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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-21 · Heft 29 (21.7.1893) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 29 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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341 mnasialklasst, . Er erhell he Religionelt im Uebei chr ein Vo^ er Kinder fei t konsequert nnängelt bio on der ein ht des Herr auszusetzer gewesen. Herrn Seli da sei ein' re Befangen r unbekanni. gegen 2 IM); Mittagsmahl ielen ernster prechungen' u:d zweiter 'landsliebe/ Thema an- )es jüdischer llihervalturic geschlossen hre!" -Hannover u, 7. Juli, letzte Ukas üsung und sehr groß, rrn wollen, nt, wo sie >as sie sich er plötzlich . Und so ike, der sie Ohne die ammerndc llutter mit s irrenden cil die Gex kommen längst für inen durch i, und so icrblteb ihnen nur der eine Zufluchtshofen, der Hofen Bremens, 'über auch von Bremen gelangen über den Ocean nur diejenigen Passagiere, welche in Wirklichkeit zweiter Kajüte reisen, und welche cnßer der sie dazu berechtigenden Schiffskarte über eine erhebliche icldsumme verfügen. Bon Tilsit, Insterburg und Memel, und in letzter Zeit von Hamburg, Rotterdam und Bremen, sind Tausende > on russischen Emigranten in ihr Vaterland zurück befördert worden, täglich erscheinen in den hiesigen Zeitungen warnende Aufrufe an tie Emigranten, vorläufig noch mit der Ausführung ihrer Absicht vi warten. So schilderte kürzlich erst Herr Marcus Busch, Schriftführer des > Migranten-Unterstützungs-Komitees in Königsberg, die traurigen 'erhültnisse, in denen die dort anlangenden Auswanderer sich beiden, welche sich durch Agenten verleiten lassen und über die russische! ireuze ohne Auslandspaß geschmuggelt werden, in mehreren hier > scheinenden Blättern. Er verweist darauf, daß in Königsberg das lniterstützungskomitee geschlossen und daß die Privatunterstützungcn cicht im Stande sind, einer großen, anstürmenden, mittellosen Menge 'efriedigung zu gewähre». Er warnt vor den schwindlerischen Schiffs-! irten-Agenten, die die Emigranten ansbeuten, ohne dafür Sorge l agen zu wollen, daß dieselben auch den Bord des Schiffes besteigen! mnen, und ertheilt ihnen den wohlgemeinten Rath, an die Auswanderung erst zu denken, wenn ihnen der Weg wieder frei und!?cbnet sein wird. Ebenso erließ das Komitee in Kattowitz einen nrrnenden Aufruf, in welchem darauf hingewiesen wird, daß lehr als dreißig austvanderude jüdische Familien ins Kattowitzer ' iefüngniß gesperrt worden sind, und daß dieselben nach einer crbüßten Haftstrafe zurück nach Rußland befördert werden aus >iangel an genügenden Reisemitteln und einem regulären Auslandspaß. Aus Odessa sind diese Woche alle ausländischen Juden endiltig ausgewiescn worden. In Libau, in welcher Stadt man chstausend Juden ein Ausweisungsdekret zusandte, hatte das obenslverthe und verdiente Stadtoberhaupt den Muth, nach Petersurg mit einer vom Magistrat Unterzeichneten Petition um Belagerung der Ausweisung auf zwei Jahre zu reise». Mögen seine Bemühungen von Erfolg gekrönt sein! Ohne Ausnahme ist dem Juden der Aufenthalt auf dem Lande erboten. Selbst aus den Badeorten wurden die jüdischen Gäste — lit Ausnahme von Kaufleuten erster Gilde — ausgewiesen. Die Stadt T s ch a u s (Gouvernement Möhilew) ist durch ein hreckliches Feuer heimgesucht worden. Fünfhundert Häuser, darunter : icr Synagogen, wurden eingeäschert. Die Abgebrannten sind an on Bettelstab gebracht und warten auf die Hilfe ihrer benachbarten; ilaubensbrüder. Vom gleichen Mißgeschick wurde das Städtchen 'creslowka bei Dwinsk (Dünaburg) betroffen. Trotz des nergischen Einschreitens der von Dwinsk herbeigeeilten Feuerwehr mthete das Feuer arg, von einem ungünstigen Sturmwinde unterützt, und richtete, Alles einäschernd, einen unermeßlichen Schaden > n. Viele begüterte Glaubensgenoffen sind dadurch bettelarm geworden. In Dwinsk gründeten am folgenden Tage die Herren -'urtci, Lachs und Kowarski eine israelitische Volksküche. Durch den Magistrat wurde alsdann aus derselben den Abgebrannten in Kres-; o w k a Speise zugesandt. Im Dorfe Was nick erschlug ein Bauer den jüdischen Müller 1 mu nebst seiner Tochter. Im Dorfe Jassowitz vergiftete ein Bauer ne ganze jüdische Familie. Im Dorfe Stoockon ermordete ein wauer ein jüdisches Mädchen! .... Der in St. Petersburg erscheinende „Woschod" brachte lürzlich einen längeren, mehrere Spalten umfassenden Artikel, in welchem er sich, an Hand von statistischen Zahlen, lobend über die rege Betheiligung der jüdischen Aerzte im Kampfe gegen die Cholera aussprach. — Wir haben hier in Rußland in allen größeren Gemeinden einen Kron-Rabbiner und einen Privat-Rabbiner, welch letzterer nur zur Erfüllung von religiösen Zwecken augestellt ist. Eine Trauung muß durch den Kron-Rabbiner vollzogen werden, falls die Ehe bindend erachtet iverden soll. Run ist es schon wiederholt vorgekommen, daß sich Männer, die nur durch den Privat-Rabbiner getraut worden waren, das Vermögen ihrer Frauen ancigneten, diese sitzen ließen und sich alsdann durch den Kron-Rabbiner mit einer zweiten Frau trauen ließen (??). Diesem Versuch tritt nun ein neuer Ministerial-Erlaß entgegen, welcher dem Kron-Rabbiner verbietet, den Man» mit einer zweiten Frau zu trauen, bevor er der ersten die volle Mitgift znrückgezahlt hat. (Sollte der Mann nicht zu bestrafen sein?) Vergangene Woche hatten wir hier i» Warschau das besondere Vergnügen, den ums Judenthum wohlverdienten Professor Dairiel Ehwolsoh», den eifrigen Vorkämpfer gegen den Antisemitismus in Wort und Schrift, in unserer Mitte begrüßen zu dürfen. Eis. Tabaas. * Kohelet und Schopenhauer. Eine Parallele. L Wohl kein Buch des Alten Testaments ist soviel nach allen Richtungen hin umstritten und zugleich mißverstanden worden, als das Buch „Kohelet". Schon der Name des Verfassers, der an der Spitze des Buches steht, der jedoch weder ein Eigenname sein kann, noch irgend eine klare lexikalische Bedeutung ausdrückt, gab den Auslegern aller Zeiten Veranlassung, verschiedene, mitunter ganz wunderliche Hypothese): aufznstellen. Inhalt und Form des Buches, die sich durchaus nicht in den Bahnen anderer alttestamentlrcher Bücher bewegen, sind für scharfsinnige und spitzfindige Bibelexegeten nicht minder einladend. So entstand dein: schon in alter Zeit eine belnerkenswerthe Meinungsverschiedenheit in Bezug auf dieses Buch. Die Talmudisten, die sonst einen geradezu übertriebenen Respekt vor den: Kanon, in allen seinen Theilen, an den Tag legen, verhalte:: sich diesen: Buche gegenüber milldestens mißtrauisch, manche unter ihnen gar direkt ablehnend. In: Talmud und Midrasch findet man eine große Anzahl von Aussprüchen, die dieses Verhalten an: besten charakterisiren. So z. B. erzählt eine Stelle im Talmud, die „Weisen" hätten einmal die Absicht gehabt, „Kohelet" aus den: Kanon zu entfernen und den: öffentlichen Gebrauche zu entziehen, nach einer Version*), weil Widersprüche, nach etnev ander::-), weil ketzerische Gedanken darin vorhanden sind. Als die Talmudisten später ein Gesetz schufen, welches bestinunte, daß die Beriihrung eines kanonischen Buches die Hände verunreinige, um auf diese Weise eine größere Scheu vor diesen als heilig anerkannten Schriften zu erwecken und zu erhalten, entspann sich unter ihnen eine ziemlich lebhafte Debatte, ob „Kohelet" auch von diesen: Gesetze betroffen werde?) Bei diesem Gesetze war freilich nicht, wie Grütz^) meint, die Kanouicität das entscheidende Moment; es handelte sich vielmehr ausschließlich 1) Sabbath 30a und 30b. 2) Kohelet Nabba zu 1, 3. 12, 2. 3) Megilla 7a. Jadajiu: III, 5. C'dujot V, 3. 4) Grätz, Kohelet. Gräh will aus dieser Diskussion den Beweis für seine Behauptung erbringen, daß die endgiltige Kanonisirung erst in späterer Zeit stattfand. Diese Sache hat aber mit der Kanouicität gar nichts zu thun.

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