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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-04 · Heft 31 (4.8.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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bie Hausfrau ertrankt, an russische Auswanderer, welche Hierselbst fnt städtischen Obdach Unterkunft gefunden, an Kinder, die zu Hanse kein marines Essen erhalten. Der Andrang um Freispeisung ist ein so gewaltiger, das; die Verwaltung alle edlen Menschen, die Herz für Noth und Elend haben, bittet, sich an Ort und Stelle von der dort ohne Unterschied der Konfession geübten Barmherzigkeit zu überzeugen und durch Unterstützung des Wohlthätigkeits-Fonds dazu beizutragen, das; nach wie vor alle armen Hungernde;; gesättigt werden können! r. Stettin, 31. Juli. Auf Anregung der hiesigen „Allemania"-Loge hat am 29. Mai eine Sitzung der Vorstände der hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereine in Anwesenheitmehrerer Vorsteher der hiesigen Synagogen- Gemeinde stattgesnnden, um über Maßregeln gegen die jüdische Manderbettetet und über Centralisation der Armen pflege für die ortsangehörigen Glaubensgenossen zu berathen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen: 1. Vom 1. September 1893 ab wird im Gemeinde-Büreau eine Abfertiguugsstelle für auswärtige jüdische Bettler eröffnet, welche täglich, mit Ausnahme des Sonnabend, 1 Stunde Vormittags geöffnet sein soll. 2. Als Vorsteher dieser Abfertignngsstelle wurden sechs Herren bestimmt, welche abwechselnd jede Woche einer evtl, mit einem Stellvertreter die Vertheilung der Spenden in Anwesenheit des Gemeinde-Sekretärs vornehmen. .3. Die Mittel dazu gewähren die Ge;neinde und die Vereine nach dem Durchschnitt der zu diesem Zweck in den letzten Jahren gemachten * "Ausgaben. Ferner sollen die Gemeinde-Mitglieder vom Gemeinde-Vorstand aufgefordert werden, dieser Stelle einmalige und Jahresbeiträge zuzuwenden, dagegen aber auch alle auswärtigen jüdischen Bettler an die Absertigungsstelle zu verweisen. 4. Die Vorsteher sämmtlicher hiesiger Wohlthätigkeitsvereine sollen in Gemeinschaft mit dem Ressort-Vorsteher der Gemeinde möglichst vierteljährlich zur Berathung über die Vertheilung der Spenden an hiesige jüdische Arme zusammentreten, doch soll sich die Berathung über Spenden an sog. verschämte Arme nicht erstrecken. "Breslau, 31. Juli. Das 23jährige Dozenten - Jubiläum des Breslauer Ophthalmologen Prof. Dr. Hermann Cohn wurde am Montag unter Theilnahme weitester Kreise gefeiert. Bei dem Festdiner hielt die erste Rede Wirkt. Geh. Ober-Regierungsrath und Regierungspräsident Freiherr Juncker v. Ober-Conreut, welcher die Bemühungen des Professors Cohn na;nentlich um die Schulhygiene in anerkennendster Weise betonte und die Bereitwilligkeit der Behörden aussprach, den Vorschlägen desselben nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Der Jubilar erwiederte, indern er in längerer Rede die Leiden und Freuden eines außerordentlichen Professors schilderte und sein Glas auf das Wohl der allen Anwesenden gleich theuren Breslauer Universität leerte. — Gegenüber der Meldung eines Blattes, daß dem Reichstage vier Juden (Sozialdemokraten) — darunter auch der Abgeordnete Dr. Schönlank für Breslau — angehörten, läßt sich das „Volk" berichten, daß der Letzterwähnte während seiner Studienzeit in Halle „nach sehr eingehendem Tanfunterricht" bei einem dortigen Professor der Theologie etwa 1883 in der Renmarktkirche getauft wurde. — Am 25. d. M. waren fünfzig Jahre verflossen, seit der frühere Kaufmann und jetzige Partikulier Jacob Cohn das Bürgerrecht der Stadt Breslau erwarb. Der Jubilar, der sich einer noch guten Gesundheit erfreut, befindet sich gegenwärtig in einem Badeorte zur Kur. — Ebenso beging kürzlich der Kaufmann Alexander Pototzki sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum. Der Jubilar, der in; Dezeinber 1897 hier geboren ist und sonnt im 86. Lebensjahre steht, ist auch heute noch in seinem Geschäft thätig. Die Beglückwünschung seitens der Stadtverordneten fand in der üblichen Weise durch eine Deputation der Stadtverordneten statt. — Ein Zeichen der Zeit dürfte nachstehende Mittheilung sein: Ein hiesiger Kaufmann, der in diesen Tagen Circulare an seine Kunden versandt hatte, in denen er seine Artikel empfahl, erhielt am folgenden Tage eins zurück, das auf der Rückseite folgenden Vermerk hatte: „Ich bin jetzt Mitglied des „deutschsozialen Vereins" und kann keinen Gebrauch von Ihrer Offerte machen. N. N. .. ., Sekretär." 0a. Aus Schlesien, 30. Juli. Am Mittwoch Mittag fand der revidirende Bahnwärter auf der Bahnstrecke zwischen Bunzlau und Thornaswaldau, kurz nach Passiren des Breslau-Berliner Schnellzuges, die Leiche eines gnt gekleideten Mannes. Der Leiche war ein Oberschenkel überfahren und mochte dieselbe den; Aussehen nach vorn Zuge eine Strecke geschleift worden sein. In dem Verunglückten ist der österreichische Bankbeamte Reinhalt aus Olmütz rekognoszirt worden. Derselbe sollte von seinen Angehörigen in die Heilanstalt des Dr. Kohlbaum in Görlitz zur Herstellung seiner Gesundheit überführt werden. Zwische i beiden genannten Stationen begab er sich in die Klosetabtheilung bc;, genanntes Zuges, kehrte aber von da nicht mehr zurück. Hut und Uebe; zieher wurden später daselbst vorgefunden. In seiner geistigen Umnachtung hat der llnglückliche dann durch einen Sprung ans dem Fenster de; Selbstmord begangen. Die Leiche wurde auf dem israelitischer; Friedhof in Bunzlau beerdigt. — An; jüngsten Sonnabend starb in Karlsbad nach achttägigem Krankenlager an Lungenentzündung Frau Grubenbesitzer Selma Cohn, geb. Orgler, aus Tarnowitz, eine hochgeachtete Fra;,! im Alter von 38 Jahren. Dieselbe hatte 15 Jahre lang dem israelitische; j Frauenverein in Tarnowitz als Mitglied angehört und sowohl im Aue j schuß als im Vorstand des Vereins für die Interessen des letzteren imi regen; Eifer gewirkt. Eine eigenthümliche Verkettung der Umstände ha; es nun gefügt, daß der über diese Nachricht tiefgebeugte Gatte, Herr Isaak Cohn, der reichste Bürger von Tarnowitz, welcher die Leick? seiner theuren Gattin nach T. bringen ließ, wenige Stunden nach ihre; Ankunft selbst an einem Herzschlage verschied. Herr Cohn stand n demselben Alter wie seine Gattin, der er nunmehr so rasch in die Ewigkei!! gefolgt ist. Der Verblichene war ungefähr ein Vierteljahrhundert Rendaw j des israelitischen Vereins für Krankenpflege und Leichenbestattung un -? ebenso lange Mitglied der Repräsentanten-Versannnlnng. Es ist k greiflich, daß von Vielen herzliches Beileid den trauernden Hinterbliebene entgegen gebracht wird. — Am verflossenen Montag fand in Zobte;;, auf dem Zobtenberge und in Gorkau-Rosalienthal, das Sommersest de. Antisemiten Schlesiens statt, an welchem ca. 500 Personen theilnahme;;.! darunter auch viele Frauen. Professor Dr. Förster hatte sich, wie immer i dazu bereit gefunden, auf dem Gipfel eine Ansprache zu halten, welch gleichzeitig gedruckt zur Vertheilung kam. In Rosalientha! wurde gerneinschaftlich gegessen. Ferner wurden verschiedene Lustbarkeiten veranstaltet und mehrere Ansprachen gehalten. Das „Volk" findet e unbegreiflich, daß man Förster zum Festredner für das ^obtenfest wählte. — Auf Veranlassung des antisemitischen Vereins zu Frankenstein faw am 25. d. M. in Münsterberg im „Weißen Schwan" eine anti semitische Versammlung statt. Dieselbe war von etwa400Personen, meist Arbeitern, besucht und wurde von dem Buchhändler Ulm au Strehlen geleitet. Professor Förster aus Friedenau hielt auch hie eine Rede über den Antisemitismus und die alten Parteien. Am Schluss seines Vortrags, der etwa 17 2 Stunde dauerte, forderte er die Antisemiten zur Gründung eines antisemitischen Vereins in Münsterber» auf. Der Aufforderung wurde jedoch nur von einem geringen Häuflein entsprochen, während die klebrigen das Lokal verließen. Bei dem ge sunden Sinn der hiesigen Bevölkerung kann die antisemitische Hetzarbeu keinen Erfolg zeitigen. * Dessau, 31. Juli. Die Prinzessin Friedrich Karl von Preußen weilt jetzt in Wörlitz zum Besuch bei ihrem Bruder, unser;; Landesherrn. Mit Vorliebe besuchte sie daselbst alle die Plätze, die st. so lebhaft an ihre hier verlebte, glückliche Jugend erinnern. Dies Iah; gab sie den Wunsch zu erkennen, daß sie den von ihrem Urgroßvater. Herzog Franz erbauten jüdischen Tempel besuchen wolle De; jüdische Gemeindevorstand daselbst, Herr Borchard, wurde hiervon i; Kenntniß gesetzt. Selbstverständlich beeilte sich derselbe, dem Wunsch, der hohen Frau nachzukonunen. Er führte sie in den Tempel und zeigt» ihr die innere Ausstattung desselben, die zum größten Theil von jenen; edlen fürstlichen Spender herrührt. Mit besonderem Interesse betrachtet; j sie zwei Gedenktafeln, welche die Namen des fiirstlichen Erbauers und j dessen erlauchter Gemahlin tragen und vor hundert Jahren von de;! damaligen jüdischen Gemeinde aus Dankbarkeit im Gotteshaus in de; I Nähe der heiligen Lade angebracht wurden. Nachdem die hohe Frau! sich noch über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde hatte berichten lassen, verließ sie das Gotteshaus, nicht ohne ihrem Cicerone ihren Dank ausgesprochen zu haben. * Minden i. W., 30. Juli. Bei dem Festmahl, welches die Vertreter der Industrie, des Handels und der Landwirthschaft des Regierungsbezirks am 17. d. M. dem Regierungspräsidenten v. Pilgrim aus Anlaß seines 50 jährigen Dienstjubiläums in der Porta Westfalica gaben, sagte der Oberpräsident Studt in seinem Kaisertoaste: „Ich weis; mich einig mit Ihnen in dem Gefühle der Begeisterung für Se. Majestät den Kaiser, welcher allezeit den Traditionen der Zollern gemäß das Wort

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