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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-21 · Heft 29 (21.7.1893) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 29 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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347 e Tod mir dem meinen «ehr — für mrig Dein n ist, über enskelch bk- > verändert ib: ich btt. terlich und Zorne die den Ruhm ne Priester, urch meine gt, warum den sie mu nein Vater, seiner ge- Jeremias, en Schlaft gekommen )och schnell - Elend zn agelied an- und rief aus Euern md frugen ilsbotschaft einen Weg . o Moses n Herrn!" ide bringst ränen und d frng sie: aß er mich Du denn Israel aus , eilte zn llen sei. — id weinend Steine des die Sonne )t ein, die s stimmte n Throne :! hast Du e Schmach eilten sich n Deinem nd ist gennen vernindigt hat, hast Du das von Dir geliebte Zion verflucht und seine Ainder aus ihrem Lande in die Fremde verbannt." Da erwiederte eine Stimme vom Himmel: „Die Kinder AbraüantS haben ihr Schicksal selbst verschuldet; denn sie haben meine Ihora verachtet und meine Gebote mit Füßen getreten. Möge doch die Thora selbst erscheinen und meine Worte durch ihr Zeugniß betdiftigeit." Und die Thora erschien vor dem göttlichen Throne. Da rief Abraham: „Meine Tochter! meine Tochter! Du könntest .jeugniß gegen meine Kinder oblegen? Muß ich Dich erst erinnern, daß Du von allen Völkern der Erde zurückgewiesen und nur von »einen Kindern bereitwillig angenommen wurdest? Könntest Du so undankbar sein?" Und die Thora hüllte sich in Schweigen. „Nun, so mögen doch," sprach Gott, „die Buchstaben meiner "ehre vor mir erscheinen und Zeugniß gegen Deine Kinder oblegen." Die Buchstaben kamen schnell herangeflogen. Allein schon die rsten Buchstaben, das Aleph und das Beth, verstummten, als Abraham sie darauf aufmerksam machte, daß sowohl das erste Gebot, As auch das erste Buch der heiligen Schrift, denen sie vorangesetzt nd, von allen Nationen abgelviesen und nur von seinen Kindern iigenommen worden wären. Und wehklagend näherten sich Abraham, Isaak und Jakob nachl inander dem allmächtigen Throne und riefen: „Gott! o Gott! Wie »intest Du nur unsere Kinder so schonungslos dem Feinde übereben? Warum dachtest Du nicht an die Treue, in der wir vor Air gewandelt sind? Ach! wie hat doch der Feind unsere Kinder, ie wir gepflegt und großgezogen, ohne Erbarmen vernichtet!" — Und Moses schlug verzweifelt die Hände zusammen und klagte: Wehe mir! was muß ich nun sehen! Mein Volk, um das ich mich ierzig Jahre abgemüht, das ich wie ein Vogel seine Jungen beschützt nd behütet habe, trägt nun Sklavenketten; seine Priester und Leviten verschmachten vor Hunger und Durst in den Straßen der Stadt, »ne Jünglinge und Greise, Jungfrauen und Helden seufzen als befangene unter dem Joche von Feinden und Bedrücker», und sein »eiligthum, o schrecklich! eine Ruine, ein Sammelpunkt für wilde rhiere. Sei verflucht, o Sonne, daß Du den Feinden meines »olkes, als sie in das Heiligthum drangen und ihre verruchte »and nach dem Leben meiner aus Aegypten geführten Nation ausreckten, Dein Licht gespendet und ihren Weg beschienen hast. Komm, ^eremias, ich will zusammen mit Dir gehen und nachsehen, wie es »einem Volk in der Gefangenschaft ergeht und wie der Feind mit )iit verfährt." Jeremias erwiederte: „Meister! Die Straßen sind von den ielen Erschlagenen, die nnbeerdigt umher liegen, nicht zu passiren." „So wollen wir, unglücklicher Prophet, über die Leichen weinend »»wegschreiten, um die noch Lebenden aufzusuchen." Und schweigend gingen die Beiden nebeneinander einher, bis sie ie Ströme Babylons erreicht hatten. Als die Israeliten Moses rblickteu, glaubten sie, er wäre gekommen, um sie zu befreien, und »efen ihm freudig entgegen; — aber da ertönte eine Stimme vom vimmel: „Ich ändere nicht meinen Beschluß, Moses kann Euch jetzt nicht elfen, hoffet allein auf die Zukunft." Und Moses weinte und sagte: „Ihr habet es nun gehört, meine Ander, daß es also in Gottes Rathschluß lebte. Helfen kann ich Auch jetzt nicht, aber ich will für Euch beten, daß der Allmächtige seine Anade Euch wieder zuwende." Und kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als ein mächtiger Sturm sich erhob und ihn vor den Augen der Unglücklichen davon trug. Verzweifelt und in Thränen aufgelöst riefen sie ihm nach: „Unser Vater! unser Vater! Israels Wagen und seine Reiter! wessen Führung vertraust Du den Ueberrest Deiner Heerde an?" Allein Niemand hörte auf ihr Weinen. Gott hatte sich mit einer dichten Wolke verhüllt, daß kein Flehen und keine Thränen durchdrangen. Da ließ sich plötzlich eine Stimme ans Raum vernehmen, ein Winimern, ein bitteres Weinen. Die Exulanten horchten auf und sie erkannten die Stimme Rahels, welche wehetlagend und trostlos über das traurige Geschick ihrer Kinder in den Lüften umher schwebte und die Wolken, die die Herrlichkeit Gottes umgaben, mit dem Hauch ihrer wehmüthigen Klagen auseinander jagte. Schluchzend und händeringend näherte sie sich den Pforten des Himmels und benäßte mit ihren Thränen, die bald wild wie das hervorstürzende Wasser einer sprudelnden Quelle flössen, bald langsam wie der perlende Thau Hermons auf den Bergen Zions dahin rollten, den von den Engeln der Barmherzigkeit umringten Thron Gottes. Und der allgütige Gott fing die Thränen der weinenden Mutter Israels auf und rief ihr im Säuseln eines milden Windes beschlvichtigend zu: „Halte zurück Deine Stimme vom Weinen und Deine Augen von Thränen! Deine Kinder werden dereinst aus dem Lande des Feindes in die Heimath zurückkehren; jubelnd werden sie wieder zur Höhe des Berges Zion wallen und meines Segens Fülle in Ueberflnß genießen. Ich werde ihre Trauer in Freude uniwandel», sie trösten und ihren Kummer mit Frohsinn verscheuchen." U Karlsbader Plaudereien. ii. Ich widerrufe! Ja, ich widerrufe Alles, was ich in meinem letzten, oder vielmehr ersten Karlsbader Briefe unter dem Eindruck des Mühlbrnnnens, des Moorbades und der Maffage geschrieben habe. Zunächst lviderrufe ich feierlichst, was ich in Bezug auf den in Karlsbad fehlenden Antisemitismus leichtfertig berichtet habe. Weise Männer haben mich ans meinem Jrrthui» gerissen und meine Augen geöffnet. Eine ganze Industrie steht hier im Dienste des Antisemitismus — nämlich die Porzellan-, Majolika- und keramische Industrie, die, wie man mir feierlich versichert, „dem Rassenhasse Schergendienste leistet". In den Schauläden fände man jetzt allenthalben Teller, Tassen, Schüsselchen u.s.w. mit Karrikaturen polnischer Juden in der häßlichsten und empörendsten Art. Wie schade! Ich wollte nur hier ein hübsches Theeservice kaufen, mit dem ich schon seit vierzehn Tagen liebäugle — und mm muß ich es unterlaffen, weil es dem Raffenhasse Schergendienste leistet! Da bleibt am Ende nur noch ein Erzengniß der keramischen Industrie iibrig, das ich meinen antisemitischen Gönnern als Geschenk aus Karlsbad mitbringen könnte. Ich will's versuchen. Ich widerrufe ferner Alles, was ich gegen die polnischen Juden gesagt habe. Nicht etwa darum, weil es nicht wahr ist, sondern vielmehr, weil es wahr ist. Und wer heute die Wahrheit sagt, kommt ohne Weiteres in den Verdacht, ein Narr zu sein. Ich widerrufe, daß ihre Kaftans schmutzig, ihre Ringellocken häßlich, ihre Sprechweise unangenehm ist. Ja, ich bin gern bereit, sogar den Chilul Haschern zu widerrufen, den sie trotz alledem und alledem hier Hervorrufen, wenn ich nur wüßte, daß die Nerven der sehr verehrten östlichen Kurgäste, die sich über meine harmlosen Scherze so sehr gekränkt, dadurch wieder ins Gleichgewicht kämen. Namentlich ist es ein junger Herr aus jener anmuthigen Gegend zwischen Lemberg und Jassy,

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