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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-21 · Heft 29 (21.7.1893) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 29 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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346 Schelmenliedlein, die in seinem Kopf entstanden sind. „Freilich i weiß was, Schwaderer," sagt der Blinde, „sollst's schon hören, erst soll aber ein Hopserle dran." Er spielt, daß es eine Lust ist, und immer neue Stücklein. „Nun auch, wann komnit's Schelmenliedle?" forscht der Bauer. „Wenn erst der Wein die Courage gemacht hat," ist die Antwort, „denn die gehört dazu. Ein rechter Muth muß erst sein — und i muß mir auch nix mehr draus machen, ob i ein Tracht Schlag' für mein Kunststiickle gewärtig'," sagt der Geiger. Alle lachen, Wein nuis; kommen und wirklich trinkt sich der Blinde erst eine tüchtige Courage. (Forts, folgt.) d Trauer im Himmel. Aus dem Legeudenschatz der Haggadah von Albert Katz. Eine schaurig finstere Nacht, eine Nacht des Jammers und des Schreckens, hatte ihre dichten, schwarzen Schatten über Jerusalem ausgebreitet und jeden Hoffnungsschimmer im Herzen Israels erbarmungslos ausgelöscht. Dahin war Israels Größe und Selbstständigkeit, dahin sein Ruhm und seine Herrlichkeit; es sah seine Wünsche und seine Hoffnungen verdorrtem Grase gleich vernichtet und zertreten, seinen Stolz, den heiligen Tempel, in Trümmer und Schutthaufen verwandelt, die edelsten und besten seiner Söhne und Töchter in Sklavenkette» schmachten, dem Muthtvillen und der Willkür herzloser Feinde preisgegcben. Aber auch die Thrünen versiegten, auch das stille Weinen verstinnmte. Es folgte ihnen ein schweres, dumpfes Seufzen, das Seufzen gefolterter Seelen, das demjenigen, der es vernimmt, durch Mark und Bei» geht. „Zur Erde saßen nun verstummt die Aeltesten der Tochter Zions,- mit Staub auf dem Haupte und mit Säcken umgürtet." Nur von der Höhe des Tempelberges ließ sich noch eine klagende Stimme vernehmen, die mit hinreißender Gewalt in die dumpfe Betäubung der auf der Erde kauernden Greise und Jünglinge drang und sie aus ihrem lethargischen Seelenzustande aufschrcckte. Niemand aber befaß den Muth oder die Kraft, seinen Ort zu verlassen und an die Stelle, woher die Stimme ertönte, zu eilen. Nur ein Greis in gebückter Haltnng und in Sack und Asche gehüllt, nur der Prophet Jeremias, dessen Thränen noch immer unaufhaltsam wie Wasser flössen und in dessen Herz das bitter empfundene Weh über das Unglück seines Volkes auch nicht äußerlich zur Reihe kommen wollte, mir er allein folgte der Stimme der Klage. Und er erblickte eine Frau mit zerzaustem Haar, in Trauerkleider gehüllt, deren von Grain und Kummer erbleichtes Gesicht aber »och Spuren ehemaliger Schönheit und Grazie verrieth, auf einem Steine sitzend, und hörte, wie sie mit einer herzerschütternden Stimme weinte und klagte. „Wer bist Dil, arme, vom Sturm gejagte, trostberaubte Gestalt?" rief Jeremias bewegt. „Bist Dil ein Menschenkind wie ich oder ein überirdisches Wesen? Deine Klagen dringen mir in die Seele, Deine Seufzer zerreißen mein Herz. Sag an! >vas ist Dir widerfahren? Bielleicht tan» ich Dir helfen, vielleicht durch Trost Dich aufrichten?"' „O, mir ist gar Schreckliches widerfahren, meine Herzenswunde ist so groß wie das Meer: Mein Mann hat mich verlassen, und alle ») Jalkut Jeremias 293; Midrasch Echa. meine Kinder, sieben an der Zahl, hat der unerbittliche Tod mir geraubt. Nun sage selbst, giebt es noch ein Unglück, das dem meinen gleicht? Nein, nein. Für mich giebt es keinen Trost mehr — für mich giebt es nur noch Thränen, Trauer und Klagen." „Beruhige Dich, schwergeprüftes Weib! Wie traurig Dein Schicksal auch ist, das Unglück, das über Zion gekommen ist, über trifft das Deine. Noch hast Du nicht wie Zion den Leidenskelch bstauf die Neige geleert." „Wehe, wehe mir! — Jeremias! Habe ich mich so verändert daß auch Du mich nicht erkennst'? Weh mir, armes Weib: ich bu. ja Deine Mutter, die Tochter Zions." Und Jeremias iveiute bei diesen Worten ganz bitterlich und rief klagend ans: „Wie umwölkte der Herr mit seinem Zorne die Tochter Zions, wie warf er vom Hiinmel zur Erde den Ruhm Israels!" — Da ertönte eine klagende Stimme aus den Wolken: „Ach! wo ist mein heiliger Tempel? wo sind meine Priester, meine Freunde? wo meine Kinder? Ich habe ihnen durch meine Propheten in einem fort mein Strafgericht angekündigt, warum haben sie auf meine Drohungen nicht gehört? warum haben sie nur ihr Herz verstockt! O, Jeremias! mir ist zu Muth wie einem Vater, dessen einziger Sohn in der Hochzeitsnacht in den Armen seiner geliebten Braut plötzlich die Seele aushaucht. O, geh doch, Jeremias, an die Gräber der Erzväter, wecke sie aus ihrem ewigen Schlaft und erzähle ihnen, was für ein Unglück über ihre Kinder gekommen ist; sie verstehen zu weinen und zu klagen, mögen sie doch schnell vor mir erscheine», um zusammen mit mir über Israels Elend zu weinen, über die Zerstörung meines Heiligthums ein Klagelied anzustinnnen." — Der trauernde Prophet eilte an die Ufer des Jordan und rief mit klagender Stimme: „O, Väter! o, Väter! stehet auf aus Euer» Gräbern und erscheinet vor Gott." Die Väter erwachten und frugen ängstlich: „Jeremias! was ist vorgefallen? welche Unheilsbotschaft bringst Du uns?" Der Prophet aber seufzte nur, setzte seinen Weg fort und rief in die Wüste Moabs hinaus: „Stehe auf, o Moses ben Amram, aus Deinem Grabe und erscheine vor dem Herrn!" Moses antwortete erschrocken: „Was für eine traurige Kunde bringst Du mir?" Der unglückliche Prophet aber vergeht in Thränen und antwortet nicht. Bestürzt eilte Moses zu den Engeln und frug sie: „Wisset Ihr vielleicht, was der Herr von mir verlangt, daß er mich durch Jereniias rufen ließ?" „Sohn Amrams," antworteten die Engel, „weißt Du denn nicht, daß der Tempel ein Raub der Flammen und Israel aus seinem Lande vertrieben wurde?" Da stieß Moses einen Schrei des Schmerzes aus, eilte zu Abraham, Isaak und Jakob und erzählte ihnen, was vorgefallen sei. — „Wehe uns, und wehe unfern Kindern," riefen sie, und weinend und in Trauer gehüllt setzten sie sich allesammt auf die Steine des Tempels und stimmten ein herzzerreißendes Klagelied an. Und die Himmel bedeckten sich mit schwarzen Wolken, die Sonne und der Mond verfinsterten sich, die Sterne zogen ihr Licht ein, die heiligen Seraphim weinten, und auch die Majestät Gottes stimmte ein Klagelied an. Die Patriarchen und Moses näherten sich nun dem Throne Gottes und schrieen in tvilder Klage auf: „Warum, o Gott! hast Du Deinen Zorn über unsere Kinder ausgegossen? Warum solche Schmach und solche Leiden über sie verhängt?" — Und ihnen gesellten sich die Engel und riefen: „Herr! verödet sind die Wege, die zu Deinem Heiligthum führen, der dem Abraham zugeschworene Bund ist gebrochen; als Lohn dafür, daß er zuerst Deinen heiligen Namen veriündft fttinde <3 | I tUNs Lhora Ke T Iräftio X >eug> j aß 3 »eine mdar l 'ehre rsten lbral . ls a> nd, ngen ' 1 man' »mb eben Kr r ie w l Weh ierzh nd i -ersch .ine öeftn »eilst »hier Kolke -»and »eckt eerer aeim -hin ielei mw ie i rblic -efen KUNl elfe. und "»ich Gnal espr Auge

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