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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-07 · Heft 27 (7.7.1893) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 27 (7.7.1893)
Date
1893-07-07
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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316 Preuße». 1. Beer. Wilhelm Banquier, Herrenhaus-Mitglied für Preußen. 2. Brühl. Buchhändler. 3. Cohn Dr.. Stadtrath. 4. Freund. Justizrath. 5. Friedländer, Dagobert. Stadtrath. Herreuhaus-Mitglied für Preußen. 6. Hirsch. Stadtrath, 7. Jacobi, Dr.. Johann. Arzt. 8. Kosch. Dr.. Raphael Jakob. Arzt. 9. Laster. Dr.. Eduard. Advokat. Auch einmal in Meiningen gewählt. 10. Löwe, Ludwig. Fabrikant. 11. Mendel. Professor Dr.. Arzt. 12. Reicheuheim. Ferdinand. Fabrikant. 13. Reicheuheim, Leonor, Kommerzienrath. 14. Rothschild, Karl Mayer von, Banyuier. Mitglied des prenß. Herrenh. und des deutschen Reichstages. 15. Sabor, Adolph. Lehrer. 16. Singer. Paul, Fabrikant. 17. Sonnemann. Leopold, Herausgeber der Frankfurter Zeitung. 18. Stadthagen. Arthur, Advokat. 19. Stern. Dr.. Joseph. Redakteur. 20. Straßmaun, Tr.. Wolfgang. Arzt. 21. Beit, Dr., Moritz. Buchhändler. Mitglied des preußischen Herrenhauses. 22. Marburg. Dr.. Moritz. Justizrath. Bayern. 23. Adler, Dr.. Notar. 24. Arnheim. Dr.. Advokat. 25. Frankenburger. Wolf. Justizrath. 26. Gunzenhäuser. Wolf. Justizrath. 27. Heule, Tr.. Advokat und königl. Hofrath. 28. Levi, Rentier. 29. Maison, Konnnerzienralh. 30. Morgenstern. Dr.. Fabrikant. Hessen. 31. Bamberger, Dr.. Ludwig. Rentier. 32. Bamberger. Rudolph. Banyuier. 33. Edingcr, Markus, Fabrikant. 34. Hirschhorn, Kaufmann. 35. Wolfslehl. Otto. Banquier. Freie Stadt Hamburg. 36. Ree.Dr..Aut..Schuldirektor. 37.Wolfsohn,Dr..E..Advokat u. Notar. 38. Rießer. Dr.. Gabriel. Obergerichtsrath. Sachsen. 39. Goldschmidt. Dr.. Professor des Handelsrechtes. 40. Kaiser. Max, Kaufmann. 41. Lehmann. Emil, Advokat. A »hall. 42. Hagelberg. B.. Kaufmann. 48. Herz. Isidor, Kommerzienrath. 44. Philippson. Dr. Gustav. Rabbiner. Reuß j. L. 45. Hirsch. Dr . Max. Schriftsteller. Auch einmal in Bitterfeld gewählt. 46. Oppenheim, Dr.. H. B.. Privatdozent. 47. Wurm. Emanuel, Schriftsteller. Brannschweig. 48. Aronheini. Dr.. Adolph. Advokat. 49. Jüdel. I.. Banquier. Baden. 50. Kusel. Dr.. Advokat. Mecklenburg. 51. Marcus, Dr.. Lewis Jakob. Advokat. Württemberg. 52. Pfeiffer, Dr.. Eduard. National-Oekonom. Unter dm Genannten sind 21 Kanflente, worunter einige mit akademischer Bildung. 18 Juristen, 4 Schriftsteller und Redakteure, 4 Acrzte, 2 Lehrer, 2 Nationalökonomen und 1 Rabbiner. Bon den Einzelstaaten treffen auf Preußen 22. Bayern 8, Hessen 5, Hamburg 3, Anhalt 3, Sachsen 3, Reuß j. L. 3, Brannschweig 2, Baden 1, Mecklenburg 1 und Württemberg 1 jüdischer Abgeordnete. Die Reichslande haben bisher noch keinen jüdischen Abgeordneten entsendet. Tie genannten Personen gehörten theils der konservativen nnd sozialdemokratischen, theils der freisinnigen und nationalliberalen Partei an. Sie wurden zum Theil ununterbrochen gewählt und starben als Abgeordnete, zum Theil ließen sie sich nicht mehr wühlen oder fielen durch. Wir finden unter ihnen Männer, deren Beruf, Drang nnd Bildungsgang sie niit den öffentlichen Angelegenheiten in nahe Bcrbindnng brachte, und solche, denen das Amt an sich fern liegt und die ihm nur zeitweise obliegen. Im konstitutionellen Leben kommt es darauf an, daß Männer aus allen Klassen und Berufen des BolkeS vertreten sind, und so ist es erklärlich, daß nicht nur politische Charaktere gewühlt lvurden. Wir finde» neben Rießer, Jacobi, Laster, Bamberger die Namen Reichenheim, Wolfskehl u. s. w. Die große Anzahl jüdischer Abgeordneter in 47» Jahren zeugt von dem hervorragenden Antheil, den die Inden am politischen und parlamentarischen Leben nehmen. Sie zeugt aber auch von ihrer Begabung, ihrem regen Eifer, ferner von dem Vertrauen der Wühler. Wir blicken auf Namen, deren Träger eine reiche und heilsame Thätigkeit entfaltet haben, die auf der Höhe ihrer Aufgabe und ihres Ansehens gestanden, die den lvichtigsten Kommissionen angehörten. Marens >var Ehrcnbiirger der Stadt Schwerin und Vizepräsident des Landtages in Mecklenburg, als solcher nahm er den Schwur des Landesherrn auf die Verfassung entgegen, Wolfskehl, Vicepräsident im Landtage von Hessen. Einzelne, wie Dr. Max Hirsch, Arnheim, wurden in Bezirken (Bitterfeld und Hof) gewählt, wo fast gar keine Juden wohnten. Friedläuder vertrat die Stadt Bromberg in, preußischen Herrenhause, Beer und Rothschild wurden von König Wilhelm I. in dasselbe berufen. Arnheim war, wie Frankenburger und Andere, Abgeordneter bis zu seinem Tode; die Gesetzsammlungen in Bayern bewahren in vielen auf seinen Antrag beschlossenen Gesetzen Denkmale seines Wirkens. Frankenburger war 20 Jahre im bayerischen Landtage und 4 Jahre im Reichstage. Ta Prinzregent ließ auf seinen Sarg einen Kranz legen. Jacobi kämpft, als Mitglied der preußischen Nationalversamlung, des deutsch», Parlamentes, des preußischen Landtages und des deutschen Reichstages mit solcher Unerschrockenheit für die Freiheit, daß er mehren Mal angeklagt und verurtheilt wurde. Kosch war erster Vicepräsident der preußischen Nationalversammlung, vertrat die Stadt Königsberg 11 Jahre im preußischen Landtag, starb als Abgeordneter und tut gleich Arnheim, Rießer u. A. mit seltenem Freimuthe für die Rech,, der Juden ein. Laster war die Verkörperung des Rechts urd der Gerechtigkeit, voll patriotischer Begeisterung. Sechsmal in dr, Reichstag gewühlt, wirkte er 18Jahre im öffentlichen Leben Deutschland-. Er gilt als einer der bedeutendsten Mitarbeiter an der einheitlichen deutschen Gesetzgebung, an der deutschen Rechtseinheit. Morgen stern widmete sein ganzes Leben der gesetzlichen Freiheit, opferte ibc sogar seinen Beruf, und es ist ihm zu verdanken, daß die Vorlage der Regierung Ende der 40er Jahre, den Juden das Wahlrecht zu nehme,,, verworfen wurde. Rießer zählte zu den hervorragenden Mitarbeiter,, am deutschen Verfassungswerke, indem er für die Freiheit, Einheit uns Unabhängigkeit Deutschlands unverdrossen kämpfte. Als Mitglied uns Vicepräsident des deutschen Parlamentes glänzte er durch sein,,, klaren Geist und den Adel seiner Gesinnung. Sein Andenken an- Vorkämpfer für die Rechte seiner Glaubensgenossen wurde durch ve, schiedene Stiftungen geehrt, auch in hiesiger Gemeinde besteht eine Rießer - Stiftung für israelitische Studirende. Das ersprießlickc Wirken Veit's, Lowe's, Straßmann's und Anderer ist den Leser,, dieser Zeitung sicherlich bekannt, ebenso wird es in deren Gedächtnis, sein, wie allgemein dem Bedauern Ausdruck gegeben wurde, daß Ludwig Bamberger, dessen Namen mit der delitschen Münzreforr, eng verkllüpft ist, eine Wiederwahl für Bingen-Alzey, das er seit 1874 im Reichstage vertrat, abgelehnt hat. Glänzende Namen, eine stattliche Anzahl trefflicher Männer sin das parlamentarische Leben sind aus bein Schooße der Judenhen hervorgegangen. Gegenwärtig ist der Antheil auf ein bescheiden,- Maß beschränkt. Vor 40 Jahren hat man es freudig begrüßt, wein, Juden durch Bildung und Patriotismus sich auszeichneten. Heut, sieht man es nicht gern, wenn sich Juden im öffentlichen Leben auszeichnen, man heißt dies vordringlich sein. Es ist bahu begreiflich, wenn sich jüdische Kräfte dem parlamentarischen Lebet, entziehen, einestheils, weil sie geringe Aussicht haben, gewähu zu werden, andererseits, weil sie den doppelten Theil Undank ernten, der den Parlamentariern in Deutschland zugedacht ist, ein Unda»,. der im Falle der Opposition von oben wie von unten ausgehl. Wollen wir bessere Zeiten abwarten, Zeiten, in welchen wieder die Erkenntniß zum Durchbruch gelangt, daß es eine Versündigung an der Menschheit ist, dem Dienste derselben der Konfession wegen aua, nur eine befähigte Kraft zu entziehen. Uns wird es stets zun Stolze gereichen, daß es dem jüdischen Stamme nie an Männern gefehlt hat, tvelche einen bildenden und belebenden Einfluß ausgeüln. sich mit aufopfernder Theilnahme an den Aufgaben der öffentliche» Wohlfahrt betheiligt und als lautere, unantastbare Charaktere bewährt haben.

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