Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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336 giebt. Diese Suite enthält eine Reihe charakteristischer Erscheinungen. Und gar oft ist es der Fall, daß diesem seltsamen Aufzug ein anderer, nicht minder seltsamer begegnet: der Sultan von Johore, Abu Bekr, mit seiner Suite. Dann bleiben sie wohl Beide stehen und sehen sich verwundert an: der Sultan von Johore und der Chassidimrabbi von Hussiatyn, und vielleicht neigen sich ihre grauen Häupter und begrüßen sich „Salem aleikiun“ — „Aleikem salem“. Und daun ziehen sie aneinander vorüber mit ihren schwarzen Suiten, die beiden Söhne des fernen Orients, die hier im Occident an den Ouellen des Heils ziisammengetroffeu. Unbetheiligten Zuschauern aber bleibt das Nachsehen und Nachdenken über den Wandel irdischer Dinge, über die Schicksale der Völker und ihre Entwickelungen, über die Wanderungen der semitischen Stämme von Johore bis Hussiatyn und über die Lebenskraft Israels, das alle diese Wanderungen und Wandlungen nicht zu erschüttern vermochten! G. K.? Litterarische Mrttheilungen. Wider Betrug und Antisemitismus im Lager der Gelehrten richtet sich eine aufs Wärmste zu empfehlende Schrift, die soeben die Presse verlassen und den rühmlichst bekannten Wiener Ethnographen, Slavisten und Folkloristen Dr. Friedrich S. Krauß, den wohlverdienten Herausgeber der Monatsschrift für Volkskunde „Am Urquell", zum Verfasser hat. Der Titel lautet: „Böhmische Korallen aus der Götterwelt. Folkloristische Börseberichte vom Götter-und Mythenmarkte". (Wien 1893, Gebrüder Rubinstein.) Das anregend und witzig geschriebene Büchlein reißt schonungslos die Maske der Unwahrheit von der Schein- und Aftergelehrtheil, mit der verschiedene Geister zweiten und dritten Ranges zu prunken belieben. Namentlich deckt es unerbittlich die auf den Gefilden der Mythologie, Sagen-, Volks- und Alterthumskunde seitens dieser Gesellen begangenen Sünden auf, wobei zu bemerken, daß die meisten, z. B. der eigentlich abgethaue Edmund Veckenstedt in Halle a. S., dieser Götzenfabrikant, als handfeste Judenhetzer und Judenfresser ihr Unwesen treiben. Was dieser Veckenstedt für ein Kumpan ist, erwies schon das im Frühling 1892 von Tr. Ludwig Frankel erlassene Flugblatt: „Ein Beitrag zur Biographie Edmund Veckenstedts", das als Beilage zum 5. Heft des 3. Bandes der Monatsschrift für Volkskunde „Am Urquell" erschien Krauß hebt (S. 42 fl.) daraus folgenden Passus hervor: „Mit solchen Gesellen haben die ehrlichen Kämpen unserer Wissenschaft nichts gemein. Jede weitere Anzapfung dieses Pseudo- und Aftergelehrten verschmähe ich, obwohl das Belastungsmaterial geradezu erdrückend wäre." Und dieser Mann forderte Krauß, natürlich ehe er dessen Konfession kannte, auf, ihm eine Proskriptions liste jüdischer beziehentlich „angejudeter" Fachgenossen vollstrecken zu helfen! Weiter zieht Krauß in schlagender, mit lustigen Einfällen durchwobener Beweisführung gegen den Wetterpropheten Rudolf Falb zu Felde, wo sich dieser auf ein ihm völlig verschlossenes Feld verlaufen hat. Am wirksamsten verfährt aber wohl seine Satire gegenüber den dreisten Erfinder von Mythen und Gottheiten, den Slovenen Gregor Krek, der es vermittelst verschiedener Fälschungen im altslavischen Volksglauben u. s. w., die man ungeprüft für bare Münze nahm, zur Geltung einer akademischen Autorität und zum „ordentlichen" Universitätsprofessor brachte Trotz der scharfen Pfeile, die Krauß seinem Köcher entnimmt, berührt seine Darstellung nicht nur nicht unangenehm (wie das doch sonst in derartigen Fällen einzntreten pflegt), sondern sie fesselt von A bis Z. Kein Freund einer gleichzeitig durch Belehrung wie durch Unterhaltung ausgezeichneten Lektüre sollte an diesem Büchlein Vorbeigehen. Dazu kommt nun noch die Gesundheit der berechtigten Tendenz, die Krauß' Ehrlichkeit und seinem Unwillen über das Treiben der „Antisemitlinge" (wie er sich ausdrückt) die Feder in die Hand drückte. Wir wollen bei dieser Gelegenheit aufs Angelegentlichste der von Dr. Krauß, der Sekretär der „Israelitischen Allianz" in Wien ist, geleiteten Monatsschrift für Volkskunde „Am Urquell" (Preis für 12 Monatshefte nur 4 Mark) gedenken, die reichhaltig und gediegen, neben dem germanischen und slavischen auch das jüdische Volksthum in Sage, Lied und Sitte behandelt. -g—1. Prof. Dr. Graetz: Geschichte der Juden. (Leipzig 1898,1 Oskar Leiner). Von der großen Graetzschen Geschichte giebt die rühriqe l Verlagshandlung eine neue Ausgabe in Lieferungen zu 80 Pfg. axi\ Der ersten Lieferung geht eine interessante und geistvolle biographische Charakteristik des jüdischen Historikers von Rabb. Dr. B. Rippner n Glogau voraus. Dieselbe ist auch mit seinem Bilde geschmückt. W r kommen auf diese Ausgabe noch ausführlicher zurück. Sensationelle Zeitereignisse in der Politik und im öffentlichen Leben überstürzen sich gegenwärtig. Zu ihrer schnellen und richtigen Beurtheilung greift selbst der Gebildetste gern nach einem jener Nack- I schlagebücher, als deren Inbegriff ihm der „Kleine Meyer" längn bekannt ist. Thatsächlich sind Schlagfertigkeit und klassische Kürz', Zuverlässigkeit und bewundernswerthe Vielseitigkeit unübertroffene Eigen schäften dieses Hilfsmittels Wer sich nur im Allgemeinen und rasch über dies und das unterrichten will, dem wird mit Meyers Kleinem Konvei sations-Lexikon auf alle Fälle gedient sein. Es ist kaum nöthig, Weiters zur Empfehlung des gegenwärtig in fünfter, vollständig umgearbeitetcr Auflage erscheinenden Werkes zu sagen, das mit seinen hier rühmen.'' genannten Eigenschaften Wissenschaftlichkeit und Klarheit in den Artikeln verbindet. Wie das große Meyerfche Lexikon, folgt auch dieses klein? den Fortschritten der Wissenschaft, der Entdeckungen und der Tages ereignisse auf Schritt und Tritt nach. Die in das Werk eingestreute u Text-Illustrationen sowie die beigegebenen Jllustrationstafeln und Karten beilagen sind wahre Meisterwerke der Kunst und Technik. Dabei ist de Preis für den „Kleinen Meyer" ein erstaunlich billiger; der letztere kanin 66 Lieferungen zu je 30 Pfg. (16 Kr.) oder in drei in Halbfran gebundenen Bänden zu je 8 Mk. (4 Fl. 80 Kr.) bezogen werden. Derselbe ist im Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien erschienen. U Spverhsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Herr Dr. M. Stern, nicht zufrieden mit der Antwort, die seinen Artikel „Zufall oder Absicht" durch Herrn Dr. Kisch zu Theil geworden ist, spricht in der letzten Nr. der „Allg. Ztg. d. Jdt." den Wunsch nack einer ernsten, wohl erwogenen der Ironie baren Antwort aus. Dies? soll ihm hiermit werden. In der heiligen Schrift habe ich noch keinen einzigen Hexameter gefunden; es kann also weder von Zufall noch von Absicht die Reck sein. Die Hexameter der HH. DD. Stern und Kisch entstehen nur, wenn, man das Hebräische falsch betont, und da sich nicht annehmen läßt, daß die alten Propheten und Psalmisten das Hebräische falsch betont haben werden, so können sie auch keine Hexameter gemacht haben. So z. B liest man nicht, wie Herr Dr. Stern angiebt: joschew haarez, sondern joschew haarez Der bekannte Vers aus dem Loblied am Meere niußtc skandirt werden: ozzi wezimrath jah wajehi li lischuah, also keine Spur von jambischem Versmaß. Ebenso verhält es sich mit den Beispielen des Herrn Dr. Kisch: Schemesch begiwon dom, wejareach beemek ajalön u. s. w. Ich bin ganz überrascht, daß die falsche Betonung des Hebräischen selbst unter Rabbinern so verbreitet ist und sogar zu falschen Schlüssen führt. Hochachtungsvoll Bernburg, im Juli. Rabbiner Dr. Flaschner. Geehrter Herr Redakteur! In dem interessanten Artikel „Die jüdischen Parlamentarier in Deutschland" fehlt der Name des Herrn M. W. Hinrichsen, der, soviel ich weiß, Hamburg wiederholt im Deutschen Reichstage vertreten hat. Weitere Ergänzungen wären zu wünschen Hochachtend Berlin, 9. Juli. N. L. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin, i Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.