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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-21 · Heft 29 (21.7.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 29 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Liebe und Verehrung aller Gemeindemitglieder erwerben, indem er ihnen in Leid und Freud ein treuer Freund und Berather sein werde. Die Gemeinde sei nach der Vergangenheit und dem Rufe des Herrn Dr Blumenthal, namentlich für die religiöse Erziehung der Jugend, zu schönen Hoffnungen berechtigt. Sie lege er dein neuen Seelsorger, als den kostbarsten Schatz, ganz besonders ans Herz." Herr Dr. Blurnenthal antwortete sichtlich bewegt: „Nur mit bangem Zagen übernehme er das Lehramt in dieser altehrwürdigen, durch eine Reihe glänzender Namen in Israel hervorragenden Genreinde an. Namentlich dürfe er, ein junger Mann, kaum hoffen, das Erbe des greisen, verehrungswürdigen Dr. Löwenmeyer als berufener Nachfolger antreten zu können. Nur im Vertrauen auf Gottes Beistand, nur der Verherrlichung des göttlichen Namens sein Leben weihend, sei er dem ehrenvollen Ruf gefolgt, um nach seinen schwachen Kräften hier für die Anerkennung und Ausbreitung der religiösen und sittlichen Ideen Israels zu wirken, besonders seien ihm die Worte des Herrn Vorstehers über den Jugendunlerricht aus der Seele gesprochen. Die Svoiutc des Edlen und Guten wolle er in den empfänglichen Herzen der Kinder pflegen, und hoffe dabei auf die hilfreiche Mitwirkung des Elternhauses und die thatkräftige Unterstützung der Gemeindevertretung." Mit den Morten des Priestersegens schloß die Feier, die auf alle Theiluehmer einen erhebenden Eindruck machte. Am darausfolgenden Sabbath predigte Herr Dr. Blumenthal nach einem an die Berufung Jeremias anklingenden Gebete über das Thema „Eifer und Versöhnung" im Anschluß an den Text (Numeri 25, 12, 13): „Siehe, ich gebe ihm meinen Bund des Friedens und er soll ihm und seinen Nachkommen nach ihm werden zum Bunde des ewigen Priesterthums, dieweil er geeifert für seinen Gott und versöhnt die Kinder Israel." Mögen die Erwartungen, die die Genwinde an den Amtsantritt ihres neuen Rabbiners knüpft, in Erfüllung gehen. -a.- 'Aus Schlesien, 17. Juli. Im Laufe des vorigen Monats wurde in Sprottau in einer gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten die Wahl eines Kreistags-Abgeordneten an Stelle des verstorbenen Mühlenbesitzers Grätz vorgenommen, und zwar wurde Rathsherr Ollendorff mit 17 von 26 abgegebenen Stimmen gewählt. — Der Optiker Herr Rosendorf in Schweidnitz ist seitens des Kaiserlichen Reichskommissariats für die Weltausstellung in Chicago ersucht worden, im Aufträge der Kaiserlichen Regierung die Chicagoer Weltausstellung zu besuchen und über die gewonnenen Eindrücke demnächst Bericht zu erstatten. Herr Rosendorf wird dem Rufe Folge leisten. — Der kürzlich in Namslau verstorbene Wirthschaftsinspektor Effner hat seiner Vaterstadt testamentarisch 2400 Mark zugewendet, aus deren Zinsen an seinem Geburtstage 100 Brode ä 50 Pfennig an Arme ohne Unterschied der Konfession vertheilt werden sollen. — In Breslau feierte letzthin der frühere Kaufmann, jetzt Partikulier, S. Lachs, sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum, wozu er von einer städtischen Deputation in der üblichen Weise beglückwünscht wurde Der Jubilar erfreut sich trotz seiner vorgerückten Jahre noch einer guten Gesundheit. — Aus G leiwitz wird zur Warnung gemeldet: Ein gefährlicher Schwindler hatte sich in der Person eines gewissen Adolf Coydauowicz, aus einem Dorf in Rumänien gebürtig, vor dem dortigen Schöffengerichte zu verantworten. E. reiste mit gefälschten Legitimationspapieren. Er gab sich für einen gewissen Hamilton aus, der beauftragt sei, bei jüdischen Leuten milde Gaben zu sammeln. Das Schwindelgeschäft, welches C. betrieb, brachte ihm reichliche Geldbeträge ein. Der Betrüger wurde in Zaborze zur Hast gebracht; das Schöffengericht verurtheilte ihn zu sechs Monaten Gefängniß und sechs Wochen Hast. — In Breslau starb vor Kurzem im Alter von 78 Jahren Herr Heinrich Löwy aus Gleiwitz. Länger als ein halbes Jahrhundert war der Verstorbene ein geachteter Mitbürger in seiner Heimath gewesen und hat vier Dezennien ununterbrochen der Gleiwitzer Synagogengemeinde als deren Vertreter treue und erfolgreiche Dienste geleistet. Alle wohlthätigen und nutzbringenden Gemeindeeinrichtungen verdanken ihm mit ihre Entstehung. — Oels hat sich bisher antisemitischer Bestrebungen erfolgreich zu erwehren gesucht und vermocht. Während der jetzt abgeschlossenen Wahlbewegung hatte ans) der dortige deutschsoziale (antisemitische) Verein eine rege Thätigkeit entfaltet und durch große Plakate an den Anschlagssäulen, sowie durch Annoncen im Oelnitzer Lokalblatt „Lokomotive an der Oder" gegen die Juden gehetzt. Besonders hatte ein Rittergutsbesitzer durch seine widerwärtigen Ausfälle im Annoncentheile und Sprechsaal der genannten Zeitung den Unwillen aller anständig denkenden Mitbürger erregt. Auch nach der Wahl haben die Antisemiten dieses Treiben fortgesetzt und einige weitere Hetzartikel in das genannte Blatt einzuschmuggeln verstanden. Die Redaktion hat infolge dessen eine bündige Absage an die Anti semiten veröffentlicht und erklärt, daß sie diesen Bestrebuugen, die sich nicht nur gegen die Ueberzeugung, sondern auch gegen die Ehre eines Theiles der Mitglieder richte, die Spalten ihres Blattes fürderhin verschließen werde, und zwar in allen Theilen der Zeitung. Damit ist bei antisemitischen Bewegung in Oels, die eigentlich von keinem Andern be trieben zu werden scheint als von einigen jungen Leuten ohne Lebens erfahrung und politisches Urtheil, der Zwang auferlegt worden, wieder in ihr verborgenes Stillleben zurück zu kehren. — Am 5. d M. verstarb in Pleß nach längerem Leiden Herr Michael Steiner im Alter von fast 74 Jahren. In der vorhergehenden Woche hatte derselbe erst sein goldenes Bürgerjubiläum gefeiert. Der Verstorbene versah seit Langem das Ehrenamt eines Stadtverordneten und hatte früher mehr als dreißig Jahre im Vorstande uub Repräseutantenkollegium der Synagogengemeinde segensreich gewirkt Breslau, 9. Juli. Einer der verdientesten Mitbürger ist durch den Tod uns entrissen worden. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag starb Hierselbst nach längerem Leiden im 74. Lebensjahre Herr Bankier Moritz Cohn, welcher bis zu Anfang dieses Jahres Chef des altrenommirten Bankhauses Gebrüder Guttentag gewesen war. Der Verstorbene war am 16. Dezember 1838 in jugendlichem Alter in das genannte Bankhaus ein getreten und hatte sich durch Fleiß, Zuverlässigkeit und Tüchtigkeit das Vertrauen seiner Chefs in hohem Grade zu erwerben verstanden; sie ernannten den von Hause mittellosen jungen Mann zu Anfang der fünfziger Jahre zum Disponenten und nahmen ihn i 866 als Theilhaber in die Firma auf. Der Verstorbene hat volle 54 Jahre in der Firma gewirkt, und so bildeten sich unter seiner Leitung eine ganze Anzahl junger Kräfte zu Männern ans, die sich heute in angesehenen Lebensstellungen in der Bankwelt befinden. Bei einergroßen Anzahl industrieller Unternehmungen in Schlesien war Moritz Cohn hervorragend thätig; die von ihm mitgegründeten Gesellschaften prosperiren fast ausnahmslos, und das Vertrauen zu ihm dokumentirte sich dadurch, daß er in den meisten derselben einen Platz im Aufsichtsrath inne hatte; als solche seien genannt: die Schlesische Aktiengesellschaft für Leinenindustrie (vorm. Kranlsta), die Breslauer Eisenbahn-Wagenbauanstalt, die Gesellschaft Silesia (Verein chemischer Fabriken), die Schlesische Bodenkredit-Aktiengesellschaft, die Schlesische Eementfabrik Groschowitz und die Breslau-Warschauer Eisenbahn — bei den beiden letztgenannten führte er bis zuletzt den Vorsitz — u. ct. Auch für die Verschönerung unserer Residenzstadt hat der Verblichene mit richtigem Blick vielerlei gethan, indem er theils selbständig, theils fördernd die Anlage von Straßenzügen, die jetzt zu den schönsten und vornehmsten gehören, bewirkte; die fashionable Moritzstraße trägt ihm zu Ehren seinen Vornamen. Bei einer Anzahl gemeinniitziger Unternehmungen und Wohlthätigkeitsanstalten Breslaus war der Verstorbene bis an sein Lebensende hervorragend thätig: seit 1876 gehörte er der Gesellschaft der Brüder als Mitglied und seit 1885 dem Vorstände des Bundes an; er war ferner 44 Jahre lang, seit dein Jahre 1849, ein rühriges Mitglied der Zweiten Brüdergesellschaft, bekleidete während einer langen Reihe von Jahren das Ehrenamt eines General-Bevollmächtigten der Allgemeinen Preußischen Altersversorgungs-Gesellschaft, war viele Jahre hindurch Kurator des Breslauer Handlungs-Instituts, und schließlich verliert das hiesige Asyl für Obdachlose in dem Verewigten ein überaus rühriges Vorstandsmitglied und seinen Schatzmeister, und die Armen einen stillen und edlen Wohlthäter. — Nach Vollendung seines 70. Lebensjahres verlor des Verstorbenen an sich schwacher Körper mehr und mehr an Widerstandskraft; er fing an zu kränkeln und sah sich veranlaßt, mit Ablauf des vergangenen Jahres aus der Firma Gebr. Guttentag cmszuscheiden und seinen Platz daselbst zweien seiner Söhne, den Herren Siegmar und Julius Cohn, zu überlassen. - Alle aber, die von des Verblichenen bedeutendem und edlem Wirken gehört oder dasselbe kennen gelernt, werden seinen Namen in ehrenvollem Andenken bewahren. H. Fürth, 12. Juli. Bei der heutigen Abstimmung der Wahlmänner! für den bayerischen Landtag wurde Herr Kommerzienrath Maison, der z den Wahlkreis München I seit 1887 vertritt, als Abgeordneter wiederj gewählt. Für Nürnberg-Altdorf wurde der Journalist Herr Gabriel Löwenstein neugewählt. Es sitzen sonach zwei Israeliten im bayerischen Landto Iden Wiede) Spezio Minist! ckne A I ausschi eusgesi gehen, iichen $ achten u Ga Aßt . Hirsch Alle iber i eiben, n Go Btiftu iü di Aach egrüi Drien -chül. oorde ichen Lehrli inricl j Zchul md < >orge. yrcml hr <g iat a ,u th u ge nache Antis Uld \ ägigl glückt aers o -l I. 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