Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1893)
- Date
- 1893-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228017--50019-3271612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
57. Jahrgang. Rr. 30. Der GerneLndebote. Gerlin, 28. Juli 1893. steller außev ird, werden ein solche vier Notizen h von den? selbe in der 2isch verletz hat, der ich »inzuzufügeu letonung im mmlich weil wovon in 3tner mein? t Hexamete- . bei allem , nur dann imal eitirten Nagel an' m alten so ide Silben nz souverän; bei pedau üerfififatiou irt, daß de? zu sagen mischen al ge Sprache, ar bis zum , mancherlei Spondeen ) ist es doä \ allen drei >och (vergl. m in weil nd will im Grund de? n, die hier Dr Kisch rd m. Stern Einsendun? tt, daß meju . Kisch b? : scherzhaß Wenn tc; so geschcm l für richti erständniss slaschnem in Betren 1 Berseher: ld bemerkt, legt wurde en W.-Pr. in. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. M. H. Berlin, 20. Juli. Schon in der vorigen Nunnner wurde in mrzen Worten der neuen Synagoge gedacht, welche der Sy nag o gen - Verein „Beth Zion" Brunnenstr. 10 eingerichtet hat. Seitdem obenenannter Verein vor etwa 2V2 Jahren seine erste Synagoge Brunnenstr. 120 .ingerichtet, hat sich derselbe eines schnellen Wachsthums zu erfreuen gei abt, so daß der Verein wegen Mangels an Ramn sich veranlaßt sah, i ,in neues Gotteshaus zu errichten. Dank der Hochherzigkeit der Miti lieber und einiger edler Spender und Dank den vom Rabbiner Höxter geleiteten Sammlungen wurde es verhältnißmäßig schnell ermöglicht, den : beabsichtigten Plan zu verwirklichen. Am Sonntag den 9. d. M.Nachmittags 4 Uhr hat die Einweihung des Gotteshauses stattgefunden. Der Anum konnte die Zahl der Geladenen und der Gäste nicht fassen. Die wenigen Augenblicke, welche bis zum Anfang der Feierlichkeit übrig blieben, genügten zu einer schnellen Musterung des Raumes, welcher verhältnißnäßig recht groß und geräumig und sehr hübsch ausgeschmückt ist. Die Malereien sind, wie wir gehört, von dem bekannten Maler Bodenstein msgeführt. Zuerst erschienen die Thorarollen am Eingänge, und kraftoll ertönte das Boruch Habo des Kantors Klein durch das Gotteshaus, luter dem Gesänge Seu scheorim that sich die heilige Lade auf und ne Gesetzesrollen wurden hineingestellt. Es folgte der Gesang Mah imvu, die Thorarollen wurden zum erstenmale ausgehoben und urch siebenmaligen Rundgang der Raum geweiht. Nachdem die nhorarollen eingehoben waren, betrat Herr Rabbiner Höxter die Kanzel, um anknüpsend an den Text: „Wie erhaben ist diese Stätte, : 's ist nichts anders als ein Gotteshaus, und dies ist die Pforte es Himmels" in tiefempfundenen und zu Herzen gehenden Worten die , rinweihungsrede zu halten, die ich in ihren hauptsächlichsten Punkten j oiederzugeben versuchen werde: Die Erhabenheit des Gotteshauses werde j nicht durch äußeren Prunk, nicht durch vergoldete Säulen und gewaltige Nippeln bedingt, sondern der Kern und das Wesen desselben zeige; ich darin, was es uns sein soll und was wir in ihm finden. Es soll; ins enger zu Gott fuhren, da wir im Leben unsere Verbindung mit dem i -chöpfer oft gelockert oder gar gelöst sehen. Wir sollen in ihm Trost; nnld Beruhigung finden von den Stürmen des Daseins, aber wir sollen! nach in uns schauen, ob unser Verhalten zum Nebenmenschen uns |; ier nicht lieblos und grausam erscheine, während wir es draußen in; j ampfe ums Leben für gerecht und billig hielten. Und nur dann sei! er Ort für Alle ein Gotteshaus, wenn wirklich in ihnen das Gefühl für! as Göttliche zur vollen Entfaltung käme, wenn ihnen das Gotteshaus | ine eng abgegrenzte Stätte wäre, wo Einer mit dem Anderen fühle und j ,u ihm stehe in Freud und Leid, wo alle Zusammenwirken, das Beste des! Einzelnen und der Gesammtheit zu fördern, wo Alle im Gefühl ihrer; Brüderlichkeit sich auch als Brüder bethätigten, so daß Keiner sich in eigen-; üchtigem Hochmuth über den Anderen erhebe und Friede und Eintracht - Ille mit festen Banden an einander ketten." Mit dem Vortrage einiger j Psalmen, einem Weihegebet des Rabbiners und dem Minchagebet fand nie erhebende Feier ihren Abschluß. H. Berlin, 23. Juli. Am 20. dieses Monats verschied in Bad Oeynhausen, wo er Linderung für sein Leiden zu finden hoffte, Herr S. Nelson im Alter von 66 Jahren. Der Verstorbene gehörte dem Vorstande des „Vereins zur Beförderung des Handwerks unter den Juden" an, war Vorsitzender und Begründer des „geselligen Vereins der Handwerker" und war auch in verschiedenen Gemeindekommissionen mit Eifer thätig. Das Lehrliugsheim für jüdische Lehrlinge in Pankow erfreute sich seines besonderen Interesses, mehrere Zöglinge desselben und viele durch den Druck der Zeit bedrängte jüdische Handwerker verlieren! in dem Verstorbenen einen Gönner, der auf diesem speziellen Gebiet mit Thatkraft für das Wohl seiner Glaubensgenossen thätig war. — Am Montag wurde unter zahlreicher Betheiligung S. Nelson auf dem Friedhofe in Weißensee bestattet. Ehre seinem Andenken. * Berlin, 25. Juli. Der einzige Bildhauer, dem von der Jury der Berliner Kunstausstellung die große goldene Medaille verliehen wurde, ist unser Glaubensgenosse, der russische Bildhauer Markus Antokolsky, der bisher in Berlin mit seinen Schöpfungen weniger bekannt geworden, da er unsere großen Kunstausstellungen selten beschickt hat. Er ist geboren im Jahre 1842 zu Wilna von armen jüdischen Eltern. Seine künstlerische Vorbildung erhielt er auf der Akademie in Petersburg. Im Gegensätze zu der dort herrschenden klassizistischen Richtung bildete er sich in realistischen! Sinne durch eifriges Studium nach der Natur aus. Schnitzarbeiten in Holz und Elfenbein, unter denen die Holzstatuette eines jüdischen Schneiders und die Elfenbeiustatuette eines geldzahlenden Geizhalses durch ihre naturwahre und charaktervolle Auffassung und Durchführung hervorragen, gehörten zu seinen ersten bemerkenswerthen Leistungen. Später ging er nach Nom und Paris, um alsdann seinen dauernden Aufenthalt in der französischen Hauptstadt zu nehmen. Auf der Weltausstellung im Jahre 1878 erntete er die ungetheilteste Bewunderung durch seinen sterbenden Sokrates, der in ergreifender Weise den Kampf einer großen Natur mit dem Tode zur Anschauung brachte. Von den zahlreichen Werken des Künstlers sind außer den auf der diesjährigen Kunstausstellung befindlichen noch eine lebensgroße sitzende Statue Iwans des Schrecklichen und das Grabmonument einer jungen Russin als anerkannt bedeutende Leistungen hervorzuheben. Antokolsky gehört zu den genialsten Künstlern, die Rußland zur Zeit besitzt. * Berlin, 24. Juli. Das Kapitel von den jüdischen Legaten erhält eine charakteristische und wirksame Illustration durch zwei Ankündigungen, die die hiesigen Blätter in dieser Woche gebracht haben. Dieselben lauten: Die Vertheilung der Zinsen aus der von den Bankiers Gebrüder Plaut begründeten Stiftung findet am 28. August statt. Diese Zinsen sollen, den Intentionen der Stifter gemäß, in Raten von wenigstens 0 Mark an unbescholtene Personen beiderlei Geschlechts, welche nicht unter 60 Jahre alt, hier ortsangehörig und christlichen Glaubens sind, vertheilt, auch soll hierbei kein Unterschied gemacht werden, ob der Empfänger oder die Empfängerin zur Klaffe der polizeilichen Armen gehört oder sich zur Wohlthätigkeits-Armenpflege qualifizirt. Meldungen sind bei den Armen-Kommissiouen noch vor dem 1. August einzureichen. —- Aus der unter städtischer Verwaltung stehenden Therese Wolff'schen Stiftung sind an zwei in Berlin ortsangehörige unbescholtene Mädchen, von denen eins christlicher, das andere jüdischer Religion ist, je 600 Mark als Aussteuer zu ihrer Verheirathung zu vergeben. Verwandte der Stifterin haben, auch wenn sie nicht hier ortsangehörig sind, vor sonst gleichberechtigten Bewerberinnen den Vorzug. Den Gesuchen sind Mlzufügen; 1. Geburtsschein; 2. ein polizeiliches Führungsattest der Bewerberinnen sowohl wie des Bräutigams derselben; 3. ein Attest des Bezirksvorsiehers über die Erwerbs- und Vermögensverhältnisse der Bewerberin und ihrer Eltern; 4. ein gleiches Attest über die Erwerbs- und Vermögensverhältnisse des Bräutigams und dessen Eltern. Die Aussteuer wird an die Benesiziatin nach erfolgter Eheschließung ausgezahlt. Gesuche sind bis zum 30. September d. I. im Rathhaus, Zimmer 83, einzureichen. — Was sagen die Blätter, die kürzlich gegen die jüdischen Legate so geeifert, zu diesen beiden Stiftungen? * Berlin, 25. Juli. Nur als ein Symptom der gegenwärtigen Strömung, die den guten Ruf unserer Neichshauptstadt arg gefährdet, geben nur hier ein kleines Stimmungsbild aus dem Gerichtssaal wieder. Es ist der Bericht über einen antisemitischen Exceß im Bols'schen Lokale in der Friedrichstraße, der jüngst die 144. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts beschäftigte. Die Sache selbst nimmt deshalb ein größeres Interesse in Anspruch, als dabei zwei Ausländer — Großkaufleute aus Kopenhagen — in grober Weise beleidigt worden sind. Zwei Dänen hatten in den letzten Tagen des Januar der Hauptstadt des deutschen Reiches ihren Besuch gemacht und haben während ihres hiesigen Aufenthaltes mit dem Fabrikbesitzer B. eng verkehrt. Am Abend des 20. Januar er. traten die Herren in das Vols'sche Lokal ein und forderten je ein Gläschen Liqueur. Was den drei Personen dort