Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 auch die „StoÜebm"l) zu einer von der Negierung offiziell anerkannten! jüdischen (Gemeinde zu vereinigen. — Baron Rothschild hat größere Ländereien neben der Kolonie „Sichron Jakob" zurGrünvung einer neuen Kolonie resp. zicr Vergrößerung von „Sichron Jakob" augekauft. Zur Ver-! bessernng der Lage der armen Juden in der heiligen Stadt haben unsere wohlhabenden Glaubensbrüder die Gründung von Fabriken beschossen, in denen jüdische "Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden sollen. So hat auch der Banyuier H. L. kluger aus Berlin eine auf Aktien beruhende Fabrik gegründet und größere Antheile der Aktien gezeichnet. "Aktien ü 1'»> Francs sind noch zu haben. Hier bietet sich den wohlhabenden Glaubensgenossen die Gelegenheit, Wohlthaten zu üben, ohne dabei finanziellen Verlust zu erleiden, da die Chancen sehr günstige sind und ein Verlust nicht zu befürchten ist. In der Kolonie „Sichron Jakob" sprechen die 'Arbeiter dem gelegentlich seines Besuches kundgegebenen „Wunsche" des Barons Rothschild gemäß seit Kurzem nur hebräisch. Auch haben dieselben, da fast täglich jüdische Arbeiter um Beschäftigung uachsmchen und ihnen meistentheils keine "Arbeit zugewiesen werden kann, eine Vereinigung gegründet, die es sich zur "Aufgabe macht, die Arbeitsuchenden drei Tage unentgeltlich zu verpflegen und ihnen, sollte sich in der Zwischenzeit für sie keine Beschäftigung gefunden haben, mit einer Reiseunterslützung unter die "Arme zu greisen. Vergangene Woche ward der Kolonie „Sichron Jakob" die hohe Ehre eines Besuches von Saddas Huali zu Theil. "Ans dem Triumphbogen, den man zu seinen Empfaugsseierlichkeilen bereitet hatte, konnte man in arabischer mit» hebräischer Schrift lesen: r.lecl]i IMalkenu Ewed Le bliamid ieolam!“ —Am Nachmittage desselben Tages besuchten auch der Pascha imd der Kaimacam von Cheipho die Kolonie. Illach dem im Betlokale derselben das Gebet 1. i.nanussen Tescliuo lehodos Hasultan ct,c.u) für den Sultan verrichtet, und Saddas Huali durch einen „Mischeberach!" gesegnet worden nmr, trat Saddas Huali vor, dankte dem Vorstande und sagte unter Anderem: „Betet nur immer für das Heil Eures Sultans, alsdann wird er seinen Schutz Euch Juden insgesammt und speziell Euren .Kolonien tlicht j entziehen!" — Baron Rothschild hat neuerdings 2(>,ihk) Francs zur! Gründung eines Asvls für Obdachlose ohne Unterschied der Konfession j gespendet. Zugleich hat er der Regierung eine Petition um Erlaubuiß! zur Gründung einer Glastvaarenfabril'in Cheipho unterbreitet; es würde > dadurch einem großen Nebel, der "Arbeitslosigkeit, "Abhilfe geschaffen werden.! -- Tas von der Verwaltung der Rothschildschen Kolonie „Rischon lezion" vor dem letzten Osterfeste gegründete „Weiuhaus" hat betjeutenbe Ueberj schüfst erzielt. Tie Verwaltung gedenkt noch tnehrere solcher Häuser zu I gründen. Nicht nur die Israeliten deckten ihren Bedarf mit dem von der! Verwaltung fabrizirten Weinen, sondern auch Türken und Christen ließen sich den vorzüglich gelungenen — nur durch jüdische Kräfte hergestellten —; di ebensast gut schmecken. .Kein Reisender — sei es Forschungsreisende oder Berguüguugstouristen — deren letztere wir übrigens in einer stattlichen "Anzahl im letzten Fahre zu begrüßen die Ehre halten, — versäumte, den köstlichen Tropfen „Rischon lezion" zu proben. Bon den! Vergnügungsreisenden, die uns in diesem Jahre mit ihrem Besuche j beehrten, war nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz jüdischen : Glaubens. Dagegen haben im letzten Jahre ziemlich viele ausländische Glaubensgenossen »Rußland und Galizien) hier ihren Wohnsitz genommen. So hat auch kürzlich der jüdische Schriftsteller Ascher Günz- : bürg seinen Wohnsitz im russischen Barbarenlande aufgegeben uub gedenkt, j hier in Jerusalem sich häuslich niederzulassen. In Paris hat sich ein Komitee gebildet, welches über alte die Auswanderung nach Palästina betreffenden Fragen unentgeltlich die bestmöglichste Auskunft ertheilt. Diesbezügliche , "Ailsragen wolle man an die Präsidenten: Herrn Isidor Braun, Paris,; ■I Rue de Pap, oder all den Grand-Rabbin Zadoc Kahn, Paris 17 Rlie : St. Georges, richten. > Marokko. ng. Mogador, im Juli. Noch bin ich nicht in der Lage, über! eine Verbesserung der traurigen Zustände in Marokko 31t berichten. Tie Mißhandlungen unserer Glaubensbrüder dauern trotz der zahlreichen durch die Behörden ltnb Botschafter des "Auslandes eingeschlagenen Schritte iuuner noch fort. Der Sultan gedenkt seinen Wohnsitz von der bisherigen Residenz Fez tzFesi nach dem uns weit näher gelegenen ft „Kollelim", Lellte, die in Jerusalem wohnen und deren Lebens- : unterhalt durch unter den Glanbeilsgenossen im Auslände veranstaltete Sammlungen bestritten wird. Marakesch (Marokko), der Hauptstadt des Landes, zu verlegen. Dir Motive, die den Emir-al-Mumenin (unbeschränkten Beherrscher der Rechtgläubigen) zu diesem Schritte veranlaßt, sollen die vielen an ihn in der „Judenfrage" gerichteten Bittschriften sein, denen er sich, da sic, leider berechtigt, wöchentlich zu Hunderten einlaufen, entziehen will. In Fez silld die jüdischen Bewohner darüber sehr mißgestimmt, da sie leider mir Recht befürchten, unter dem Regiment eines Gouverneurs weil gröftereil Gefahren ausgesetzt zu werden. Von Nah und Fern. In letzter Zeit sind mit Bezug auf die Schlllstatistik auch über das Herkommen der Volksschul-Lehrer und Lehrerinnen in Preußen Erhebungen angestetlt worden. Danach sind 104 jüdische Lehre' Söhne von Gewerbetreibenden, 157 von Vertretern des Handels, 02 von Lehrern und .Kultusbeamten. Unter den jüdischen Lehrerinnen stammen 40 aus den Kreisen, welche ihren Erwerb auf Handel imb Verkehr gründen, 10 von Lehrern; 0 haben Väter ohne Beruf. — Herr Felm S 0 s k i u ans Tschurnbasch (Rußland) erhielt an der Kgl. Landw. Hoch schule zu Berlin für die Lösung der thierphysiologischen Preisaufgabc 180*4 03 den ersten Preis. — Dem am 10 d. Mts. verstorbenen katho lischeu Probst Maximilian v. Lukaszewiez widmet die jüdisch' Gemeinde zu Posen einen Nachruf, in dem es zum Schlüsse heißt: „Die jüdische Gemeinde Hierselbst betrauert in dem Entschlafenen einer, von ihr alle Zeit hochgeschätzten, edeldenkenden, gütigen Gönner, dessen Wohlwollen sie sich jeder Zeit versichert halten durfte. Sein unvergeß liches Andenken werden wir stets in hohen Ehren halten." — Jtl Ratiboi ist dieser Tage eines der angesehensten Gemeindemitglieder, Stadtratb M. Tarlan, der Jahrzehnte hindilrch Vorsitzender des Repräsen tantenkollegiumS war, allgemein betrauert gestorben. — Professor Dr. Moriz Benedikt in Wien, langjähriges korrespondirendes Mit glied der "Anthropologischen Gesellschaft in Paris, wurde am 20. d. M zum Ehrenmitgliede dieser Gesellschaft ernannt. — Der bei der Donau Regulirungs-.Kommission in Verwendung stehende Banrath Sigmund Taussig in Wien hat das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens erhalten Baurath Taussig hat sich bei den schwierigsten Arbeiten der Donau-Regu lirnng große Verdienste erworben — Ter Advokat Tr. Max Franzos in Wien, Präsident des Verwaltungsrathes der Papierfabriks- und Verlags-Gesellschaft Steyrermühl, ist einem Herzschlag erlegen. — In Eg er in Böhmen, wo schon im zwölften Jahrhundert eine große Judengemeinde war, ist jüngst wieder eine Synagoge eingeweih! worden. Rabbiner Dr. Ziegler ans Karlsbad hielt die Festpredigt. — Denn Sekretär der jüdischen Gemeinde in Triest, Dr. Josef Barzilai, wurden vom Könige von Italien die Commandeur - Insignien des italienischen Kronenordens verliehen. Dr. Barzilai ist bekannt als Jurist. Dichter und Philolog. Auch ans dem Gebiete der hebräischen Etymologie und Geschichtsforschung hat derselbe Vorzügliches geleistet. — Die Malerin Nella Morpurgo hat der Synagoge in Görz ein großes Oelgemälde gespendet, daurit es zu deren Vortheil ausgespielt werde. — Der bekannte Interviewer der „Deutschen Zeitung" in Wien, Hermann Bahr, ist auch durch Brüssel gereist, um Materialien für eine Unter suchung in Bezug auf den Antisemitismus zu sammeln. Das Resultat in Belgien war ein negatives, da dieser daselbst keinen Boden hat; das Interessanteste bei der Sache ist, daß der Advokat Edmund Picard, der zur Zeit den Antisemitismus in Belgien flott machen wollte, dem Wiener Journalisten selbst diese Miltheilung gemacht hat. — Michael Davit! in Dublin hat einen Briefwechsel, welchen er mit C. Crowley führte, veröffentlicht. Crowley hatte jüngst bei einem Meeting den Antrag gestellt, die Juden mögen aus Irland ansgewiesen werden. Davit! erwiederte nun, indem er auf das Volk hinwies, mit dessen Liebe für! Freiheit und Gerechtigkeit sich solch eine Ungerechtigkeit gegen die Juden > schwer vereinen ließe. — Der Oberrabbiner Simon Menaseh Cheikin von Hebron ist im "Alter von 02 Jahren gestorben. Er versah das Rabbinat seit fünfzig Jahren und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit seitens sämmtlicher Gemeindemitglieder. — Die Einweihung des „Heims für Inden" in Chicago fand unter großem Andrang des Publikums und in "Anwesenheit der Spitzen der Gemeinde statt. Rabbiner Dr. Emil Hirsch hielt die Einweihungsrede. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauch Witz in Berlin.