Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228015--49979-3271570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 : Regierung sbericht ist Streiflichter nrft. Vor. en Allianz' ljahre von >90/91 eine m von der. nspektionei vorzüglich. Schulen ir re Frequen lzuschreiten. diesen zehn die Schule Unterrichte men Jahre werkern in erbringung izien stößt', rescheidener e Kreirung ie von der erschule in Werkstätte in Mielee bei Hand cht meldet, ordentlich chooße des Mitglieder taten, und ng wurderr altereirath r bei der in Berlin rusgegeben l abgefaßt itnisse des sen Mach, aufte nun 'erhältnisse uzern per es hiesigen te und sie ließ. Auf £ Bezirks and damit rs Landes- Holzinger, s Staats , eventuell n an die außerhalb „Nachdem hr erfolgt ihlen und nachen. — aber deren e des zur n Maßes je Wissen cht, indem - Juden - m eigenen alten wir erklären. Idas unsere Religion von ihren Seelsorgern in erster Reihe neben religiös- I sittlichem Lebenswandel gründliche theologische Kenntnisse auf biblisch- Italmudischem Gebiete verlangt, die dieselben auch in den Stand setzen, 1 in Wahrheit die religiösen Führer und Berather der ihnen anvertrauten I (Gemeinden zu sein. War dies schon zu allen Zeiten die erste Vorbedingung hur Befähigung, ein Rabbineramt zu bekleiden, so ist diese Forderung für den lei-renhaften Bestand des Judenthums in unseren Tagen um so dringender lu'.'.d unerläßlicher. Die Gegner des Judenthums ermüden nicht, durch .Fälschungen und Entstellungen des Inhaltes unserer Lehre das Juden- Ithttm in den Augen der breiten Volksschichten zu verdächtigen und zu I schmähen. Müssen da nicht die berufenen geistlichen Führer, die Rabbiner, Zimmer sein, welche durch langjährige eingehende und umfassende Studien ji uf dem ganzen, umfangreichen Gebiete des jüdischen Wissens heimisch [i itt>, die auch wirklich über die nöthigen geistigen Waffen verfügen, um;ur Ehrenrettung des Judenthums den Widersachern mit Erfolg ent- .gentreten zu können? Je leidenschaftlicher sich unsere Gegner geberden, >?sto gründlicher und gewandter muß unsere Vertheidigung, desto unter- I nchteter und gelehrter müssen unsere berufensten Vertheidiger, die Rabbiner, I f in! Aber auch zur Kräftigung des religiösen Lebens im Innern, zur rziehung unserer Jugend, des Theuersten, was wir besitzen, zur Festigung lind Hingebung an unseren Glauben bedürfen wir heutzutage mehr denn Männer, die voll und ganz ihrer Aufgabe gewachsen sind, die ein gründ- | i ches Wissen mit der Liebe zur erhabenen Lehre des Judenthums verbinden, u'mn nicht die Heranwachsende Jugend unserer Religion entfremdet werden s-'ll. Wie könnte nun gerade in unserer Zeit das Unglaubliche geschehen, daß reute, welche mit rabbinischen Studien sich nie ernstlich befaßt und für u 'n Rabbinerberuf sich nicht vorbereitet haben, die auch sonst nicht auf! .r Stufe eines geistlichen Gemeindeführers stehen und bis auf die , ingste Zeit in ihrer ganzen Umgebung nur als Lehrer, Kantoren und chächter bekannt sind, mit einem Male als Rabbiner angestellt werden wllen? Würde damit nicht unser Glaube auf's Empfindlichste geschädigt! -ld entwürdigt und würde nicht unfern Gegnern eine Waffe in die xmd gegeben werden, indem sie ihren Anhängern zurufen: Was kann n einer Religion Gutes sein, deren Seelsorger selbst den geringsten An- wderungen, die man an die Vertreter eines so hohen heiligen Amtes zu stellen erechtigt ist, in keiner Weise genügen?! Unstreitig dürfte es unter den ehrern, welche mit dem Dispens von dem Nachweise weltlicher Bildung ersehen sind, so manche geben, welche eine gediegene, oder wenigstens mögende theologische Bildung besitzen und die durch jahrelanges, verdienstvolles Wirken sowie durch edle Charaktereigenschaften des Rabbinermtes sich würdig zeigen können. Aber wie sollen die Gemeinden eniheiden zwischen Falsch und Echt, Würdig und Unwürdig? Darum chten wir zur Ehrenrettung des Judenthums unsere Bitte an Sie, die rhin geht: Die löbl. Kultusgemeinden wollen bei der Anstellung eines ' on dem Nachweise weltlicher Bildung dispensirten Rabbiners die Autosationszeugnisse desselben behufs Prüfung und Begutachtung an das irwürdige Ober-Rabbinat in Prag einsenden und die Rabbinerwahl .st nach dessen unparteiischem Urtheile vornehmen. Keineswegs sollten er Gemeinde Autorisationszeugnisse genügen, welche ein einzelner beebiger Rabbiner ausgestellt hat. Allenfalls wäre es rathsam und für ie Gemeinden selbst gedeihlicher, wenn diejenigen Gemeinden, welche aus .ein einen oder anderen Grunde einen wirklich qualifizirten Rabbiner mzustellen nicht in der Lage sind, von dem durch das Gesetz gebotenen luswege Gebrauch machen und sich einem benachbarten Rabbinate anchließen wollen. Schließlich möchten wir es mit allem Nachdrucke wch betonen, daß uns nichts ferner liegt, als die Kultusbeamten der leineren Gemeinden in irgend einer Weise zu schädigen; Niemand oürde eine Schädigung derselben mehr bedauern als wir Rabbiner, ■ifur sollen sie auch weiter in ihren Aemtern und in ihrer bisherigen Stellung verbleiben, wofür sie auch nach wie vor in den Gemeinden othwend'^ sind. Die Gemeinden aber dürfen und sollen nicht, sofern e nicht die Würde des Judenthums herabsetzen und die eigene Achtung m den Augen der andersgläubigen Mitbürger verlieren wollen, Unbeufenen und Unbefugten den Titel und das Amt eines Rabbiners verleihen. Rüge Gottes Schutz auch in dieser für die israelitischen Kultusgemeinden io entscheidungsvollen Zeit gnädig walten. Prag, im Juni 1893." M. Lemberg, 5 Juli. Die mystisch-fanatische Strömung m Galizien ist zu Ende des 19. Jahrhunderts lebhafter als je zuvor. Ehrend der belebende Hauch westlicher Kultur über das morsche Gemäuer des galizischen Ghettos hinweggleitet, geht der Veitstanz des Chassidismus los. Es ist ein gewaltiger Jrrthum zu behaupten, daß der Wunderrabbi-Kultus in Galizien seinen Schwanengesang austönt, mit Nichten! Kaum segnet ein von irregeleiteten Köpfen zu einem Heiligen gestempelter Rabbi das Zeitliche, als schon sein Sohn zu seinem Nachfolger ausgerufen wird. Nach Qualifikation wird wenig gefragt, er ist gleichsam von Gottes Gnaden zur Einnahme des verwaisten Rabbinerstuhls designirt. Welche Macht der Wunderrabbi ausübt! Alles Leid schwindet, wenn der „Heilige" blos ein Wort des Trostes ausspricht. Seine Hallen bieten den Armen ein Asyl; jedoch anstatt Arbeit zu suchen, flüchten sich die vom Elend Heimgesuchten an die Tafel des Wunderrabbis. Die Reichen kommen und geben Geld her; die Armen kommen und nehmen Geld hin. Ein sozial-kommunistischer Zug in verzerrter Form! Doch ein hinstechendes Proletariat wird hier groß gezogen. Die Erfindungen des neunzehnten Jahrhunderts werden dazu benutzt, daß ein solcher Irrwahn Verbreitung finde. Da bringt Ende vorigen Monats der elektrische Draht die hocherfreuliche Nachricht, daß der „Gewaltige" aus Kossow in Ottynie, einem an der Bahnlinie zwischen Stanislau und Stolemna gelegenen Städtchen, eintrifft. Darob großer Jubel. Wie ein Lauffeuer durcheilt die frohe Botschaft das Städtchen. In den Gassen herrscht lebhafte Bewegung. Allenthalben gehobene Stimmung und freudestrahlende Gesichter. O, glückliches Ottynie! Von Süden her rauscht's und pustet es, das Dampfroß naht. Alles drängt sich vor, in hellen Schaaren strömen die Getreuen herbei. Aus der Umgebung kommen Chassidim zu Pferde herangeritten, eine Art berittener, chassidistischer Banderien. Da fährt der Train in die Station ein. Die Freude erreicht ihren Kulminationspunkt. Im Triumph wird der „Kossower" in die Stadt geleitet. Die Freude geht in Begeisterung über. Auf Anordnung des Bürgermeisters des Städtchens wird letzteres illuminirt. Ein in Ottynie noch nie dagewesener Freudentag. Wunderrabbi, Chassidismus, Eisenbahn und Telegraph, wahrlich fin du siede! — Am 4. Juli d.J. konstituirte sich in Krakau ein Katholikentag. In versteckter Weise ist die Pointe gegen die Juden gerichtet, denn das Programm lautet dahin, daß der katholische Geist der Polen gefördert werde, andererseits, daß die Lage der Katholiken verbessert werde. Also im letzteren Punkte liegt das Verfängliche. Die Polen, die sich so gern die Franzosen des Ostens nennen lassen und die den Antisemitismus entschieden von sich weisen, mögen stolz nach Krakau Hinblicken. — Vor einigen Tagen ist ein jüdischer Renegat des Landes verwiesen worden. Er heißt nunmehr Paul Tischman und seine Wiege hat in Pilitza im Gouvernement Kielec, Russisch-Polen, gestanden. Nach seiner eigenen Aussage vor Gericht hat der Renegat eine abenteuerliche Vergangenheit hinter sich. Er will ein Rabbiner-Seminar absolvirt haben, alsdann hätte er mit vier Freunden in Kielec die Taufe angenommen. Seine Taufpathen wären Bischof Kulinski und Gymnastal-Profesfor Dr. Bochnia, welch Letzterer gegenwärtig im Kerker sich befindet. Von Kielec ging der Getaufte nach Krakau, um allda theologischen Studien obzuliegen. Es duldete ihn nicht lange hier. Sein nächster Weg war nun nach Turin. Kaum da angekommen, wurde er seitens der Warschauer Polizei requirirt, die italienischen Behörden lieferten ihn aus. Er war vom eigenen Vater angeklagt worden, er hätte ihn bestohlen, doch wurde er freigesprochen. Paul Tischman trieb sich nun abwechselnd in Budapest, Wien, Bonn und Krakau herum. In letzterer Stadt wäre er auf Veranlassung seiner einstigen Glaubensgenossen ausgewiesen worden. Er ging hierauf nach Dembica, jedoch auch hier wurde ihm der Aufenthalt unmöglich gemacht. Alsdann wendete er sich nach Brody, um sich unter den Schutz des russischen Konsulats zu stellen, allein ehe er seine Absicht ausführen konnte, ereilte ihn das Ausweisungsdekret. Jenseits der russischen Grenzpfähle denkt Herr Paul Tischman über sein Schicksal nach. * Krakau, 7. Juli. Professor Graf Stanislaus Tarnowski hielt in der letzten Plenarsitzung des obenerwähnten Katholikentages einen vielbemerkten Vortrag über die der katholischen Kirche in Galizien drohenden Gefahren. Diese bestehen unter Anderm in dem Liberalismus, in der Ungläubigkeit, welche unter dem Scheine der Freiheit, der Menschenliebe und der Wissenschaft Haß gegen die Kirche Hervorrufe. Eine weitere Gefahr bestehe in der allzu großen Anzahl der hierländischen jüdischen Bevölkerung, die Dank der Gleichberechtigung an dem Kampfe gegen den Katholizismus eifrig theilnehmen könne. Diese Frage werde