung in der ganzen Gegend ungewöhnliches Aufsehen hervor, und ein Czernowitzer Blatt berichtete über den Vorfall, wobei es gleichzeitig seiner Verwunderung darüber Ausdruck gab, daß dem Gendarmen ein solcher ungesetzlicher Haftbefehl zukommen konnte. Die Folge davon war, daß gegen das betreffende Blatt die Preßklage erhoben wurde, und es kam beim Czernowitzer Landesgerichte zur strasgerichtlichen Untersuchung. Dieselbe wurde eingestellt, dagegen die Anklage wegen Vernachlässigung pflichtgemäßer Obsorge erhoben. Der verantwortliche Redakteur führte einen Wahrheitsbeweis und beantragte die Vernehmung des Rittmeisters Grafen Thun. Derselbe mußte zugeben, daß thatsächlich gegen Landau der Haftbefehl erlassen wurde, und zwar über Anordnung des Landespräsidenten Baron Krauß. Auf Grund des erbrachten Wahrheitsbeweises wurde der Redakteur freigesprochen. — Um mit Erfreulicherem für heute zu schließen, melde ich Ihnen noch einige interessante Ernennungen. So hat der Kaiser den Titel eines Hofraths verliehen dem ordentlichen Professor des Handels- und Wechselrechtes an der Wiener Universität Dr. Karl Samuel Grün Hut und dem Vorstande des zweiten chemischen Laboratoriums der Wiener Universität, Professor Dr. Adolf Lieben, dem ordentlichen Professor der Physiologie und in der Gelehrtenwelt in hohem Ansehen. Professor Grünhut ist einer der ersten jetzt lebenden Vertreter jenes Faches, welches, zwar zu eminent praktischen Zwecken, von Grünhut zu hoher wissenschaftlicher Bedeutung geführt wurde. Professer Grünhut ist als Lehrer und als Mann der Wissenschaft von großem Einflüsse auf die Entwickelung und Förderung der von ihm gelehrten Wissenschaft gewesen. Außerdem ist der Privatdozent an der hiesigen Universität Dr. Siegln und Herzberg-Fränkel, der Sohn des bekannten Schriftstellers Leo Herzberg-Fränkel, zürn außerordentlichen Professor für allgemeirre Geschichte an der Universität in Czernowitz ernannt worden. * Wien, 30. Juli. Der bekannte Journalist und Schriftsteller- Paul d' Ab re st ist in Vöslau am 20. d. M. nach kurzem Leiden gestorben. Paul d'Abrest lebte zuletzt in Wien als Korrespondent des Pariser „Temps" und der „Jndependance Belge. Unter den französischen Schriften, die er herausgab, sind die bekanntesten: „Un printemps en Bosnie“ und „Vienne sous Francois Joseph“. Abrest, der ein Alter von dreiundvierzig Jahren erreichte, hieß eigentlich Frederic Kohn, er war in Prag geboren, kam aber schon als Knabe nach Paris, wo er erzogen wurde und später die französische Staatsbürgerschaft erwarb. Abrest war ein Schwiegersohrr des verstorbenen Oberkantors Professor Sulzer. Paul d'Abrest gebührt das Verdienst, seiner Zeit in Paris die unvollendeten Memoirerr Heinrich Heine's aufgestöbert und der litterarischen Welt zugängig gemacht zu haben. Das Leichenbegängniß hat unter zahlreicher Betheiligung von Berufsgenossen auf der israelitischen Abtheilung des Wiener Centralfriedhofes stattgefunden. Die Trauergesänge leitete Oberkantor Singer, worauf Oberrabbiner Prediger Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt, in welchem er Wirken und Schaffen des frühzeitig aus dem Leben geschiedenen ausgezeichneten Schriftstellers eingehend beleuchtete. Am offener! Grabe sprach dann im Namen des Verbandes der auswärtigen Presse Regierungsrath Hajek. Türkei. if. Jerusalem, 20. Juli. Unsere tonangebenden Glaubensgenossen haben momentan den Plan gefaßt, die beiden jüdischen Gemeinden zu einer zu machen, die Sephardim, Aschkenasirn und dann selbstverständlich