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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-07 · Heft 27 (7.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 27 (7.7.1893)
Date
1893-07-07
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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57. Jahrgang. Ar. 27. Gerlin, 7. Juli 1893. aelitischen nslehrer am 1889—1893. katechetischen vegen seiner : getroffenen neuliche Er- Von dem ibel wechselten, schreitet er Aufgabe, jtigung des mswürdigste itteln. Der erhöht, daß aß die aus jipien scharf ch passende, Ausstattung ufpreis alle I. Unger. emen Essay Verse gectt fßljn-em m9 an von Scherz „«d '""de seiner "E ernstlich ’er Verstän- °ch Schiller ' Rabbiners »>>ch daher 'ben. einen legung dem N'N Dr. K. ^'That nur v> i'ncht XJ schaweh -i^ei, muß.- inoam hieß »Kanah '4 «veniger '"»re (ibid, er J&schaw oucfj eitterurrd a$u tärsison_ überall, wo wird, Qfyeoxie ntttg bctfüx fotymäfcig -ch letzteres ^lge, durch als bewürbe für chkig Dank . Prediger. Der Gemeindebote. Weilage zuv „Allgemeinen Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 5. Juli. Die antisemitischen Abgeordneten des neuen Reichstages sind: 1. Ahlwardt (Arswalde, Neustettin), 2. Liebermann v. Sonnenberg (Fritzlar), 3. Gräfe (Bautzen), 4. Böckel (Marburg), 5. Werner (Hersseld, Rinteln), 0. Leuß (Eschwege), 7. Zimmermann Alsfeld, Dresden), 8. Köhler (Gießen), 9. Hirsche! (Bensheim), 10. Klemm -Dresden-Neustadt), 11. Lieber (Meißen), 12. Hänichen (Tharandt), 13. Lotze ,Pirna). Dazu kommen noch verschiedene antisemitisch gefärbte Abgeordnete, wie Baron v. Langen (Stralsund), der „Nährvater AhlwardFs", Jakobstotter (Erfurt), Dr. Sigl (Kehlheim) u. A. — Ahlwardt hat in Neustettin abgelehnt, wo Prof. Förster kandidiren wird, Zimmermann in Dresden und Werner in Rinteln. Ob es den Bemühungen der gegnerischen Parteien in den drei Nachwahlen gelingen wird, die Antisemiten aus einem dieser Wahlkreise herauszubringen, bleibt abzuwarten. Am ehesten würde dies in Hofgeismar - Rinteln - Wolfhagen möglich sein, wo die Nachwahl für den 12. Juli festgesetzt ist, wenn sich die Parteien rechtzeitig über einen Gegenkandidaten einigen würden. — Im Uebrigen erhalten wir von hochachtbarer Seite mit Bezug auf die letzten Wahlen das nachfolgende Schreiben: „Berlin, 28. Juni. Mit der größten Befriedigung können die Antisemiten auf die nun beendigten Wahlen zurücksehen. Zwar nicht 500,000 Stimmen, wie sie flunkern, und wie die Berliner liberalen i Zeitungen gläubig Nachreden, wohl aber 280,000 Stimmen sind für sie abgegeben worden. Jndeß nicht das ist das Schlimmste, sondern daß sie; in beinahe allen Stichwahlen, an denen ihre Kandidaten betheiligt waren,; den Sieg davon trugen und so die Zahl ihrer Reichstagsmitglieder auf! siebzehn gestiegen ist. Die Schuld an diesem unverhältnißmäßigen Erfolge liegt zum Theile bei der „Freisinnigen Volkspartei". Nicht allein gegen die Sozialdemokraten — was noch zu entschuldigen wäre — haben die Freisinnigen, wie in Sachsen, für den Antisemiten gestimmt, sondern auch in Hessen gegen die Nationalliberalen. Wenn in Siegen die Dinge anders verlaufen sind, so liegt das an lokalen Verhältnissen und Persönlichkeiten. Ein solches Verhalten der Freisinnigen ist geradezu schmachvoll. Vergebens haben wir aber in dem Blatte des Herrn Eugen Richter nach einer einzigen Aufforderung an seine Getreuen zur Bekämpfung der Antisemiten gesucht; die „Freisinnige Zeitung", der das Befehlen und Verketzern sonst so gut vom Munde geht, blieb hier stumm. Ein solches Benehmen muß in jüdischen Kreisen gebührend vermerkt werden. Hoffentlich werden dieselben bei den nächsten Wahlen, die vielleicht früher wieder eintreten werden, als man denkt, aus solchen Vorgängen der freisinnigen Parteileitung gegenüber die entsprechenden Konsequenzen ziehen, -n-n." F Berlin, 3. Juli. In der am 29. Juni abgehaltenen Festsitzung der Akademie der Wissenschaften hielt das neuberufene Mitglied der Akademie, Professor Frobenius, die Denkrede auf den im laufenden Jahre verstorbenen Akademiker Kronecker, den bedeutenden Mathematiker. Aus den Nachrichten über sein äußeres Leben sei Folgendes hervorgehoben: 1842 half er als Student in Bonn die Burschenschaft Fredericia begründen. Nachdem er 1845 mit der Arbeit de unitatibus complexis zum Doktor promovirt hatte, bewirthschastete! er ein Gut, um sodann die Leitung eines Bankgeschäfts zu über- - nehmen. Diese geschäftliche Thätigkeit hat ihn nicht verhindert, einer j der ersten Mathematiker unserer Zeit zu werden, besonders erregte j seine Vielseitigkeit unter seinen Fachgenossen Bewunderung Die Berliner- Akademie der Wissenschaften, welche einst einem Moses Mendelssohn die j Mitgliedschaft versagen mußte, hatte bereits durch die Berufung von! Magnus und Ries bewiesen, daß sie über die Vorurtheile ihrer früheren - Periode hinausgewachsen ist. — Unter den Universitätslehrern der z Mathematik befinden sich mehrere Glaubensgenossen in hervorragenden - Stellungen; der seit 6 Jahren an der Universität Königsberg wirkende Professor Hurwitz war bei seiner Berufung zum außerordentlichen Pro- Zeitung des ZuöentHums". feffor erst 20 Jahre alt, der aus Korvno stammende unb ebenfalls in Königsberg ausgebildete Mathematiker Minkowski, Urenkel des Rabbi A. Karliner, löste bekanntlich vor einigen Jahren die mathematische | Preisaufgabe der Pariser Akademie der Wissenschaften, im Alter von 21 Jahren. Wir erwähnen diese Thatsachen, weil sie auf eine Verwandtschaft der Begabung zur Mathematik mit der Ausbildung des Scharfsinns durch die talmndische Dialektik hinzudeuten scheinen.! * Berlin, 2. Juli. Die Gesellschaft zur Förderung des / Chr.istenthums unter den Juden beging gestern ihr 71. Jahresfest. Der Bericht hebt hervor, daß gerade in diesem Jahrhundert die Juden- ' Mission besonders in Aufschwung gekommen sei. 55 Missionsgesellschaften i mit 399 Missionsarbeitern sind thätig, den Juden das Evangelium zu! bringen, was einen Kostenaufwand von 2,000,000 Mark verursacht hat.; Die Berliner Gesellschaft arbeite bereits 70 Jahre und habe in dieser! Zeit weit Liber 000 getauft, Leute aus allen Ständen. Einer derselben! wirkt in Südafrika als Missionar. Im verflossenen Jahre standen 18 Katechumen in Unterricht, 9 davon wurden getauft. Die geistliche Versorgung der Proselyten biete im Ganzen das Bild einer geordneten Gemeindepflege, doch verwahrt sich der Berichterstatter entschieden dagegen, daß es ihm um die Begriindung einer judenchristlichen Gemeinde zu thun sei. Er will einfach nur „taufen". g. Berlin, 4. Juli. Mit Beginn der Schulferien werden auch in diesem Sommer seitens jüdischer Vereine und unter Mitwirkung von verdienten Menschenfreunden zahlreiche schwächliche Kinder der ärmeren Klaffen in Ferienkolonien geschickt. Das Auerbach'sche Waisenhaus hat als Sommerfrische für seine Waisen auch in diesem Jahr das lieblich gelegene Neustrelitz ausersehen; einige Kinder, welchen ärztlicherseits Soolbäder verordnet sind, hat das jüdische Kurhospital inKolbergbereits in Pflege genommen. In diesem bewährten Hause erhalten die Kinder nicht nur leibliche Pflege durch eine geprüfte Oberin (das jüdische Kurhospital in Kolberg verfügt bereits seit langen Jahren über eine in der Krankenpflege in der Berliner Charite ausgebildete Glaubensgenossin), sondern auch religiöse Anregung, da das Hospital eine eigene schmucke Synagoge besitzt, welche von den Badegästen auf Kolbergermünde stets gut besucht ist. Möchten sich dem edlen Werk der Ferienkolonien für die kranken Kinder unserer Glaubensgenossen namentlich in der Hauptstadt recht viele mildthätige Herzen öffnen! o. Jnowraelaw, 4. Juli. Der zu Besuch hier anwesende Erzbisch of v. St ablew ski aus Posen empfing gestern den Besuch des Rabbiners Dr. Kohn. Bei diesem erkundigte sich der Herr Erzbischof sehr leutselig nach den Verhältnissen der hiesigen Gemeinde. Er fragte, ob es hier eine alte Synagoge gebe u. s w. Herr Dr. Kohn richtete an Herrn Erzbischof in Anwesenheit mehrerer Geistlichen, wie des Bischofs, des Probstes u. A., eine Ansprache, die der Erzbischof in äußerst toleranter, vom Geiste wahrer Nächstenliebe getragener Weise erwiederte. Die inhaltsreichen und bedeutungsvollen Worte des Herrn Erzbischofs gipfelten in dem Satze: „Das Christenthum ist eine Religion der Liebe, wir sind daher den Israeliten Liebe schuldig, und möge da kommen, was da wolle, rechnen Sie auf die Pflichterfüllung der Katholiken in meiner Diözese nach dieser Richtung hin, zu jeder Zeit." Mit warmem Händedruck und liebenswürdigen Worten entließ der hohe Kirchenfürst den Rabbiner. * Schwerin, 30. Juni. In Rostock hat es sich heute zugetragen, daß zum ersten Male, so lange die Stadt sich einer Gemeindevertretung erfreut, ein Israelit zum Mitglied dieser Vertretung gewählt worden ist. In einer engeren Wahl der ersten (höchstbesteuerten) Wählerklasse errang der dem israelitischen Bekenntniß angehörende Rechtsanwalt Cohn mit der freilich geringen Mehrheit von 114 gegen 111 Stimmen den Sieg über seinen christlichen Gegner. Um dieses Ereigniß in seinervollen Bedeutung zu würdigen, muß man wissen, daß bis zur Verkündigung des Gesetzes des Norddeutschen Bundes vom 3. Juli 1869, betr. die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher

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