Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- Seite 343 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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343 iten, durch igm können )en Büchern >, betreibe, s. So bc jener Ze>, reichen im> be bedurfte :en werden Altern nnl ch?) Alleii ^wenigsten das mui icken lassen, ven Dingen jugendliche >s gegeben, man jebocl )N dem im , ja sogar lde, stellende Renans. en Börsenenden des Nun, eine Zeiten ist schaftlichem :dem ist es tter-ernsteii Zlasirtheit" von Harterialismus gerade der finduugeni in einer ,eise Hart- >i so enteil, richtig daß wir in seinen lsetzungen, e Vorausiuin, mit Kohelet, - biblische eilt. Die ldern der am jedoch ,n Lehren .eil ich den güter der ißt sogar len und nlich sei. nlschlicheii en Bücher Gebens zum Gegenstände der Behandlung hat, drückt bei Weitem nicht mit dieser Beharrlichkeit und unerbittlichen Konsequenz die ndeen aus, daß das Leben nichtig und zwecklos sei, wie etwa Kohelet. Tiefes Buch steht in seiner Art ganz vereinzelt im Kanon und läßt ich durch keine bis zur Unkenntlichkeit getriebenen Textverdrehungen niit diesem aussöhnen. Kohelet trägt eine blos negative Weltanichaming vor: Das Leben hinieden sei zwecklos und nichtig, und enseits dieses Lebens sei nichts mehr zu erwarten. Dies ist der eigentliche Kern seiner Lehre. Es mochte wohl überhaupt in den chlinnnen Zeiten, welche das jüdische Volk in der letzten Periode seiner lautlichen Selbständigkeit erlebt, bei den Frommen und Denkenden n Israel die Ueberzengung durchgedrungen sein, daß dieses Leben unmöglich der Zweck der Schöpfung und das Endziel des menschichen Strebens sein könne. Man sah sich nach etwas Höherm, Äerthvollerm, Idealerem, aber auch für die Erkenntniß Dunklerem, an oem der Mensch in seinen Leiden Stütze und Trost finden könnte, um. Einen solchen sichern Anker für das herumirrende menschliche Lebenschiff fand sich bald in der Idee der „Unsterblichkeit", welche die pharisäischen Talinndisten aus der Ideenwelt anderer Völker herüberlolten und adoptirten, was freilich später auch das Christenthum that. Dieses letztere fügte eben sein Gebäude aus diesen zwei Bestandtheilen nsamme»: Aus der freilich etwas mehr idealistisch zugespitzten Ethik >es Judenthums, für die praktische Lebensbethätigung, und aus dem Glauben an ein „Jenseits", der aus Indien oder Hellas herüber kam. 2o vereinigte das Christenthum Juda und Hellas in sich, nid darin lag seine Stärke und seine wunderbare Anziehnngsraft, die es auf die großen kulturtragenden Völker ausübte. Zu ckohelets Zeiten waren jedoch die Ansichten über diesen Punkt vermuthlich noch nicht geklärt, und der Verfasser steht somit auf einem Scheidewege, ohne irgend eine positive Richtung einschlagen;u können: dem Leben kann er bei dem großen Elend, das in ihm herrscht, keine dauernden und werthvollen Reize abgewinnen, den Glauben an ein ewiges Leben kann er auch nicht amiehmen; seine Weltanschauung fällt also schlechterdings negativ und verzweiflungsvoll aus. So sieht aber ungefähr auch die Lehre Arthur Schopenhauers in ihrem praktischen Theile ans, und so sind wir eben an oem Punkte angelangt, wo wir den Vergleich mit Schopeuhaner aufsangen. (Fortsetzung folgt.) O. T. U -E» FEUILLETON Ver Stern non Zion. Eine historische Erzählung von L. Tarnowski, (Fortsetzung.) III. In der Dämmerung des folgenden Abends schlich Elieser, der alte Vertraute des Rabbi Akiba, um das Pförtchen des östlichen Thurms von Gaza. Er lauschte erst, ob ihn der römische Soldat, der auf der Galerie zwischen diesem und dem nächsten Thnrme auf und abschritt, bemerke, daun zog er behende ein Instrument aus der Manteltasche, lvomit er die schmale, aber sehr starke, eisenbcschlagene Thür öffnete und rasch hinter derselben verschwand. Innen war es ganz finster, aber Elieser schien hier sehr bekannt, denn er fiihlte und tappte sich eine enge, gewundene Treppe hinauf an eine Thür, vor welcher er wieder eine Weile stehen blieb. Man vernahm Geräusch und einzelne Worte von innen, dann ward es wieder still. Jetzt faßte Eliesers Hand den Drücker und öffnete leise ein prächtiges Gemach, ganz im orientalischen Geschmack verziert. Die wohlriechend dampfende Ampel in der Mitte des Deckgewölbes bestrahlte außer viele» andern Kostbarkeiten ein großes, niederes Ruhebett, auf dem zwischen seidenen Polstern und Decken ein Mädchen saß. Das Haupt des Mädchens, von reiche», kohlschwarzen Haarwellen umflossen, war ideal schön, ihr Gesicht, wie nach der Antike geschnitten, so kreideweiß wie der Leib und nichts weniger als anmuthig; das dunkle Auge rollte wie verderbenbrütendes Wetterleuchten. Als die Thür sich geöffnet, nahm sie eine halbliegende Stellung und die gleichgiltigste Miene an und sagte: „Was bringst Du mir, Alter? — Wann wirst Du mir die goldne Kette, die Fußringe und die Spange» besorgen? Oder hast Du die Geschmeide mitgebracht, so laß sehen." „Hast Du noch nicht genug Ketten und Banden zu tragen, o Thirza von Kalirrhoe, daß Du noch neue Fesseln verlangst? Bist Du schon so stnuipf geworden, daß Deine Wünsche sich nur noch auf glänzendes Spielzeug erstrecken und wie harmloses Gethier an den glänzenden Wände» Deines Kerkers herumkriechen? Das ist wahrlich schlimmer als das Schlimmste. Thirza, einst warst Tu eine kiihne Löwin, die den Käfig zerrissen hätte mit starken Pranken; Thirza, einst loarst Du eine flüchtige Gazelle, die lieber auf den freien Bergen tanzte, als auf dem Faulbett lag in lässiger Ruhe." Thirza sah mit flammendein Blick auf den Alten, der sich gemächlich auf ein Polster nicht weit von dem Ruhebett niederließ, und dann sagte sie: „Was gewesen, das ist nicht mehr, und was sein wird, das ist noch nicht, o Elieser. Mein Sinn ist bescheiden geworden, meine Ansprüche an das Leben haben ein Zehrfieber, ich glaube, zu meinem Glück. Die kühne Löwin ist nicht sicher vor dein Wurfspeer des Jägers; die flüchtige Gazelle, und hüpfte sie in einem Augenblick drei Sabbather, ereilt der schnellere Pfeil des Schützen." Hier schwieg sie und versank in düsteres Nachdenken, doch nur einige Minuten währte dies. „Sollt' es Dir Nutzen oder Freude gewähren," sagte sie mit leiserer Stimme, „wenn Du überzeugt bist, daß Thirza's Gedanken und Wünsche auch außerhalb dieses Gemaches umherschweife» und nicht blöde, wie die Motte um den ärmlichen Lichtfunken gaukeln, so fasse diese Ueberzengung und halte mich nicht für stumpfen Geistes, erwarte aber darüber keine nähere Aufklärung." „Du wirst mir volle Aufklärung geben, Thirza von Kalirrhoe, Du wirst Dich erklären, eher gehe ich nicht von dannen. Ich habe in der Wüste von Engaddi ein Stück Silbererz, das so stark wie ein Schenkel war, zu einem schlanken, spitzen Dolche geschliffen; daraus erkenne meine Ausdauer und Geduld." Thirza fuhr unmuthig empor, und wie eine Gewitterwolke flog cs über die dunklen Braunen. „Hast Du den Dolch mitgebracht?" fragte sie hastig „so gieb her; ich öffne Dir damit das pochende Herz, und Du kannst dann nach Belieben ans der kalten Herberge die Wünsche und Hoffnungen hervorziehen, zergliedern, znsammeuflicken und abdörreu." „Wie kommst Du denn zu dieser Rede?" fragte verwundert der Alte. „Kind, diese Worte enthülle» mir Dein inneres Wesen, ohne daß Du es willst; Thirza von Kalirrhoe, Du bist elend und unglücklich, und Du schämst Dich, Dein Elend und Dein Unglück zu bekennen! Nicht währ, eine kleine Täuschung steigt Dir manchmal zu Kopfe — Du hofftest, Königin zu werden, und wurdest Sklavin; Du wolltest Esther sei», und wurdest zur beschimpften Thamare. Wohlan, werde eine neue Judith! Der Tausch ist nicht übel, sollte ich meinen!" Thirza erröthete bis ins dunkle Haar und beugte mit dem Kopfe sich vor, daß die rabenschwarzen Wellen über den Busen bis zum Schooß hinabrollte». „Du meinst den elenden Tyrannen, den