Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228016--49994-3271586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
345 geschlagenen te sich nicht. 3 dem Bett t sichtlichem der Ampel bebend Herste, höllische Den Thron Herz, brich Uh, die in n? — Was zu fordern Eisen; ich enen Pulse es feierlich Du leisten er heiligen t in Israel, ffträge zur gt Dir ob, lung dieser muß die o ist Alles und Erden mein die Hand Wand des )0e," sagte :r zog das zurück und rts. folgt.) nit zurecht t Du das Iber beten Du mein n, blauen ruin thust das sieht l!" Und n Seiten )gen, ein eigerles", zer ist er, kommen. Dörtle wird immer hin und her gesandt und jedesmal hat der Mann mit der Scheere ein Wort darüber, wie gar lustig sie sein!ann und was das für eine Hochzeit werden muß, so daß sie's endlich nicht mehr aushält und sich ein Geschäft im Gemüsegarten macht. Dort steht sie aber noch nicht lange, trübselig vor sich nieder- -chauend, denn die Bohnen hier erinnern sie an andere, die gleichfalls clb geworden sind, da sagt eine Stimme neben ihr: „Grüß Gott, Cörtle — und nimm's nit unrecht auf, wenn ich daher gekommen bin." Es ist Lea, und damit hat sich auch etwas bisher nie Dagewesenes reignet, denn sie ist noch niemals durch das Thor gekommen. Sie aaben als Kinder immer vor demselben gespielt und kein Bitten und versprechen hat das blasse Kind bewegen können, das Verbot der alten Zarah zu übertreten. „Mir ist's gewiß recht, wenn Du da bist," antwortet Dörtle nid mag den Blick gar nicht lange auf die klaren grauen Augen wn Bartels Schwester richten. „Euer Gemüs steht gut," meint Lea, „ist ein gesegneter Sommer." „Sell ist gewiß!" „Nur wir haben kein Freud gehabt," — sie seufzt. „Erst das Inglück mit dem Bartel — hart her ist's an seinem Leben gegangen." „Da bin i Schuld gewesen," spricht's in Dörtle's Herzen. „Und dann" — Lea zögert ein wenig, „dann hat meine Mutter inen argen Kummer." Jetzt kommt's, sagt es wieder bei dem blonden Mädchen, und uch daran bin i Schuld — und das muß i büßen, i weiß schon. „Meine arme Mutter," führt Lea fort, „i Hab eine Angst um >e — und weiß auch, daß ihr nur eins helfen kann, nur ein Mittel nebt's." Dörtle hat sich gegen eine Stange gestützt, an welcher ein vom -türm arg zerzaustes Rosenbäumchen festgebunden ist, und antwortet nit Mühe: „So thu doch das versuchen." „Bin eben d'ran," sagt Lea und sieht ihr scharf ins Gesicht, bin darlim hier," — und dann faßt sie Dörtle's Arm. „Gieb mir iciucn Bruder wieder." „Was soll's?" stammelt die Andere. „O verstell Di nit, 's hilft Dir all nix! Abwendig hast ihn gemacht von Pflicht und Recht, nach Dir hast ihn gezogen, obwohl Cu weißt, daß er nimmer Dir gehören mag — bist ja auch verbrochen mit einein Andern." Dörtle kann sich nicht verantworten, die klaren Augen schauen n so unbarmherzig an. „Hab's lang geahnt," spricht Lea weiter, „und gestern Abend, oie die alte Frau ihr Herz erleichtert hat mit den Verwünschungen, >a ist's Dir auch schwer auf's Gewissen gefallen — und i Hab wohl eschen, daß Du nit der Klufen halber geschrien hast." Der Peter Aigle weiß es und die Lea, und bald tverden es die -patzen von den Dächern zwitschern — da von dem stolzen Hausach auch, unter dem die Eltern wohnen, und was dann? fragt ich Dörtle. „Mach den Bartel frei — gieb ihm seinen Verstand wieder, verlang's!" ruft Lea. „Hast ihn fangeii können, nun gieb ihn los. Ober fürcht, daß wahr wird, was die aruie alte Frau drüben täglich nünscht und betet." „Die grausamen Flüch!" kommt es bebend von Dörtle's Lippen nd dann richtet sie sich auf. „I Hab schon gestern im Stillen für mich selbst gelobt, daß es sollt aus und vorbei sein mit dein Bartel, aß i ihn nimmer sehn sollt." „Ist nit genug!" sagt Lea. Das blonde Mädchen faltet vor der Unbarmherzigen die Hände. „Was soll i denn anders beginnen?" „Mußt machen, das; er Dich hassen thut." „Daß er mich hassen thut?" schreit Dörtle schmerzvoll auf, „o Lea, das kann nimmer sein. Das bringt er nit fertig, und i nit — weißt, dazu haben >vir einander zu grausam lieb." „Dann mußt machen, daß er Dich so verachtet, daß er sein Hand besudelt glaubt, wen» ec Dich nur anfassen thät!" „O Lea — wie kann denn das auch nur in Dein Sinn kommen. I Hab nix Unrechtes gethan, als das; ich ihm so übergut bin." Der weiche Ton rührt die blasse Richterin, sie streckt ihre Hände vor und legt sie auf Dörtle's Schulter. „O, Mädele, mir ist's leid genug, das; i so zu Dir reden und hart sein muß. 's ist nit um mich! Wenn's mich allein anging, schau, was wollt ich drein reden? I wollt nur dem einzigen Bruder ein Glück. Aber da ist die alte Frau und der bricht's das Herz, der Bartel ist ihr Stolz und nimmer darf sie ihn abtrünnig sehn — zu Grund ging sie darüber." Dörtle blickt still vor sich nieder, weinen kann sie nicht. „Hab' Dank, daß Du so gut zu mir geredt hast," sagt sie dann. „I seh's wohl ein — auch da innen im Haus sind Leut, denen es arg zusetzen thät. Und i will gewiß Alles thun, um's gut zu mache». Aber wie soll i's denn schaffen, daß er mi verachten thut?" „Wir wollen einmal drüber Nachdenken," flüstert Lea, „Tu und i — 's wird sich schon geben. Und wenn Du das Opfer bringst, schau, da verwandeln sich alle Flüch' in lauter Segen." Das gequälte Mädchen schüttelt den Kopf. „Mir ist, als braucht i auch kein Segen mehr." „Ja, freilich, nachgedacht muß drüber werden," wiederholt Lea noch einmal. „Und zetzt muß i heim, daß die Mntter von meinem Gange nix merkt." Dörtle läßt sie gehen und bleibt noch lange in sich versunken auf dem gleichen Flecke. Das Roscnbüumchen dauert sie, das so mit aller Gewalt herumgerissen und dann festgebuuden ist. Die Hilfe mag zu spät gekommen sein. Rosen — und das Lied vom Rosengarten, die haben's ihr gemeinsam angethan. Sie will sich niemals wieder über Blumen freuen und nie mehr auf das Klingklang von Versen hören, die haben sie ja belogen und betrogen. Wie Eine, die krank und matt ist, schleicht sie dann ins Haus. — Wo der Geigerles Schneider eingekehrt ist, da wird immer besonders gebacken und gekocht, denn er ist ein Verwöhnter — überall setzt man ihm was Besonderes vor. Und auch die Dorfleutc gehen ab und zu, denn es ist gut mit ihm reden und alle Neuigkeiten von weit und breit weiß er unter seinem fleißigen Nähen und Schneiden zu erzählen. So nimmt es denn auch nicht Wunder auf dem Schwnderer- Gut, daß gegen Abend der Peter Aigle mit dem Christophlc daherkommt und nach einer Weile sich auch der blinde Geiger cinfindet, um zu gelegener Zeit zu des kunstreichen Bruders Arbeit ein Stücklein aufzuspielen. „Künstlichkeit ist nun einmal in unserer Familie daheim," pflegt der Schneider zu sagen, „selbiges ist an mir und meinem Bruder zu gewahren." Und darin ist ihm auch nicht zu widersprechen. Alle im Haus machen ein fröhlich Gesicht, es ist gar unterhaltsam. Alle eilen auch, heut zeitig in die große Stube z;i kommen, damit ihnen nichts verloren geht von dem, was sich darin zuträgt. Nur dem Dörtle ist es nicht geheuer, seit es den Peter neben dem Christoph auf der Bank sitzen sieht. Gabriel Schwaderer ist's endlich selbst, der den Lottcrles Geiger auffvrdert, „ein Stückle zu vollführen", und ihn fragt, ob er denn wieder neue Reimereien verfaßt hat, denn das kann er auch, und cs wimmelt im Dorf von