Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228015--49975-3271566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
335 der Majei!M nziehe» duchl den Gräb>> en Todtee ohne Flitt r- ' Einfachh >t, d kurz, muß llerdings »i innerer Z,«/ der Fried! «I Gottesham der Mämm - suchen lnid und Kindcine gesicheue t" und loj-r Kämpfe t v Schlimmer - ei Friedhö'c stoßen Ha, - , der zwei:, dem Voroa Hier Israel n mächtig, „ iner Haufragen Uebli rede»; a,- oecke unser r cnlsgewäh!:. s Fried ho' «mmelt iin:>! «tsverwese, : zetheilt: 568, gest.,« i >s Maleach r Weise b, agt werde , »de, ui, > PPen, ii s Freunde mar 1864. striesterwor: >er Handine Seel-, t geredet he gering athematike, : in vielen Er starb „Das Endliche berechnend unermüdlich Mit Hellem Geist in langer Lebenszeit, Ging er hinüber, sinnend, still und friedlich. Zum Reiche der Unendlichkeit." Diese Verse rühren von den: langjährigen Sekretär der Gesellst: aft der Freunde, Ludwig Lester her, der unter dem Pseudonyin r Liber dichtete. Ohne dichterischen Schmuck und doch tief ergreifend sind die 'J.'ovtc auf dem einer alten Berliner Patrizierfamilie gehörenden , Trauerdenkmal, errichtet von E. Benda seinem Bruder Snlomon r enda, der Rechte Kandidat." (Vor der Emanzipation war dieser stitel in der juristischen Laufbahn der höchste für einen glaubenstreuen ( »den in Preußen erreichbare.) Die charakteristische Grabschrift für hu Juristen lautet: „Redlich, seinem Glauben treu, nie gesund, nie > lücklich, nie seines Lebens froh." Mit der Inschrift, die sich Lazarus Bendavid (geboren - 8. Oktober 1762) selbst geschrieben, wollen wir von dem ältesten Fried- , of der Berliner Gemeinde Abschied nehmen. Jener Weltweise schrieb: „Mein Name war Elieser Laz. Bendavid. Gott war meine nlfe, vergönnte mir wenig. Ich erstrebte: Unabhängigkeit." — Bedeutsam war zu allen Zeiten das Wirken jüdischer Aerzte in ,srael, vor allen anderen Berufszweigen eröffnete der ärztliche Stand mich dem seinen Glauben offen bekennenden Juden zuerst den Weg u hohen Ehrenstellen. An der Nordwand des Friedhofes in der Schönhauser Allee finden wir das Gedächtniß eines Arztes verewigt, er seinen Glaubensbrüdern ein treuer Führer war aus der Nacht es Ghettos zum Lichte einer besseren Zeit. Dr. JeremiasJakob Wolfs, Kgl. preußischer Geh. Hofrath, war 1758 geboren, und sein Grabstein führt Thatsacheu auf, die ihn würdig machen, daß sein Gedächtniß unter uns fortlebe. „53 Jahre hilfreicher Arzt im Dienste der leidenden Menschheit. 30 Jahre am jüdischen Krankenhause Arzt und treuer Berather. Seiner irdischen Hülle überwies diesen Ehrenplatz der Vorstand der Gemeinde." Neben diesem Mann ruhen Kinder, Kindeskinder und sonstige verwandte, sie Alle erben an seinem wohlverdienten Gedächtniß, und diese Ruhestätte dünkt uns ein würdiges Erbbegräbniß. Fst doch gerade diese Einrichtung auch ein uraltes Erbtheil unserer Mvorderen, da unser Erzvater Abraham die Höhle Machpelah zur Erbbegräbnißstätte erwarb. Erhabene Namen von Männern der jüdischen Wissenschaft, wie Zunz, Frankl und David Cassel, werden künftigen Geschlechtern von den Grabsteinen in Weißensee entgegenleuchten. Doch nicht ihr Leichenstein, ihr Leben ist ihr Denkmal. Und da einst die Gebeine Josephs die Nachkommen nicht vergaßen, so that man Recht, als es die irdischen Reste eines in der Fremde gestorbenen deutschen Mannes galt, diese über den Ozean in die Heimath zu führen. Wir meinen Eduard Laster, und sind stolz auf sein Grab in der Schönhauser Allee in Berlin.? Karlsbader Plaudereien. i. Wieder, wie alljährlich, wallen tausende und abertausende von Gläubigen zum Allheilguell des Sprudels, um aus seinen Quellen Heilung und Kraft zu schöpfen. Wieder stellen auch unsere Glaubensgenossen ein ansehnliches Kontingent zu dieser Gemeinde. Mit dem Trank aus den Karlsbader Quellen wollen diese auch Alles hinwegspülen, was sie von allgemeiner Noth und Sorge in diesem Jahre bedrängte. Sie wollen Ahlwardt und Stöcker vergessen, sie wollen Schneider und Vergain, oder vielmehr Berganev, wie ihn Kollege Bloch nennt, mit allen Sünden des abgelaufenen Jahres fortspülen. Ob ihnen dies gelingt, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls spielt die antisemitische Frage in ihrem Unterhaltungsprogramm eine gewichtige Rolle. Man tauscht seine Erlebniffe aus, man giebt sich gegenseitig Rathschläge, man streitet über den rechten Weg zur Abwehr — und damit vergeht schließlich die vierwöchige Klirzeit. Wenn ein geistreicher Mann einmal behauptet hat, in Karlsbad gebe es nur zwei schöne Momente: das Frühstück und die Abreise, so kann ich dem nur in Bezug auf das ersterc unbedingt zustimmen. Was die Abreise betrifft, so habe ich in zehnjähriger Praxis gefunden, daß gerade Diejenigen, die anfangs am meisten auf Karlsbad schimpfen, schließlich am schwersten von diesem Bade sich trennen. Und das ist nur zu begreiflich. Alan hat Bekanntschaften gemacht, die anregen und belehren, man hat sich über den Rabbiner und seine Predigten unterhalten, über die hohen Gemeindesteuern geärgert, über die Badeärzte gemeinsam geschimpft, das Essen bei Glattauer und Ury kritisirt — und nun soll man, vielleicht auf Nimmerwiedersehen, von einander scheiden. Das ist nicht leicht, wenn man Gemüthsmensch ist — und solcher zu sein, prälendirt ja wohl fast jeder von Denen, deren Ahnen einst am Sinai gestanden. Dieses Gemüthsmenschenthum wird allerdings hier in Karlsbad auf eine harte Probe gestellt. Die Nervosität, die aus dem Moor hervorsteigt, theilt sich auch den sanftesten Seelen mit. Und so giebt es gar oft Streit an allen Ecken und Enden. Gern will ich aber hier bemerken, daß eine Störung des Badelebens durch Antisemitismus meines Wissens noch nicht vorgekommen. Ein einziges Mal haben vier norddeutsche Herren es versucht, am Brunnen ihre hinterpommerschen Scherze hier aufzuführen. Der allgemeine Unwille des Kurpublikums belehrte aber die wackeren Männer sehr rasch darüber, daß hier kein Boden für ihre Thätigkeit sei. Selbst die „christliche Tuchhandlung", die früher auf der Fahrt vom Bahnhof »ach der Stadt die Fremden ergötzte oder kränkte, ist vom Schauplatz der Weltgeschichte verschwunden, und so stört nichts mehr die Harmonie des Badelebens. Nicht einmal die „polnischen Juden", die allerdings diesmal in den seltsamsten Exemplaren und in übergroßer Zahl vertreten sind. Man hat sich aber auch an diese Kaftans und Ringellocken bereits gewöhnt. Und wenn sie stören, so stören sie höchstens uns moderne Juden selbst, deren religiöses Gefühl (ich gebrauche das Wort mit Absicht) durch diese Erscheinungen nur zu oft beleidigt wird. Da geht durch die Straßen Karlsbads ein Mann mit strohgelbem Bart und strohgelbem, bis zum Halse reichenden Peies, in einen langen, seidenen, aber nicht von der Seide glänzenden Kaftan, dessen Schöße im Winde hin und herflattern und Manches zeigen, was viel besser verhüllt bliebe. Der Mann glaubt sicher, ein Frommer zu sein. Wenn ich zu ihm träte und ihm sagte, daß sein Auftreten einen Chillul Haschen« ohne Gleichen Hervorrufe, «vürde er mich nicht verstehen oder für einen Thoren halten. Was ist da zu thun? Auch ein „Wunderrabbi" hat sich diesmal eingefunden, ein Sprößling der Dynastie vo>« Wunderrabbis, deren Residenz Sadagora ist. Das Auftreten dieses Mannes ist allerdings ein würdiges. Eine greise, edle Erscheinung, spiegelsauber gekleidet, nicht nach rechts oder links blickend, unbeküminert um die Fülle der Erscheinungen ringsumher, geht er still seines Weges, nur von z«vei Schalnoßiiu begleitet. Kauin ist er aber am Kaiserbriurnen angelangt, so hat sich hinter ihm eine große Suite gebildet, die ehrfurchtsvoll znschaut, „ivie der Rabbi trinkt." u««d die ihn« dann das Geleit durch den Stadtpark