Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-04 · Heft 31 (4.8.1893) · p. Seite 363

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228018--50030-3271624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

303 Verhältnisse lstellt, inbew lechtsprechimn latserhaltend. venu sie aus würde, wirkt aber Dinge, und die, den lvören. Das Versumpfung ittel beseitigt kreuzzeitung" Fiasko aber, rtisemitischen spruch zu ervenfrage und em jüdischen lltisemitischen ervativen die men aber an na d) b r ü cf I i d) m skrupellos mservativen,!llen." itisemitischen n, die Ne . Auch mit ücksichten zu $1 icht iin mdern im eit und kon- , kann es „Der Reichsbote" hegt die Sorge, daß wir schließlich nicht vor dem jüdischen Kapital Halt machen, sondern gegen das Kapital überhaupt zu Felde ziehen würden. Wir haben nie verhehlt, daß wir das schon jetzt thun, besonders soweit der Mißbrauch des Kapitals dabei in Frage kommt. Unser sozialreformerisches Programm wäre ein sehr einseitiges, ja völlig verfehltes, wenn es den Kampf gegen das Kapital überhaupt ablehnte. Ohne eine ganz wesentliche Verschneidung des kapitalistischen Bienenstockes zu Gunsten der Produktivstünde ist eine Sozialrefornl rein unmöglich. Wir wollen keine Aufhebung des Privatbesitzer keinen Kommunismus, sondern nur eine gerechtere Vertheilung des Kapitals." Ist nicht namentlich der letzte Satz rein sozialistisch? - Noch immer kann das Gerede über die angebliche Aenßerung des Justizministers in Betreff der jüdischen Richter nicht zur Ruhe kommen. lieber die Entstehung des Gerüchts wlrd auswärtigen Blättern das Folgende geschrieben: „(Sin Assessor L., mosaischen Glaubens, der über fünf Jahre als Assessor beschäftigt gewesen war, hatte beim Lesen des Justizmimsterialblaktes die Wahrnehmung gemacht, daß Kollegen zu Richtern ernannt wurden, welche in der Dienstzeit mit zwei Jahre hinter ihm zurückstanden. Da der Assessor als möglichen Hindernngsgrund seiner Ernennung nur seine Religion annehmen konnte, so eilte er nach Berlin, um beim Herrn Jnstizminister eine Audienz zu erbitten. Aber schon im Bureau wurde ihm die Mittheilung gemacht, daß er keinen Grund zur Klage habe, da seine Ernennung zum Amtsrichter bereits verfügt sei." Die ganze Berwicklung löst sich damit wohl ans die natürlichste und einfachste Weise. . Trotzdem licht hören, 'inte hinaus ileibt ihnen berechtigten n i t i s m u s Woche ist ren Führer ls der Leip- > wie vor n" schlank- : von ihm rklich zuletzt »rig. Man mtisemiten- Westfülische veil sie in t selbstverftihere des : mag ermorden war, , erwiedert: iter feinen ie ist auch nnermann, mit dem Aer Antisemitismus in Kesten. Von M. Steinhardt in Magdeburg. II. Indem man den Ursache» des Antisemitismus hierzulande nachfarscht, begegnet ina» häufig, sogar bei unseren eigenen Glaubensgenossen, der Anschauung, als ob derselbe von den Juden durch eigenes Verschulden hervorgerufeu sei. Wir müssen solche Auschuldignngen entschieden von uns zurückweisen. Wenn auch zugestanden iverden muß, daß manche Eigenthümlichkeit der hessischen Juden dein Auge des unparteiischen Beobachters in nnangeirehmer Weise auffällt, so ist hierin dennoch keineswegs der Grund des Antisemitismus zu erblicke». Man beachte doch nur die antisemitischen Erfolge im Königreich Sachse». In Wahlkreisen, in denen überhaupt keine Inden wahne», haben die Antisemiten ihre glänzendsten Erfolge errungen; ganze Dörfer, die vielleicht noch nie, auch nicht einmal nur vorübergehend, der Fuß eines Inden betreten hat, haben nahezu einstimmig antisemitisch gewühlt. Wer wollte da noch alles Ernstes behaupte», daß die Juden selbst die Schuld an den wachsenden Erfolgen des Antisemitismus trügen? Dazu kommt, und wir müssen das mit Entschiedenheit allen gegentheiligen Behauptungen gegenüber betonen, daß die Krimiualitüt der hessischen Juden sich auch nicht im Geringsten in einem schlechteren Lichte als die der christlichen Bevölkerung Hessens zeigt, und schließlich, um auch diesen Punkt nicht unerwähnt zu lasse», ist der Jude überall da, wo seine Kriminalität wirklich einen Defekt aufzuwcisen hat, doch nur das Abbild seiner Umgebung. Die antisemitischen Erfolge in Hessen sind einzig und allein das Produkt eines bestimmten wirthschaftlichen und politischen Programms, mit ivelchem die antisemitischen Agitatoren in denkbar geschicktester Weise zu operiren gewußt haben. Mit der ganzen Unehrlichkeit, die dieser Partei eigen ist, haben es die Antisemiten verstanden, in verschiedenen Wahlkreisen, insbesondere bei den Stichwahlen, ihre wahren Ziele zu verbergen, oder doch nur vorübergehend zu erwähnen; hat doch beispielsweise Böckel in Friedberg, im Großherzogthnm Hessen, so versöhnlich, so liberal gesprochen, daß ainvesende Juden mir erklärt haben, wenn wir diesen Mann nicht kennen würden, nach dieser Rede Hütten wir ohne Bedenken ihm unsere Stimme gegeben. Einen Theil der Erfolge haben die Antisemiten ihrer Stellungnahme gegen die Militärvorlage zu verdanken; daß die Herren nachher gegentheilig gestimmt haben, ist selbstverständlich, und schließlich hat ihnen noch besonders der Hinweis auf die Börsenstcucr, mit welcher mau die reichen Juden treffen zu wollen den Bauern vorgespiegelt hat, manchen Wahlerfolg erringen helfen. Eigenthümlich ist der Umstand, daß der Antisemitismus, einer Epidemie ähnlich, in einzelnen bestimmten Gegenden solche Erfolge aufzuweisen hat, in andereir hingegen machtlos abgeprallt ist. Bei näherer Betrachtung ist jedoch der Grund dieser Eigenthümlichkeit unschwer zu erkennen. Wie, um bei dem Bilde zu bleiben, die Epidemie da wirkungslos vorübergeht, wo man die Gefahr rechtzeitig erkennend, genügende Schutz- und Sicherheitsmaßregeln getroffen hat, so ist der Autiseinitismus in jenen Wahlkreisen vollständig unterlegen, in denen ein ausgeprägtes, politisches Parteileben herrscht, in denen vor Allem der entschiedene Liberalismus eine energische Parteiorganisation aufzuweisen hat. Welch krampfhafte Anstrengungen haben beispielsweise die Antisemiten seit Jahr und Tag in Liegnitz, in Alzey-Bingen gemacht, um diese Wahlkreise zu erobern, und doch sind sie schmählich unterlegen, einzig und allein aus dem Grunde, weil dort eine vorziigliche freisinnige Parteiorganisation existirte, die es verstanden hat, die ländliche Bevölkerung politisch zu schulen und ihr für gewisse Tagesfragen ein reifes, politisches Verständnis; beizubringen. Anders jedoch liegen die Dinge in Hessen (und wohl auch im Königreich Sachsen). Die konservative Partei hatte bis dahin, ohne eine wirkliche Parteiorganisation zu besitzen, bei den Wahlen in Hessen ein leichtes Spiel; nur ganz vereinzelt hatten sie gegen die Nationalliberalen und Freisinnigen, neuerdings auch in zwei Wahlkreisen gegen die Sozialdemokraten um ihren Besitzstand zu küinpfen. Wie überall, wo der Konservatismus dominirt, so weist auch in Hesse» die bäuerliche Bevölkerung in politischen Dingen eine große Unkenntniß und Unreife auf. Bei der nun wachsenden Unzufriedenheit des Bolkes, wie im vorigen Artikel bereits ausgeführt, sind diese Wahlkreise den Antisemiten als überreife Frucht in den Schooß gefallen. Hiermit ist aber auch zugleich der Weg gezeigt, wie den Antisemiten ihre Scheinerfolge wieder abzujageu und antisemitische Wahlkreise znrückzuerobern sind. Im großen Ganzen ist zur energischen Abwehr des Antisemitismus noch wenig geschehen. Der Verein zur Abwehr verfügt bei Weitem nicht über genügende rednerische Kräfte, um, wie es wünschenswerth und erforderlich wäre, jeder antisemitischen eine aufklärende Versammlung folgen zu lassen; ebenso ist auch der Mangel einer guten Lokalpresse, die zur Abwehr wirken könnte, sehr fühlbar. Aber auch wenn diese Mängel nicht vorhanden wären, so kann man doch nach mehrjähriger Erfahrung mit gutem Recht behaupten, daß diese Art der Abwehr nicht die richtige ist; die Parole: „ivühlt, tuen ihr ivollt, tvühlt nur keinen Antisemiten," hat, so ideal dieselbe auch gedacht ist, bei den hessischen Bauern ihren Zweck verfehlt; der hessische Bauer will eben wissen, wen er wählen soll. Der goldenen Berge wegen, die ihm der antisemitische Hetzapostel versprochen hat, hat er diesem seine Stimme gegeben, und da gilt es den», ihm eine andere politische Auffassung beizubringen, ihm zu zeigen, daß das, was in dem antisemitischen Programm Wahres i.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.