Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Gerlin, 14. 3itli 1893. Leipzig 1898, bt die rührig 80 Pfg. am biographisch . Rippner m Hmückt. W r n öffentlichen und richtige l jener Na6>-;yer" längü ssische Kürz', offene Eiger md rasch über mem Konvei hig, Weiteres mgearbeitetcr )ier rühmend den Artikeln dieses klein? der Tages eingestreuten l und Karten Dabei ist de letztere kann ln Halbfran gen werden. Leipzig und , die seinen ül geworden Wunsch nack aus. Diest i Hexameter \)t die Redc t nur, wenn, n läßt, daß getont habe:' So z. B -62, sondern Heere mußte also keine h mit den wejureaekl >e Betonung d sogar zu Flaschner. mtarier in der, soviel treten hat. ff. L. lin. >7. Saljrgang. »r. 28. vertage zur „Allgemeinen Zeitung öes Duöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 8. Juli. In einer gestern hier stattgehabten Vern mmlitng von Antisemiten verschiedener Couleurs, 'Anhängern Böckels, ^hlwardt's und Stöckers, hielt Böckel eine Rede, erregte aber durch ' Harfe Angriffe auf Ahlwardt und Stöcker heftigen Widerspruch bei deren Anhängern. Gegenüber Ahlwardt bemerkte er, die antisemitische 'Bewegung sei nicht zum Skandalmachen da, sondern „um in der tiefen Volksseele zu lesen". Auch gab er auf eine Frage, ob er Ahlwardt in s ine Fraktion aufnehmen werde, nur eine ausweichende Antwort, r töcker sei ihm ebenfalls nicht sympathisch; er werde diesen auch bei > n nächsten Wahlen bekämpfen und in Siegen einen Anhänger der öckel'schen Reformpartei dnrchznbringen suchen. Beim Verlassen des aales suchten sich die verschiedenen Parteien mit Hochrufen auf Böckel, . hlwardt, Stöcker und Förster gegenseitig zu überschreien. — Ueber die . eulinge der Antisemiten-Fr-aktion des Reichstages, deren zumeist gendliches Alter allgemein aufgefallen ist, entnehmen wir hiesigen blättern nachstehende biographische Angaben: Als „Nestor" der Fraktion ird der Abgeordnete Lotze bezeichnet. Drei Menschenalter, wie sein > ciechischer Namensvetter, hat er noch nicht gesehen; er ist erst 57 Jahre ' it, und was sonst von ihm gemeldet wird, hätte es wohl näher 'legt, ihn den Odysseus der Partei zu nennen. Im Alter folgt ihm arm Herr Lieber, der 53 Jahre alt ist, während die Uebrigen eit jünger sind. Der Benjamin der Antisemiten, Herr Hänichen, ihlt gar erst 27 Jahre. Besonderes Lob wird dem Abgeordneten >räfe gespendet, der in Bischofswerda, dem Mekka des sächsihen Antisemitismus, geboren ist. Denn hier haben, wie rühmend ' ervorgehoben wird, fast sämmtliche Führer und Bahnbrecher der antimitischen Bewegung, von Stöcker bis Schönerer, gesprochen, und der eformverein der Stadt zählt den Fürsten Bismarck zu seinen Ehrenmitgliedern. Im Juni 1890, wenige Monate nach dem Rücktritt des ürsten, sendete der Verein ihm durch Herrn Gräfe den Ehrenbrief zu. "'s ist nicht bekannt geworden, wie der Fürst die ihm zu Theil gewordene hrenbezeigung aufgefaßt hat. Herrn Gräfe aber hat die dankbare rinnerung an die schönen Stunden, die er damals in Friedrichsruh erleben durfte, auch zu einem Huldigungs-Telegramm an den Grafen -ismarck bestimmt, als dieser am 15. Juni in den Reichstag gewählt worden war. Er selbst, so wird mitgetheilt, siegte bei der Wahl über •eil Grafen zur Lippe unter dem Feldgeschrei: „Hie Graf, hie Gräfe!" 0as ist wenigstens höflicher, als der plumpe Schlachtruf Ahlwardt's von eit schindenden Junkern und Juden. Von dem Reste der Partei wird >enig berichtet, doch sollen sie darum nicht weniger bedeutend sein. An >errn Klemm wird die treue Zugehörigkeit zur Dresdener Reformartei gerühmt, an Herrn Hänichen die Rednergabe, an Herrn Köhler ie volkswirthschastlichen Kenntnisse, an Herrn Hirschel — ein fataler tarne für einen Antisemiten — das organisatorische Talent. Wie sie n Reichstage von ihren Gaben Gebrauch machen, wird ja wohl die >ukunft zeigen! f. Berlin, 5. Juli. Seit einigen Wochen treibt sich in Berlin ein ussischer Schwindler umher, der angiebt, ein Sohn des Petersburger abbiners Salomon Landau, mithin ein Urenkel des weltbekannten Roda Bejehuda" und zugleich Schwiegersohn des Großhändlers S. Günzurg in Riga zu sein. Denjenigen wohlthätigen Glaubensgenossen, die v sich zu seinen Opfern auserkoren, erzählt er alsdann ein Märchen, aß er aus Rußland wegen eines gegen ihn eingeleiteten politischen Prozesses landesflüchtig sei, und daß er in 6 Monaten nach Beendigung cs Prozesses in seine Heimath zurückzukehren gedenkt. Bor mir liegt - u Schreiben des Herrn S. Günzburg-Riga, welches diesen Schwindler m gebührender Weise entlarvt. Derselbe hatte auch kürzlich die Unverchämtheit, in einer hiesigen Privat-Synagoge als Prediger auftreten zu -vollen. Auch giebt er an, Rabbiner in London bei der Gemeinde „Machsicke Daß" gewesen zu sein. (Vielleicht „Masike Daß" 2?) Eine lange hagere Gestalt mit eingefallenen Wangen, schwarzem langen Vollbart, breiter Nase, schwarzen Augen und dunklem lockigen Haupthaar, lassen den im langen „umgürtelten" Kaftan und Cylinder gekleideten Schwindler leicht erkennen. § Danzig, 9. Juli. Seit längerer Zeit ist hier der Sitz der Hilfskasse für israelitische Gemeindebeamte der Provinzen West-, Ostpreußen und Pommern. Nachdem eine Reihe von Jahren den Statuten gemäß nur gesammelt worden, beginnt diese Institution jetzt ihre segensreichen Früchte zu tragen. Besonders kleine Gemeinden sind nicht in der Lage, genügend zu helfen, wenn der Beamte nicht mehrfähig ist, seines Amtes zu walten oder wenn nach dessen Tod die Wittwe und die Waisen mittellos zurückbleiben. Da ist oft die bitterste Noth vorhanden. Aus dem letzten Jahresbericht der Hilfskasse ist zu ersehen, daß bereits in zahlreichen Fällen ansehnliche Pensionen gezahlt werden. Zu bedauern ist es, daß noch viele Gemeinden und Beamten der genannten Provinzen der Hilfskasse fernbleiben, und oft kommt das Bedauern zu spät, wenn ein Unglück bereits eingetreten ist. Die Bemühungen, das Interesse für dieses edle und praktische Hilfswerk in weiteren Kreisen zu wecken, sind zwar von Erfolg begleitet, aber immer ist dieser Erfolg noch nicht genügend. Es dürste keine Gemeinde und kein Beamter sich von diesem Werke znrückziehen. Zum Vorstand gehören die Herren Rechtsanwalt Dr. Meyer, L Perls, B. Schnee, Rabbiner Dr. Werner, M. Cohn, Bruno Blumann, A. Eisen aus Danzig. Jeder dieser Herren wird gern bereit sein, die gewünschte Auskunft zu geben. Möge dies edle Hilfswerk zu Nutz und Frommen der Gemeinden blühen und gedeihen! * Königsberg i. Pr., 9. Juli. Das hier bestehende „Haupt- Grenz-Komitee für die russischen Juden", welchem die Pflicht obliegt, die Auswanderung der russischen Flüchtlinge zu regeln, hat seine Thätigkeit in Folge der von der preußischen Regierung getroffenen Abwehrmaßregeln, welche in der strengsten Weise durchgeführt werden, endgiltig eingestellt und auch die in den Grenzstädten befindlichen Lokalkomitees angewiesen, den Auswanderern keinerlei Unterstützung mehr zu Theil werden zu lassen, sondern sich aufzulösen, da die Hoffnung, daß die Grenze den Flüchtlingen in absehbarer Zeit wieder geöffnet werden würde, fallen gelassen werden muß. Während die deutsch-russische Grenze bisher nur von russischen Soldaten bewacht zu werden pflegte, sind nunmehr auch von preußischer Seite berittene und Fuß-Gendarmen an allen solchen Stellen stationirt worden, an welchen das Ueberschreiten der Grenze seitens der Auswanderer zu erwarten steht. Das Elend, in welches die armen Leute somit gestürzt sind, ist unbeschreiblich. Seitdem ihnen durch behördliche Verfügung die Benutzung der von Königsberg oder Memel aus nach Stettin und Hamburg oder Lübeck fahrenden Dampfer verwehrt worden war, suchten sie auf Kauffahrteischiffen, welche nur in ganz beschränkter Anzahl Passagiere befördern können, von den genannten ostpreußischen Hafenstädten aus die überseeischen Länder zu erreichen. Dieses ist ihnen nun auch unmöglich gemacht worden. Die Rückkehr nach ihren früheren Wohnsitzen wird ihnen von der russischen Regierung nicht gestattet; so können sie nicht ein und nicht aus, nachdem sie sich bis zur Grenze geschleppt haben. Die Flüchtlinge sehen einer trostlosen Zukunft entgegen. # Aus der Provinz Posen, 7. Juli. Vor einigen Tagen wurde in Kolybegora bei Schildberg i. P. auf dem israelitischen Begräbnißplatze die Leiche einer im vorigen Jahre verstorbenen 80 jährigen Frau von ruchloser Hand ausgegraben. Der Thäter hat vermuthlich nach Goldsachen gesucht; wenigstens ist ein anderes Motiv nicht vorauszusetzen. Die Leiche lag am folgenden Tage in der Frühe oben auf dem Grabe. Die Thäter sind bisher nicht zu ermitteln gewesen. — Am 4. d. Mts. waren es 30 Jahre her, daß Herr Lehrer Wolfs in Wreschen an der dortigen jüdischen Schule wirkt. Diesen Tag benutzten seine Kollegen, um dem Jubilar einen Ehrentag zu bereiten.