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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-28 · Heft 30 (28.7.1893) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
Seite 359 (sequence 11)
Language
German
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359 naus hast i such ich Du lebst." :t sich jetzt jetzt was Heu thut, oenn's nit ist unterathlos da. renn doch 'i. umt seine Ulf seinen >ch Wahr¬ oder dem nen thut." c gehoben, ipfindung, chtet, verdaß ihre fühlt, daß eine Beähern, sie : bleiches n Spruch - ist gut! Vergehen t dem — Mt ist?" das erste d gellend is Unglück s zu nix hwaderer-!" spricht »erselbigeii Menschen ^ut Hab i Städten zusammen „'s Gesetz giebt's, weiß wohl!" antwortet er. „Vor meinethalb braucht's nit da zu sein, i geb mein Kind so Einem von denen nit, d e unfern Herrn Christus gekreuzigt haben. An dem tragen sie 'Ille! Und lieber sah ich Dich todt da vor mir auf dem Boden!" „O, Du mein Herrgott, vergieb's!" jammerte das alte Binele in einer Ecke. „Vater — i Hab ihm auch schon abgeschworen," spricht Dörtle und > :cht vergebens die Hand Gabriel'» zu fassen, „seit gestern Abend!" „So — hast ein Einsehn gehabt?" „Drum nit — blos darum, weil sein alte Mutter so grausig sucht. Im Herzen bleib i dem Bartel gut, so lang ich leb und l teu will i jeden Tag für ihn — wenn's denn einmal Alles gesagt i ui soll," kommt es aus dem Munde des blassen Mädchens. „Zehntausend Donnerwetter!" schreit der Bauer. „Das ist '.'ein Will?" „I kann nit anders, Vater!" „Und wenn i befehlen thu, daß es anders sein soll?" Da schüttelt sie traurig den Kopf. „Helfen thut's nix — es sitzt im Herzen!" Ein wilder Fluch, Gabriel hebt den Arm, als wollte er die irne schlagen, besinnt sich aber dann noch und tritt zurück. „Mit dem Pfarrer will i reden, wie besessen bist vom Teufel! und derweil der noch in Dir haust, will i Di nimmer anschauen, uif Dein Kämmerle gehst in Arrest." Dörtle hebt die blauen Angen. „I weiß wohl, für Euch bin ich verworfen und verachtet — nd Hab doch gegen Keinen eine Sund gethan, wie an dem Christoph, ber geduldig will ich sein bei meiner Straf, und unser Herrgott iebt's Euch auch wohl, daß Ihr vergeben könnt!" Sie wendet die Blicke vom Vater zur Mutter, Niemand sieht e an oder reicht ihr die Hand, dann geht sie leise zwischen den > »echten und Mägden hindurch und hinaus. (Forts, folgt.) U Blumen vom Libanon?) Von Henriette Hirschberg. s rauschen die Cedern des Libanon Mit wundersam säuselndem Geisterton: Sie schau'n die Burg Zion so wüste und leer; Die Rosen von Saron, sie blühen nicht mehr. Es pflückt' eines sinnigen Wandrers Hand Die Blättlern, so er am Libanon fand. Und füget sie kunstreich zum trockenen Strauß Und schickt sie dem Freunde Zions ins Haus. Sind welk auch die Blüthen, und trocken das Blatt, Und öd' und verlassen manch' heilige Statt; Ist Zions Pracht und sein Glanz zerschellt: Doch Licht seines Lichtes durchleuchtet die Welt. Hoch ragen die Cedern des Libanon — Wo bist Du, Volk Juda, und wo Dein Zion? „So weit durch die Welt dringt das Gotteswort, So weit wird die Welt einst mein Heimalhsort!" *) Im Nachlasse David Cassels s. A. fand man ein hübsches Büchlein, in Herbarium von Palästina, mit der Inschrift: „Herrn Prof. Dr. Steinthal )im siebzigsten Geburtstage!" Leider sollte Cassel dies Geschenk dem verehrten Jubilar nicht mehr überreichen. Aber die Wittwe des edlen Mannes hat dies gethan. Unter den zahlreichen Jubelspendeu hat dies kleine Herbarium allgemeine Aufmerksamkeit erregt und Veranlassung zu dem oben nntgetheilten Gedichte gegeben. Die Red. 9 Karlsbader Plaudereien. ui. Mein beständiger Reisebegleiter in das Karlsbad ist — Goethe. Ist es der genius loci oder die geheime Wahlverwandtschaft, die uns Inden immer und immer wieder zu diesem Weltdichter hinzieht? Ich mag es hier nicht nntersuchen; nur soviel weiß ich, daß gerade hier die Lektüre Goethes und die Beschäftigung mit ihm mir wie vielen Gleichgesinnten ein ganz besonderer Genuß ist. Daß es namentlich Goethes Beziehungen zu den Inden sind, die unser besonderes Interesse in Anspruch nehmen, wird jeder billig Denkende leicht begreifen. In dieser Beziehung bieten die neuerscheinenden Publikationen viel interessantes Material, und Professor Geiger wird bald daran gehen können, seine gründliche Studie über dieses Thema ansehnlich zu erweitern. Ich lese hier mit begreiflicher Spannung die Tagebücher Goethes, die seit einigen Jahren in Weimar erscheinen. Und da sind es besonders zwei Momente, die für uns Juden nicht ohne Bedeutung sind. Erstens: Goethe liebt es, jüdische Witze zu hören und wiederznerzählen. Ja, er notirt sie sogar in sein Tagebuch. Drei solcher Witze habe ich bis jetzt in den Tagebüchern von 1807 und 1808 gefunden. Einer ist — nicht erzählbar. Die beiden andern will ich zunächst nach Goethes Version mittheilen und sodann z» „bearbeiten" versuchen. Am Ü. August 1807, während seines Aufenthaltes in Karlsbad, schreibt Goethe in sein Tagebuch: „Spaßige Judengeschichte, besonders die von dem aus Potsdam nach Berlin reisenwollenden und nach den Meilen sich erkundigenden. „Ich bezahle euch 12 Pferde, so bin ich schon da." Der hier kurz angedeutete Witz bedarf wohl kaum eines große» Kommentars. Ein Jude, der nach Potsdam fahren will, fragt einen Kutscher, innerhalb tvelcher Zeit er dahiu kommen könne. Die Antwort lautete wahrscheinlich: Wenn Sie vier Pferde nehmen, so kommen Sie in einer Stunde hin. Darauf die Antwort: Ich bezahle zwölf Pferde, so bin ich schon da. Am 1. Juli 1808, wiederum in Karlsbad, verzeichnet Goethe in seinem Tagebuch folgenden Scherz: „Geschichte von einem höchst unwissenden Juden, der, reich geworden, sich in allerlei Kenntnissen unterrichten ließ, von denen er die Namen hörte. Er fragte einstmals, wie denn der Tisch auf Geographie heiße." Diese Anekdote habe ich in meiner Jugend so gehört: Ein unwissender Mann, der seinen Knaben in die Schule schickte, fragte diesen einmal, was er heute dort gelernt habe. Die Antwort lautete: Geographie. Der Vater, der diesen Lehrgegenstand für eine fremde Sprache hielt, replizirte hierauf: Nu, wie heißt Tisch auf Geographie? Nachdem >vir uns so — in der bekannten Bachurim-Manier — Goethe „verteutscht" haben, fragen wir uns natürlich zuerst: Wer hat Goethe in Karlsbad jüdische Witze erzählt? Die Juden, mit denen er hier verkehrte, werden es kaum gewesen sein. Aber eine litterarhistorische Notiz führt uns vielleicht auf die rechte Spur. Jedesmal, so oft Goethe einen jüdischen Witz in sein Tagebuch einschreibt. bemerkt er vorher oder nachher unter denen, die ihn'besuchen: Kapellmeister Hummel. Dies führt mich auf die Vermuthnng, daß Hummel ihm diese Witze erzählt hat. Hummel, der berühmte Klavierspieler und Komponist, stammte ans Preßburg — und das sagt Alles! Aber noch ein zweites Moment, wie ich schon oben angedeutet, ist in Goethes Tagebüchern für uns von Bedeutung. Nämlich sein eifriger Verkehr mit Juden, besonders i» Karlsbad und Franzensbad. sowie sein großes Interesse für dieselben. Vom 31. August bis zum 12. September 1808 ist Goethe in Franzensbad. Während dieser ganzen Zeit speist er jeden Tag, Mittags ii

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