Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 21. Juli 1893. x und so der Mittheilung, laustein vernicht vereinmnziationen t, haben sie Hallen wird, l wird. Gemeinde. er. lbdruck des Juni 1893, l den antis mich stets zug auf die t für alles mg, welche lerhalb der Zank durch daß die so rchachtbarer rng erhält, isemitismus nchtigungen ,beläge den Nts. in die i Augenblick freisinnigen Blatt auch rch die es 'o wirksam R. r. 27 über- 8 geradezu ihm auf- Entstehung taner auch z dieselben Das war len Anlaß, l belehren, nicht als er Längenfftöße entch es nicht 30« dieser A. Kisch. iit. 57. Jahrgang. Nr. 29. Der Gemeindebote. WerLage zurr „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums" Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 16. Juli. Im Urban-Hospital Hierselbst, wohin er mr besseren Pflege vorige Woche gebracht worden, starb am 10. d. M. oer in weiteren Kreisen bekannte Schriftsteller Ernst Wechsler, welcher m „Feuilleton-Zeitung" seit Anbeginn geleitet hat. Einige Wochen wrher erreichte Wechsler das 32. Lebensjahr. Ernst Wechsler war geboren in dem steiermärkischen Orte Güssing von jüdischen Eltern. Er besuchte das Gymnasium in Graz und Nikolsburg, zeigte früh poetische Anlagen und erwarb sich die Gönnerschaft und Freundschaft Robert damerlings. Dieser förderte den Hingeschiedenen nach besten Kräften und verhalf ihm zur Drucklegung seiner ersten Dichtung: „Der Festzug des Lebens." Zu Ende der Siebziger Jahre übersiedelte Wechsler nach Gien und widmete sich ausschließlich litterarischen Arbeiten. Verschiedene yrisch-epische Schöpfungen entstandell, welche den Schüler Hamerlings oerriethen. In allen waltet eine lebhafte, oft überschäumende Phantasie,;u welcher sich Gedankenreichthum und feine Formempfindung gesellen. Durch farbenfrische Schilderungen und fast durchweg tadellosen Versbau eichnen sich die „Harmonien und Dissonanzen", „Orgien und Andachten" ind „Der unsterbliche Mensch" aus, welch letztere Dichtung eine tiefinnige Sage behandelt, deren Mittelpunkt Moses Maimonides ist. ,Der unsterbliche Mensch" erschien zuerst 1884 und 1890 in zweiter Auflage. Mitte der Achtziger Jahre zog Wechsler nach Berlin, um sich inen größeren litterarischen Wirkungskreis zu erobern. Hier in der Aeichshauptstadt wandte sich Wechsler immer mehr der kritischen und ournalistischen Thätigkeit zu und erlangte bald einen geachteten Namen. Er schrieb größere litterarisch-ästhetische Essays für die „Nationalzeitung", ne „Deutsche Rundschau", „Westermanns Monatshefte", die „Gegenwart" i. s. w. Einen Niederschlag dieser literarisch - kritischen Thätigkeit, melche besonders die modernen Strömungen ins Auge faßte, oilden die zwei interessanten Werke: „Wiener Autoren" (1888) und „Berliner Autoren" (1890). Seine Novellen imb Skizzen finden sich in )en Buchsammlungen „Gespenster im Sonnenschein" (1889) und „Heimaths- ,auber und Anderes" (1892) vereinigt Im Gedächtniß seiner Freunde wird der Hingeschiedene fortleben als ein Mann, der dem Schriftstellerderuf zur Zierde gereichte. Friede seiner Asche! F. Berlin, 18. Juli. Unter den Vorlesungen, welche im künftigen Winterhalbjahr an der hiesigen Universität nach dem soeben ausgegebenen Vorlesungsverzeichnisse gelesen werden, befinden sich auch einige öffentliche Vorträge von allgemeinerem Interesse, die auch Nichtstudirenden uff Antrag zugänglich sind. Wir berücksichtigen bei der Aufzählung üeser Kollegien die neu angekündigten Vorträge einiger gelehrten Glaubensgenossen. Zu unser aller Freude hat auch Professor Dr. Zteinthal, dessen Gesundheitszustand sich in steigender Besserung befindet, eine Vorlesung über den Ursprung der Sprache angeküudigt; Professor Dr. Ludwig Geiger liest über „Faustsage und Faustdichtung." Dr. Preuß über „die Staatstheorien des 19. Jahrhunderts", Dr- Winkler über „die Monumente und die israelitische Geschichte". — Von naturwissenschaftlichen Vorträgen erwähnen wir die Publika von Dr.Aron „über die dynamoelektrischen Maschinen", Dr. Goldscheider „über die Störungen der Sprache" und von Professor Mendel „über die Zurechnungsfähigkeit". Gr. Berlin, 19. Juli. Die Berliner Polizei geht jetzt gegen gewisse Auswüchse unter den antisemitischen Preßerzeugnissen sehr scharf vor. So ist gegen den in Friedrichshagen bei Berlin wohnenden Schriftsteller Plack, den Verfasser des Buches „Pharisäer und Heuchler", dessen Beschlagnahme jüngst gemeldet wurde, seitens der Staatsanwaltschaft ein Steckbrief erlassen worden. Dieser Mithelfer Ahlwardt's bei dessen bekanntem Aktenschwindel hatte vor seiner Flucht antisemitischen Blättern mitgetheilt, daß die Nachricht, er hätte sich der gerichtlichen Untersuchung durch die Flucht entzogen, irrig sei. — Aus dem Berliner antisemitischen Lager wird ferner gemeldet, daß der antisemitische Reformverein beschlossen hat, seinen Namen in „Deutscher Nefornwerein Berlin" umzuwandeln. — Ein Herr F. Günther hat ben Berliner- Antisemiten 4 Judenlieder zu 1 M. 25 Pfg. das Stück komponirt. Das Kouplet „Der Ind' soll fort" finden die antisemitischen Zeitungen „wirklich allerliebst". Kein Wunder, umsomehr als der Ertrag dieser Bänkelsängerei für den „Agitationsfonds" bestimmt ist. Bei dieser Gelegenheit erfährt man auch, daß die Beitrüge für diesen Fonds nicht mehr so reichlich eingehen und daß die Konservativen in Nenstettin die antisemitische Kandidatur für die Nachwahl „mit Hochdruck bekämpfen". Das Berliner Agitationskomitee bittet dringend, die Leitung von den auf ihr ruhenden Verpflichtungen zu entlasten, da es zum „Kämpfen des Goldes bedarf". — Es scheint so, als ob sich in der Verwaltung der antisemitischen Wahlkassen bereits ein gewaltiger Katzenjammer ankündigt. F. J. Berlin, 14. Juli. Jener russische Schwindler, vor welchem in der vorigen Nummer gewarnt wurde, ist am Donnerstag verhaftet worden. Bereits am Tage der Verhaftung hat ein umfangreiches Zeugenverhör stattgefunden. Jacob Landau — sein richtiger Name ist mir bis dato noch nicht bekannt — hat Urkundenfälschung begangen, indem er die Unterschrift des Petersburger Rabbiners nachahmte. Einen Kaufmann W. in der Lothringerstraße, der als besonders mildthätig bekannt ist, beschwindelte er dadurch, indem er angab, von einem Rabbiner an W. empfohlen zu sein, damit W. ihm 50 Mark leihe. E. Crone an der Brahe, 10. Juli. Zum Besten der Errichtung einer Diakoniffenstalion in unserer Stadt veranstaltete der hiesige interkonfessionelle Frauenverein (neben welchem bekanntlich noch drei konfessionelle Frauenvereine bestehen) eine Lotterie, die ein in jeder Beziehung günstiges Resultat ergab. Von allen Seiten wurde diese Veranstaltung ihres humanen Zweckes wegen unterstützt, auch die Kaiserin sandte eine Anzahl werthvoller Geschenke, und zu unserer Freude können wir konstatiren, daß hier nicht wie in ähnlichen Füllen, irgend welche konfessionelle Rücksichten störend dazwischentreten. Wir haben schon seiner Zeit die Gründung dieses Vereins als Abwehr gegen entschieden konfessionelle Regungen bei der Linderung von Nothfällen freudig begrüßt, wir begrüßen es auch heute mit besonderer Freude, daß der Verein seiner Bestimmung in so richtiger Weise nachkommt, daß er grade die Errichtung einer Diakonissenstation unterstützt — einer Errichtung, welche nicht einer bestimmten Konfession, sondern der Allgemeinheit zum Segen gereicht. — Wir halten aber dennoch das Bestehen der Sondervereine für richtig, namentlich des israelitischen, weil dessen Thätigkeit immer noch dringend nothwendig ist; unseren Glaubensgenossen empfehlen wir überall aber nächst der Unterstützung ihres eigene!: die Unterstützung des vaterländischen Frauenvereins, weil dessen Charakter viele konfessionelle Gegensätze ausgleicht — und das ist heute ein nicht zu unterschätzender Vortheil. K. Frankfurt a. O., 15. Juli. Am Freitag den 7. d. M. fand in der Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeinde die feierliche Einführung des zum Nachfolger unseres allverehrten Dr. Löwenlneyer gewählten Rabbiners Dr. L. Blumenthal statt, der seine theologischen Studien an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums zu Berlin absolvirt und bereits seit einigen Jahren als Religionslehrer und Prediger im Dienste der dortigen Gemeinde gestanden hat. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes empfing der Gesammtvorstand den neugewählten Seelsorger am Eingänge des Gotteshauses, um ihn auf den an diesem Tage zum ersten Male wieder des Trauerschmucks entblößten Rabbinatssitz zu geleiten. Unter den Klängen des betraten Rabbiner und Vorsteher den Almanor, worauf der Vorsitzende Herr Adolf Lewin der Gemeinde von den bezüglichen Beschlüssen der Gemeindevertretung und der Bestätigung der königlichen Regierung Mittheilung machte und an den künftigen Rabbiner herzliche Worte der Begrüßung richtete: „Er möge gleich dem von der ganzen Gemeinde aufrichtig betrauerten Dr. Löwenmeyer, der zweiunddreißig Jahre lang zum Heil der Gemeinde gewirkt, sich die