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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-07 · Heft 27 (7.7.1893) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 27 (7.7.1893)
Date
1893-07-07
Page
Seite 324 (sequence 12)
Language
German
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324 ja, zu dem blondhaarigen Mädchen von drüben — eine hoffnungslose Neigung, das weis; er ja wohl —" Wie Bartel in die Thür tritt, huscht etwas zu ihm heran, Dörtle ist's, das sich endlich ein Herz gefaßt hat, weil es ihn gar so schwer hat ächzen hören. „Ja, Bartet," sagt es mit seiner weichen Stimme, „was ist denn auch? Warum stöhnst so gar laut und giebt Dir Deine Mutter so harte Worte? M die Zeit Hab i da schon gekauert — sag's auch, wenn Du kannst —" Er zieht sie vom Häuschen weg dem Garten zu. „Du bist's, Dörtle — ach. Du!" „Ja freilich, Bartel! Und wer soll's denn sonst sein! Und red nur geschwind. das mncht's Herz leichter —" „C, das; Du's gcrad bist!" Er läßt ihre Hände nicht los, der Mond ist herauf gekommen und zeigt ihr sein bleiches Gesicht, seine Augen suchen die ihren. „Ich Hab ja auch was zu Dir sagen wollen, Bartel," plauderte sic. „'s hat mi gedruckt, all die Zeit her schon. Mit dem Berspruch ist's nun z» Recht!" „Ist's?" lacht er höhnisch auf. „Freilich, voll und recht — aber 's ist mir gar öd und blöd drinnen gewesen, es hat mi hinaus getrieben zu Dir." Bartel läßt mit einenr plötzlichen Ruck ihre Hände los und es ist, als will er sic von sich stoßen. „Nun, dann ist's gut — recht gut, Dörtle!" „Was-? Mit dem Berspruch?" fragt sie. „I find's gerad wie sonst auch, nit um ein Härle anders! Aber nun red', warum Du Ti mit der Mutter verzürnt hast?" „Was sollst's nit wissen!" ruft er bitter. „Sie hat mir eine Braut geben wollen und ein Haus und Geld dazu — und ich — ich will's nicht! Sag, Dörtle, bin ich nit ein Gimpel?" Sie schaut ihn treuherzig an und schüttelt langsani den Kopf. „Warum willst nit, Bartel?" „Weil ich einer Andern gut bin!" „„Und die ist Dir auch — gut?" fragt sie zögernd. „Die, o »ein, die hat sich schon mit einem Gimpel versprochen, heut erst!" Das Dörtle legt die Hände über einander, hebt und dreht das Köpfchen, als müßte sie den Mond da oben um Rath fragen, und dann faßt sie plötzlich den Ar», des Bartel und ganz heiser klingt ihre Stimme: „Bartel, um Gottes Barmherzigkeit willen, bin i die Dirn?" „Das fragst noch?" stößt er rauh heraus. „Bartel — Bartel", nun will ihre Kraft verlöschen: „Das sagst mir jetzt erst — heut —'' „Was sollt's denn auch eher." „Heut," stammelt sie, „wo Alles zu spat ist? Wo's zu Recht geworden ist mit dem Berspruch? D, Bartel!" Er lacht wieder so wunderlich. „Dirn, sei doch gescheidt! Was hätt's denn genützt, wenn ich davon geredet Hütte? Hättest den Tanzelesjud nimmer nehmen dürfe» — Tu gehörst dem Christoph, Keinem sonst." Sie hält sich bebend an dem Zaun. „Wenn i das gewußt hätt — das!" flüstert sic. „Run, wisse» hättest's auch können —Hab ich Dich nit geküßt?" „Freilich!" Sie stehen still neben einander, dann sagt Dörtle: „Und eine Nos' hast mir geben, wie in dem Lieble — i hätt's freilich wissen sollen — und noch mehr, Bartel!" „Noch mehr?" (Forts, folgt.) Litterarifche MrttheUnngen. Lehrbuch der mosaischen Religion und der israelitischen Geschichte. Von Rabbiner Dr. Nathan Grün, Religionslehrer am k. k. Staatsgynmasium in Prag. Heft I bis IV. Prag, 1889—1893. Jakob B. Brandeis. Abgesehen von der nicht zu empfehlenden katechetischen Form des ersten Heftes darf das vorliegende Lehrbuch wegen seiner ganzen Oekonomie, d. h. wegen der mit pädagogischem Takte getroffenen Auswahl und Gruppirung des Lehrstoffes, als eine recht erfreuliche Erscheinung im Bereiche der Schullitteratur begrüßt werden. Von dem Streben geleitet, Religion und Geschichte, die sich in der Bibel wechselseitig durchdringen, in enger Verbindung mit einander zu lehren, schreitet der Verfasser muthig und unentwegt an die Lösung seiner Aufgabe, indem er, als versirter Schulmann, unter steter Berücksichtigung des Bildungs-Niveaus seiner Zöglinge bemüht ist, ihnen das Wissenswürdigste in knapper, durchsichtiger und leichjfaßlicher Form zu vermitteln. Der Werth des Buches wird auch durch den Umstand wesentlich erhöht, daß darin wichtige Bibelstellen im Wortlaute erscheinen, daß die aus den entrollten Geschichtsbildern sich ergebenden Moralprinzipien scharf hervortreten und für das Gedächtniß der Schuljugend durch passende, kurze Bibelverse festgehalten werden. Die typographische Ausstattung des Buches verdient im Hinblick auf dessen bescheidenen Kaufpreis alle Anerkennung. Jglau. Rabb. Dr. I. I. Unger. d Sprechfaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! Herrn Dr. Kisch in Prag bin ich für die, meinem kleinen Essay über in unseren heiligen Büchern vorkommende metrische Verse gewidmete Beachtung wohl dankbar, würde es aber in noch weit höherem Grade sein, wenn der Herr Rabbiner jenen nicht, in Erinnerung an von ihm in der Jugend vorgenommeue ähnliche Versuche, mehr als Scherz und gewissermaßen Kinderspiel, wozu Gottes Wort, zumal im Munde seiner Verkünder, sich wohl am schlechtesten eignen dürfte, denn als ernstlich gemeinte Idee behandelt hätte. „Und was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth", sagt doch Schiller in seine:: „Drei Worten des Glaubens", und ich an des Herrn Rabbiners Stelle — freilich de gustibus non est disputandum — würde mich daher unlsomehr oder besser mit kindlicher Herzlichkeit gefreut haben, einen frühzeitig in mir aufgetauchten Gedanken durch exakte Darlegung dem Reiche der Träume enthoben zu sehen. Unter den von Herrn Dr. K. mitgetheilten Pi vben seines jugendlichen Scharfsinns ist in der That nur der Hexameter (Jos. X, 12) plausibel, der Pentameter (Judic V, (nicht X] 12) dagegen doppelt inkorrekt, weil es nicht weschaweh, sondern nur schaweh heißt und nach der grammatischen Regel über „Schwa na" heißen muß: und anderntheils Barak's Vater nicht Awinam, sondern Awinoam hieß und auch im betr. Verse so genannt wird, und mit solchem „Kanah rajuz" können doch meine Anführungen weder verglichen, noch weniger beiseite gestoßen, sarkastisch abgethan werden! Treffender wäre (ibid. V. 17) ein, wenn auch etwas defekter achtfüßiger Jambus: Äscher jaschaw lechof jammim weal rnifrozow jischkon. Uebrigens habe ich auch einerseits nicht blos regelrechte Daktylen, sondern auch sechs- und achtfüßige Jamben beigebracht und andererseits so wie — saus comparaison — Rabbi Jochanan für seine sinn- und lehrreiche Sentenz: daß überall, wo Gottes Erhabenheit gepriesen, auch seine Herablassung gerühmt wird, auch aus allen drei Theilen des „T'nach" Beispiele für meine Theorie angeführt sowie beiläufig eine, wie ich glaube, nicht üble Erklärung dafür gegeben, daß es in Torah, Nebiim und Kllubim immer gleichmäßig heißt: 03si wesimrath und nicht wesimrathi, weil nämlich durch letzteres das jambische Metrum durchbrochen würde. Ich frage demzufolge, durch Herrn Dr. Kisch's flüchtig hingeworfene Zeilen nichts weniger als belehrt und befriedigt, von Neuem: Zufall oder Absicht? und würde für eine ernste, wohlerwogene, der Ironie bare Antwort aufrichtig Dank wissen. Berlin, 21. Juni. Dr. M. Stern, emerit. Prediger. Druck und Verlag von Rudolf Mos je in Bertm. Verantwortlich für die Redaktion Mar Bauchwitz in Berlin

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