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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-28 · Heft 30 (28.7.1893) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
Seite 357 (sequence 9)
Language
German
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i 357 mster hatte, ark, daß es jebett eine» es, sonder» Sein Leit ar stark betrachte; das eingetiefter und Kinn und ausn robustes ser Man» Prokurator stigt, hatte einträgliche herlei Ben Schätzen Gaza ein, bei aller sten seines >aupt eine eisen, daß dieser Ver- > humpelte rete. Eine er zurück :s, langes; zu verdie Thür child hing, es einen die Thür mit tiefen gekleidete >enständen Büchschen kriechender I Bürsten, Requisit, üßte, um : Gebieter gebreiteter en Figur, ic Reiheni, daß es e ein un- D kreischte, Stück des sie Köpfe, )ren, als das Gechür «ufanhörte, festhielt. Stimme, schwarzen s er den Diener. „Ei, Gabinius Fullo!" rief er, „Du bist wohl ein neugebornes Menschenkind, das soeben das erste Bad überstanden hat! Dann möcht' ich das Enaksweib sehen, das so stämmige Frucht geboren. Oder willst Du als Ringkämpfer auftreten, dann laß Dich so lange reiben und bürsten, bis der dicke Bauch verschwindet, denn beim Acrocheirismos dürfte es gehen, aber wenn die Pale mit der Pygme verbunden würde und also ein Pankration entstünde, da müßte Dein Lauch der Faust des Gegners ein willkommener Tummelplatz sein." Der Prokurator hatte den Sprecher, ohne daß er ihn anzusehen brauchte, bald erkannt und im Innern gelacht über die Rede des fuden; doch äußerlich zeigte er dies nicht, sondern knirschte: „Du Hund von einem Juden, wahre Deine böse Zunge, sonst laß ä) Dich spießen wie eine Wachtel. Ich war heute Nacht schon sehr pießlustig, weil ich nicht schlafen konnte und ich sonst nicht viel Vergnügen habe. Du weißt, daß der Ananias aus Betharon mit keinem alten Weibe und einer hübsche» Tochter hier gefangen säße». Sie waren Berrüther und Rebellen, denn sie weigerten mir ein beschenk von lumpigen drei Talenten und wollten nicht angeben, wo ihre Schätze verborgen waren. Beim Herkules, wenn das nicht den Tod verdient, da dürfte gar keine Hinrichtung mehr stattfiuden. Was that ich also? Ich lasse die drei durch den wachthabenden Eenturio vor mich bringen, frage sie noch einmal auf Tod und Leben nach dem Schatze, den sie natürlich verleugnen, lasse dann die Lestien entblößen, blutig peitschen — umsonst; sie bleiben bei der Versicherung, arm zu sein. Nun drohte ich den Alten, die Tochter wr ihren Augen den Kriegsleuten Preis zu geben. Was war die Antwort? Heulen und Plärren! Fort! rief ich da höchst erzürnt, in den Spieß mit dem Gesindel, und so geschah es. Du kannst das Lack im zweiten Hofe beim Söller der Wasseruhr sehen und Dich instweilen mit der Sache bekannt machen; vielleicht widerführt Dir >ald dasselbe. Aber sprich, Du Schurke, Du stehst so stumm, wie in Block!" setzte er jetzt, nachdem die Toilette vorüber war, hinzu, .sprich, war das nicht gerecht?" Elieser hatte während der Rede des Wütherichs wirklich stumm '»gestanden und einen Augenblick war das Lächeln von dem wieder tarren Gesicht verschwunden und die Augen hatten geglüht in wild-;espenstiger Flamme; aber nur einen Augenblick hatte die Bermderung gedauert, denn als jetzt der Prokurator nicht mehr lag, andern schon halbbekleidet aufrecht saß, also den Alten sehen konnte, war Elieser blitzschnell wieder der alberne Spaßmacher geworden, in welcher Rolle er allein um die Person des Befehlshabers sein durfte. Ein lautes Gelächter schlug er jetzt auf, das freilich etwas oilder klang, als es sollte, und mit lauter Stimme rief er: „Ganz echt, o Du prächtiger Gabinius Fullo, der Du glänzest in der veralten Schönheit des Jupiter, Mars und Apollon! Du handelst weise und gerecht, bei allen Teufeln; wer will das leugnen? Warum untersteht sich das lederne Gesindel, arm zu sein, wenn Du Geld »rauchst, o großmächtiger Held. Aber siehe, gestrenger Herr, tvozu rst die Umstände und der Spektakel mit dem Spießen in Deiner igenen Wohnstätte? Das würde ich nicht leiden an Deiner Stelle. Siehe, o Gabinius Fullo, wenn Deine Weisheit nicht beschlossen :,ätte, mich für den nächsten vakanten Spieß zu bestimmen, so würde ich Dir reiche Leute verschaffen, Leute, sag' ich Dir, die im Golde atzen bis über die Ohren. Ich würde in Deinem Namen eine Art Erbschaftsvertrag aufsetzen, der Dir das Gold der Leute jeden Augenblick sichert, denn Du bist der alleinige Erbe aller Schütze Judäas von Rechtswegen, und man kann ja ohne Aufsehen durch ein Pülverchen oder durch eine Schnur die Sache in Richtigkeit bringen; was meinst Du? Es ist keine Schande! Euer Kaiser Nero, hochseligen Andenkens, hat das Mittelchen bei reichen Leuten auch zu versuchen beliebt, und zwar bei Römern selbst; es ist noch ehrenvoller, wenn Du es gegen Juden auwendest. Du mußt nur nicht gleich mit dem Spießen da sein, denn wenn Du so fortfährst, so wirst Du mit Deinen Römern bald allein sein in Judäa und das reiche Volk, das Schätze verbirgt, von denen Du keine Idee hast, wirft seine Reichthümer in das Meer und tiefe Gebirgsschluchten, in Seen und Brunnen, und Du bekommst keinen Denarius zu sehen." (Forts, folgt.) 9 Hagar. Eine schwäbische Dorfgeschichte von E. Vely. (Fortsetzung.) „Du auch," ruft der Schneider „sieht ja aus, als wolltest Dich für zwei Buckel voll vorbereiten." „Einer kann Alles nit vorher wissen!" ist die Antwort, und dann beginnt er die Melodie eines Volksliedes und hebt dazu zu singen an. „'s Dirndle hat Schneid, Und sein Schätzte ist blöd, 's hat an ihm kein Freud Und behandelt ihn schnöd." „Eine Bohnenlaub kenn i. Da drückt es und küßt Ein anderes Bürschle, Das nit sein Schatz ist." Alle lachen im Chor, nur das Dörtle nicht, es steht leise aus und will an der Blatter vorüber, nach der Thür zu. Aber seine Füße sind so schwer, seine Beine beben, es muß nach der Lehne des großen Stuhls greifen, in dem die Mutter sitzt. „O, das ist einmal ein Stück!" ruft Gabriel. „Juhe, ja!" spricht der Peter Aigle, „aber i möcht der Bu' nit sein, dem so mitgespielt wird." „O, i auch nit!" sagt Christophle und gllckt um sich, wie ein rechter Heldenmüthiger. Der Schneider schwenkt seine Scheere durch die Luft. „Ein schöner Bu'! der sich's gefallen läßt, daß solch eine sakrische Dirn ihn narrt." „Ja, Mädeleswaar'!" sagt Gabriel wieder. „Mädeleswaar', gilt kein Haar!" ruft der Schneider von seinem Tisch herunter, Die Hausfrau streicht ihrer Katze über den Rücken und sagt gelassen: „Nun hört auch auf damit! Schimpft nit immer die Weibsleut her, das ist unrecht, 's giebt noch mehr falsche Buben, das ist einmal ausgemacht." „Das Mädele," kommt's bei dem Christophle raus, „das möcht i kennen. Solch eins thüt i nimmer nehmen." „Thätst nit?" lacht Peter höhnisch, „nun i auch nit. So'n Hahnrei möcht i nit sein. Wissen willst, tver's ist? Frag einmal! Lotterles Geiger, hast denn kein Bersle mehr da auf Dein' Jammerholz? Tapfer, Alterle tapfer!" Der Blinde hat noch eine» mächtigen Zug genommen, von dem, was ihm „Cnrasch" giebt, und streicht nun wirklich tapfer darauf los und kräht mit seiner zittrigen Stimme: „Ei, Du herziger Schatz. Wie bin i Dir gut, Spricht's Mädle — die falsch Katz — Zum Tanzelesjud." Noch ist er nicht zu End mit dem Lied, da stößt das Dörtle einen leisen Jammerrus aus und sinkt an dem Stuhle der Bäuerin zusammen und birgt sein Haupt in ihrem Schooß.

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