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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-14 · Heft 28 (14.7.1893) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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329 geschah mit Her erklärte, 'mein Könige hätten; eine i Altar, als c der Diözese den Stand-! an, nannte einen Zeichen Priester msetzung der c voraussah, fielen könne, Erklärung zu was er dein enthalten letze; I am ist die des mtschiedeneu orge, dessen von seiner iger; dieser e Lehre der n Syllabus antheismus, elegt wird. > Rom verrl, wo der ad, obwohl festhaltend, in unserer icht hätten. Pfründen- Papst voczen Anzug, ginge. Die i nach allen! katholische ß er seinen öeleidigung wüsten, as Anderes - Minorität t, mag die i, Kanzler hrift »Uro öffentliche indselige Anlaß der hensperger roht. Es r erfahren, : - d. h. «statt, von ien ist, — tagonistic Inder« in Staat u««d it, der in dem citirten Artikel sagt: „Laßt das, was in einer freiheitlichen Atmosphäre lebensfähig ist, leben; alles Uebrige wird nntergehen müssen." Ich wollte, daß nicht nur meine katholischen Landsleute, sondern auch, daß alle unsere europäischen Glaubensgcuoffen diese Anschauung theilen. Was nur durch gewaltsame Unterstützung, durch künstliche Belebungsmittel aufrecht erhalten «verden kann, verdient das bischen Leben nicht «nrd wird sich ans die Dauer auch nicht erhalten. Darüber sollte unter uns Juden am allerwenigsten ein Zweifel herrschen, da unsere Geschichte uns belehrt, daß das Judenthmn unter den denkbar ungünstigsten Verhältniffen sich widerstandskräftig itnb lebensfähig erwiesen hat. Eine Idee, welche die organisirte kirchliche Macht vom nicänischen Konzil bis zur Entscheidung Papst Pius IX. über den Fall Mortara nicht tödten konnte, eine Weltanschauung, «velche weder Leibzoll, noch gelber Fleck, noch die systeinatischen Demoralisationsversuche der Ausnahmsgesetzgebung zu entsittlichen vermochten, eine Religionsgenossenschaft, die gegen Lockungen und Drohungen gewappnet war von Haman's iinb Antiochus Zeiten bis zu denen, wo ein großer Staatsmann das Sicherheitsventil öffnete, um alle Hans-Däinpfe auf uns loszulassen, — eine Idee, die alle diese Gefahren überstanden hat, kann durch Ministerialreskripte nicht gerettet und nicht einmal gefördert werden. Es scheint mir, daß es ein schwarzer Fleck auf der jüdischen Geschichte des 19. Jahrhunderts ist, daß das Judenthum oft nach der Polizei gerufen hat, wenn es sich u«n seine inneren Angelegenheiten handelte. Es thut mir wehe, wenn ich bekennen muß, daß JsaakBernays in Hainburg und Salomon Hirschel in London, trotzdein sie auf die göttliche Autorität und die dainit verbundene Bürgschaft für die Fortdauer ihrer Ideen zu vertrauen Vorgaben, die Behörden zu Hilfe riefen, dainit man Gott vor ihm nicht ganz genehmen Gebeten schütze; noch trauriger war es, wenn die Breslauer Orthodoxen Geigers Reformen beim Polizeipräsidenten denunzirten, oder wenn, wie das in Ungarn häufig geschah, über das Recht des Schofarblasens und des Thora-Vorlesens der Stuhlrichter zu entscheiden hatte. Nicht besser ist es im Prinzip, wenn der Oberpräsident zur Entscheidung darüber angerufen wird, wer das Recht zur Vornahme einer Trauung hat, wer den Religionsunterricht zu überwachen berechtigt ist, wer Lehrbücher begutachten darf u. s. w. Am schlimmsten natürlich ist das Streben nach Titeln, die viel sagen und nicht viel heißen und einzig und allein dem Wunsche entstammen, daß der Träger von Uneingeweihten als ein Bischof oder Konsistorialpräsident angesehen werde, während er nicht einmal die Machtbefugniß eines Kaplans besitzt. Wenn er sie aber besäße, müßte er sie freiwillig niederlegen, denn nur in der freien Selbstbestimmung kann Religion gedeihen. Unter den Dingen, die dem gesunden Menschenverstände widerstreiten, nennt der Talmud (Pesachim 113, 6) einen „Parnas", der sich eine Autorität anmaßt, die er nicht besitzt. Warum sollten wir jetzt, wo 110 Jahre verflossen sind, seit Moses Mendelssohn in seinem „Jerusalem" die völlige Trennung de? Staates von der Kirche und das Aufgeben aller kirchlichen Zwangsmittel mit unwiderleglicher Logik als nothwendig bewiesen hat, nach einer Macht streben, die dem Judenthum nach außen nur schaden, nach innen nicht nutzen kann? Der staatliche Schutz hat das Judenthum nicht vor den Prozessen von Tisza-Eszlar und Xanten, nicht vor der Fluth antisemitischer Broschüren und Zeitschriften, nicht vor dem Abfall hervorragender Mäniier bewahrt. In letzterer Richtung ist es bezeichnend, daß der Dichter Ludwig von Doczi gerade jetzt zum Katholizismus übertrat, als die Regierung seiner Heimath das Gesetz zur Rezeption des Judcnthums einbrachte. Der Herr Hofrath von Doczi ist ain besten in der Lage zu wissen, daß das Judenthum Niemanden hoffähig machen kann, auch wenn es rezipirt ist. Die Katholiken sind hier zu Lande häufig Gegenstand des Angriffes. Im Staate Indiana spielt sich jetzt ein großer Prozeß ab, in welchem irische Katholiken des Mordversuches angeklagt sind, weil sie auf den ehemaligen Priester Rudolph, der sehr feindselige Vorträge gegen den Katholizismus hielt, schossen. Der Vortragende hatte übrigens, als er den Saal betrat, zwei geladene Revolver in der Hand, die er während des Vortrages immer auf seinem Pult liegen ließ. Ein geladener Revolver gehört übrigens — beiläufig gesagt — genau so zu den Utensilien des Aankee, wie bei uns ein Federmesser oder eine Cigarrentasche. Ein anderer lecturer, ein irländischer Expriester, Namens Slattery, hielt mit seiner Frau, einer ehemaligen Nonne, hier Vorlesungeir gegen den Katholizismus unter beit Auspizien der American protective association (Gesellschaft zum Schutze amerikanischer Einrichtungen). Wenn man die Verurtheilung wegen Beschimpfung des heiligen Rockes in Trier oder die des westfälischen Pastors Thiimmel wegen seines Ausspruches über das katholische Altarsakrament als Maßstab anniinmt, so müßte Slattery Methusalems Alter erreichen, um alle die Kerkerstrafen abzusitzen, die ihm für einen seiner Vorträge in Deutschland diktirt wordeir wären. Die Katholiken unterbrachen wohl hier und da diese Vorlesungeir, versuchten auch einmal de» abgefallenen Priester auf der Straße zu mißhandeln, aber ihr wirksamster Schutz war die Eutrüstung aller echt amerikanischen Bürger, die intelligentesten protestantischen Priester mit inbegriffen, die gegen die Verhöhnung der Gefühle ihrer katholischen Mitbürger laut Protest erhoben und erklärten feinen anderen Kampf gegen Katholizismiis zu kennen, als den gegeil Intoleranz, ob sie jetzt von römischer Seite oder von Seiten bigotter protestantischer Sekten gepredigt werde. Diese nur aus der Basis der Treiinnng von Staat »nd Kirche mögliche liberale Anschaunng hat aber einen doppelten Vortheil. Sie gestaltet nicht nur das gegenseitige Verhältniß der Anhänger verschiedener Konfessionen freundlicher, sie erzieht auch die engherzigen Bekenner einer Religion zu freieren Anschauungen. Das letztere sehen wir innerhalb des amerikanischen Katholizismus in einer Weise, die aiich für uns Inden belehrend sein könnte, in der Auffassung über Bibclkritik. I» dem Aprilhefie der „Contemporary Review" beklagt ein katholischer Autor die gleichgiltige oder feindselige Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Bibelkritik. „Während man uns," führt er ans, „immerwährend das Lied vorsingt, daß die katholische Kirche von Gott gestiftet ist »ud nicht von der Autorität eines Buchstabens abhängt, verschließt man uns den Zutritt zu den biblischen Wissenschaften, präparirt für uns katholische Wörterbücher, setzt auf unsere Lehrstühle Männer, die nicht einmal hebräisch lesen können, die die kritischen Fragen umgehen oder einfach leugnen. Man sagt uns auch, die Bibelkritik habe nichts geschaffen und es sei gar nicht der Mühe iverth, sich daniit abzugeben, während doch trotz aller Widersprüche im Einzelnen feststeht, daß Moses nicht im 15. oder 16. Jahrhundert v. Chr. den Pentateuch verfaßt haben kann, daß Deuteronomium Ziir Zeit Jojiahs verfaßt sein muß, daß ein großer Theil von Jesaia nachexilisch ist, daß Daniel im Jahre 164 v. Chr. geschrieben worden sein »»iß, daß die Psalmen nicht von David herrühren und gerade diejenigen, welche historische Ereignisse aus Davids Leben an der Spitze tragen, wie die Empörung Absnlons, ans inakkabäischer Zeit stammen, daß die geschichtlichen Berichte der Bibel sich untereinander widersprechen, und daß Job, Jonah, Esther, Judith und Tobias religiöse Romane sind." Ja, der Autor geht noch weiter und sagt: Während wir auf der einen Seite Gott für die unsterbliche

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