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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-30 · Heft 26 (30.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 26 (30.6.1893)
Date
1893-06-30
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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ÄerUn, 30. Zuni 1893. Der GemeLndebote. ohne irgeiidl Zeiger an bc J 57- Jahrgang. Nr. 26. mbe in feineL gmg cr> *g$e%la&e zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLhums". nicht wiedcii unde, in bctl > rang | > weinte ti( Die jüngere.,, verbüßt ttub | Mit sich fl>|: ze kommen?, m Benschen^ gen? in ber zum nn bie noch ersuchte beit ht ben F„>; und er [ i rloren! Or kehrten zum daselbst lgstens u> eine ng ans, bei (beim imu! llen — bei: Ende war hinaus »iib o wendeten ere gingen murmelten Psalmen, ie auf Toi) s;t: Tillinn chsten B erhaben soll ich meineis und eiin viger. Goti gen sie der nein Blute ) die „Erdasz der > in letzter achte. örüger ihn m. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 25. Juni. Am 23. d. M. starb hier nach kurzem Krankenl,ic*cr Prof. Dr. Wilhelm Zuelzer, Dozent in der medizinischen F akultät der Berliner Universität. Zuelzer zeichnete sich durch Vielseitigkeit d. .! wissenschaftlichen Interesses aus. Er beschäftigte sich auch mit weniger beachteten Disziplinen der Medizin, wie mit der Medizinal-Statistik und r Lehre von der Akklimatisation. In jüngeren Jahren nahm er mehrfach Wissenschaftliche Fragen in Angriff, die in ihrer vollen Bedeutung erst der Gegenwart erkannt worden sind. Im Jahre 1834 zu Breslau s. boren, erhielt Zuelzer seine Schulbildung in seiner Heimathstadt. Eben b i l machte er auch vornehmlich unter Reichert und Frerichs seine Umoersitätsstudien, die er 1858 zum Abschlüsse brachte. Seine praktische! aufbahn begann Zuelzer als Hilfsarzt am Allerheiligen-Hospital xit Breslau. In Berlin faßte Zuelzer 1864 festen Fuß, um dauernd hier nverbleiben. Etwa zwei Jahre darauf, im Sommer 1667, habilitirte r sich bei der Universität als Privatdozent. Zu seinem Lehrgegenstande i ählte er zunächst die Hygiene mit Einschluß der Medizinalstatistik. Die abilitation Zuelzers war ihrer Zeit nicht ohne Bedeutung. Die Hygiene big damals, was den Universitäts-Unterricht angeht, noch ganz brach. | v.'on allen deutschen Universitäten hatte damals nur München einen Lehruihl dafür. In Berlin war Zuelzer der Erste, der sich dieser Disziplin mahm. Erst in neuerer Zeit hat er Vorlesungen über Nieren- und rwandte Krankheiten, sowie einschlägige chemische Kurse ausgenommen, 'esonders zu vermerken ist, daß Zuelzer von 1871 bis 1877 leitender brzt der inzwischen eingegangenen Pocken-Abtheilung der Charitee war. beirre Berufung dazu steht damit irr Beziehung, daß sich Zuelzer viel ,iit der Seuchenlehre und der Lehre von den ansteckenden Krankheiten [ offchäftigte. Eine andere Gruppe von Forschungen Zuelzers betrifft die Mffiologische und pathologische Chemie. Verdienstlich war der Eifer, j uit dem Zuelzer öffentlich im Interesse der Medizinalstatistik und der Gesundheitspflege wirkte. Den Profeffortitel führte Zuelzer seit 1865. ib90 begründete er in der Johannisstraße das „Johanneum", das er j mr Aufnahme von Polikliniken, Laboratorien und verwandten Anstalten! eßimmte. Zuelzer war in seinen wiffenschastlichen Arbeiten und Aufastungen von einer gewissen Originalität, und dieser Umstand hat ihm uanche literarische Fehde zugezogen. Ein Mitglied der bekannten alten Breslauer Burschenschaftsverbindung „Raczek", ist Zuelzer sein ganzes beben lang ein treuer Bekenner der liberalen Grundsätze geblieben, für -.-eren Verwirklichung er in seiner Jugend geschwärmt hat. Er war ein vielfach gebildeter und anregender Mensch, ein äußerst witziger Kopf und angenehmer Gesellschafter. Er gehörte zn den in den besten Kreisen der Berliner Gesellschaft vielfach gesuchten Aerzten. g. Berlin, 25. Juni. Der Verein „Esra" zur Unterstützung der ackerbautreibenden Juden in Palästina und Syrien" hat in letzter Zeit eine rege propagandistische Thätigkeit entwickelt. Am 21. d. M. i-eging der Berliner Lokalverband Hierselbst im Weimannschen Volksgarten ntf dem Gesundbrunnen sein diesjähriges Sommerfest, zu dem die Mitglieder mit ihren Familien und zahlreichen Gästen aus allen Stadttheilen ik'rbeigeeilt waren; es waren über 5000 Personen anwesend. Der Himmel egünstigte dieses Mal mehr als im vorigen Jahre das für die Propaganda des Vereins wichtige Fest. Infolge der begeisternden Ansprachen ser anwesenden Vorsteher und Ehrengäste traten viele neue Mitglieder dem Verein bei. Zur Belustigung der bereits am Nachmittag zahlreich allwesenden Kinderschaar waren Gesellschaftsspiele arrangirt, ein Marionettentheater rief lebhafte Heiterkeit durch seine drolligen Darbietungen hervor. Gegen Abend begannen die Theateraufführungen für die Erwachsenen. Die Vorträge eines vorzüglich geschulten Männergesangvereins belebten die Stimmung, welche bereits durch die den ernsten Zielen des Verbandes gewidmeten Ansprachen und die gelungenen Arrangements eine so gehobene war, daß man die Bitternisse der Zeitströmung im Hinblick auf die durch das Fest unseren bedrängten Brüdern werdende Hilfe gern vergaß. Als es dunkelte, begann die Vorführung eines prächtigen Feuerwerks. Das gelungene Fest wird dem „Esra" viele neue Freunde und thalkräftige Mitarbeiter zuführen. F. Berlin, 27. Juni. Auf Verfügung des Amtsgerichts I vom 17. dss. Mts. wurde gestern in der Antisemitischen Buchhandlung Krausenstraße49 der „politische Bilderbogen 8" mit der Unterschrift: „In Deutschland hausen Cahn und Cohn! Caprivi ist ihr Schutzpatron!" beschlagnahmt. Die Beschlagnahme erfolgte wegen Vergehens gegen den § 185 des Strafgesetzbuchs. In demselben Geschäft wurde gleichzeitig die Schrift: „Pharisäer und Heuchler die Stützen des Staates" beschlagnahmt, nachdem das erste Exemplar 6 Stunden vorher in der genannten Buchhandlung zur Ausgabe gelangt war. Der leitende Beamte erklärte sich durch Vorzeigung einer Depesche zur Ausübung der Beschlagnahme für befugt. Der zwei Stunden später einlaufende, vom Amtsgericht I Abth. 125 ausgefertigte, die Beschlagnahme anordnende Beschluß stützt sich darauf, daß die Schuft Vergehen gegen § 185, 186, 187 des Reichs-Strafgesetzbuchs, gegen § 20 des Preßgesetzes und § 94ff der Strafprozeßordnung für das deutsche Reich enthalte. * Berlin, 27. Juni. Hiesige Blätter melden in ihrem Lokalbericht das Folgende: Zwei vergebliche Selbstmordversuche machte gestern Nachmittag ein junger russischer Auswanderer auf dem Bahnhof Pankow. Er warf sich zweimal vor einen einlaufenbcit Zug und wurde beide Male noch rechtzeitig von den Schienen weggerissen. Der Selbstmordkandidat wurde vor den Amtsvorsteher in Pankow gebracht, wo er unter Thronen angab, daß ihn Hunger und Noth zu dem Selbstmordversuch getrieben hätten. Er ist ein junger Israelit aus einem kleinen Städtchen im Innern Rußlands und war von gewissenlosen Agenten veranlaßt worden, nach Amerika auszuwandern, wo es ihm so schlecht ging, daß er nach der Heimath zurückzukehren beschloß. Von Hamburg bettelte er sich 51t Fuß nach Berlin durch. Hier ist er mehrere Tage obdachlos gewesen; der Aermste ist jetzt nach seiner Heimath abgeschoben worden. — Weit über den Nahmen des Lokalberichtes hinaus hat diese Notiz eine wahrhaft tragische Bedeutung. Wir möchten daran die eindringliche Warnung vor dem Auswanderungsfieber an unsere östlichen Glaubensgenossen knüpfen und bitten alle jüdischen Blätter in Rußland um Weiterverbreitung dieser Warnung. * Berlin, 25. Juni. Der städtischen Heimstätte für Wöchnerinnen in Blankenfelde hat Herr Kommerzienrath Arons einen Fonds von 20,000 Mark überwiesen und dadurch den Magistrat in die Lage gesetzt, in größerem Umfange Freistellen an bedürftige Wöchnerinnen vertheilen zn können, als es bis jetzt der Fall war. Derselbe Herr hat auch die städtische Heimstätte für genesende männliche Personen in Blankenburg durch frühere Zuwendungen in die Lage gesetzt, einer größeren Anzahl bedürftiger Personen kostenfreie Aufnahme zu gewähren. Herr Kommerzienrath Arons gehört auch dem Kuratorium der letzteren Anstalt an. Obwohl diese humanitären Einrichtungen interkonfessionell gestiftet sind, ist es doch von hohem Werth, damit auch bedürftige Israeliten der Wohlthaten derselben theilhaftig werden können, daß Männer von Rang und Stellung aus unseren Reihen an der Verwaltung solcher Institutionen thätigen Antheil nehmen. E. Bromberg, 27. Juni. Der .Kreis Bromberg ist kein Boden für den Antisemitismus; die antisemitische Propaganda findet hier erfreulicher Weise keine genügenden Anhänger. Zwar giebt es auch hier, wie fast überall, einige Agitatoren, die sich bemühen, Unfrieden zwischen den einzelnen Konfessionen zu säen, aber sie haben bis jetzt nichts erreicht und wir wollen hoffen, daß es immer so bleiben wird. Nur den Bemühungen dieser Herren sind auch die antisemitischen Kandidaturen in unserem Wahlkreise bei der jetzigen Reichstagswahl zu danken; Liebermann von Sonnenberg und Ahlwardt, Beide waren von ihnen aufgestellt und Beide zusammen haben noch nicht einmal 40 Stimmen erhalten. Die Aufstellung war ein Experiment, welches total mißglückte, die Kraftprobe war ein großartiger Reinfall; mit dieser Erkenntniß können die hiesigen

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