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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-04 · Heft 31 (4.8.1893) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
Seite 371 (sequence 11)
Language
German
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Auch seine geschäftlichen Kenntnisse kann der Bartel zeigen und llemal fährt die Mutter dazwischen. „Französisch kann er wie ein Professor! Und auf Englisch druckt ,r sich auch aus! Einer sollt's nit denken, was in dem steckt." Und einmal ist Veilchen auch kühn, leise sagt sie: „Doch, i hab's sicich gedacht, schon bei dem Bild!" Den Bartel rührt das, er müßte kein junger, eitler Mensch sein, oenn's ihm nicht gefiele. Lea zeigt dem Veilchen all die zerbrochenen Porzellanfiguren und Zarah thut's nicht anders, als daß der alte Löw ihr Lager scheu und taxircn muß. Zn gegenseitiger Befriedigung verläuft der Gastnachmittag, und nie der alte Löw und seine Tochter ivieder in den Wagen gestiegen nid, überrascht Bartel sich selber bei einem festen Händedruck, den r dem Mädchen gegeben. „Nun, bis Ihr Alle nach Weil der Stadt konunt, da soll dann richtig werden zn Alter Freud, was in der Schweb ist," ruft der Kaufmann im Abfahren. Sarah aber wendet sich zum ersten Male wieder dem Sohne u: „Mein Baruchleben," sagt sie und klopft ihm auf die Schütter.?aim steigt sie mit der glücklich ausschaucnden Lea die Stiegen asieder hinan. Wie betäubt bleibt Bartel zurück und schaut sich um. Noch : singt das Rosien des Wagens in der Ferne und das Wort der Nntter schlägt ihm ins Geivissen — und dann erwacht er jäh. Was ist denn gewesen? Was hat er denn gethan? lieber sich ergehen lassen all das, einem unschuldigen, gutherzigen Mädchen Hoffnungen geinacht. Die da jetzt durch den inilden Abend fahren, oie zählen ihn zu den Ihrigen — und die alte Frau und das stille Mädchen, welche dort oben die Reste der Bewirthnng forträumen, hegen frohe Hofsmuigeu. Und er? Ein bleiches Gesicht und blaue, iveinende Augen tauchen plötzlich vor ihm auf. (Forts, folgt.) Litterarische Mittheitungen. Max Ost erb erg-Berat off: Das Reich Judäa im Jahre 6000 <2241 christlicher Zeitrechnung). Ein Roman. Stuttgart 1863. Dr. Förster & Comp. Ein Roman von mehr als gewöhnlicher Bedeutung, noch mehr in Rücksicht auf den behandelten Stoff, als auf die Handlung. Das Buch ist eine der jetzt so beliebten Utopien, denn es spielt in einem zukünftigen jüdischen Reich irr Palästina. Der Verfasser, man kann aus dem Buche nicht recht ersehen, ob er Christ oder Jude ist, versucht, uns in kurzen Worten die Entwickelung zu schildern, die zu einem Wiederaufbau des jüdischen Staates führt. Er setzt voraus, daß die Juden, der in allen Ländern sich stets erneuenden Angriffe der Antisemiten müde, Kongresse eiuberusen, um zu berathen, wie sie sich dagegen verhalten sollen. Allmählich bricht sich der Gedanke Bahn, daß es nicht eher besser werden wird, bis die Masse des jüdischen Volkes wieder ein eigenes Land bewohnen wird. Nach vielen Berathungen einigt man sich auf Palästina, bringt von den Juden Milliarden zusammen, bietet den europäischen Negierungen, die die Juden, ihre besten Steuerzahler, nicht so leicht ziehen lassen wollten, wie die erregten Feinde es wünschten, diesen Regierungen bietet man enorme Anleihen zn mäßigem Zinsfuß als Entschädigung und erreicht, daß sie -die Inden ziehen lassen und die Türkei durch Kollettivschritte dahin bringen, dem jüdischen Nationalkongreß Palästina zu verkaufen. Der jüdische Staat konstituirt sich dann nach den Gesetzen der Bibel mit monarchischer Spitze und einem Hohepriester, jedoch ohne Opfer. Der Roman selbst spielt unter der Negierung des dritten Königs David II. und behandelt das Liebesverhältniß des Kronprinzen Salomon mit Dinah, der Tochter des Hohepriesters Aaron Kohn. In Dinah ist auch ein junger deutscher Edelmann verliebt, der auf einer Vergnügungsreise nach dem Orient Palästina besucht. Natürlich dient diese Fabel, wie in jeder Utopie, nur dazu, die Sitten und Zustände des beschriebenen Landes zu schildern und die Gelegenheit zu Beschreibungen desselben zu bieten. Die Verhältnisse des neuen jüdischen Reiches werden in den glänzendsten Farben geschildert, die Juden treiben alle Arten des Landbanes und der Gewerbe und gleichzeitig hat ihr Handelsgeist das heilige Land zu dein größten Handelsplätze, die Jerusalemer Börse zur ersten der Welt gemacht. Die aus der Bibel entnommenen sozialen Ausgleichsgesetze — z. B. der Zehnte wird zwar erhoben, aber da kein Priesterstand mehr vorhanden, für gemeinnützige Zwecke verwandt, — haben einen Zustand des sozialen Friedens gezeitigt, in dem es zwar Reichere und Aermere giebt, aber auch die Aermeren nicht Roth leiden. Das jüdische Familienleben, dessen reizende Schilderungen sehr lesenswerth sind, bildet auch im neuen jüdischen Staate die Perle der jüdischen Nationaltugenden, und während draußen in Europa der Hader zwischen Mann und Weib zwar zur völligen Emanzipation der Frauen geführt hat, aber deshalb doch weder Mann noch Frau glücklicher geworden sind, ist in Judäa das alte patriarchalische Verhältniß der Geschlechter geblieben und beide Theile sind zufrieden mit der Stellung, die ihnen die altererbten Sitten in der Gesellschaft anweisen. Rühmend wird auch die Ehrfurcht der Jugend vor dem Alter hervorgehoben. Die Staatssprache ist natürlich die hebräische, und die neue gemeinsame Sprache hat zu einer innigen Verschmelzung der Inden aus allen Ländern geführt. Am Schluffe des Buches wird der eine Held, der Kronprinz Salomon, mit seiner Geliebten vereinigt, nachdem er Gelegenheit gehabt hat, seine Reife durch staatsmännische Proben zu bezeugen. Der andere Held aber, der deutsche Christ, schreibt die Geschichte seiner Reise. Das phantastische Buch ist, obgleich die Handlung wie in allen Utopien nur gering ist, doch lesenswerth. B. H. V. Schumacher: Berenice. Ein Roman. Leipzig 1863. Wilhelm Friedrich. $Jlit reicher Phantasie, in packend geschilderten Szenen erzählt uns der Verfasser dieses, Georg Ebers gewidmeten Romans, die Geschichte des römisch-jüdischen Krieges. Schumacher hat es nicht auf die Phantasie der Leser abgesehen, um sie durch nerveuerschütterude Geschichten zur Rührung zu bringen. Sein Bestreben war vielmehr darauf gerichtet, die furchtbare Tragödie des Unterganges des jüdischen Volkes in großen dichterischen Zügen darzustellen. Und wie selten Einer hat der Verfasser seine Aufgabe glänzend gelöst. Denn nicht durch die Brille der Gegenwart läßt er uns die Figuren jener längst entrückten Kultur-Epoche sehen, sondern er versetzt uns selbst in jene lebhaft bewegte Zeit, so daß wir lebendige Zeugen aller Schreckensszenen zu sein glauben, die sich damals abgespielt. Den Kern der reichgegliederten, spannenden Handlung bildet das Schicksal Berenices, der Schwester des letzten jüdischen Königs Agrippa. Zuerst zeigt sie sich als begeisterte Patriotin und will ihren Bruder zu einer Politik der Losreißung von Rom und zur Gründung eines selbstständigen großen Reiches bewegen. Da ihr dies bei seinem schwächlichen Charakter aber nicht gelingt, so will sie wenigstens ihren eigenen Ehrgeiz befriedigen. Sie mngarnt Titus, um dereinst Augusta werden zu können. Dazwischen spielt sich ein Liebesdrama ab zwischen Berenice und Reguel, dem Sohne des Zeloten Johannes von Giskala. Im weiteren Verlauf der Handlung wird Berenice geradezu die Verrätherin ihres Volkes, die an der Zerstörung Jerusalems wesentlichen persönlichen Autheil hat. Schließlich ereilt sie die Nemesis: sie sieht sich von Titus verstoßen, und ihr Ende ist — Wahnsinn. — Daneben sind noch einem jüdischen Schwesternpaar itnb einem andern seltsamen Paar, dem in: Dienste eines betrügerischen Propheten stehenden Sonnenbruder und einem Zwerg, wichtige und fesselnde Rollen zugetheilt. — Mit einer großen schöpferischen Straft und vollendeter Darstellungskunst weiß der Verfasser den Leser beständig zu fesseln. In „Berenice" hat uns Schumacher die Probe eines dichterischen Talentes von hoher Bedeutung geliefert. Er bietet uns aber auch eine Lektüre, die wir mit gutem Gewisser! unserer Damenwelt empfehlen

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